Dass es da welche gibt, die auf den Prinz warten oder wie immer man so jemanden nennen will? Schon möglich. Glaub ich aber nicht. Kann’s mir nicht vorstellen, obwohl eine winzige Nische oben im Hirn sicher immer offen ist für so einen Blödsinn.
Er wird jetzt richtig hart, als ich ihn im Mund hab, ja, ja, schön mit Gummi, da bin ich mittlerweile schon old school, obwohl ich ihn immerhin ohne Gummi anlutsche, kurz nur, aber dann ziehe ich ihm das Teil drüber, mit beiden Händen, schön vorsichtig, vielleicht ist er enttäuscht, dass ich nicht ohne Gummi weiterblase, weil’s eben noch kurz ohne war, aber er ist immer noch hin und weg, drin und weg, in meinem Mund, und ich sehe, wie sein Kehlkopf sich auf und ab bewegt, sein Stöhnen ein leises Gurgeln. Ich kann nicht sagen, wer von den Mädels, außer der Beatriz, aber das ist eben auch viel Geschwätz, jetzt bläst und bläst ohne Gummi, ich meine komplett.
Gute Nacht, mein Prinz, lass dich fallen.
Was soll das sein? Ich bin doch kein Bubi. Wir hatten mal einen Wellensittich, hieß der nicht auch Bubi? Ich und meine Schwester. Oder hieß der Rudi? Ich müsste drüber nachdenken, und dann fällt’s mir ganz bestimmt wieder ein. Ich weiß nur, dass sie auf ihn draufgetreten ist, aus Versehen. Wir haben schrecklich geweint, und Blut lief ihm ausm Schnabel, bis er dann endlich tot war.
Ich versuche, ihn schön weit hinter zu nehmen. Dann geht’s schneller. Dieses Deep Throat ist wirklich eine Kunst. Kann’s mir nicht vorstellen. Und glaube auch nicht, dass Miss Alleskönnerin B. das so kann. Nein, wirklich nicht. Würgereflex abstellen. Hallo. Wie das? Nein. Man hört und liest das jetzt überall, dass das jetzt hier und da auf den Sedcards auftaucht. Nutten-Punkt-Net. Eckis Radio. Undsoweiter. Ich bin müde und würde jetzt gerne Filme gucken bei mir zu Hause oder in meinen Büchern lesen.
Und vor kurzem habe ich mit den Mädels vor Schichtbeginn diesen Film gesehen, dieses alte Ding, aus den Achtzigern oder sogar aus den Siebzigern war der, glaub ich, wo’s darum geht, dass da die Mädels die Klitoris, den ach so kitzligen Kitzler, was für ein bescheuertes Wort eigentlich, dass die den hinten, wie sagt man das? in der Kehle drin haben. Und dass die nur kommen können, wenn die Kerle da so richtig reinstoßen tun, na ja, das war schon was zum Lachen. Haben wir gelacht auch. Weil die dann Atomraketen gesehen haben, wenn sie dann gekommen sind …, im Hals natürlich. Ja, Kehlenorgasmus. Schöner Unfug. Aber immer noch besser, aber nicht wirklich, denn der war wirklich zum Wegschmeißen, dieser andere Uralt-Porno, wo so ein Typ eine Flasche findet, mit einem Flaschengeist drin, und der muss ihm, also der Geist, Wünsche erfüllen. Wie das eben nun mal so ist. Und der wünscht sich erstmal Frauen, ja klar. Schöne, willige Frauen, ja klar. Große Brüste undsoweiter, ja klar. Aber weil ihm das irgendwann nicht reicht, was für ein Idiot, möchte er gerne einen zweiten Schwanz haben, ein Typ mit zwei Schwänzen, was für ein Albtraum, da waren wir uns alle einig. Und Hans nervte, weil gleich Schichtbeginn. Aber er hatte zu tun, weil vom Großhandel die Piccolos undsoweiter geliefert wurden. Bleib mir vom Hals mit Rotkäppchen. Und da ist ihm fast das ganze Zeug zu Bruch gegangen, ist ihm fast runtergefallen, und paar Fläschchen konnte er echt nicht halten, so hat er sich erschrocken, weil wir mehr brüllten, als dass wir lachten. Weil dem Mister Wünschelrute der zweite Schwanz nämlich auf der Stirn steif wurde. Wie ein Einhorn sah der aus. Sah wirklich echt aus, also in dem Film, nicht nur wie ein Umschnalldildo aufm Kopf.
Da war die Steffi noch da, als wir diesen Unsinn auf dem Fernseher über der Bar gesehen haben. Schade, dass sie woanders ist jetzt. Mit ihr habe ich manchmal noch einen Absacker genommen. Einen Campari oder einen Southern Comford oder einen Pernod, um den blöden Sekt wegzukriegen. Und den Gummi. Da nimmt man schon die, die am besten schmecken, oder sich zumindest nicht wie’n großer Gummifinger von ’nem Fingerhandschuh anfühlen.
Ich glaube, dass sie, also Steffi, Sekt und Schampus und all das Prickelwasser ganz gerne gemocht hat, ganz gerne getrunken hat. Hat mich ja manchmal in den Star-Club eingeladen, der heißt eigentlich anders, aber wir haben ihn immer Star-Club genannt, da haben sich paar von den Mädels manchmal noch getroffen, wenn sie Feierabend hatten oder am Wochenende. Da war auch der Hans manchmal da und der Alte und paar von den Leuten von den Securities oder die auch kleine Clubs oder paar Wohnungen haben. Da war damals richtig Party, auch mit Koks und so, aber ich bin nicht oft mit ihr dahingegangen, ich bleib ganz oft lieber zu Hause oder gehe schwimmen.
Komm, ich bin scharf auf dich, steck ihn mir rein. Ich drehe den Kopf ein wenig, während er sich auf mich legt, während wir unten am Tresen sitzen, ich drehe den Kopf ein wenig und lächele, so wie ich immer lächele, er wird langsam schwer auf mir, ich sage: Komm Baby, ich reite dich. Ich sehe die Uhr auf dem Nachttisch, zweite Runde noch knapp fünfundzwanzig Minuten, ich höre die Musik dumpf und leise von unten, sehe die roten Jalousien, ob man die Sterne sehen kann, ob die Nacht klar ist, ob es Regen geben wird bis zum Morgen? Wie das wohl ist, in so einer Wohnung zu arbeiten, wie die Steffi jetzt? Ich bin seit zwei Jahren in Hans seinem Club, ich war vorher ein halbes Jahr in W. bei M. Ich habe damals angefangen in diesem kleinen Laufhaus bei J., da warn die Berge ganz in der Nähe, und ich bin manchmal wandern gegangen, jetzt fehlt mir das manchmal, obwohl ich viel schwimme und spazieren gehe auch manchmal, aber die Stadt ist so flach, weit muss man fahren, bis man in die Berge kommt, ja.
Und dann ist man wohl immer alleine. Ich meine, wenn keine Gäste da sind. Und wie viel Gäste da wohl kommen müssen, damit man bisschen Geld weglegen kann, schon richtig was bei rauskommt, wenn das so hundert Miete kostet am Tag, wenn man eine Wohnung beim Alten mietet, hab ich gehört …, aber o.k., da ist wohl dann alles mit drin, und kann alles in mein eigenes Portemonnaie tun, und die Gäste wären nicht so oft besoffen oder angetrunken …, die Steffi war schon clever, ja, das war sie, und sie wird sich schon was bei gedacht haben, als sie hier raus ist und in ’ne Wohnung rein ist. Hat der Hans nicht gerne gesehen, dass sie wegwollte, weil sie gut mit ihm auskam, mehr als gut, wenn du verstehst, wie das Bett wieder mal knarrt heute, als ich mich immer schneller immer schneller auf ihm bewege, ihn abreite, obwohl, mal bisschen langsam, sind noch zwanzig Minuten, und nicht, dass er dann nochmal will oder kann, wobei ich mir das bald nicht vorstellen kann, weil er ja nun auch keine zwanzig mehr ist, ich mache mir nichts aus …, hörst du!, und eigentlich bin ich doch gerne allein, oft allein, aber wenn ich auf Arbeit noch die meiste Zeit allein wäre … Und da spritzt er. Ich spüre ihn pumpen, spüre seinen Schweiß. Und da beugt er sich zu mir rüber, legt seine Hand kurz auf meine, die neben dem Ascher auf dem Tresen liegt, und dann gibt er einen aus. Hey, Rotkäppchen. Danke.
Und ich möchte gerne mal wieder am Tag arbeiten. Abends nach Feierabend dann in der Bahn sitzen und mit den anderen Feierabendfahrern nach Hause …, früh schweigen wir, abends reden wir und tuscheln wir, weil wir uns auf zu Hause freuen, die ganze Straßenbahn freut sich auf zu Hause, Feierabend. Und dann könnte ich auch mal abends wieder weggehen, könnte vielleicht mal wieder ins Kino gehen, ein paar Freundinnen besuchen, aber wenn ich so drüber nachdenke, die meisten sind weg aus der Stadt, und die anderen wohnen in meiner Heimatstadt, das ist nämlich nicht hier, und die Mädels von Arbeit …, na ja, die will ich nun nicht ständig sehen, obwohl wir früher manchmal schon was zusammen gemacht haben, aber die meisten hingen dann bloß im Star-Club ab.
Dort um die Ecke, wo Steffi in der Wohnung arbeitet, ist immer der Rummel. Ich war noch nie bei ihr, also bei ihr auf der Arbeit, aber ich weiß ungefähr, wo das ist. Wir sind da als Kinder immer hin. Ich, meine Mutti und meine Schwester. Und in der Geisterbahn, wie wir da gekreischt haben manchmal. Wir waren immer ganz wild auf den Rummel und vor allem auf die Geisterbahn. Obwohl die eigentlich nicht wirklich gruselig war. Und da gab’s auch so eine kleine Eisenbahn, die haben so zwei alte Leutchen betrieben, sie hat die Fahrkarten verkauft, und er war der Schaffner, und links und rechts waren lauter Holzfiguren und Gebäude, Ritter und Zauberer und Schlösser und Hexenhütten, ein kleines Märchenland, Runde um Runde sind wir da durchgerattert, und manchmal kam’s uns vor wie Stunden und länger noch, und da könnt ich mit Steffi doch mal hingehen, also nicht unbedingt in die Eisenbahn, sowas gibt’s da bestimmt auch nicht mehr, aber Achterbahn und richtig schnelle Karussells, ich bin manchmal dran vorbeigegangen oder mit der Bahn dran vorbeigefahren, und hab das Knallen der Luftgewehre gehört, vielleicht konnte man das gar nicht hören in Wirklichkeit, also die Luftgewehre, aber ich hab’s genau gehört, weil ich doch so gut Luftgewehrschießen kann, und ich hab lange überlegt, einfach mal reinzugehen, mich da treiben zu lassen, von Bude zu Bude, von Fahrgeschäft zu Fahrgeschäft, und eben mal den größten Bären, oder was die da haben, zu erschießen. Also den mir zu erschießen. Aber wäre mir blöd vorgekommen, mit so ’nem Riesen-Pink-Bär durch die halbe Stadt, obwohl das vielleicht auch irgendwie schön gewesen wäre.