Выбрать главу

»Was war das?«, fragte ein Wissenschaftler.

»Das«, klärte sie der Schütze auf, »war eine Remington Lucifer.«

Er war ein großer Mann, glatt rasiert und gertenschlank wie die Offiziere in Propagandafilmen. Er trug einen Brustriemen mit Schulterhalfter für seine relativ bescheiden aussehende Pistole. Aus seinen Stiefeln quoll eine schwarz-graue Tarnhose. Sein schwarzes T-Shirt sah sauber aus. Um den Hals baumelte ein Nachtfeldstecher. »Dabei handelt es sich um speziell für den Einsatz im Subplaneten entwickelte Munition, Kaliber 25, aus gehärtetem Plastik mit Uraniumspitze. Sie kann eine verheerende Wunde reißen, in einen Haufen pfeil scharfe Splitter zerplatzen oder aber den Gegner blenden. Diese Expedition ist zugleich das offizielle Debüt für die Lucifer und verschiedene andere technische Neuerungen.« Sein Akzent ließ auf alten Tennessee-Adel schließen.

Spurner eilte mit aufgeplustertem Backenbart und wild gestikulierend auf den Soldaten zu. Er hatte sich selbst zum Sprecher der Wissenschaftler ernannt. »Sie müssen Colonel Walker sein!«

Walker ignorierte Spurners ausgestreckte Hand. »Wir haben zwei Probleme, Leute. Erstens: Das Gepäck, das Sie gerade geplündert haben, wurde nach Gewicht und Tragfähigkeit verpackt. Der Inhalt ist sorgfältig inventarisiert worden. Ich habe eine Liste, auf der jedes Stück in jeder Kiste vermerkt ist. Jedes einzelne Gepäckstück ist nummeriert. Sie haben unseren Aufbruch soeben um eine halbe Stunde verzögert, in der alles wieder entsprechend verpackt werden muss. Problem Nummer zwei: Einer meiner Männer hat Ihnen eine Anweisung gegeben. Sie haben ihn einfach ignoriert.« Er blickte ihnen der Reihe nach in die Augen. »In Zukunft betrachten Sie diese Anweisungen bitte als strikte Befehle. Von mir.« Mit einem Knacken verschloss er sein Schulterhalfter.

»Geplündert?«, protestierte ein Wissenschaftler. »Das ist unsere Ausrüstung. Wir können uns doch nicht selbst ausplündern! Und wer hat hier eigentlich das Sagen?«

In diesem Augenblick traf Shoat ein, den Rucksack noch auf dem Rücken. »Wie ich sehe, haben Sie sich bereits miteinander bekannt gemacht«, sagte er und wandte sich an die Wissenschaftler.

»Wie Sie wissen, ist Colonel Walker unser Sicherheitschef. Von jetzt an ist er für unsere Verteidigung und für unsere Logistik verantwortlich.«

»Müssen wir ihn etwa um Erlaubnis für unsere Forschungen bitten?«, beklagte sich jemand.

»Wir befinden uns auf einer Expedition, nicht in Ihrem Büro zu Hause«, erwiderte Shoat. »Die Antwort ist: Ja. Von jetzt an müssen Sie Ihre Anliegen einem Vertreter des Colonel vortragen, der Ihnen dann den Weg zum entsprechenden Gepäckstück weist.«

»Wir sind eine Gruppe«, sagte Walker. Mit seiner Uniform, dem militärischen Putz und der schlanken, hoch gewachsenen Statur strahlte er Autorität aus. In einer Hand trug er eine ebenfalls in Tarnfarben eingeschlagene Bibel. »Die Gruppe hat allerhöchste Priorität. Melden Sie Ihre individuellen Bedürfnisse einfach rechtzeitig an, dann wird Ihnen mein Quartiermeister behilflich sein. Um die Ordnung aufrechtzuerhalten, äußern Sie Ihre Wünsche jeweils am Ende des Tages. Nicht morgens, wenn wir zusammenpacken müssen, und auch nicht unterwegs, wenn wir vorankommen müssen.«

»Ich muss um Erlaubnis fragen, um an meine eigene Ausrüstung heranzukommen?«

»Sozusagen«, seufzte Shoat. »Colonel, möchten Sie bei dieser Gelegenheit noch etwas hinzufügen?«

Walker setzte sich gelassen auf einen Felsvorsprung. »Meine Aufgabe besteht darin, diesem Unternehmen Geleitschutz zu geben.« Er faltete ein mehrseitiges Papier auf. »Mein Vertrag mit Helios«, sagte er und überflog ihn scheinbar. »Er enthält einige ziemlich einzigartige Punkte.«

»Colonel«, raunte Shoat warnend. Walker ignorierte ihn.

»Hier zum Beispiel findet sich eine Liste von Bonuszahlungen, die ich für jeden von Ihnen erhalte, der diese Reise überlebt.«

Der Colonel konnte sich nun ihrer ungeteilten Aufmerksamkeit sicher sein. Shoat wagte nicht mehr, ihn zu unterbrechen.

»Das erinnert mich sehr an ein Prämiensystem«, fuhr Walker fort. »Diesem Vertrag zufolge bekomme ich soundso viel für jede Hand, jeden Fuß, jedes Gliedmaß, Ohr oder Auge, das ich intakt und gesund zurückbringe.« Er hatte die Stelle gefunden. »Wie heißt es hier ... Bei dreihundert Dollar pro Auge macht das sechshundert für das Paar. Aber sie bieten nur fünfhundert für unversehrte geistige Gesundheit.«

Ein Aufschrei wurde laut: »Das ist ungeheuerlich!«

Walker wedelte den Vertrag wie eine weiße Fahne hin und her.

»Sie sollten noch etwas anderes wissen«, dröhnte er. Sie beruhigten sich einigermaßen. »Ich habe mein Soll hier unten bereits abgeleistet, und jetzt wäre es, wenn Sie so wollen, an der Zeit, sich auf den Lorbeeren auszuruhen.

Vielleicht ein bisschen Politik machen. Einen Beratungsposten übernehmen. Zeit mit meiner Frau und meinen Kindern zu verbringen. Genau in diesem Moment sind Sie aufgetaucht.«

Sie wurden mucksmäuschenstill.

»Mein Ziel ist es«, sagte Walker, »an Ihnen unverschämt viel Geld zu verdienen. Ich habe vor, jeden einzelnen Penny dieser Bonusliste einzuheimsen. Jeden Augapfel, jede Zehe. Haben Sie sich schon jemals gefragt, wem Sie wirklich trauen können?« Walker faltete seinen Vertrag wieder zusammen. »Lassen Sie sich sagen, dass die einzige Sache, auf die Sie in dieser Welt bauen können, der Eigennutz ist. Jetzt wissen Sie jedenfalls, worauf meiner abzielt.«

Shoat hörte ihm gequält zu. Der Colonel hatte gerade eben die Eintracht der Expedition aufs Spiel gesetzt - und gewonnen. Aber warum nur, fragte sich Ali. Was führte Walker im Schilde?

Er schlug sich mit der Bibel gegen den Oberschenkel. »Wir stehen am Anfang einer großartigen Reise ins Unbekannte. Von nun an operiert diese Expedition nach meinen Vorgaben und unter dem Schutz meiner Gerichtsbarkeit. Der beste Schutz, den wir uns verschaffen können, sind einige allgemein verbindliche Regeln. Ein Gesetz. Und dieses Gesetz, Leute, ist mein Gesetz. Von heute an finden die Grundsätze der militärischen Rechtsprechung Anwendung. Als Gegenleistung werde ich Sie zu Ihren Familien zurückbringen.«

Shoat ließ seinen Hals wie eine Schildkröte ein kleines Stück ausfahren. Sein Glücksritter hatte sich soeben zur höchsten rechtlichen Instanz über die Helios-Expedition für das kommende Jahr ernannt. Ali hatte noch nie etwas derart Unverfrorenes erlebt. Sie wartete darauf, dass die Wissenschaftler sich mit lautem Protest Luft verschafften.

Aber alles blieb still. Nicht ein einziger Widerspruch. Dann begriff Ali. Der Söldner hatte ihnen gerade ihr Leben versprochen.

Wie bei jeder Expedition gewöhnten sich die Teilnehmer nach und nach aneinander. Eine gewisse Routine stellte sich ein.

Um acht Uhr morgens wurde das Lager abgebaut. Walker las seiner Truppe eine Predigt vor, meistens etwas Markiges aus der Offenbarung, aus Hiob, oder am allerliebsten aus Paulus’ Korintherbrief: »Die Nacht ist weit vorangeschritten, der Tag naht: Wohlan, lasset uns der Dunkelheit Werk abstreifen und die Rüstung des Lichts anlegen«. Dann schickte er ein halbes Dutzend Söldner als Spähtrupp voraus. Die Nachhut wurde von den Trägern gebildet, die wiederum vom Rest der schweigsamen Soldaten Rückendeckung erhielten - oder, wie sich bald herausstellte, angetrieben wurden. Die Arbeitsaufteilung war klar, die Grenzen unüberbrückbar.

Die Träger sprachen Quechua, die ehemalige Sprache der Inkas. Keiner der Amerikaner verstand sie, und alle ihre Versuche, auf Spanisch mit ihnen Kontakt aufzunehmen, wurden zurückgewiesen. Auch Ali versuchte es einmal, doch die Indios waren nicht interessiert. Nachts patrouillierten die Söldner in drei Schichten um das Lager, das sie weniger vor den Hadal, sondern vor der Flucht der Träger schützten.

In jenen ersten Wochen sahen sie ihren Kundschafter so gut wie nie. Ike war im Dunkel des Tunnellabyrinths verschwunden und hielt sich stets ein oder zwei Tagesmärsche vor ihnen auf. Seine Abwesenheit rief bei den Wissenschaftlern eine merkwürdige Sehnsucht nach ihm hervor. Immer wenn sie sich nach seinem Verbleib erkundigten, reagierte Walker ausweichend. Der Mann weiß, was er tut, lautete seine Standardantwort.