Und Ecki hört das Echo seines Trapsens, weiter immer weiter, und da singt doch jemand. Nachtigall, denkt er.
IV
Sing, mein Sachse, sing … Was hast du nur für eine hässliche Stimme! Und der nackte Mann kriegt eine aufs blanke Fleisch. Ecki ist sich sicher, dass er da eine Frau hat singen hören.
Es is een eischen Ding … Das klatscht ganz prima und gibt Striemen, und der Mann singt weiter schief und krumm. Bumm-bumm. (Nee, das ist später.)
Schon das kleenste Lied, das leecht sich offs Gemiet … Da bekommt er die Dresche seines Lebens und kriecht wimmernd und singend vor der kleinen Vietnamesin rum, die ihn an der Leine führt.»Höre ich: Bitte? Bitte? Höre ich: Bitte?«Und sie steht breitbeinig und nur untenrum (Was für ein Wort. Rudeldumm!) nackt über ihm, und er reißt den Kopf in den Nacken. Nich lang Schnacken, Kopp in ’n Nacken, rufen sie im» Eisenbahner«. Dass die Leine schlaff auf den Boden hängt. Bittebittebitte. Mein Hängebauchschwein. Eine blonde Kanne geht auf mich! Reiner, mach doch mal!
Und Ecki steht an der offenen Stahltür, Wasser tropft ihm auf den Kopp, aber er glotzt trotzdem. Wird ganz sentimental. Ganz schön was los in den Katakomben. Und oben fahren die mit fremden Menschen vollgestopften Autos durch die abendliche Stadt. Wenn ihr wüsstet, Freunde der Sonne …
Und um zweiundzwanzig Uhr wird die Tür des Luxus-Stripclubs» Eden «attackiert. Die Disko zwei Straßen weiter gleich mit. Gehört beides den Brüdern R. Manche behaupten, der S. hat seine Finger mit drin. Aber geschwatzt wird viel, ohne Verstand, ohne Sinn. Eine plötzliche Entleerung der Straßen. Die Fieberträume bleiben zu Hause. Das, mein Junge, ist die Realität. Auch der Realmarkt hat bis zweiundzwanzig Uhr geöffnet. Netto. Plus. Spar gibt’s nicht mehr.
Und Ecki, der eigentlich zum Schnäppchenbumsen will, FKK! FKK!, einmal Eintritt, Getränke frei, Fressen frei und jeder Fick Aldipreise … Mein Junge, mein Junge, mach dich auf die Reise. Steht vor der halbgeöffneten Stahltür.»Herrin? Höre ich: Herrin?«
Da klatscht es wieder. Prima Echo. Prima Po. Also ihrer. (Obwohl der Mann seinen auch reckt, aber nicht so interessant, das olle Wellfleisch.) Hat er besten Blick auf den Prachtrücken. Ein Arsch, ein Arsch, ein Königreich für einen schönen Arsch! Wie sein kleiner Elch oben im Spiegelzimmer. Der staunend zusieht, wie der dürre Mann im Leib der wechselweise jungen/alten Lady K., die auf ihm sitzt, verschwindet. Nur die Socken bleiben auf dem Laken. So muss das sein, da hat ja mal eine den Spieß schön weggegärtnert. Und kleine Blüten wachsen aus ihren weißen Schultern (Solarium is out, das macht nur Leder), und der Elch ist ganz verliebt. Auf dass ich hierbleibe bis zum Ende meiner Tage. Shut up, Holzkopf!
Herrin. Das Gesicht des Mannes ist nicht zu sehen unter der schwarzen Maske. Und dann bricht sich das Licht, rot, gold, und er trinkt. Und Ecki bleibt die Spucke weg, weil die tropft am Zahn. Loses Mundwerk, ich schäme mich. Weil er die kleine Vietnamesin plötzlich erkennt.»Fühl doch mal diesen Knubbel da, Ecki, ob das Krebs ist? Oh Gott, das muss Krebs sein, das ist schon seit Monaten da und wird immer größer. «Sie presst seine Hand an die Rippen, direkt unter ihrer linken Brust. Warum weiß er jetzt, dass sie ihm gleich von ihrem kleinen Hund erzählen wird? Den sie weggeben musste, weil keine Zeit, und der arme Kerl immer allein, und dann immer auf den Teppich gemacht. Macht sie dann doch nicht. Vom Hund erzählen. Da haben wir die Streckbank. Den Gynäkologenstuhl.
Und vor der» Sexworld«, die später» Club der Engel «heißen wird, treffen die Rollkommandos erstmals aufeinander. Und oben im Büro sitzt einer und denkt und plant und weiß, dass das am Ende alles zu seinem eigenen Vorteil führen wird. Dildo 2 kippt um, so heftig geht’s zur Sache.
Und wenn es nun doch Krebs ist? Ausziehen. Wie einen das manchmal plötzlich überkommt. Dreilochstute. Hast du nicht einen Hund, der immer auf den Teppich kackt? Da sagt sie:»Ich möchte ein Pferd, irgendwann mal.«
Und Ecki stapft durch den Schlamm der Katakomben, je tiefer er vordringt, umso feuchter wird es, denkt immer nur an den großen neuen FKK-Club, die Polinnen und Tschechinnen und Ungarn-Girls machen wohl mehr als achtzig Prozent der Belegschaft aus, hat er gehört. Inder für die Nacht, Ausländerquoten, Multi-Kulti on the road. Vitaminbomben.»Ich sag ja immer, von wegen Nacht, Nacht, Nacht, Manager der Nacht und was so alles erzählt wird. Blödsinn. Die meisten Geschäfte machen die Mädels in meinen Objekten am Tag. Ja, am Tag. O.k., FKK ist abends, ist meist nachts. Ist aber die Ausnahme. ›Sexworld‹ und Co. und Haus X undsoweiter, Club Hans, ja, das ist nachts, deswegen die Arbeitsteilung zwischen mir und meinem geschätzten Kollegen, der jetzt oben im baldigen ›Club der Engel‹ sitzt. Einer hat die Majorität der Wohnungsgeschäfte, der andere die Majorität der Clubs, der Puffs, sag ich jetzt mal so salopp, weil das natürlich ’n Unterschied ist, Puff, Club etc. der Nacht, da sind wir wieder. Klar arbeiten manche der Sexarbeiterinnen in meinen Objekten bis zwei, drei am Morgen. Sind aber die wenigsten. Der Spießer, sag ich jetzt mal so salopp, zieht am Tag los, schleicht.«
Und Ecki schleicht sich von der Tür weg, die auch halbgeöffnet ist, stößt sich an der Wand und spürt seinen wunden Popo, Penaten, Penaten, macht ihn froh, den wundgedroschnen Po, Bepanthen ist auch ganz gut, und dann gibt’s da so ’ne blaue Tube aus good old England, Saflon, das tuuut guuut. Schleichwerbung. Und Ecki hat Männer hinter dieser Tür gesehen und gehört. Die hoben den Becher und schmiedeten den Pakt. Paar von denen kannte er, vom Sehen, würde er jetzt mal ganz salopp sagen, die haben in dem Jahr, in dem er in den Katakomben unterwegs ist, also ganz aktuell, schnell, schnell, Kneipen und Diskos und Restaurants, und haben die rotglühenden Scheine uminvestiert inzwischen, seit Jahren, ein Restaurantbetrieb führt sich auch einfacher, gelle? Quatsch keinen Mist, genauso schwer, kriegst glei ’ne Kelle (ugs. für Maulschelle, Ohrfeige, mittelkräftiger Gesichtsschlag). Aua, no, mir zwiebelt noch der Po. Nu is aber genug mit diesem Unwort, pro forma, pro Fauna, hat er nicht vorhin über die großen Farne gestaunt, ob die Wagen, vollgestopft mit den fremden Menschen (die ja gar nicht so fremd sind teilweise, Teilscheiße, weil sie natürlich über eine Basis hier in der Stadt verfügen … die Syndikate kaufen die Söldner, holen die Brüder …), vor den exotischen Gewächsen stehen und staunen und vergessen, dass genau um zweiundzwanzig Uhr zweiundzwanzig die nächste Attacke der nächsten Tür ansteht?
Und Ecki wundert sich über das Zeugnis in seiner Hand. Ein richtiges feines Formblatt. Die Lampen an der Decke des Ganges, unter vergittertem Milchglas, und nur hin und wieder noch intakt, sprich leuchtfähig, geben kaum Licht, um das zu lesen. Ich schieb dir den Dildo rein, während ich dich ficke. O.k.? Sagt Mann, sagt Frau? Der Spieß wird umgegärtnert. Kriechen: 3, Hocken: 2, Schmerzen aushalten: 3, Gehorsam: 3+, Singen: 5, Trinken: 2.
Ich meine, man kann beides sein, nicht wahr? Quälen und gequält werden. Reiner, lach doch mal!
Die Steinfresse erzählt seit drei Stunden ununterbrochen. Leben und Lesben lassen. Wo hast’n den Mist her? Pornoqueen, Dschungelcamp. Sicher, da gibt’s Leute, die sind nur das eine, sind nur auf das eine und einzige spezifiziert. Sado-Maden oder eben maso mir, maso hier, ja. Aber wenn ich so an mich denke, nein, die alte Schule hab ich auch drauf, an und für sich … Es muss nicht immer Kaviar sein. Und ich dann Gentleman, würd’ ich sagen. Zieh die Socken aus! (Nee, wir wolln gar nicht wissen …, aber die stinken! Und der kleine Elch liegt aufm Boden, halb unterm Bett, und meckert leise vor sich hin und wundert sich über den Armani-Anzug, dessen weicher Stoff fast sein Geweih berührt, weil doch der Schlüpper daneben ’n Braunstich hat.) Da denke ich, dass das einige von meinen Stammmädels auch so sehen. Würde ich mal sagen, felsenfest. Jetzt.