Выбрать главу

Na ja, und so hat sich das eingespielt. Den Job hab ich dann irgendwann geschmissen, wann genau, kann ich gar nicht mehr so genau sagen. Sechsundachtzig, Siebenundachtzig. Klar, in den Diskos hat man natürlich auch sondiert. Hat geschaut. Was geht, welche geht. Wo kannste dich dranhängen. Ich meine, damals, da war ich auch einer zum Anbeißen, immer fit, Körper und Kopf, immer mit ’nem super Wagen, weil die Corvette hab ich mir gleich gekauft, wo die Kohle durch Grit auf Tasche war. Und so weiter. Ich meine, so schwer war das nun doch nicht, wenn man damals bei den Jungs mit dabei war. Na klar kam das vor, dass man das eine Mädel mal bisschen mehr beschwatzen musste. So nach dem Motto, da weiß ich ja nun nicht weiter, und wenn du da nichtmal mit dem und dem, dann bin ich halt weg. Aber vorher natürlich immer in der Corvette unterwegs, und da ’ne Klunker an ihren Hals dran, und dann mal ein Wochenende auf Sylt, ich meine, das waren die Achtziger, da war so ’n Mädel, was sonst nicht viel auf Tasche hatte und sonst auch nichts, das konnte man schon erkennen; ich war immer im inneren Kreis unterwegs, also bei den Jungs, die ich aus der Bar von meinem Kumpel kannte …, da war man wer …, ja, da war ich wer, und den Ruf, dass der Randy in den Mann reinhaut, den hatte ich auch schon …, und die Mädels hatten meistens ja Freundinnen, an die man leicht rankam …, und wenn da die Karla zum Beispiel grad ’nen Job hatte bei Karststadt an der Kasse und seit Monaten immer in meiner Disko rumstand mit ihren schönen Augen, ja, schönen Augen, da war ich da natürlich dran, wenn die Jungs mir grünes Licht gegeben haben. Was soll ich sagen, schon bisschen Arbeit manchmal, aber nicht so, dass ich da die Biene anklapsen musste, nee, gar nicht.

Vielleicht später, dann und wann mal. Aber wie gesagt, da war ich nie so.

Ich würde sagen, dass die alle gut dabei waren, damals. Erstmal die große Liebe, Schampus, Sex, Schampus … und immer wieder. Immer wieder. Dann haben wir da auch Sachen inszeniert. Oh je, da kommt dir einer blöd, Baby, na fix ist der Randy da. Und hilft dir. Aber wie gesagt, da stehst du so rum bei den Kings am Tresen, da sind die fast …, ja, und das könnt ihr glauben oder nicht, von ganz alleine gekommen.

Du, Baby, weißt du, was wir da an Kohle scheffeln, vergiss alles andere. Und dann aus den Siedlungen im Pott voll rein ins Highlife. Party, Schampus, Koka, Geld. Und der schöne Randy, der dich liebt. Na, aber hallo!

Das ging dann so weiter und weiter. Und Kohle hatten wir ohne Ende. Ich und die Mädels, die Mädels und ich. Die Claudi, was meine wirkliche große Liebe war, hat da schon mitgeholfen. Die geht mal lieber auf die Straße, klar, da kannte man alle Brigaden inzwischen, die geht mal lieber in Bochum ins Laufhaus …, und die Claudi selber stand in Essen auf der Straße, also nicht auf irgendeiner Straße, wie die Königin. Alle haben sie gekannt, alle haben die respektiert. Weil sie ’ne klasse Frau war, klar, auch noch ist, und der Randy steht dahinter. Und dann kam das, was sie drüben die Wende nannten …

Wir haben das anfangs gar nicht richtig mitgekriegt. Wir waren ja ständig am Feiern, die Mädels am Geldranschaffen, da waren die Nächte oft erst am Vormittag zu Ende, Disko, Disko, und der Schampus floss, die Mädels hab ich gut gemanagt damals, die Claudi hat den Laden auf jeden Fall mit zusammengehalten, die wusste immer, wenn einer mal der Schuh drückte oder wenn eine mal Urlaub brauchte, wir waren schon wie ’ne große Familie, eher wie so ’ne große Ehegemeinschaft, damals hatte ich auch die Rosie, die kam aus Bayern, vom Lande, und der konntest du alles erzählen, die stand schon nach paar Tagen für mich in Dortmund auf der Meile. Ein guter Lude, und das sage ich mit ’nem gewissen Berufsstolz, obwohl ich ja schon längst im Ruhestand bin, muss schon ’ne Menge von Psychologie verstehen. Aber die Mädels hatten ein gutes Leben beim alten Randy, das muss ich mal so sagen. Alles im Überfluss, wer sagt da schon Nein? Na ja, und die Wende jedenfalls. Das mit der Mauer war ja alles weit weg. Aber Anfang neunzig, da fing man schon an, sich da Gedanken zu machen. Also was das Geschäft betrifft. Oder die Geschäfte. Da war ja plötzlich ’n Riesenmarkt offen auf einmal. Da setzte die Völkerwanderung ein, also beidseitig. Plötzlich hatten wir die Ostpocken hier, da schlichen die bei uns ums Eck und wollten auch mal mit ’ner richtigen Hure, weil sowas gab’s ja bei denen nicht in all den Jahren. Aber das war nicht so, dass das uns plötzlich die Taschen vollgemacht hat. Na klar, ein bisschen schon. Da warn wir auch clever und haben da die Sondertarife fürs Begrüßungsgeld eingeführt. Da ist so manche Ostpocke auf der Bahnhofsmission gelandet, weil er nach ein, zwei Nummern vollkommen pleite war und nichtmal mehr ’ne Rückfahrkarte hatte. Oder die haben ihre Alte zu Karstadt geschickt und standen dann mit offenem Mund und offener Geldbörse im Bahnhofsviertel oder auf der Meile.

Aber da war mir schon klar, dass das viel besser in die andere Richtung laufen kann. Mit der Völkerwanderung, mit der Völkerverständigung. Und was da Anfang neunzig alles an Waren nach drüben in den Osten geflossen ist. Was wir denen alles für Nippes und Fresskram rübergeschleppt haben. Also jetzt nicht wir direkt, die gute alte Luden GmbH, nee, ich meine so Glücksritter und Geschäftemacher und alle möglichen Arten von Abziehern. Ein Bekannter von mir kaufte regelmäßig tonnenweise Joghurt auf, wo das Verfallsdatum fast rum war. Haben die eh nicht drauf geguckt in ihrem Wahn. Na klar, dachten die Kumpels und ich da gleich, dass wir da doch unsere Mädels rüberkarren müssten, die waren ja wenigstens frisch, und das meine ich jetzt nicht irgendwie respektlos. Der Kuchen-Klaus, ein Freund von mir, ein alteingesessener Zuhälter aus Bielefeld, hat sich ’nen kleinen Imbisswagen besorgt, Bouletten, Hotdogs, Pommes, der kannte sich ein bisschen mit sowas aus, weil er mal in ’ner Bäckerei gearbeitet hat in den Siebzigern, der suchte noch ’n zweiten Mann, und da bin ich das erste Mal rüber in den Osten gekommen. Die Claudi und die Rosie hab ich mitgenommen, der Rest der Kompanie blieb im Pott, was im Nachhinein ein Fehler war, weil ohne die Claudi ging’s da drunter und drüber bei den Mädels, eine war weg, als ich wiederkam. Der Klaus hatte zwei von seinen Mädels mit. Da sind wir dann durch die sächsische Provinz getingelt. Zwickau, Karl-Marx-Stadt, Mutzschen. Die Leute haben uns den Fresskram aus den Händen gerissen, Pommes rotweiß war der Hit in der Zone, und dass wir Mädels dabeihaben fürs Spezialmenü, hat sich schnell rumgesprochen. Das war noch vor der Währungsunion im Juni. Da hatten wir bündelweise Ostgeld, das wir dann eins zu zwei zurückgetauscht haben, der Klaus kannte da einen von der Sparkasse Bielefeld, also zumindest hatten wir das vor, die Kohle zur Sparkasse b. Da waren manchmal plötzlich paar tausend weg, Aber richtig ging der ganze Wahnsinn dann erst im Sommer los. Das mit dem Imbiss war uns dann doch zu anstrengend, die Mädels haben auch nur nach Frittenfett gerochen, weil mit der Braterei und der Fritteuse, das haben die dann doch besser hingekriegt als der Klaus und ich. Also haben wir den Imbiss verkauft, an wen und für wie viel kann ich heute gar nicht mehr sagen, das war in irgend ’ner Kneipe in ’nem Nest namens Altenburg, aber es gab ja auch an jeder Ecke da im Osten ’ne Imbissbude plötzlich, keine schnelle Mark mehr aufm Frittenmarkt, war ja auch nur so ’ne Idee gewesen, um unsere eigentlichen Geschäfte bisschen zu tarnen.