Выбрать главу

»Welchem Umstand verdanken wir diesen erfreulichen Besuch?« schnarrte er. »Will uns der ehrenwerte I-kucheng zum großen Sieg gratulieren?«

»Ganz gewiß nicht«, erklärte I-kucheng und ließ sich nieder. »Ich mißbillige den Krieg.«

»War auch nicht ernst gemeint«, schnappte Gorm.

»Dein Humor zieht bei mir nicht«, entgegnete I-kucheng. »Hebe ihn lieber für die auf, die ihn zu schätzen wissen.«

»Warum verrätst du uns nicht einfach, wieso du hergekommen bist? Wir können es kaum erwarten.«

I-kucheng beachtete den sarkastischen Ton nicht und erwiderte mit aufreizender Ruhe: »Ich bin hier aufgrund der fortgesetzten Feindseligkeiten zwischen dem Stamm der Wilden und den 13-K. Das muß aufhören. Im Haus herrscht zu viel Gewalt. Wir zerstören einander. Dabei ist es schon schlimm genug, daß wir es mit zwei Katzen, einer Eule, einer tyrannischen Ratte und dem Kopfjägernacktling zu tun haben.«

Gorm zuckte die Achseln. »So ist es immer gewesen. Wir müssen unseren Stamm schützen oder untergehen.«

Elfwin, der zu seiner Linken saß, meldete sich zu Wort. »Gorm hat recht. Wir sind im Besitz der übervollen Speisekammer, die alle anderen im Haus begehren. Daher schicken sie Truppen aus, um sie zu plündern. Wir antworten darauf mit Strafexpeditionen. Schwäche können wir uns nicht erlauben, sonst nehmen die Überfälle womöglich kein Ende. Glaube mir, I-kucheng, es ist ein Teufelskreis. Ich sehe keine Lösung. Ein permanenter Kriegszustand erscheint mir unumgänglich.«

Skrang trommelte wütend mit dem Schwanz auf den Boden und stampfte mit den Füßen auf. »Ihr könntet auch beschließen, den Inhalt der Speisekammer mit den anderen Stämmen des Hauses zu teilen. Dann wären zur Abwechslung einmal alle glücklich.«

Thorkils Dreibein schnaubte. Er saß niemals mit erhobener Nase da, wenn Fremde anwesend waren, sondern kauerte sich in Kampfstellung nieder, um seine Behinderung zu verbergen. Viele Mäuse ließen sich davon einschüchtern.

Skrang gehörte nicht dazu. »Was hat dieses Schnauben zu bedeuten?« fragte sie. »Hältst du nichts vom Teilen?«

»Saublöde Idee«, erwiderte Thorkils. »Völlig idiotisch.«

Gorm ergriff das Wort. »Er will damit sagen, daß es nicht genug für alle gibt. Sicher, es sieht nach viel aus, und die göttliche Speisekammer wird niemals leer, aber den größten Teil des Futters fressen die Nacktlinge. Was sie nicht wollen, geben sie den verdammten Katzen und dem Hund. Wir haben hier genug zu fressen, aber nicht genug für das ganze Haus, basta.«

Ketil war nicht gerade ein Genie unter den Mäusen. Selbst innerhalb seines Stammes, der eher durch Kampfesmut als Intelligenz berühmt war, galt er als leicht beschränkt. Nun seufzte er und sagte: »Ja, die Nacktlinge müßten verschwinden, dann wären wir die Katzen und den Hund auch los. Dann hätten wir die niemals leere Speisekammer für uns allein.«

Alle Köpfe drehten sich wie auf Kommando in seine Richtung.

Die kleine Haselmaus sah alle nacheinander an. »Was ist? Was habe ich denn gesagt?«

»Du hast gesagt«, wiederholte Gorm, »die Nacktlinge müßten verschwinden, dann wären wir die Katzen und den Hund auch los.«

»Ehrlich?« quiekte Ketil. Diesmal hatte er bestimmt etwas besonders Blödes von sich gegeben und würde Sonderwache schieben müssen. »Ehrlich?«

Elfin stieß einen Schrei aus. »Das ist geradezu brillant!«

»Tatsächlich?« erkundigte sich Ketil verblüfft. Ob man ihn wohl auf den Arm nehmen wollte?

Gytha Schönbart fügte ehrfürchtig hinzu: »Nicht nur die Katzen und Hunde, auch den Kleinen Prinzen und seinen Herrn, den Kopfjäger. Wenn die Nacktlinge gehen, wären wir alle auf einmal los.«

Gorm holte tief Luft. »Worum geht es hier eigentlich? Schauen wir uns einmal die Fakten an. Es gibt fünf Nacktlinge, die ständig im Haus leben. Dann ist noch der eine mit dem Glas im Gesicht, der tagsüber in die Küche kommt ...«

»Vergiß nicht den, der alle paar Tage mit der Saugmaschine herumfährt und die Regale abwischt«, gab Skuli zu bedenken.

»Das macht zusammen sieben, nicht wahr? Astrid, es sind doch sieben, oder?«

»Astrid ist nicht hier«, unterbrach ihn Elfwin. »Ich habe sie vor kurzem beim Töpfe-und-Pfannen-Regal gesehen.«

Gorm brummte vor sich hin. »Diese Priesterin ist nie da, wenn man sie braucht. Weiß sie nicht, daß ich eine Versammlung einberufen habe? Alle müssen anwesend sein.« Gorms Gesicht furchte sich, während er im Geiste seine Berechnungen anstellte. »Doch, ich glaube, das macht sieben. Ungefähr jedenfalls.«

I-kucheng schüttelte den Kopf. »So etwas hat es noch nie gegeben. In allen Stunden meines Lebens habe ich noch nie von einem Stamm gehört, der Nacktlinge losgeworden wäre. Sie sind einfach zu groß und dumm, wie riesiges Gemüse auf Beinen. Was soll man mit einem Wesen dieser Größe und einem Senfkorn als Hirn anfangen?«

»Der Kopfjäger ist aber nicht dumm«, meinte Thorkils. »Der Irre weiß genau, was er tut.«

»Die Kleinen können denken, aber ihr Gehirn wächst scheinbar nicht mit«, erklärte Skrang.

»Ich habe jedenfalls noch nie so etwas gehört«, wiederholte I-kucheng. »Die Nacktlinge sind immer hier gewesen, wie große wandelnde Möbelstücke. Ihre Anzahl ändert sich, obwohl sie anscheinend niemals werfen, doch sie sind immer da.«

»I-kucheng hat recht. Wie sollen wir sie loswerden? Es ist nur ein Traum«, meinte Skrang.

»Sie sind eine verdammte Pest«, grollte Gorm frustriert. »Eine Pest! Sie stopfen nur Unmengen Futter in sich hinein und rülpsen eine Stunde in der Gegend herum.«

»Manchmal stecken sie Samen in die Erde, reißen andere

Pflanzen aus und machen Rauch«, fügte Ketil hinzu. »Ich habe mal ein hübsches Nest aus solchen Samenpackungen gebaut.«

»Das wissen wir bereits«, bemerkte Gorm kurzangebunden. »Aber machen sie auch einmal etwas Sinnvolles? Etwas Vernünftiges? Sie benehmen sich überhaupt nicht wie anständige Tiere. Keiner von ihnen markiert sein Territorium, so blöd sind sie. Um Wasser zu lassen, suchen sie den kleinen Raum neben dem Schlafzimmer auf. Was für eine Verschwendung von Duft! Der ganze schöne Urin in dieser komischen weißen Schüssel .«

Elfwin seufzte. »Na ja, so sind sie eben. Sie schütten Wasser auf den Küchenboden, spülen wertvolle Krümel weg, aber sie fügen nichts hinzu. Nacktlinge sind schlicht und einfach Ungeziefer.«

Gorms Augen glühten vor Leidenschaft. »Aber wäre es nicht herrlich, wenn wir sie vertreiben könnten? Wenn wir alle Kräfte darauf konzentrieren, die Nacktlinge zu schikanieren, anstatt uns gegenseitig zu bekämpfen? Wir müssen darüber nachdenken. Es gibt bestimmt einen Weg.«

»Mir ist es zuerst eingefallen!« schrie Ketil begeistert.

»Reiner Zufall«, murmelte Elfwin.

»Ja, aber trotzdem ist es mir zuerst eingefallen.«

»Dafür gibt es eine Extraration«, warf Gorm großzügig ein. »Ich werde mich höchstpersönlich darum kümmern. Eine Maus wird für ihr Vergehen bestraft, auch wenn sie es nicht absichtlich begangen hat. Ich sehe keinen Grund, aus dem man sie für unbeabsichtigte Wohltaten nicht belohnen sollte, oder?«

Die Versammelten schlossen sich dieser Auffassung an.

Als nächster sprach I-kucheng. Er war in einer Friedensmission unterwegs und hatte anscheinend eine Revolution ausgelöst, und das in wenigen Minuten. Falls diese Revolution jedoch den Frieden brachte, hatte er sein Ziel erreicht. Sein Hauptanliegen bestand darin, die freigesetzten Energien in sinnvolle Kanäle zu leiten. »Gorm, als nächstes mußt du eine Versammlung aller Stämme einberufen. Dein Sohn Ulf muß kommen, Frych die Gefleckte, vielleicht auch Wisperer von den Unsichtbaren. Die Stämme brauchen während der Planungen einen Waffenstillstand.«

»Genau, einen Waffenstillstand«, brummt Gorm. »Aber wenn mir ein Stamm komisch kommt, dann .«

»Positiv denken heißt die Devise«, zischte Skrang. »Du mußt eine positive Grundeinstellung haben.«