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Frych die Gefleckte verschlang Mandelpudding, während sich ihre Jungen um sie drängten und die Tropfen aufleckten, die von den mütterlichen Schnurrhaaren fielen.

Iban und Astrid wälzten sich in Butter und fraßen sich durch einen Berg von Johannisbeergelee, der schließlich zusammenbrach und sie beinahe erstickte.

Wisperer brüllte jedem, der es wissen wollte, zu, die Kekse seien einfach göttlich, wobei ein wahrer Sprühregen von Keks-bröckchen auf seinen Stamm niederging. Nichtschwimmer, der den Zuschauern seine Künste demonstrieren wollte, ertrank um ein Haar im Milchkrug. Ulf fraß eine ganze Knoblauchzehe und verbrachte den Rest des Tages allein.

Über den Mäusen hing eine Wolke aus Pfeffer und Salz, Mehl und Kleie. Maisflocken knirschten in Schnauzen und unter Füßen. Äpfel wurden angenagt, Brot schlichtweg übersehen.

Es gab jedoch auch Mäuse, die Maß hielten und der allgemeinen Schlemmerorgie fernblieben. Darunter waren I-kucheng und seine getreue Skrang, denen derartige Festivitäten nicht lagen. Auch Leichtfuß hielt sich im Hintergrund und verbarg einen Teil des Futters in der Nähe ihres Nestes. Jago, der Büchergourmet, schaute angewidert zu und berichtete seinen Stammesgenossen von leckeren neuen Zeitschriften und Illustrierten, die in der Bibliothek zu haben seien - der katzen-losen Bibliothek, wie er betonte. Er befahl ihnen, mit der sinnlosen Völlerei aufzuhören, die ihnen ohnehin nicht bekommen würde.

Trödler war weniger stoisch als seine Gefährtin. Zu seiner immerwährenden Scham stürzte er sich auf ein knuspriges, süßes Gebäck und verschlang es, bis nur noch ein paar sandartige Krümel übrigblieben. Danach stöhnte er voller Reue, als das Futter schmerzhaft seinen Verdauungstrakt passierte.

Es gab Nahrung für alle, was man wollte und soviel man wollte. Eine Köstlichkeit jedoch wurde immer noch mit Ehrfurcht betrachtet und erst gefressen, nachdem I-kucheng ein kleines Dankgebet gesprochen hatte. Und selbst dann verzehrten sie nur kleine Mengen davon.

Dies war das Ambrosia der Mäuse, die Gabe des Nagergottes, der Stoff, aus dem die Träume sind: köstlicher, herrlicher, delikater Käse.

Schließlich tauchte Kellog durch ein Loch unter dem Fleischregal auf. Die Mäuse machten ihm Platz. Wortlos trampelte er mitten durch das Futter und hinterließ seine Spuren im Senf, auf Kuchen, Kartoffeln und Würstchen. Als er auf ein Stück Käse und eine Schale mit Sahne stieß, ließ er sich auf alle Viere nieder und verschlang die Leckereien. Keine Maus traute sich, auch nur einen Happen davon für sich zu beanspruchen. Nichtschwimmer hatte sich zum Trocknen hinter einen Laib Brot gelegt und wurde durch einen Geheimgang hinausgeschmuggelt.

Kellog sprach nur wenig - und das mit voller Schnauze. »Wenn ich diesen Soundso finde, breche ich ihm den Hals.«

Danach wurde das Bankett in einer gedämpften, nicht mehr ganz so fröhlichen Stimmung fortgesetzt.

Torta San Gaudenzio

In den Tagen und Nächten seines Lebens auf dem Dachboden hatte sich Kellog an Gnadenvolls Gegenwart gewöhnt. Zunächst hatte er gehofft, sie werde sich ein anderes Revier suchen und ihm die Herrschaft überlassen. Irgendwann begriff er, daß dies nicht der Fall war, und fand sich damit ab.

Natürlich war Kellog vor der Eule noch mehr auf der Hut als vor Reimern, denn sie war der Schrecken aller Nagetiere. Er und sie unterschieden sich zwar kaum in der Körpergröße, aber die Eule war ungleich wilder und verfügte über gefährlichere Waffen. Bei einem Kampf mit der Ratte würde sie unweigerlich den Sieg davontragen.

Als Gnadenvoll den Wassertank aufsuchte, verbarg sich Kel-log zitternd in seinem Nest. Er haßte es, sich vor der Eule zu fürchten, wo er doch so gern Herrscher des Dachbodens gewesen wäre. Beim Hinausschauen entdeckte Kellog ihre gefiederte Gestalt mit den furchtbaren Klauen und kauerte sich in seinem Nest zusammen. Er betete, die Eule möge ertrinken. So etwas kam vor. Eulen badeten gern und ertranken gelegentlich in Wassertanks auf Dachböden. Die Vertreibung der Nacktlinge hatte das Haus von den Menschenwesen erlöst. Der Tod von Gnadenvoll wäre das Tüpfelchen auf dem I gewesen!

Gnadenvoll stieß beim Baden seltsame Zirplaute aus, die ein Nacktling sicher ganz reizend gefunden hätte. Kellog hingegen gefror das Blut in den Adern. Später erhielt er angenehmeren Besuch in Gestalt von Zaghaft, der mit ihm den endgültigen Plan für den Anschlag auf Nichtschwimmer besprechen wollte. Der Ort des Verbrechens war schon vereinbart. Zaghaft erklärte seinem Komplizen, der ideale Zeitpunkt sei in drei Nächten, wenn die Dämmerung in die Nacht überging. Kellog stimmte ihm zu, da er die Sache endlich hinter sich bringen wollte.

Dann überließ ihn Zaghaft seinen Träumen: Träumen von köstlich verschimmeltem Käse mit fleischigen Maden, von Mehlsäcken voller Getreidekäfer, von süßen, braungefleckten Äpfeln.

Kümmel

Seit die Nacktlinge verschwunden waren, sprachen nicht nur Furz und Fusel dem Alkohol zu. Überall taumelten betrunkene Mäuse herum, stritten sich wegen Kleinigkeiten, waren ungehobelt und derb und schliefen in fremden Nestern. Manche aber behielten einen klaren Kopf, und einige wünschten sich tatsächlich die Nacktlinge zurück.

Diese Mäuse bildeten keine feste Gruppe, sondern trafen sich in Ecken und Winkeln und fragten sich, ob die Vertreibung der Nacktlinge wohl so klug gewesen war. Sie fürchteten die heraufziehende Anarchie.

»Wie könnten wir sie bloß zurückholen?« wollte eine Maus von Astrid wissen, die sich natürlich am lautesten für die Rückkehr zur alten Ordnung einsetzte. »Wir können doch nicht einfach hingehen und sagen: >Wir haben einen Fehler gemacht, kommt bitte wieder.««

»Ich weiß auch nicht, was wir machen sollen«, erwiderte die Prophetin. »Wenn sie jedoch zurückkehren, sollten wir unser altes Leben wieder aufnehmen und dem Walten der Natur nicht ins Handwerk pfuschen.«

Das Walten der Natur. Die anderen übernahmen diesen Ausdruck. Er verkörperte ihr Unbehagen über die neue Situation. Die Natur hatte beschlossen, daß die Nacktlinge im Haus herrschten, ganz einfach. Mäuse waren nicht zu Hausbesitzern geboren. Nacktlinge waren zwar Ungeziefer, aber trotz allem notwendig für einen geregelten Haushalt.

Selbst in Trödler wuchs allmählich der Verdacht, daß sie mit ihrer neugewonnenen Freiheit nicht richtig umgingen. In der fernen Hecke war man an Freiheit gewöhnt und hatte sie im Verlauf vieler Nächte in vernünftige Kanäle geleitet. In der Hecke herrschten Toleranz und Nachsicht, die dem mäusebeherrschten Haus zu fehlen schienen. In seiner Heimat kannte Trödler kein: »Das ist mein Gebiet, das ist deins, und wenn du die Grenze überschreitest, bist du tot.« Draußen sicherte man das harmonische Zusammenleben durch schweigende Übereinkunft.

Hier im Haus dagegen hatten immer feste Regeln gegolten, die nun über Nacht verschwunden waren. An ihre Stelle traten keine neuen Sitten und Gebräuche.

Jetzt, da die Nacktlinge verschwunden waren und es Nahrung in Hülle und Fülle gab, verwischten sich die Stammesgrenzen. Die Küche galt nicht länger als Territorium des Stamms der Wilden, noch gehörte die Bibliothek weiter den Buchfressern allein. Die Mäuse bauten Nester, wo es ihnen gerade beliebte, auch im Salon. Sofort kam es zu Kämpfen um die besten Plätze - wie das Sofa und die Betten -, und niemand kümmerte sich mehr um irgendwelche Regeln. Die Ordnung brach völlig zusammen.

Trödler erkannte die Gefahr, wußte aber keinen Ausweg. Im Gegensatz zu Astrid befürwortete er keine Rückkehr des Ungeziefers, sondern dachte über eine Maßregelung der zügellosesten Hausmäuse nach.

»Kommt und seht, was ich gefunden habe!« rief ein aufgeregter junger Mäuserich.

Die älteren, reiferen Mäuse lungerten auf dem Küchenboden herum und gaben sich ganz der Verdauung hin. Ihre Bäuche waren prallgefüllt, und sie fühlten sich alles andere als wohl. Die Köpfe wandten sich dem Störenfried zu, sonst rührte sich gar nichts.