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«Darum kümmere ich mich«, sagte Robin.»Sie werden sehen, nichts von Ihrer Mühe war umsonst.«

Epilog

Unwin flog durch Hurrikan Sheila.

Er flog in zehntausend Fuß Höhe dreimal in gerader Linie durch das Auge und schaltete ganz selbstverständlich die Tankleitung um. In seinen Händen nahm die zweimotorige Turboprop von Downsouth den Luftdruck und die Windgeschwindigkeiten der Kategorie 3 lediglich als Zahlen zur Kenntnis, die er mir diktierte.

Ich vergoß keine Tränen im Auge des Sturms. Die Messungen waren korrekt, aber das Herzblut fehlte.

Robin sah nachdenklich drein und war luftkrank.

Ich nahm den wiedergefundenen Hefter in der Reisetasche mit, und ein paar Wochen darauf zeigte mir Robin mehrere handgeschriebene kurze Briefe auf hebräisch, griechisch, russisch und arabisch.

«Man bedankt sich«, sagte er.

Da war ich inzwischen wieder bei der BBC und kultivierte den Winter hindurch das Selbstbild, das ich mit dem Sherlock-Holmes-Mantel verband, und drüben in Kensington teilte mir ein freudig überraschter John Rupert mit, daß sein Dienstvorgesetzter mich in den Insiderstatus zu erheben gedachte.

Ich und Geist, der dürre, weißhaarige Greis, packten wilde junge Stürme in interessante und spannende Handbücher, und zu gegebener Zeit signierte ich sie zu Hunderten in Schulen und danach zu Fünfhunderten in Buchhandlungen.

Kris sah ich nur noch selten. Eine schmutzige Anekdote zuviel kostete ihn schließlich den Job beim Wetter, trotz seiner an nordische Götter erinnernden Ausstrahlung. Er hörte auf, von Zügen zu reden, nutzte die Entschädigung aus dem Unfall in Luton, um Schauspielunterricht zu nehmen, und ließ seiner Exzentrik freien Lauf, indem er den Superhelden spielte.

Bell, die mich oft anrief, um brüderlichen Rat einzuholen, schwankte wie eh und je zwischen Liebe und Verdruß — ja zur Hochzeit, nein zur Hochzeit, jein zur Hochzeit wie gehabt.

Hinter meinem Rücken tat sich meine treue Jett van Els mit meiner Großmutter zusammen, um mich auf meine Montagmorgenregung festzunageln, aber schließlich sagten wir beide gern ja zueinander, und ich gab ihr einen Ring und ein Versprechen.

Nach außen erfolgreich, schmerzte mich immer noch die Erinnerung an die Verletzungen, die Michael Ford mir beigebracht hatte, sosehr ich das auch zu verdrängen suchte. Wenn ein Schläger dich handlungsunfähig haut, sagte ich mir, dann ist das keine furchtbare Blamage, sondern eine der kleinen Widrigkeiten des Lebens. Da konnte ich mir viel erzählen!

Aus Robins gefährlichem Doppelleben verschwand die Unified Trading Company, um Nachfolgern Platz zu machen, die wußten, daß man nach der Devise, erst handeln, dann absprechen, nicht arbeiten kann.

Die Trader gingen ein, die Select Group gedieh.

Evelyn schrieb Robin einen Abschiedsbrief und verließ ihn.

Jett blieb zu Hause, als Robin Darcy und ich von seinem Haus in Miami nach Floridas Hauptstadt Tallahassee fuhren, zur Anhörung von Amys Besitzansprüchen auf die Insel Trox.

Ich wies anhand von Fotos nach, daß ich dort gewesen war. Ravi Chand war mit breitem neudelhischen Lächeln mein Zeuge, und Amy scheiterte mit ihrer Forderung, behielt aber ihre Kühe.

Auch Michael saß in der Anhörung, ganz in meiner Nähe.

Michael war wie ein Löwe unverändert hungrig, auf der Lauer.

Er hatte Ravi Chands Äußerungen zum Thema Antikörper nicht richtig verstanden und begann wütend über Herkunft und Hautfarbe des international bekannten Experten herzuziehen. Wie er dazu komme, schrie Michael, sich hier einzumischen und zu behaupten, die Rinder seiner Frau seien Krankheitsträger?

Während Ravi ihm vergebens die Feinheiten der Pasteurisierung zu erklären versuchte, ging ich in den Raum zurück, in dem die Anhörung stattgefunden hatte. Ich nahm das Kännchen roher, unpasteurisierter Inselmilch, die laut Amys falscher eidlicher Aussage unbedenklich war, ging damit hinaus, stellte es auf den nächsten Tisch, füllte mit dem Schöpflöffel ein Glas ab und setzte es vor Michael hin.

Einen Versuch war es wert.

Michael sah angewidert auf das Glas und höhnisch auf mich, seinen weichgeprügelten Widersacher, dem jetzt vor neuen Prügeln bangte.

«Das trinken Sie besser nicht«, warnte ich Michael.»Die Milch ist nicht pasteurisiert. Davon werden Sie krank.«

Recht hatte ich, aber wie ich gehofft hatte, glaubte er mir nicht.

Michael hätte mir nicht einmal geglaubt, wenn ich gesagt hätte, die Sonne sei heiß, und arrogant und großspurig trank er die Milch.

Michael, der angehende weltweit zweite Fall einer Mycobacterium paratuberculosis Chand-Stuart X–Infektion, zeigte an diesem Abend Nerven und erschoß einen Eindringling, ohne sich zu überlegen, daß er damit eine für sich selbst sehr heikle Frage aufwarf: Wieso hatte die Kugel in dem Eindringling das gleiche Profil wie diejenige in der Leiche eines Mannes, der mit dem Gesicht nach unten in den Everglades gefunden worden war, die Beine halb abgefressen von Alligatoren?

Es war nicht Michaels Tag.