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14.–25. Februar: XX. Parteitag der KPdSU; Chruschtschow leitet Entstalinisierung ein.

30.–31. März: Ein Münchner Verlag (50 Beschäftigte) macht Betriebsausflug im Flugzeug nach Venedig.

23. Juni: Gamal Abdel Nasser ägyptischer Staastpräsident

28. Juni: Polen: Posener Arbeiteraufstand von Militär niedergeschlagen.

7. Juli: Gottfried Benn †

21. Juli: BR: Wehrpflichtgesetz.

26. Juli: Nasser verstaatlicht den Suezkanal.

14. August: Bert Brecht †

16. Oktober: Franz Josef Strauß Bundesverteidigungsminister (Mai 1961 »Fibag-Affäre«, Oktober 1962 »SPIEGEL-Affäre«. Ablösung durch K.-U. v.Hassel).

17. Oktober: Erstes Groß-Kernkraftwerk im Betrieb (Calder Hall. Großbrit.).

23. Oktober–11. November: Ungarn. Aufstand unter Imre Nagy von Sowjettruppen niedergeschlagen. Imre Nagy später hingerichtet.

29. Oktober: Israel besetzt Sinaihalbinsel.

31. Oktober: Englische und französische Luftangriffe auf Ägypten.

Netto-Einkommen der Privathaushalte i.d. BR: 108.4 Milliarden DM (1951: 67.8 Milliarden DM).

In der »Märkischen Volksstimme« (DDR) wird eine Bekanntmachung für Krebskranke unterschrieben vom Kreisgeschwulstbeauftragten.

Wolfgang de Boor: »Pharmakopsychologie und Psychopathologie«.

Konsum von »Tranquilizern« (beruhigende Psychopharmaka) in den USA: 1 Milliarde Pillen pro Jahr.

Bühne: Erstmals seit 1876 Pfiffe im Bayreuther Festspielhaus zu Wieland Wagners schockierender »Meistersinger«-Inszenierung. Friedrich Dürrenmatt: »Der Besuch der alten Dame«; John Osborne: »Blick zurück im Zorn«.

Bücher: H. v.Doderer: »Die Dämonen«: Wladimir Dudinzew: »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein«; Jürgen Thorwald: »Das Jahrhundert der Chirurgen«; »Die Welt in der wir leben – Die Naturgeschichte unserer Erde« (LIFE), deutsche Gesamtauflage von drei Versionen über 1 Million; Anne Golon: »Angélique«.

Filme: »Krieg und Frieden« (USA); »Baby Doll« (USA, E. Kazan); »Der rote Ballon« (Frankr.); »Der Hauptmann von Köpenick« (BR, Helmut Käutner).

Schlager: »Heimweh« (Freddy). »Love me tender« (E. Presley).

Ich bin Jakob Formann! Herr Prill ist mein Eier-Generalbevollmächtigter!

Wer sind Sie denn?«

Die andere Stimme wurde plötzlich zittrig: »Josef, Herr Formann. Ich bin der Josef Röder, der Chauffeur von Herrn Prill. Bitte tausendmal um Verzeihung … Ich wußte doch nicht … Ich ahnte doch nicht … Bitte, lassen Sie Gnade vor Recht ergehen … Ich bin noch halb verschlafen … Ich … Ich schalte um, Herr Formann. Gute Nacht, Herr Formann …«

Acht Sekunden Rauschen in der offenen Verbindung. Der hat einen gesunden Schlaf, der Wenzel, dachte Jakob, ein Bein über das andere geschlagen, seinen Bauch kratzend. Und eine bildschöne Villa da oben im Taunus. Chauffeur. Großer Mercedes. Hat’s verdient, der Gute. Nach all der Rackerei. Ich habe schließlich auch mein Schloß in Bayern …

»Jakob?«

»Ich hab’ dich geweckt, was?«

»Du blödes A …«

»Entschuldige! Aber ich muß dich anrufen! Ganz wichtig! Gestattet keinen Aufschub! Du mußt dich sofort mit den Leuten in Verbindung setzen, die uns den Bau dieses Großklinikums vorgeschlagen haben …«

»Den hast du doch abgelehnt!«

»Jetzt lehne ich ihn eben nicht mehr ab! Ich werde ja wohl noch meine Meinung ändern dürfen! Nur ein Idiot hat immer die gleiche Meinung. Du nimmst die Verhandlungen auf. Wir bauen ein Großklinikum für alles, was es gibt!«

»Warum?«

»Ich wäre gerade eben beinahe gestorben. Nichts Ernstes, reg dich nicht auf. Aber ich will so was haben. Für den Fall, daß einem von uns einmal wirklich was Ernstes … alle Abteilungen … nur erste Fachleute … Finanzierung besprichst du mit dem Arnusch Franzl … Sieben-d-Gelder, denke ich … So wie bei den Schiffen …«

»Mensch, ein Großklinikum! Weißt du, was das kostet?«

»Klar. Massig. Ich will dir mal was sagen, Wenzel. Hör aufmerksam zu und vergiß es nie: Jakob Formann ist seiner Zeit immer um zwei Schritte voraus. Hast du das gehört?«

»Immer um zwei Schritte voraus. Und?«

»In einigen Jahren werden alle nach solchen Großkliniken schreien! Wir haben eine Verantwortung der Allgemeinheit gegenüber!«

»Seit wann?«

»Was soll denn das heißen? Hast du kein soziales Gewissen?«

»Okay, reg dich ab. Großklinikum also. Ganz wie du wünschst.«

»Wer is’n das, Süßer?« Eine Mädchenstimme!

»Was war’n das?«

»Nix. Hab’ geniest.«

»Schwindel doch nicht! Ein Mädchen hast du bei dir!«

»Na und?«

»Um Gottes willen, sei bloß vorsichtig!«

»Hör mal, das ist ein anständiges Mädchen!«

»Nicht deshalb. Hast du sehr viel zu Abend gefressen?«

»Jakob, du bist auch ganz sicher in Ordnung?«

»Ich spreche als dein Freund, Trottel! Ich, ich hab’ zuviel gefressen und dann gebumst. Und dabei wäre ich fast hops …«

»Wiesoherdenn?«

»Freßasthma. Das ist gar nicht zum Lachen. Mensch, paß bloß auf! Sachen gibt’s! Ach, in diesem Zusammenhang: In unserm Klinikum müssen wir auch ein Institut zur Erforschung aller Arten und Abarten von Vögel …«

»Eh?«

»Von Sex, du Trottel … Sexualpraktiken … Sexualstörungen … Homos … Lesben … Normale … Zwitter … Bi … Es gibt einen solchen Haufen … Und ist so ungeheuer wichtig.«

»Bei dir ist es also losgegangen. Armer Jakob …«

»Mensch, wenn du wüßtest, was ich gerade erlebt habe! Mir wackeln noch immer die Knie … Wie heißt der berühmte Professor in England, der sich auf Sex geworfen hat … jetzt habe ich den Namen vergessen … Fergusson! Den Fergusson mußt du sofort engagieren! Jakob ist seiner Zeit immer um zwei …«

»Mensch, der Fergusson ist eine Berühmtheit! Der hat den Nobelpreis! Der kriegt ein Vermögen bezahlt!«

»Dann bezahlen wir ihm das Doppelte! Widersprich nicht! Tu, was ich sage! Kauf ihn ein, ich verlasse mich auf dich! Wir kaufen alles! Alle anderen Ärzte müßten auch immer die Besten sein! Jakob Formann kauft nur das Beste! Immer! Kapiert?«

»Süßer, wer ist denn dieses Ekel, das uns da mitten in …«

»Halt den Mund! Nein, nicht du, Jakob!«

»Also ich verlasse mich auf dich! Jetzt muß ich nach Hamburg! Hotel ›Atlantic‹! Erwarte Vo … Vo … Vollzugsmeldung!«

»Burschi, leg dich bloß hin! Du kannst ja kaum noch reden, so müde bist du!«

»Müde? Ich? Nicht die Spur! Ich bin so taufrisch wie schon lange …« Jakob konnte gerade noch den Hörer in die Gabel fallen lassen, da sackte er auf dem Bett zusammen, in tiefsten Tiefschlaf. Das elektrische Licht brannte weiter. Jakob schnarchte ohrenbetäubend. Er träumte von den ›Verkehrsbeschränkungen‹ …

9

»Hier ist RIAS Berlin, eine Freie Stimme der Freien Welt! Guten Tag, meine Damen und Herren. Mit dem Gongschlag war es vierzehn Uhr. RIAS Berlin bringt Nachrichten … Nach Aufhebung der Berliner Blockade behindert die Volkspolizei der SBZ ab heute, Mitternacht, durch neue Schikanen das Leben in der geteilten Stadt. Zu Wasser, zu Lande und in der Luft sind sogenannte Verkehrsbeschränkungen …«

Das war das erste, was Jakob Formann hörte, als er, aus der Sowjetunion heimkehrend, auf eine Villa im Grunewald, West-Berlin, zuging. Laut hallte die Stimme des RIAS-Sprechers durch den großen Garten. Er berichtete von Autobahnkontrollen, von zurückgewiesenen Fahrern großer Laster mit Lebensmitteln, von Störungen im Flugverkehr durch die drei ›Luftkorridore‹, von Schleppern, die auf der Spree gestoppt worden waren …

Jakob betrat die Villa, deren Adresse man ihm gegeben hatte. Er fand seinen Chefschreiber in einer Bibliothek im ersten Stock. Hier stand, am offenen Fenster, das Radio, aus dem die Stimme kam. Es war ein schöner Junitag des Jahres 1949.