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»Jetzt die Stelle, an der sie es entdeckten«, sagte Sandwell. Das Video wurde wieder langsamer. Eine Gruppe SEALS stand um einen Felsen herum. Die Soldaten diskutierten offensichtlich über etwas Merkwürdiges. Der Funker ging näher heran, und seine Minikamera zeigte einen kleinen Zylinder, etwa so lang wie ein kleiner Finger, der in einer Felsspalte steckte.

»Da ist es«, kommentierte Sandwell.

Auf der Tonspur waren weder Stimmen noch andere Geräusche zu hören. Einer der SEALS streckte die Hand nach dem Zylinder aus. Ein Zweiter versuchte, ihn davon abzuhalten. Plötzlich fiel ein Mann nach hinten um. Der Rest sank einfach zu Boden. Die Minikamera wirbelte wie wild hin und her und kam dann zur Ruhe, zeigte aus seitlicher Ansicht einen Stiefel. Der Stiefel zuckte nur noch ein einziges Mal.

»Wir haben es gestoppt«, sagte Sandwell. »Es dauerte weniger als zwei Sekunden, dann waren die sieben Mann tot. Natürlich trat es hier bei seinem Austritt in konzentrierter Form auf. Aber noch Wochen später und fünf Kilometer entfernt, nachdem es sich im Luftstrom aufgelöst hatte, brauchte es nur wenig länger, um unsere Verfolgungstrupps zu töten. Es tötet auf der Stelle. Mit einer Erfolgsquote von einhundert Prozent.«

Gas, dachte January entsetzt. Oder Bakterien. Aber so schnell wirkend?

Auch die Offiziere wussten offensichtlich Bescheid: CBW, chemisch-biologische Waffen. Genau die Art von Kriegführung, mit der sie nichts zu tun haben wollten. Aber genau das hatten sie soeben gesehen.

»Unmöglich, absolut unmöglich«, sagte ein Offizier. »Die Haddies sind nicht im Entferntesten zu so etwas in der Lage. Die sind doch kaum in der Lage, Feuer zu machen. Sie benutzen vielleicht Waffen, aber sie erfinden sie nicht. Mit Speeren und einfachen Fallen ist ihre Erfindungsgabe am Ende. Sie können mir nicht weismachen, dass sie CBWs herstellen.«

»Seither«, fuhr Sandwell fort, ohne auf ihn einzugehen, »haben wir drei weitere dieser Kapseln gefunden. Ihre Zünder werden durch ein kodiertes Funksignal ausgelöst. Sind sie erst einmal aktiviert, können sie nur durch ein entsprechendes Gegensignal deaktiviert werden. Was passiert, wenn man sich sonst wie daran zu schaffen macht, haben Sie selbst gesehen. Hier eine Videoaufnahme von einem Zylinder, den wir erst vor fünf Tagen entdeckt haben.«

Diesmal steckten die Figuren auf dem Videoschirm in Biochem-Anzügen und bewegten sich mit der Langsamkeit von Astronauten in der Schwerelosigkeit. Die Kamera schwenkte zu einem Riss in der Höhlenwand. Einer der Soldaten im Anzug schob einen glänzenden Stab, den January als Zahnarztspiegel identifizierte, in den Riss. Die nächste Einstellung holte das Bild im Spiegel heran.

»Hier haben wir die Rückseite einer der Kapseln«, sagte Sandwell.

Diesmal waren die Buchstaben vollständig zu lesen, auch wenn sie auf dem Kopf standen. Man sah einen winzigen Strichcode und eine Kennung in englischer Sprache. Sandwell stellte auf Standbild.

»Rechte Seite nach oben«, befahl er. Das Bild drehte sich, SP-9, stand da zu lesen, gefolgt von US-DOD.

»Ist das von uns?«, fragte eine Stimme.

»Das SP bezeichnet ein synthetisches Prion, hergestellt im Labor. Neun ist die entsprechende Generation.«

»Soll das eine gute oder eine schlechte Nachricht sein?«, fragte jemand. »Nicht die Hadal stellen das Gift her, das uns umbringt, sondern wir selbst!«

»Prion-9 verfügt über einen eingebauten Beschleuniger. Bei Hautkontakt entwickelt es fast sofort Kolonien. Der Laborleiter verglich es mit einer Art Hochgeschwindigkeitspest.« Sandwell machte eine kleine Pause. »Prion-9 wurde für den Fall entwickelt, dass die Dinge dort unten außer Kontrolle geraten. Doch dann kam man zu dem Schluss, dass nichts so sehr außer Kontrolle geraten könnte, um seinen Einsatz zu rechtfertigen. Einfacher gesagt: Es ist zu tödlich, um eingesetzt zu werden. Da es reproduktionsfähig ist, besitzen sogar kleine Mengen davon das Potenzial, eine ökologische Nische zu besetzen. In diesem Fall handelt es sich bei der Nische um den gesamten Subplaneten.«

Eine Hand schloss sich wie ein Eisenband um Januarys Arm. Thomas’ Griff verursachte einen Schmerz, der sie aufschreien ließ. Er zog die Hand weg.

»Tut mir Leid«, flüsterte er.

January wusste, dass man eine militärische Besprechung nicht einfach so unterbrechen konnte. Aber sie tat es trotzdem. »Und was geschieht, wenn dieses Prion seine Nische ausgefüllt hat und beschließt, in die nächste überzuspringen? Was passiert dann mit unserer Welt?«

»Eine gute Frage, Frau Senatorin. Doch die schlechte Nachricht kommt nicht ohne eine gute. Prion-9 wurde exklusiv für den Einsatz im Subplaneten entwickelt. Es kann nur in der Dunkelheit leben - und töten. Es stirbt im Sonnenlicht.«

»Mit anderen Worten, es kann seine Nische nicht verlassen. Lautet so die Theorie?« Sie ließ ihre Skepsis im Raum stehen.

»Und noch eins«, ergänzte Sandwell. »Das synthetische Prion wurde an gefangenen Hadal getestet. Wenn sie ihm ausgesetzt sind, sterben sie doppelt so schnell daran wie wir.«

»Ein grandioser Vorteil«, schnaubte jemand verächtlich. »Eine Sekunde.«

Gefangene Hadal? Tests? Davon hatte January noch nie gehört.

»Und schließlich«, fuhr Sandwell fort, »wurden sämtliche Überreste dieser Generation vernichtet.«

»Gibt es noch weitere Generationen?«

»Das ist streng geheim. Prion-9 sollte ohnehin vernichtet werden. Der Befehl dazu traf nur wenige Tage nach dem Diebstahl ein. Es gibt keine Zylinder mehr außer den bereits in den Subplaneten geschmuggelten.«

Aus dem dunklen Raum wurde eine andere Frage laut: »Wie haben die Hadal unser Material in die Hände gekriegt, General?«

»Nicht die Hadal haben das Prion verteilt«, sagte Sandwell langsam. »Dafür haben wir inzwischen Beweise. Es war einer von uns.«

Der Bildschirm ging wieder an. Aus hellgrünen Amöben wurden Zweibeiner. Aber das waren keine Soldaten.

Plötzlich konnte man sehen, wie die Gestalten auf dem Bildschirm freudig losschrien, sich die Brillen von den Gesichtern rissen und sich ganz allgemein wie Zivilisten auf Urlaub benahmen. Ihre Helios-Uniformen waren schmutzig, aber weder zerrissen noch sehr abgewetzt.

»Sieh doch«, flüsterte January Thomas zu.

Dort war Ali. Sie trug einen Rucksack und sah zwar dünn, aber gesund aus. Sie ging an der Wandkamera vorbei, ohne zu wissen, dass sie aufgenommen wurde.

»Die Helios-Expedition«, sagte Sandwell für diejenigen, die nichts davon wussten.

»Wollen Sie damit sagen, dass einer von denen die Zylinder installiert hat?«, fragte jemand.

Wieder korrigierte Sandwell. »Ich wiederhole: Es war einer von uns.« Kurze Pause. »Nicht von denen. Von uns. Einer von Ihren Leuten.«

»Den Halunken dort kenne ich«, meldete sich einer der Kommandeure zu Wort.

In der Bildmitte stand ein schlanker Söldner, der drei anderen Bewaffneten Befehle erteilte. »Er heißt Walker«, sagte der Kommandeur. »Ehemals Air Force. F-16 Pilot, quittierte nach einer Menge Ärger aber freiwillig den Dienst, um in die Geschäftswelt einzusteigen. Dann hörte ich, dass er für Helios Truppen anheuerte. Mit dem haben sie sich einen schönen Haufen Scheiße eingehandelt.«

Sandwell ließ das Band noch eine Minute ohne jeden Kommentar weiterlaufen. Dann sagte er: »Walker hat die Prion-Kapseln nicht installiert.« Er ließ das Bild stehen. »Es war dieser Mann hier.«

Thomas schreckte kaum merklich zusammen. January spürte den Schock des Wiedererkennens und sah ihn fragend an. Er schüttelte den Kopf. Sie widmete ihre Aufmerksamkeit wieder dem Bildschirm und wühlte in ihrem Gedächtnis. Bei dieser Gestalt handelte es sich um niemanden, den sie kannte.

»Sie irren sich«, stellte ein Soldat aus dem Publikum nüchtern fest. January kannte die Stimme.