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DAS SPAREN WIR UNS JETZT. (Was soll das? Mir den Mund verbieten, dort wo die Sterne verglühen bei Cygnus X-1? Wo die den Leuten das Schlafzimmer wegpfänden unterm Arsch? Wo die drauf wetten, dass die Systeme verbrennen im Sternensturm? Und dabei so tun, als wären sie besser als die, die am Monitor für kleines oder auch mal großes Geld wetten, also bei die Pferde, ja, ich hatte einmal einige Spielotheken, so fing es an, wenn ich so wäre, wie ich nicht bin, ich würde auf den großen Fall setzen, ach was, nicht die Griechen, denn Arschficken läuft immer, jenseits der großen Spülung, wir setzen auf das Leben, wenigstens auf das Leben, die Banken verkaufen jetzt Pakete mit amerikanischen Versicherungen, wo es darum geht, dass die Versicherten früh sterben, weil dann das Gold flüssig wird … Wir dealen wenigstens mit dem Fleisch und dem Leben …)

Ja. Ja.

Ich wähle CDU und FDP, seit Jahren. Wegen den Steuern und dem Mittelstand. Und weil die Linken nur Scheiße im Kopf, nix mit rot und Rotlicht, aber …

DAS SPAREN WIR UNS JETZT.

Du stehst also vor der Klasse. Wenn nur das Licht nicht so hell wäre. Die besten Deals macht man im Hinterzimmer und im Dunkeln. Binsenweisheit. Aber wie sagt man? Das geht alles in die Binsen?

Binsenmarkt und Binnenmarkt.

Ja. Ja. Willy, wink doch mal!

Wir staunen. So weit weg. Und heißt das nicht: Willy ans Fenster?

Erfurt. Neunzehnhundertsiebzig. Da war ich acht Jahre alt. Willy Brandt zu Besuch. Und ob du’s glaubst oder nicht, meine olle Mutter mit mir in den Zug und ab nach Erfurt. Wollte dabei sein. Vater keine Zeit. Immer am Schuften. Da oben steht die freie Welt. Hat sie mir ins Ohr geflüstert.

Wirklich?

Hat sie. Ganz leise. Und das war gar nicht so einfach, mal fix eben rüber nach Erfurt. Umsteigen, und gedauert hat’s. Drei Stunden bestimmt. Und dann kommt der Stoph, der Vorsitzende des Ministerrates, auf diesen Balkon, der hieß ja auch Willy, oder Willi. Fünfe gegen Willi haben wir immer gesagt. Später. Katrin. Hm.

Wichsen?

Na ja, was sonst? Aber die wollten den Brandt sehen. Da habe ich gedacht, als er dann da oben stand in diesem Hotel, gleich am Bahnhof war das, ich sag immer, ich habe eine Erinnerung, das ist schon so Richtung 3-D, da habe ich gedacht, jetzt pusten die den weg, wie Kennedy.

So wie dich?

DAS SPAREN WIR UNS JETZT.

Gut gekontert. Gleiche Waffen, gleiches Recht.

Nee. Nee. Nee. Wenn nur das Licht nicht …

Ist doch dunkel. Und kalt.

Zweitausenddrei. Das wird oder war ein verdammter Winter. Januar. Februar. März. 3-D-Kälte. Hart. Herzen wie Diamanten.

Zum Dritten.

Wir haben nie eine versteigert. Jede hatte ihre Chance. Jede hat ihren Schnitt gemacht, damit ich meinen Schnitt machen konnte. Fair geht vor.

Kann ich fragen? Kann ich jede einzeln fragen? Kann ich mich runterbeamen, Käpt’n o Käpt’n?

Wegen Willy Schneider. Deswegen. Das muss mir keiner sagen, dass da was ohne Plan war. Nur deswegen der Willy. Mein KV.

Immer rein mitten in die Scheiße, was? Kaviar. Der Mann mit dem Plan.

Na siehst du, da verstehen wir uns. Und meine Frau, Versace …

Peep-Toe-Pump?

Nee. Python-Ankle-Boot. Peep-Toe-Ankle-Boot. Scheißteuer.

Aber das beste Design?

Kann man so sagen. Waren schöne Geschenke. Shoppingtour am Geburtstag. Zukunftsschuhe.

Und nun wieder zurück. Kurzvortrag. Aber schön langsam. Hat schon so manch einer das große Kotzen gekriegt zwischen Schall und Licht.

Ach was. Seit Alfons Zitterbacke wollten alle plötzlich Kosmonauten werden.

Alfons who? Ich dachte seit Gagarin oder Sigmund Jähn?

Ja. Auch. Aber Zitterbacke …, das ist jetzt wieder so ’ne Olsenbanden-Sache. Ich dachte, die Informationen fließen.

Solange das Geld fließt.

DAS SPAREN WIR UNS JETZT.

Deine Joker sind langsam weg. AK.

Die hab ich nie gebraucht. Nichtmal für die Hurenfrage bei der halben Million.

Findet man heute auch alles im Netz. Vicky P. Dia.

So weit sind wir noch nicht. Nein, so weit sind wir noch nicht. Neunzehnhundertneunundneunzig. (Dieser kluge Hippielude in Hamburg erzählt’s mir später. Weiterbildung. Hure. Indogermanisch, sagt der, die Liebliche. Sage ich doch die ganze Zeit. Nix Fotzen. Herzen wie …)

Und du stehst vor der Klasse, und der Alte sitzt vorne am ersten Tisch und nestelt an seiner schicken Brille, und alle blicken dich an.

Und du spürst, dass du hier alleine bist und weit weg, und du denkst an Alfons Zitterbacke, der einer der Helden deiner Kindheit war, und wie der einmal in einer dieser Geschichten (Kapitel?) Kosmonaut werden wollte und auf Tubennahrung umstieg und, da es die ja nicht einfach so gab in der Zone und sicher auch nicht in Moskau oder Silicon Valley, USA, anfing, Senf und Zahnpasta zu fressen, bis ihm das große Kotzen kam, und da musst du lachen, und dann legst du los, die Kladde mit den Notizen vor dir. Und du erzählst über Willy Schneider, seine Thesen, und über das mächtige Instrument des Rabatts und wunderst dich, irgendwo ist da noch Platz in deinem Hinterkopf, warum du da so hemdsärmelig stehst, weißes Hemd von Hugo Boss, yes I’m the Boss, wo es doch da draußen irgendwo den harten Winter des Jahres zwo-drei oder wann auch immer geben muss, weil doch deine Füße, und vor allem der eine, noch so kalt und klamm sind von dem Schnee auf den Straßen und Fußwegen, du parkst immer ein Stück weit weg mit deinem BMW, nicht dass du was zu verbergen hättest, aber sicher ist sicher, und du brauchst die frische Luft, wenn du zur Hochschule für Wissenschaft und Technik läufst, wo du dich eingeschrieben und beworben hast, irgendwann in den Jahren, und du sprichst laut und deutlich über die Farbstrategien und die Beeinflussung durch die Farben beim Kaufmoment und der Kaufentscheidung und über das Werbemoment der Farben und über die Marktforschung, die das Irrationale mit zu erfassen sucht, und über Handelsprofessor Willy Schneider, mit dem du tatsächlich am Telefon über die von ihm aufgestellten Thesen sprechen konntest, ein feiner, kluger Mann, wie du findest, Weiterbildung, Weiterbildung, aber hier geht es um mehr. Und du blickst zum Fenster und siehst den Schnee fallen und sprichst mit seinen Worten, und der Klang deiner Stimme verwirrt dich, weil du doch sicher und tief und kenntnisreich und männlich klingen willst, bei roten Preisschildern denken die Konsumenten beziehungsweise die angehenden Konsumenten, dass die Ware billig ist, aber, aber das stimmt eben nicht und ist Teil der …, und dass das von Schneider (warum heißen eigentlich so viele kluge Leute Schneider, wie der Immobilien-Mann mit dem großen Plan, der auf das Chaos vertraute und genau wusste, dass Firma Coppenrath & Wiese bis hoch in die höchsten Etagen existiert?) so genannte Belohnungszentrum des Gehirns des Konsumenten … Du musst Luft holen und auf die Notizen und Stichpunkte blicken und siehst das anerkennende Nicken des Alten …, und dein dicker Batzen Gehirn (»Nix mehr als ein Batzen darmähnlicher Graufleischstränge!«Hans Pieszek, der Ex-Butcher, am 22. 10. 1999 im Gespräch mit Arnold Kraushaar) gleicht alles ab mit deinem Business, so wie an den Abenden und in den Nächten, als du lerntest und dich vorbereitet hast auf deine große Stunde.

Und Enge macht Angst. Sagt Willy. Und die Unsicherheit des Konsumenten ist der Feind des Konsums. Allen drei Kreisläufen ist gemeinsam: Verwertung des Werts als bestimmender Zweck, als treibendes Motiv. Und alle starren gebannt auf dich, und der Alte nickt wie ein Wackeldackel. Und du erklärst das Prinzip des» open space «und der Räume und Gänge und dass die ganze verdammte Wirtschaft» linksherum «läuft. Die Konzerne müssen die Geschwindigkeit des Kunden verlangsamen.

Du hockst vorm Klo und kotzt. Die große Sause ist vorbei. Wie hat dein Freund Willy dir am Telefon gewinkt, während du draußen vorm Fenster die Mädels beobachtet hast, und Alex, der den Laden schmeißt, während du lernst, und hinten im Hof die Baumaschinen, wie willst du das alles koordinieren? Die Rationalität der Konsumenten wurde früher viel zu hoch eingeschätzt.