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»›Gacker-Blocker‹ hat Professor Donner seine Entdeckung genannt«, sprach der Hase kühl und belehrend, als hätte Jakob nicht soeben seine Herzensnot herausgeschrien. »Dem ist er nach langer Zeit dahintergekommen. Dem Gegacker der Hennen, meine ich …«

»Herrgott, ich sch … ich pfeife auf alle Hennen, wenn du mich nur wieder lieb hast! Wenn du mich heiratest!«

»Ich werde dich nie heiraten, mein lieber Jakob. Ich werde Erich heiraten!«

»Diesen miesen Vogel? Das verbiete ich dir!«

»Du hast mir gar nichts zu verbieten, Jakob«, sprach der Hase, in Papieren wühlend. »Das Gackern der Hennen, hat der Professor herausgefunden, hemmt ihren Legeeifer.«

»Ich liebe dich doch, Hase! Bitte, verzeih mir!«

»Darauf ist der Professor nach langen Versuchen gekommen! Daß das Gackern der Hennen ihren Legeeifer hemmt, meine ich. Schau, natürlich ist Erich noch kein Star. Natürlich hat er noch sehr wenig Geld. Natürlich lebt er von mir. Na und? Wen geht das etwas an? Ich kann mit meinem Geld machen, was ich will!« Julia sammelte weiter Papiere aus den Schubladen. »Der Professor hat Reihenversuche angestellt, jahrelang. So kompliziert, daß er es mir niemals erklären konnte.«

»Ich liebe dich, Hase, verflucht noch mal, hörst du nicht?«

»Mit Hormonen. Erich ist hochbegabt. Er macht seine Karriere! Und dieser Direktor Mühsam hat Erich so gern! Auch Edda …«

»Hase!«

»…das ist die Tochter von Direktor Mühsam, die Edda. Dreizehn. Erich hilft ihr bei den Schulaufgaben. Also wirklich, die ganze Familie ist geradezu verrückt nach Erich! Der hat einen prima Start! Bestimmt gibt ihm Direktor Mühsam jede Chance. Bald wird er eine Hauptrolle bekommen.«

»Das ist ja zum Wahnsinnigwerden! Ich kann dir die Welt zu Füßen legen! Ich kaufe dir, was du willst! Was willst du? Sag es! Sag es, und du hast es!«

»Mit halbsynthetischen Hormonen, weißt du. Ich habe es nie verstanden, aber es steht alles präzise in den Patentschriften. Erich ist so gut. Er wird viel Geld verdienen. Und dann heiraten wir!« Immer noch wühlte Julia in einer Schublade.

Jakob erhob sich. Geräuschlos packte er sein Geschenk aus. Man wird ja sehen, dachte er.

»Tut mir leid, wenn ich dir wehtun muß, Jakob. Und mit den halbsynthetischen Hormonen hat Professor Donner alle unsere Hennen behandelt!«

»Dieser widerliche Kerl ist doch der Dreck vom letzten Dreck. Der stürzt dich doch noch ins Unglück! Das ist ein ganz gewöhnlicher …« Nein, das hätte ich nicht sagen sollen. Gerade noch konnte ich das Geschenk hinter meinem Rücken verstecken, bevor Julia herumfuhr. Ist die aufgeregt! Wieviel Platz liegt zwischen Liebe und Haß? Ein Millimeter? Zwei Millimeter? überlegte Jakob, während Julia schrie: »Ich liebe Erich! Ich liebe ihn, und wenn du platzt! Er ist ein prachtvoller Mensch, der mich verwöhnen und auf Händen tragen wird, sobald er kann! Ein Haus werden wir haben, nicht protzig, gemütlich, und drei Kinder.«

»Kinder …«

»Ja, drei! Soviel will ich! Und stell dir vor, alle behandelten Hennen sind verstummt und haben nie mehr gegackert!«

»Hase! Schau dir das an! Was ist das? Das ist die alte Hasenpfote, die mir Jesus geschenkt hat, damals in Linz, als ich abfuhr! Die Hasenpfote hat mir immer nur Glück gebracht, wirklich! Und warum? Doch nur darum, weil sie von einem Hasen ist, Hase!«

»Und sie haben ihr Plan-Soll weit überzogen! Jeweils dreitausend Hennen um hundertzwanzigtausend Eier! Stell dir das vor! Und es waren nicht nur viel mehr Eier, es waren auch noch viel bessere Eier! Die besten! Die Schalenqualität! Der Dotter! Die Spurenelemente! Und Erich ist der beste Mann von der Welt, damit du es weißt!«

An der Wand entlangschleichend hatte Jakob ein modernes Möbelstück fast erreicht. Indessen der Hase immer noch mehr Papiere zusammenraffte, sagte er: »Der beste Mann von der Welt! Daß ich nicht ohnmächtig werde vor Lachen! Wenn diese Tochter von seinem Direktor fünfzehn ist, wirst du was erleben! Von wegen bei Schulaufgaben helfen! Der hat sich das fein zurechtgelegt! Und glaube ja nicht, daß du die einzige bist! Der feine Herr Fromm betrügt dich nach Strich und Faden!«

»Was hast du gesagt? Nach Strich und Faden?«

»Jawohl!«

Sie stürzte sich auf ihn. Die Papiere flatterten auf den Boden.

»Du …! Du … was ist das?«

Musik erklang.

Jakob hatte sein Geschenk blitzschnell auf den Teller des Plattenspielers gelegt und diesen eingeschaltet.

Lena Hornes Stimme erklang: »Don’t know why, there’s no sun in the sky …«

Der Hase starrte Jakob mit offenem Mund an. Der Hase begann zu zittern und zu beben.

Na, habe ich es nicht gewußt? dachte Jakob.

»Unser … unser Lied …«

»Mhm.« Das wäre doch gelacht, wenn ich sie nicht wiederkriegte, meine Julia.

»… since my man and I ain’t together …«

So, und jetzt nichts wie los, dachte Jakob, packte den schwankenden Hasen, preßte ihn an sich und küßte ihn leidenschaftlich.

»… it keeps raining all the ti-ime …«

Plötzlich öffneten sich Julias zusammengepreßte Lippen, sie stöhnte, und ihre Hände fuhren wild durch Jakobs Haar.

»›Stormy weather‹«, flüsterte der Hase.

»Unser ›Stormy weather‹!«

»Ach, Bär, mein Gott, wie glücklich hätten wir sein können …«

»Werden wir gleich sein«, sagte Jakob Formann.

14

Sie waren gerade zum drittenmal glücklich gewesen, als der Hase verschämt auf eine Uhr blickte, die neben dem breiten Bett stand, und meinte, nun müßten sie sich aber wieder anziehen.

Jakob vernahm es mit Schmerz, doch er sah es ein. Ewig kann dieser Widerling von einem Schönling wirklich nicht wegbleiben wegen dieser blöden Kostümprobe, dachte er. Und er dachte ganz richtig.

Der Hase saß erst eine halbe Minute wieder im Sessel, und der Bär zog sich gerade die Krawatte zurecht, als sich die Wohnungstür öffnete und Herr Erich Fromm in die Diele trat.

Also gerade noch geschafft, dachte Jakob. Gebadet haben wir, Julias Haare sind in Ordnung, die Krawatte sitzt richtig. Nun sehen wir mal weiter! Er war ungemein erstaunt über das, was nun geschah. Mit einem wahrhaft tierischen Schrei stürzte sich Herr Fromm auf Jakob, der sich höflich erhoben hatte, und trat ihm mit einem sehr harten Schuh sehr hart in die Garnitur. Daraufhin setzte sich Jakob wieder.

Das tut ja verdammt weh. Ach herrje, jetzt sehe ich es erst! Ich habe einen Toilettefehler, einen kleinen. Ich habe vergessen, den Reißverschluß zuzumachen, als ich aus dem Badezimmer kam. Schmerz, laß nach. Der eine Schmerz ließ nach, aber ein anderer quälte Jakob, weil Herr Fromm jetzt auf seinen Schädel eindrosch, während der Hase sich laut schreiend an den Film-Weltstar in spe klammerte.

»Erich! Erich! Was ist denn los? Deine Eifersucht ist ja nicht auszuhalten! Hör auf! Hör auf, du sollst aufhören, Herrn Formann zu schlagen, Erich!«

»Meine Eifersucht? Und deine Augen?«

»Was ist mit meinen Augen?«

»Die glänzen! Und wie! Und du weißt genau, wann die immer so glänzen. Du hast mit diesem elenden Lumpen …«

Herr Fromm sprach den Satz nicht zu Ende, denn Jakob hatte sich von seinem Schock erholt und war aufgestanden. Bedächtig schüttelte er den Kopf, schob Julia beiseite, zerrte den rasenden Mimen näher heran, stellte ihn sich so zurecht, wie er ihn haben wollte, und ließ dann seine Rechte vorschießen. Sie traf genau Herrn Fromms Kinnspitze. Jakobs Linke folgte allsogleich in die Magengrube.

Schauspieler Fromm ging zu Boden. Aber schon zog Jakob ihn wieder hoch. »Wehr dich, du Sauhund!«

Und obgleich auch Jakob noch einiges abbekam, schlug er den zukünftigen Superstar nun sachlich, präzise, man könnte fast sagen: emotionslos, zusammen.

Rechts, links, links, rechts trafen den schönen Herrn Fromm Jakobs Haken, und rechts und links, und wieder mal in den Magen, und dazu kreischte der Hase wie von Sinnen. Und immer noch lief die Schallplatte, sie drehte sich seit fast zwei Stunden auf dem automatischen Gerät. Und sie drehte sich weiter.

»… stormy weather! It keeps raining all the ti-ime …«