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»Was zum Teufel …«, stieß Tom aus.

»Die werden hier gezüchtet!«, stellte Juli fest. »Es sind Versuchstiere.« Sie deutete auf eine kleine Tafel, die von außen am ersten Hightech-Käfig befestigt war. Jeder der anderen Pferche trug ebenfalls eine solche Tafel. »Heart / Series 35-2 / 06-02-11«, las Juli vor.

»Natürlich. Für Transplantationen! Aus den Schweinen gewinnen sie die Organe, mit denen sie ihre Versuche durchführen können.«

»Und die Schweine selbst stellen bestimmte Zuchtreihen dar, deswegen werden sie hier so sorgfältig voneinander getrennt gehalten.«

»Das ist pervers«, meinte Tom.

»Viel erschreckender finde ich den Gedanken, was sie wohl mit den Menschen angestellt haben oder anstellen wollen!«

Tom war so gefangen von den Erlebnissen der letzten Stunden, dass er alle weiterführenden Gedanken bisher verdrängt hatte. Was sie überhaupt auf diese Spur geführt hatte, welcher Ahnung sie nachgingen und was das möglicherweise für die entstellten Menschen bedeutete, denen sie begegnet waren. Xenotransplantation. Der Versuch, tierisches Gewebe und tierische Organe in Menschen zu verpflanzen. Der Mensch erhob sich zum Schöpfer und erschuf Hybridwesen, die die Natur nicht vorgesehen hatte.

»Lass uns gehen«, sagte er grimmig. »Wir haben etwas zu erledigen.«

Sie verließen den Raum und folgten dem Gang.

Bei jeder Tür, die sie passierten, zögerte Tom, ob er sie öffnen sollte, aber sie hatten nicht viel Zeit und weitere Tierkäfige würden keine neuen Erkenntnisse bringen.

Eine weitere Tür erregte allerdings Toms besonderes Interesse. An ihr war ein gelbes Schild angebracht, das vor Starkstrom warnte.

»Bestimmt die Stromversorgung der Anlage«, mutmaßte er. »Das will ich sehen!« Er drückte die Klinge herunter, aber der Raum war abgeschlossen. Ärgerlich wandte er sich ab.

Sie kamen an eine Kreuzung, als sie Schritte hörten. Sie kamen von vorn, wo eine nach oben führende Metalltreppe zu sehen war.

»Schnell«, zischte Tom und eilte in einen der Seitengänge. Auch hier fanden sich Türen, allerdings unbeschriftet, kleiner und aus Holz. Tom riss eine davon auf und schaltete das Licht an. Juli eilte ihm hinterher in den Raum und zog die Tür hinter sich zu. Den Schritten nach mindestens zwei Personen, schätzte Tom, die zügig auf dem Hauptgang vorbeistapften und sich rasch entfernten.

Tom und Juli sahen sich um. Sie standen in einem kleinen Lagerraum. An den Wänden befanden sich einfache Metallregale, in denen allerlei Hausrat aufbewahrt wurde, Schachteln mit Kerzen, Tücher und Papierrollen. Auf dem Boden waren Eimer und mehrere große weiße Plastikkanister mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln deponiert.

»Wir müssen herausbekommen, was genau hier abläuft. Unterlagen, Akten oder vielleicht einen Computer finden. Außerdem müssen wir herausfinden, ob deine Schwester hier ist. Was sie mit der Sache hier zu tun hat.«

»Was soll sie mit denen zu tun haben? Wenn sie hier ist, dann ganz bestimmt nicht freiwillig!«

»Nein, natürlich nicht. Aber vielleicht ist sie ja auch gar nicht hier oder nicht mehr, und wir müssen herausfinden, ob wir ihre Spur von hier aus weiterverfolgen können.«

»Ich spüre, dass sie hier ist«, sagte Juli. »Ich kann es nicht erklären, aber ich weiß, dass sie nah ist.«

»Hoffen wir, dass du recht hast.«

»Wie lange wollen wir jetzt hier drin bleiben? Wer weiß, wann die Leute zurückkommen.«

»Wenn wir nur wüssten, wo wir hier sind und wie es ein Stockwerk weiter oben aussieht …«

Juli ging zur Tür, lauschte daran, dann schaltete sie das Licht aus und öffnete sie einen Spalt. »Es ist nichts zu hören«, sagte sie. »Wir sollten die Chance nutzen.«

Sie trat wieder auf den Gang, gefolgt von Tom. Langsam ging sie bis zur Kreuzung des Hauptgangs zurück, lauschte noch einmal, sah um die Ecke, dann eilten sie zur Treppe. Sie bemühten sich, sie so leise wie möglich nach oben zu steigen. Am oberen Treppenabsatz befand sich eine weitere Tür, die sie behutsam öffneten. Aber dahinter war es ruhig und menschenleer. Vor ihnen erstreckte sich ein mit Linoleum ausgelegter, breiter Flur, der Tom spontan an ein Krankenhaus erinnerte. Die Deckenbeleuchtung war ausgeschaltet, nur in größeren Abständen leuchteten abgedimmte Lampen an den Wänden. Die Türen, die den Gang säumten, waren doppelflügelig und mit Milchglasscheiben versehen. Die Räume dahinter schienen im Dunklen zu liegen.

»Versuchen wir es einfach«, sagte Tom und wandte sich zur Tür zu ihrer Rechten. Auf einem Plastikschild an der Wand neben der Tür standen eine Ziffer und »Analysis & e-Fab., Dr. Montanez, Dr. Shiram«.

»Ein Glück, dass hier niemand etwa abschließt«, sagte er, als er die Tür öffnete und sie eintraten.

Sie standen im Dunklen, aber Tom widerstand der Versuchung, auch hier nach einem Lichtschalter zu suchen, da man es durch die Glasscheiben vom Gang aus hätte sehen können. Stattdessen warteten sie einen Augenblick, bis sich ihre Augen an das Zwielicht gewöhnt hatten.

»Hier muss keiner etwas abschließen«, sagte Juli, »weil man normalerweise in die Anlage gar nicht erst reinkommt.«

»Sieh mal«, sagte Tom, »das sind Arbeitsplätze!«

Im fahlen Lichtschimmer, der durch die Tür fiel, erkannten sie nun die Ausmaße des großen Raums. Entlang der Wände waren Tische und Tresen aufgereiht, auf denen allerlei Laborausrüstung, elektronische Geräte und Bildschirme aufgebaut waren. Es gab einige zum Teil als Raumteiler aufgestellte Regale mit Büchern, Ordnern, Heften und Papierstapeln, zwei große Stahlschränke, die wie Kühlschränke aussahen, und mehrere Schreibtische. Hier mussten mindestens ein halbes Dutzend Leute arbeiten.

»Das sieht doch hervorragend aus«, meinte Tom, »dann fangen wir gleich mal an …« Er ging an den Geräten vorbei, Zentrifugen und Elektromikroskopen, und sah sich um.

»Was sollen wir mit den Unterlagen machen?«, fragte Juli und wies auf die Regale. »Es sind zu viele, um sie alle zu lesen. Außerdem ist es zu dunkel.«

»Die brauchen wir vielleicht gar nicht«, entgegnete Tom und wies auf einen Computer. »Mit ein bisschen Glück kommen wir auch so an alles heran, was wir brauchen.«

»Willst du den etwa anmachen? Man wird das Licht auf dem Flur sehen.«

Tom grinste. »Nicht, wenn ich erst den Bildschirm einschalte und die Helligkeit ganz runterdrehe, bevor ich den Rechner anmache. Außerdem ist der Bildschirm vom Gang abgewandt und das Regal dort ist im Weg.«

Tom setzte sich auf den Stuhl vor dem Tisch, hantierte an den Geräten, und kurze Zeit später fuhr der Rechner mit einem hörbaren Rauschen seines Lüfters hoch. Tom rutschte erwartungsvoll näher heran. Aber noch bevor die grafische Bedienoberfläche sichtbar wurde, erschienen auf dem schwarzen Bildschirm weiße Textzeilen, und Tom stand abrupt auf. »Ach, verdammt!«, sagte er.