»Es muss einen Zusammenhang geben! Was genau forschen die da? Genetik, Transplantation … Erinnerst du dich, was in dem Bericht über den Fuß stand? Es war aus genetischer Sicht ein Hybrid. Halb Mensch, halb Tier … Es geht um Xenotransplantation. Und wie es aussieht, sind es keine bloßen Studien im Labor.«
»Nein. Sie nehmen Menschenversuche vor!«
Juli sah Tom an. »Wir müssen da hin«, sagte sie entschlossen.
Tom nickte. »Ja, das denke ich auch.«
»Wir müssen uns weiter informieren«, sagte Juli. »Wer genau steckt dahinter? Wer zieht die Fäden? Ist es dieser Dr. Villiers selbst? Was treibt ihn an, wie skrupellos ist er, wer sind seine Leute, wo genau ist das Labor, und wie kommen wir hin?«
Tom rieb sich die Schläfen. »Ja. Ja. Aber heute nicht mehr, wenn du erlaubst.« Er stand auf und drückte seinen Rücken durch. »Ich bin ziemlich am Ende. Und es ist halb drei. Wir sollten das auf morgen verschieben.«
Juli nickte und stand ebenfalls auf. Ihre Gedanken rasten, aber auch sie fühlte, dass ihr Körper sich nach Ruhe sehnte.
»Ich bleibe hier«, sagte sie.
»Du kannst das Schlafzimmer haben, wenn dich die Unordnung nicht stört«, bot Tom an. »Ich schlafe hier auf der Couch.«
»Schade«, gab Juli zurück.
»Wie bitte?«
Sie trat an Tom heran und schmunzelte. »Ich hatte auf eine lebende Wärmflasche gehofft.«
Tom stockte. Bisher hatte Juli ihm nicht den Eindruck vermittelt, dass sie an ihm interessiert sei, und abgesehen davon, dass er sie – optisch gesehen – durchaus attraktiv fand, waren es Situationen wie diese, die seiner Erfahrung nach eine weitere Zusammenarbeit erschwerten.
»Okay …«, setzte er zögerlich an.
»Oder ist dein Bett zu klein?«
»Nein, natürlich nicht. Ich meine, klar können wir auch zusammen drin liegen.«
»Schön! Wo ist das Bad?«
Tom führte sie durch die Wohnung, dann eilte er zurück ins Schlafzimmer und sah sich um. Die Kleidungsstücke, die auf dem zerwühlten Futon lagen, griff er mit beiden Armen und warf sie in den Schrank. Dann schüttelte er sein Kissen auf und legte es ordentlich hin. Als er ins Wohnzimmer ging, um ein Sitzkissen zu holen, hörte er im Bad die Dusche rauschen. Das verschaffte ihm etwas Zeit. Er schnappte sich ein Kissen von der Couch, suchte im Kleiderschrank einen sauberen Bezug und entschied sich dann, es in ein großes T-Shirt zu wickeln. Schließlich griff er die Bettdecke und warf sie so ordentlich wie möglich über das Bett. Sieht ganz passabel aus, entschied er. Nicht perfekt, aber auch nicht mehr wie eine Räuberhöhle.
Er setzte sich einen Augenblick hin und dachte nach. Vielleicht machte er sich zu viele Gedanken. Es war nicht so viel dabei, im selben Bett zu schlafen. Sie kannten sich noch nicht lange, aber sie hatten viel zusammen durchgemacht. Vielleicht war es nur natürlich, dass man beginnen sollte, etwas lockerer miteinander umzugehen. Und bloß, weil Juli nicht alleine schlafen wollte, hieß das noch lange nicht, dass sie etwas von ihm erwartete.
Die Dusche verstummte. Tom stand auf, sah sich noch einmal um und verließ das Schlafzimmer in Richtung Küche. Dort begann er, aus Verlegenheit ein paar Sachen wegzuräumen, als kurz darauf Juli in der Tür stand. Sie hatte ein großes Badehandtuch um sich gewickelt und die kaum trocken gerubbelten Haare aus dem Gesicht gestrichen.
»Komm mal her«, sagte sie und nickte ihm zu.
Tom trat an sie heran, roch ihre Frische. Dann ergriff sie seine Hand und zog ihn an sich.
»Lass uns ins Bett gehen«, sagte sie, drehte sich um und führte Tom in sein Schlafzimmer. Er blieb still vor dem Bett stehen. Juli schaltete das Licht aus. Die Straßenlaternen warfen blasse, helle Rechtecke an die Wand. In diesem Licht erschien Juli als dunkler Schatten, als sie mit einer Bewegung das Handtuch löste, das zu Boden glitt. Ihr schwach beleuchteter Körper war kaum mehr als eine silberblaue Silhouette. Tom erkannte ihre Brüste, ihre schmale Hüfte, und sein Blick wanderte hinab zu ihrer Scham. Aber Juli achtete nicht darauf, sondern schmiegte sich wie selbstverständlich unter die Decke. Sprachlos verharrte Tom.
»Nun?«, hörte er ihre Stimme, etwas leiser als üblich.
Tom zog sich bis auf seine Unterhose aus, kroch ebenfalls unter die Decke und legte sich auf den Rücken. Unschlüssig. Er kam sich eigenartig vor. Jeder andere Mann hätte die Situation ausgenutzt, und da es ihm üblicherweise egal war, was andere von ihm dachten, hätte er nun nichts zu verlieren, wenn er es zumindest versuchte. Aber es kam ihm nicht richtig vor. Er hatte angefangen, Juli zu respektieren. Er schätzte sie, fühlte sich in manchen Augenblicken sogar unterlegen, und daher konnte er unmöglich …
Weiter kam er nicht, denn Juli drehte sich auf die Seite zu ihm herum, kuschelte sich an ihn und legte einen Arm über seinen Bauch. Sie streichelte den Ansatz feiner Haare, die dort wuchsen, dann wanderte ihre Hand abwärts.
Tom hielt einen Moment lang die Luft an. Julis Hand wanderte ein kleines Stück über seinen Oberschenkel, dann wieder hinauf und fuhr mit den Fingernägeln über seine Unterhose. Durch den Stoff fühlte er das Kratzen über seinen bereits erregten Penis.
»Hm … sieh mal an«, sagte Juli etwas amüsiert. Sie bewegte ihre Hand zum Saum seiner Hose und fuhr mit geschickten Fingern unter den Bund.
Tom atmete unwillkürlich ein, als er spürte, wie Julis kühle, schlanke Finger seinen Penis umfassten und massierten. Mit langsamen Bewegungen zog er seine Hose aus und trat sie von sich. Als er schließlich nackt war, rollte sich Juli auf seinen Bauch und küsste ihn.
Tom spürte, wie sie mit einer Hand seinen Penis weiter bearbeitete, während sie ihn küsste, und mit einem Mal senkte sie sich ein Stück, und er spürte, wie er in ihrer Wärme und Enge versank. Juli richtete sich auf, streifte die Decke ab und setzte sich rittlings auf ihn. Sie begann, sich langsam vor und zurück zu bewegen, ließ seinen Penis tief in sich vor und zurück gleiten. Tom legte den Kopf in den Nacken, gab sich ihrem angenehmen Gewicht, dem Druck und ihrem fordernden Rhythmus hin.
Kapitel 8 Tagebuch von Marie Thomas – Brasilien, 14. Mai
Nach meiner Entdeckung gestern Nacht habe ich heute Susan aufgesucht und sie um ein Gespräch gebeten. Ich musste wissen, was es mit der Verbrennung und dem seltsamen Ritual auf sich hatte.
Erst wirkte sie entsetzt, dass ich sie beobachtet hatte, aber dann wurde ihr natürlich klar, dass sie es nicht abstreiten und weiter vor mir verheimlichen konnte. Also hat sie mich beiseitegenommen und es mir bei einem Spaziergang erzählt.
Der Mann, den ich gesehen hatte, ist ein alter Schamane. Nachdem ihn die Nachricht von unserem Fund erreicht hatte, war er ins Dorf gekommen und schließlich zu Susan. Seiner Überzeugung nach seien die Leiche und ihr Zustand ein Zeichen, dass der Chupacabra zurückgekehrt sei. Die Leiche müsse verbrannt und von den Flammen rituell gereinigt werden, damit er die Spur verliert. Denn der Chupacabra riecht den Tod und kehrt immer wieder dorthin zurück, wo er die Reste seiner Mahlzeiten zurückgelassen hat.
Der Chupacabra ist wohl so eine Art mythologische Bestie, die üblicherweise das Vieh der Bauern reißt, aber manchmal auch Menschen angreift.
Der Schamane ist ein hoch angesehener Mann bei den Indios im Dorf und auch bei denen, die bei uns im Camp arbeiten. Seine Meinung wird von allen respektiert und seine Furcht von allen geteilt. Um ihn und die anderen zu beruhigen, hatte Susan dem Ritual zugestimmt.
Falls im Laufe der nächsten Tage die Polizei aus Manaus eintrifft, würde sie sagen, sie hätte die Leiche aufgrund von Gesundheitsbestimmungen und einer möglichen Ansteckungsgefahr verbrannt. Das würde sie auch den anderen im Camp so erklären, und es sei das einfachste, wenn ich es ebenfalls so halten und nichts von meiner nächtlichen Exkursion erwähnen würde.