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Wenn ich heute über die linke Lippe streiche, kann ich den winzigen Knubbel noch spüren. Ob den die Kerle auch spüren, wenn sie mich lecken? Also zumindest meine Privat-Lecker. Der Alex, mit dem ich ’ne Zeitlang zusammen war, dem hab ich das mal erzählt. Die Rasiermesser-Aktion. War aber eher ’ne Affäre. War ein Guter, der Alex. Schade, dass er nicht mehr für den Chef arbeitet. Ist jetzt wohl bei den Engeln. Ich kannte mal eine, die hat als Sklavin bei ’ner Domina gearbeitet, die hat sich mal die Lippen, ja, die Schamlippen, zunähen lassen. Glaubt mir kein Mensch, wenn ich das erzähle. Die hatte Narben, aufm Rücken und anderswo. Kann ich nicht verstehen. Aber die stand wohl wirklich drauf. So, jetzt ist’s aber genug, wir sind hier nicht im Streichelzoo. Ich stehe auf und gehe ins Bad. Wie alt er wohl ist? Anfang zwanzig? Als ich Anfang zwanzig war …

Ich wische mir mit dem Waschlappen über die Titten und lächele in den Spiegel. Groß und blond und nordisch. Hallo, Miss Walküre. Bist weit gereist aus Schwerin.

Und ich wische mir mit dem kalten Lappen übers Gesicht. Und ich gucke in den Spiegel und wische und wische, Schultern und Hals …, und da habe ich doch glatt wieder vergessen, was mir da eben noch durch den Kopf ging, Guten Tag, ich bin dreiunddreißig, und mein Gehirn läuft aus. Da war doch was, irgendein blöder Witz von der Petra, also der Babsy, nee, umgedreht, die andere erzählt nämlich nie Witze. Jetzt hab ich’s wieder. Als der Junge vorhin seinen Hektoliter abgeladen hat, da fiel mir dieser bescheuerte Kifferwitz ein. Einen Dauerkiffer erkenne ich sofort, spätestens, wenn er mich anspritzt. Oder sagen wir mal so, wenn er mich anspritzen will. Es ist jetzt nicht so, dass da Horden von Kiffern zu mir kommen, aber ein paar sind’s schon gewesen, in den Jahren. Gegen einen kleinen Joint ab und an, so zur Entspannung, habe ich gar nichts einzuwenden. Der verrückte Deutschlehrer, der bis vor ein, zwei Jahren Stammgast war, hat am Anfang noch jedes Mal die Tüte auspacken wollen, ich meine, einen Joint. Biste bekloppt, nicht in der Wohnung. Komm ja auch nicht in seinen Unterricht und drehe mir einen Riesen-Dübel. Hat schon gereicht, dass der Typ immer mit Gedichten anfing, wenn er sich entspannt hat nach der ersten Nummer. Das ist dann immer wie ein tropfender Wasserhahn bei denen. Den Kiffern. Pitsch, patsch und noch ein Tröpflein. Da läuft mir die Suppe immer über die Hand, und wenn sie selber wichsen, manche wollen ja unbedingt selber wichsen, bevor sie mich anspritzen, ja, Baby, ja, Baby, ich geb’s dir, na dann gib doch endlich! und pitsch, patsch aufs Bettzeug, obwohl ich das Küchentuch schon parat hab. Scheiß Sauerei. Guten Tag, ich bin Kiffer, und mein Schwanz läuft aus.

Ja, genau, jetzt hab ich den Witz wieder. Und lass ihn nicht mehr los. Drei Kiffer, nee, zwei Kiffer, die sitzen so in ihrer Bude rum und rauchen ein schönes Pfeifchen oder meinetwegen ’ne Bong, die ziehen jedenfalls richtig schön einen durch. Und quatschen auch, so wie die Kiffer eben quatschen. ’n Haufen Müll. Aber das ist nicht so wichtig für den Witz. Und da klingelt’s dann. Und die rauchen ihr Zeug, und fünf Minuten später sagt der eine Kerclass="underline" »Du, da hat’s doch eben geklingelt.«

«Hm, ja«, sagt der andere,»da musste wohl mal an die Tür gehen.«

«Nee«, der will nämlich nicht,»geh du mal bitte.«

«O.k.«, sagt der,»gleich. «Und dann rauchen die weiter, und wieder sind fünf Minuten um, und die gucken sich an.»Hat’s nicht grad geklingelt?«

«Stimmt. Wolltest du nicht gehen?«

«Nee, du.«

«Stimmt. O.k. «Und dann rauchen sie noch was, und wieder sind so fünf Minuten um, und dann steht der eine auf und geht zur Tür und macht auf. Steht ihr Kifferkumpel draußen und freut sich.»Mensch, eben erst geklingelt und schon is offen.«

Da hab ich den tatsächlich zusammenbekommen. Und dabei vergesse ich Witze eigentlich sofort. Herr Doktor, ich bin dreiunddreißig, und mein Alzheimer ist geheilt.

Ich gehe zurück ins Behandlungszimmer, und da hat der grüne Welpe doch tatsächlich wieder einen Ständer. Hast wohl heimlich gewichst, du Schlingel, damit sich der Stundenservice lohnt.»Bläst du ihn noch mal, bitte.«

Oha! Ein kleiner Kavalier, der das Wörtchen» Bitte «kennt. Nette Umgangsformen am Arbeitsplatz verbessern das Betriebsklima.»Na klar«, sage ich und rolle ihm einen Gummi drauf. Er stöhnt schon wieder, da habe ich ihn noch gar nicht richtig in der Hand. Dann küsse ich ihn, also seinen verpackten Schwanz, und dann fickt er mich, er liegt auf mir und ist ganz aufgeregt und zittert fast.»Ist’s gut so«, fragt er,»ist’s gut so?«

«Ja«, sage ich,»du machst das wunderbar. Besorg’s mir richtig.«

Und da will er mich doch schon wieder küssen, und ich drehe meinen Kopf weg, und er streift mit seinem Gesicht über meine Schultern, meinen Hals. Dann ist er plötzlich fertig, so plötzlich kam das für mich aber nicht, denn ich hab über seinen Rücken nach seinen Eiern gegriffen, und er wird steif wie ein Brett, und von der Stunde, für die er bezahlt hat, ist grad mal eine halbe um.

Ich streiche über meine Pussy, die ist schon etwas geschwollen, denn Welpe ist Nummer 5. War ’n guter Tag heute. Und es wird erst langsam Abend. Ich muss mehr Gleitgel nehmen. Gestern war ich fast den ganzen Tag alleine. Nur ein Feierabendrammler um sechzehn Uhr. Der ist für hundertfünfzig geblieben, und damit war meine Wochenbilanz wieder o.k. Und heute wird wieder in die Hände gespuckt, ich steigere mein Bruttosozialprodukt. Eigentlich wollte der NS-Jürgen gestern kommen. Dieser Arsch ist echt unzuverlässig. NS-Jürgen, so hab ich ihn in meinem Arbeitshandy gespeichert, und wenn ich das Leuten erzählen würde, was ich natürlich nicht mache, Diskretion ist alles, so rum und andersrum, die würden bestimmt fragen:»Was, der Nazi-Jürgen?«

Nee, nix Nazi. Natursekt. Der legt sich in die Badewanne, und ich pisse auf ihn drauf. Dann wichst sich der Jürgen einen ab. Schnelles Geld, aber ich muss immer literweise Tee trinken, weil ich nämlich ’ne ganz gute Blase habe, und danach ist immer Großreinemachen angesagt in der Badewanne. Essig ist das Beste. Und baden tu ich nur zu Hause.

Der Junge wälzt sich von mir runter und kuschelt sich an mich. Ich steh nach ’ner Weile auf, und er rollt sich zusammen. Welpe eben. Und ich reiß was von der Zewa-Küchenrolle ab, ich sollte Werbung machen für die,»Für jeden Schuss, das beste Tuch! Und kein Tropfen geht daneben!«, und zieh ihm das Kondom runter und mache seinen Schwanz sauber. Nehme ein Hygienetuch aus dem Spender.»Du bist …«

«Ja, ja«, will ich sagen, lasse es aber dann. Gästepflege. Und ich geb ihm ’n Klaps aufn Arsch, und er spielt sich schon wieder an seinem schlaffen Schwanz rum. Lass dir bloß Zeit, Rambo.

Ich knülle das Papier mit dem Gummi drin zusammen und werfe es in den kleinen Mülleimer. Der Deckel öffnet sich, wenn ich den Fuß auf das kleine Pedal stelle. Ich gehe ins Bad und wasche mir wieder die Hände. Und dann liege ich wieder neben ihm und rauche. Der Ascher steht auf dem Nachttisch. Ich biete ihm eine an. Mache ich eigentlich nie.»Danke«, sagt er und nimmt das Feuerzeug. Er hustet kurz, als er den Rauch ausstößt. Komm nur öfters zu Mutti, Jungchen, das kriegen wir schon hin. Wir liegen eine Weile rum und schweigen. Manche fangen ja ohne Ende an zu quatschen, wenn sie fertig sind und noch viel Zeit auf der Stechuhr ist. Andere können gar nicht schnell genug in die Klamotten rein, wenn der Gummi voll ist. Viele zahlen ja nur für eine Nummer. Hat alles seine Vor- und Nachteile. Endlosschleife in meinem Kopf.

Der Junge ist noch keine zehn Minuten weg, da habe ich schon fast wieder vergessen, wie er aussah. Blond? Nee. Egal. Hat er mir links und rechts einen Kuss auf die Wange gegeben, bevor er gegangen ist? Ja, hat er.

Vielleicht kommt er ja wieder. Wär ’n netter Stammgast. Aber ob nett oder fett … Am Abend geh ich nach Hause. Wenn alle so wären, wär’s einfach. Im Prinzip isses das auch. Wenn der Chef sich mal zur Ruhe setzt, und man hört ja so einiges, da bewegt sich wieder einiges, die Engel und so, dann könnt ich woanders arbeiten. Bis ich mich auch zur Ruhe setze. Aber vorerst geht’s weiter. Egal wo, egal wem ich meine Miete zahle. Obwohl der Alte, der Chef, schon ’n angenehmer Chef ist und ich mich auch sicher fühle. Geht weiter. Einfach weiter.