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Der Typ schraubt an meinen Brustwarzen rum. Und ich tue so, als würde mich das antörnen, sein Gefummel, dieses Teenie-Gekicher habe ich ganz gut drauf, dieses Film-Gekicher, ständig laufen Filme im Fernsehen, wo diese Ami-Girlies ganz genauso bescheuert kichern, kann man üben, kann man lernen, stehen die Gäste drauf, die meisten, in Japan bedeutet Kichern Masturbieren, hat mir mal jemand gesagt, und das stimmt sogar, ich habe im Internet geguckt und dort erstmal nichts gefunden und dann aber in der Stadtbücherei, da gab’s ein Buch über Geishas, diese japanischen Liebesdienerinnen, ich habe schon ewig nicht mehr masturbiert, vielleicht stimmt da was nicht mit mir? aber mir geht’s ja ganz gut so weit, ich bin zufrieden, wenn man das so sagen kann, und ich stöhne und winde mich ein wenig unter ihm, damit er endlich zur Sache kommt. Ich könnte auch einfach so daliegen und die Lampe anblinzeln und warten, bis er mit der Schrauberei fertig ist. Aber ich habe ihn schon paarmal unten gesehen, ist ein Stammgast, da hat er mit der Kohle rumgeschmissen, ist meistens mit der Steffi hoch, aber die ist nicht mehr da jetzt, arbeitet jetzt in ’ner kleinen Wohnung, und ich beneide sie um die Ruhe, die sie da hin und wieder hat. Immer das Sektgetrinke unten an der Bar, und immer dieselbe Marke, ich kann’s schon nicht mehr sehen, und wenn ich nicht arbeite, trinke ich überhaupt keinen Sekt mehr, nichtmal Silvester. Schampus ja, aber auch eher selten, ist eben teuer, aber auch was Besonderes. Silvester bin ich eh fast immer allein, gucke zu Hause Filme oder lese in meinen Büchern, esse Pizza und trinke ein Glas Wein. Ich mache mir auch nicht viel aus Silvester. So auf Knopfdruck abfeiern? Nee.

Ein Piccolo für dreißig Euro, und wir sitzen an der Bar, die Musik dudelt mal wieder die Achtziger hoch und runter, danke, Hans! und er trinkt Gin Tonic, du süßes Rotkäppchen, flüstert er später oben aufm Zimmer in mein Ohr, dass es ganz feucht wird und ich mir das auswasche und auswasche, als er weg ist, weil ich da nun keine Spucke will, sonst ist’s, wie’s ist, aber im Ohr? bis die ganze Ohrmuschel brennt. Und er trinkt Gin Tonic und raucht und bietet mir eine an, und ich sage:»Nein, danke«, seine Schachtel liegt aufm Tresen, und ich nehme mir dann doch eine raus und lächele ihn an. Ich rauche nicht viel, aber das spielt eh keine Rolle, passiv und aktiv, und die ganze Belegschaft qualmt, und der Chef qualmt und die meisten Gäste auch. Als wenn das mit den ganzen Rauchergesetzen an uns vorbeigehen würde, also am Markt, am Club, ich denke manchmal, wie das war, als ich früher noch im Zug rauchen konnte, weil ich manchmal nach Berlin musste, und da stand ich im Bistro, ist ja nicht weit, und trank Kaffee und rauchte eine, dass da die ganzen Kinder durchmussten, hat gar keinen gestört, das muss schon noch so zweitausendsechs oder zweitausendfünf gewesen sein, da habe ich nämlich mal wieder angefangen, hatte aber fast zwei Jahre ohne durchgehalten. Zweitausendsechs habe ich Geld verdient wie nie wegen der WM. Und da musste ich ja wieder anfangen bei dem Stress.

Ja, danke, gerne, nee, die Steffi is heut nicht da, ja, also die Silvana mein ich, ja. Und ja, nein, die Schweiz kenn ich nicht, war noch nie …, und was er da jetzt erzählt von wegen meinem Bubikopf, wie die …, nee, hab ich noch nie gehört, Österreich? nein, auch nicht, das ist ja ganz nett, aber …, dass ich ihm schon immer aufgefallen bin, was das für ’n komisches Wort ist,»Bubikopf«, das sagt doch heute keiner mehr …, aber wenigstens nett bist du, und ich lege meine Hand auf dein Knie, na klar geh’n wir gleich nach oben, und ich schlage meine Beine fast so gekonnt übereinander wie Sharon Stone in diesem Film. Es sind nur die kleinen Gesten, und ich leg mich nicht so ins Zeug wie manch andere von den Mädels, die ja sonstwas für Shows abziehen, ich bin eher zurückhaltend, aber das mögen eben auch manche Gäste, und von wegen die Beine gekonnt wie …, ich wünschte manchmal, ich könnte so verführerisch sein, so in dem Sinne, dass … Hab das einfach nicht in mir drin, nur das blöde Kichern hab ich geübt, aber bisschen still sein ist doch auch was Schönes … Und wenn er nicht mit hochkommt? na ja, wird ein anderer kommen, der Abend ist noch lang, und die Steffi, die Silvana, ist doch ein ganz anderer Typ als ich, vielleicht will er erstmal die Lage sondieren, wer alles so da ist heute, und einen viel größeren Busen hat sie, obwohl, ganz viele Männer mögen meine kleine Handvoll, sind schön fest, ja, das kommt, denke ich, auch vom vielen Schwimmen. Ich schwimme sehr gern, manchmal gehe ich direkt nach der Arbeit, weil ich dann nicht gleich schlafen kann, oder ich wache nach zwei, drei Stunden wieder auf, früh am Morgen, da ist die Schwimmhalle noch schön leer, und ich schwimme ganz alleine meine Bahnen.

Du bist sehr schön, du bist sehr süß. Danke, du bist lieb. Sekt, Sekt, jeden Abend Sekt, ach, Großmutter …, ja, mein Kind? und natürlich gießen wir die Hälfte weg oder nippen nur, aber es läppert sich doch …

Das kennt er nicht, das Wort, ist einer von außerhalb, also» läppert«, weißt du, das heißt sowas wie …, aber da ist er schon an meinen Brüsten und schraubt an ihnen rum. Ich weiß, dass die Silvana richtig laut ist und so, und ich versuche schon, es ihm recht zu machen, weil er ja dann vielleicht wiederkommt, und dass er oft in der Stadt ist, hat er erzählt.

Und wir sitzen immer noch und wieder und immer wieder unten an der Bar, und die Beatriz sitzt schon auf der anderen Seite neben ihm und wartet, dass ich ihn langweile, und ich trinke und lache und neige den Kopf und gebe mir doch richtig Mühe jetzt, so wie ich’s kann, aber die Beatriz hat wirklich Feuer, so ein Latina-Typ, kommt ja auch aus Bolivien, ist bestimmt schon Mitte vierzig, sieht aber nicht wirklich so aus, ganz ehrlich, also wenn ich vierzig bin und noch so gut aussehe wie sie, und zwei Kinder hat sie auch, von denen erzählt sie manchmal, der eine Junge ist schon sechzehn, was sie dem wohl sagt, vielleicht habe ich auch zwei Kinder, wenn ich mal vierzig bin, ach, na ja, eins wär schon schön, ein kleines Mädchen (Hat der jetzt echt» Du süßes Fötzchen «in mein Ohr geflüstert, manchmal denke ich, ich krieg einen Sekt-Koller, und er stößt und stößt und kommt nicht zum Ende) oder auch einen Jungen, einen kleinen Jungen, aber ich habe einen ganz unschönen Traum, den habe ich komischerweise oft, und ich finde nicht raus, warum das so ist, da träume ich, dass da jemand kommt, in das Haus, in dem ich dann wohne, dass ein Mann kommt, der ist nackt und hat überall Haare, fast wie ein Fell, und der nimmt mir mein Kind weg …, ein Mädchen ist das.

Also die Beatriz macht wirklich fast alles, und wenn der das weiß, geht der bestimmt mit ihr hoch, die hat auch mal als Domina gearbeitet, war sogar angestellt bei der Lady K., glaube ich, die war stadtbekannt, ist aber im Gefängnis jetzt, wegen so einer Geschichte, die in dem Studio passiert ist, und ich habe auch schon gehört, dass Beatriz auch kurz im Gefängnis gewesen ist wegen der Sache …, hast dich im dunklen Wald verlaufen …, und da wache ich auf und will schwimmen gehen, will mich in dem lauwarmen Wasser treiben lassen und liege dann doch nur in der Badewanne, weil ich so fertig bin, und starre an die Decke und überlege, ob ich mir den Mini mit der Englandfahne auf dem Dach jetzt oder doch erst nächstes Jahr kaufe — der fetzt nämlich, aber der Verkäufer kann ihn nicht mehr allzu lange für mich zurückhalten.

Und da liegt er wieder auf mir und fummelt und schraubt an meinen Brustwarzen rum, seinen Gin Tonic hat er mit hoch genommen, und mir dreht der Kopf von den drei Piccolos unten an der Bar, obwohl ich, wenn’s hoch kommt, vielleicht die Hälfte getrunken habe, aber er hat so komisch geguckt, hab ich mir eingebildet, als ich immer nur so dran nippte, manche Mädels trinken ja gerne, und es gibt Tage, da geht bei mir auch was, aber dann eher ein Glas Wein. Habe heute schon schön mit den Piccolos verdient, deswegen will ich gar nicht meckern, weil doch vorhin schon einer mit mir am Tresen saß und mir ein Fläschchen spendiert hat, der ist dann aber mit der Anette auf Zimmer, die ist ein bisschen dicker, da kann man nichts machen, aber manchmal fühle ich mich dann doch ein wenig leer, so alleine, das ist blöd, ich weiß, ist gar nicht so sehr wegen dem Geld, nee, der nächste Gast kommt bestimmt, und ich würde jetzt auch nicht sagen, ich bin deprimiert, dass der jetzt die Anette stößt, nee, ist einfach so ein kurzer Moment der Einsamkeit. Schwer zu sagen, und schnell vorbei. Fünf Piccolos, wenn ich richtig zähle, da habe ich ja schon bisschen was verdient, krieg ja Prozente, und die Nacht ist noch lang. Manchmal, an ganz blöden Tagen, bleibt kaum was über, obwohl Hans nur seine Gebühr kassiert, wenn ich auf Zimmer geh, und je nachdem, für wie lange die Gäste zahlen, Model M/L nennt er das manchmal, weiß nicht, wie er das meint, was das bedeutet, also kassieren wir beide nichts, wenn ich keinen Gast habe, der mit mir hoch geht. Im» Penthouse deluxe «in Berlin, wo ich mal kurz gearbeitet habe, kassierte der Chef fünfzig Prozent. Schon viel, finde ich, wo wir doch die meiste Arbeit machen.