Jedenfalls, was ich sagen will, die Claudi damals noch ’n bisschen was auf Tasche gerettet und dafür in ’ne Bahnhofsboutique von der Freundin mit eingestiegen, das läuft so halbwegs, na ja, und davon leben wir jetzt. Da, wo wir früher mit ’nem Arsch voll Weiber rumgezogen sind, also Dortmund, Essen, der Pott halt, da sind jetzt die Kanacken oder die Russen am Drücker oder die Engel, oder da stehn Riesenpuffs von jungen Investmenttypen, Aktie Rot läuft irgendwie immer. Aber so Klassiker wie uns, wie die alte Garde, Fehlanzeige.
Man darf auch nicht unterschätzen, wie viele Weiber heute auf eigene Rechnung ackern, also in großen Läden, FKK-Clubs, Nobelpuffs, Laufhäusern, wo dich keiner so einfach angraben kann.
Ich hab meine Mädels früher immer aufgeteilt, zwei in ’n Puff, zwei auf die Straße. Also wenn ich vier Hühner auf der Stange hatte. Ich hatte nie ’n Großharem, da hätt ich ja gleich ’n Puff aufmachen können, aber nee, viel zu viel Arbeit, das ist nämlich ’n Schweinejob. ’n paar von den alten Kumpels sind in ’n Laden mit eingestiegen oder haben einen aufgemacht, manche sogar ’ne richtige Bar oder ’n Restaurant. Mit Bar oder Restaurant hatte ich auch ’ne Zeitlang überlegt, aber siehe oben. Ich meine, ich hatte ja wirklich viel verdient, die Mädels haben geackert wie blöd in den Neunzigern, die Claudi immer vorneweg. Da hatten wir ’n klasse Apartment in Dortmund, wo wir alle gewohnt haben, dann hatte ich noch ’ne Wohnung in Essen, da hatte ich die Melanie untergebracht, weil die mit den anderen nicht konnte, und später die Grit, und dann immer hin und her, ist jetzt nicht so, dass ich da gar keine Arbeit hatte. Im Gegenteil. Halt du mal ’ne Handvoll Mädels bei Laune. Gekommen sind die meisten immer von alleine. So ging das auch los, damals in den goldenen Achtzigern.
Ich war ja kein Hüne oder kein Karate-Champ wie der U., den ich gut kannte. Der hat ja wie so viele an der Tür angefangen im Pott. Also in den damals berühmten Diskos. Klar, Sport war immer ein Thema, weil gut aussehen musst du ja schon, also körperlich.
’n Gesichtsquasimodo zieht natürlich die Bienen nicht an. Und ’n Körperklaus auch nicht, wenn ihr wisst, was ich meine. Obwohl, da gab’s den F. aus Schwerte, dem sein Gesicht war ’n einziges Unglück, wie in den Rasenmäher gekommen, aber eben gefährlich. Der war aber ’n Hüne. Ich eher so Marke Drahtesel. Also ohne Esel. War früher ’n Leichtathletik-Ass, aber immer schon gut und geschmeidig unterwegs, was die Keilerei betrifft. Hab mit dem U., also dem Karate-Champ, auch hin und wieder trainiert, aber Verein, nee, das war nicht meins. Jetzt meckert die Claudi immer rum oder macht sich lustig, wenn ich die ollen Geschichten auspacke. Gesichtsquasimodo und Körperklaus. Hab ja auch ordentlich zugelegt. Aber damals … Na ja, ich konnt sie echt kaum von der Backe kriegen, das muss achtundachtzig gewesen sein. Wollt ich ja auch gar nicht.
Ich hab mich seit der Schule, also seit der zehnten Klasse, hab ja ’n ganz guten Abschluss gemacht, ja, ja, Realschule, eigentlich immer in den Diskos rumgetrieben. Sah da schon aus wie zwanzig oder so. Einer meiner besten Freunde hatte ’ne Bar, der war etliches älter als ich und kam aus derselben Siedlung in Bottrop, alte Arbeitersiedlung, wo ich groß geworden bin. Da hing immer die ganze Ludengarde rum. Und dem hab ich oft geholfen, also neben der Lehre, hab Raumausstatter gelernt, weiß gar nicht, ob’s das heute noch gibt, hab da mal im Lager und für die Jungs, also die Ludengarde, die da immer rumhing, dies oder das besorgt und geholt, und später, als ich die Fleppe hatte, bin ich auch für ihn und die ’n bisschen rumgefahren, hab die Mädels abgeholt, wenn die Jungs mal wieder einen im Tee hatten. Mein Chef, bei dem ich die Lehre gemacht habe, hat da immer bisschen komisch geguckt, wenn ich ’n Auftrag angeschleppt hab, für ’n Laden oder ’ne Wohnung.
Ich hab die, muss ich ehrlich sagen, immer bewundert, von Anfang an bewundert. Die fuhren die geilsten Schlitten, klar, da hat man sich gesagt, so ’n Schlitten will man auch mal fahren. Und die hatten immer Zeit, also diese Jungs. Konnten jeden Abend in die besten Bars und Diskos gehen, die’s zu der Zeit gab im Pott. Die hatten die teuersten Lederjacken, Ledermäntel, Hugo Boss war da noch das Billigste, sag ich mal. Scheißteure Uhren, Klunkers, Ketten undsoweiter. Und nicht nur die geilsten Schlitten, die geilsten Schnitten. Na klar hat der kleine Randy da geguckt. Nur 1-a-Miezen. Ja, ich muss das so sagen, das war wie aus Tausendundeiner Nacht. Und die haben ’n Scheiß auf gar nichts gegeben. Die lebten in ihrer eigenen Welt. Und wenn mein Kumpel, also der die Bar da hatte, die Jalousien runterzog, ging’s da richtig ab. Weißes Gold und sowas, wenn ihr versteht. Und dann am Morgen, also irgendwann drei, vier, weiter in die Diskos. Und ihre Mädels klebten richtig an denen dran. Na klar, da hat der kleine Randy auch schon mal mitgekriegt, dass es mal einen Satz heiße Ohren gab, also mit den Kollegen beziehungsweise der Konkurrenz, aber auch mal bei den Mädels. Aber nie richtig doll. Da muss ich gleich dazusagen, dass ich später eher Marke Poussierstengel war, ist ’n altmodischer Begriff, ’ne ganz feine Pflanze, das war dann aber sowas von selten, dass mir mal die Hand …, also bei meinen Mädels. Und die Erste kam von ganz alleine. Da war ich grad mal zwanzig geworden. Da hab ich noch ganz schön rumgestümpert, und das hat noch paar Jahre gedauert, bis ich wusste, wie das alles richtig läuft, wie man so ’n Mädel richtig bei der Stange hält. Und auch wenn das die Claudi nicht so gerne hört, die Mädels von der Ludenbrigade, die haben mich damals ganz schön rangenommen, so ’nen Pimpf wie mich, und ihre Männes haben drüber gelacht, weil die mich alle schon gut leiden konnten. Tut dem schönen Jungen mal was Gutes. Aber wenn’s dann mal zur Sache ging, weil irgendwelche Typen Streit anfingen, war ich sofort mit dabei. Da haben die mich unterschätzt, alle. Also nicht lange. Den U., den Karate-Champ, und der war wirklich mal deutscher Meister Anfang oder Mitte der Achtziger, den kannte ich da schon ganz gut. Wobei das schon inflationär war, mit den Karate-Namen, damals. Da gab’s Karate-Andy, Karate-Mike, Karate-Theo (alias der» schöne Theo«), Karate-Werner, dann den sogenannten Karate-Opi, Karate-Schwärtner, Karate-Mannie aus Essen, Karate-Horst, Karate-Micha, Karate-Steffen, nee, das war so ’ne Ostpocke etliche Jahre später, Karate-Karl, Karate-Bernd, Karate-Schwanz …, obwohl den kaum einer außerhalb von Bottrop kannte. Da waren schon etliche harte Jungs drunter, aber da gab’s auch den ein oder anderen, der war eher Karate-Film-Fan. Bruce Lee und so. Obwohl, das war ja nun Kung Fu.
Also mit dem Karate-Boom hatte ich da nicht so viel am Hut, aber, und das war das, ich kannte paar von den Typen ganz gut. Und wenn’s zur Sache ging, war ich auch ohne Karate gut dabei. Die Siedlung in Bottrop, wo ich aufgewachsen bin, das war schon echt Ruhrpott. Hartes Pflaster. Mein Häuschen habe ich mir schon woanders zugelegt, also wir, Bottrop-West, mit schönem Landschaftsblick. Klar, das gibt’s hier.
Und mein erstes Mädel, da muss ich so zweiundzwanzig gewesen sein, da bin ich zu gekommen wie Mutter Maria zum Begründer des Christentums. Na ja, nicht ganz. Aber ich glaube, die Jungs wollten mich bisschen austesten. Die Disko gibt’s heute schon längst nicht mehr. Ich sagte ja, alles aussterbend. Die hat sich mir, wie man so sagt, an den Hals geschmissen. Und da gab’s ’n anderen Assi, meine, überhaupt ’n Assi, weil der Großteil, eigentlich alles, von dem, was ich verdient hab in meinem Job, also kurz nach der Lehre, ging für Klamotten drauf. ’ne Corvette und so konnte ich mir da noch nicht leisten, war immer als Sozius unterwegs mit den Jungs, da war ich auch immer stundenlang beim besten Friseur, ich hatte ja Naturlocken, und das dauerte seine Zeit.
Jedenfalls macht der Assi Stress, weil da die Kleine bei mir am Tresen und dann auf der Tanzfläche. Und als der uns und mir blöd kam, musst ich ran. Ran und rein in den Mann. Das ging aber ganz schnell, weil der hatte mich Leichtathletiker einfach unterschätzt. Und da hatte ich dann meinen Ruf weg. Das Blöde war, dass ich da noch heimlich, mehr oder weniger, bei meiner Mutter ein Zimmer hatte. Aber der G., was einer von den Jungs war, hat mir sofort eine seiner Wohnungen weitervermietet. Und dann fing das an zu laufen. Klar, erstmal richtig gut, dann wieder holprig, wie das eben so ist. Und das war schon ’ne klasse Frau, die Grit aus Bochum, da kann man gar nichts sagen. ’ne junge Frau. Die ist dann bis Mitte der Neunziger bei mir geblieben, also fast zehn Jahre. Die hat dann einen kennengelernt, der wollte mit ihr ’ne Familie gründen, also sie mit ihm, weil irgendwann wird der Ruf des Nestes übermächtig, obwohl wir beide, anfangs allein und dann mit den anderen Mädels, ’n ganz prima Nest gehabt haben. Der Typ, und das hat die Grit auch so gewollt, hat dann bisschen was hingelegt, weil der natürlich wusste, was los ist, weil der sie ja so kennengelernt hat. Das ist nicht immer so gelaufen, wenn eine von mir wegwollte. Ich meine, da gab’s die Hardcore-Luden, das kann ich von heute aus schon so sagen, die haben da nichts anbrennen lassen und haben den Mädels jede Mark abgeknipst, dafür hatten die ’n schönes Leben, also wie man’s nimmt, Disko, Klamotten, Klunkers, Schampus und Highlife, aber ich hab meinen Mädels immer was gegeben, war da nicht knausrig, wenn ich die Kuppe in der Hand gehalten hab, die schönen alten D-Mark-Scheine, da könnt ich glatt sentimental werden. Die Claudi war da ganz froh, wo die Grit weg war, weil sie immer bisschen eifersüchtig auf meine Erste gewesen ist.