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Der Mann mit dem BIEP wird uns gleich berichten, was es mit all den Anschuldigungen oder Lügen, oh Pardon — aber im Zweifel für den Angeklagten, und keine Rosen für den Staatsanwalt, und der Verteidigungsinstinkt ist nunmal groß, wenn man uns Freier und Nachtwanderer zu Nutznießern des Elends und des Zwanges machen will — , was es also mit dem ganzen Kaviarsturm auf sich hat. Und ebenfalls vorher aufgezeichnet, bitte, meine Liebe:

«Lieber Ecki, schön, dass ich bei dir zu Wort komme, das ist ja heute gar nicht mehr üblich. Küsschen, mein Lieber. Aber sende das nächste Mal nicht so viel geilen Schweinkram durch den Äther, du machst meine Gäste ganz irre, nun ja, mein Lieber, du weißt schon, wie du den Verkehr anheizt! Also, wie du weißt, bin ich eine gestandene, deutsche Frau, und ich miete seit einigen Jahren bei BIEP eine Wohnung an und würde niemals mehr einen anderen Vermieter haben wollen, kann mir kein besseres Arbeiten als in seinem Objekt vorstellen. Was dieser XXX da schreibt sind alles Unwahrheiten und in keinster Weise Fakten, da ist nichts bis zum Ende ermittelt oder recherchiert! Der Gute sollte sich mal aufklären lassen! Und ich habe das schon oft erlebt, als Berufserfahrung sozusagen, dass eine ausländische junge Frau einem Gast auf die Mitleidstour kommt, denn es gibt genügend Gäste, die darauf reinfallen und Geld oder sonstiges den Mädels spendieren, ist doch schlau von den Mädchen, obwohl ich glaube, dass das auf Dauer sich nicht auszahlt, aber dieser Typ ist da anscheinend voll auf den Leim gegangen. Und bevor er solche Verleumdungen verbreitet, was ja vielleicht sogar strafbar ist, aber da kenne ich mich jetzt nicht so aus, hätte er sich doch besser an den richtigen Stellen informiert. Ich will gar nicht abstreiten, dass es genug Stress und Probleme in der Branche gibt, Neid, Mobbing, wenn ihr wisst, was ich meine, aber ich habe immer versucht, fair und sauber zu arbeiten, und ich kann nur sagen, dass BIEP auch fair und sauber arbeitet.«

Danke für die Blumen und die Kritik, meine Liebe, und jetzt ist es Zeit, Ladies and Gentlemen, meine Lieben, ihr Nachtwachen und Nacktwachen, live bei» Eckis Edelkirsch«, wir werden unsere kleine Sendung wohl demnächst umbenennen, it’s blowtime, sendet mir einfach eure Wünsche und Vorstellungen, und jetzt aber genug gewartet, ich mache die Leitung frei für einen unserer angesehensten Bürger, ich nenne ihn manchmal respektlos» den Alten vom Berge«, aber das nur, um meine Achtung auszudrücken, aus rechtlichen Gründen und aus rechtslosen Gründen möchte er heute aber anonym bleiben, rein formell, wie er mir vorhin versicherte, ich muss zugeben, ich bin ein wenig aufgeregt:

RÄUSPER RÄUSPER

«Also, herzlich willkommen und vielen Dank, dass Sie sich bereit erklärt haben, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen in meiner kleinen Sendung!«

«Guten Abend allerseits. Also ›Vorwürfe‹ nennen Sie das.«

«Nun …«

«Zuerst einmal möchte ich Ihnen sagen, dass Sie mit Ihrer ›kleinen Sendung‹, wie Sie es nennen, einen großen Schritt in Richtung Aufklärung gehen, in dem Sinne, dass wir unverkrampft und offen mit dem Thema der Sexarbeit, der sexuellen Dienstleistungen und vor allem der sexuellen Dienstleisterinnen umgehen, umgehen müssen, auch wenn Sie da manchmal arg dem Kalauer verfallen und in eine, auch wenn ich denke ironische, sexuelle Raserei geraten …«

«Nun, da geht es mit dem guten Ecki hin und wieder durch, muss ich zugeben.«

«Es ist ein Geben und Nehmen, wie in anderen Geschäften auch, mein lieber Ecki, ich darf Sie doch Ecki nennen …«

«Selbstverfreilichst dürfen Sie!«

«Sie haben sich ja da schnell auf meine Seite geschlagen, wenn ich die letzten Minuten, die mir zugegebenermaßen wie Stunden vorkamen, richtig verfolgt habe.«

«Ich konnte mir einfach nichts anderes vorstellen, wissen Sie, wo ich doch in den meisten Ihrer Objekte gewesen bin.«

«Ich weiß das zu schätzen, mein lieber Ecki, aber ich bin mir nicht immer sicher, ob Sie die Dinge durchschauen, aus Ihnen spricht der Gast, der ewige glühende Gast …«

«Oh ja, der Ecki glüht, hin und wieder zumindest. Aber deswegen freue ich mich ja, dass ich mit Ihnen über die Fakten sprechen kann.«

«Fakten, Ecki. Genau darum geht es. Viel zu wenige unserer Mitbürger wissen um die Fakten. Sie schauen in die Nacht und glauben, den Sumpf zu sehen …«

«Ich? Nein, ich …«

«Nicht Sie, lieber Ecki. Unsere Mitbürger, Ecki.«

«Sie haben einen ungewöhnlichen Schritt gewählt, dass Sie sich hier unserer zugegebenermaßen kleinen Hörergemeinde stellen.«

«Sagen Sie nicht ›stellen‹, mein lieber Ecki. Das klingt nun doch zu sehr nach Pranger. Sie haben Respekt vor unserer Arbeit, das schätze ich an Ihnen. Und damit meine ich die Arbeit der Frauen, ohne die ich nichts wäre, und ich meine das mit dem ›nichts‹ so, wie ich es sage, und meiner Arbeit, der Arbeit meiner Firma.«

«Danke, danke. Und der Pranger liegt mir nun doch sehr fern, Herr …, wie darf ich Sie in unserer kleinen Plauderrunde nennen …, Mister Orpheus?«

«Typisch Ecki!«(LACHEN)»Eckis Edelkirsch.«(LACHEN)»Nun, Sie dürfen. Wie es Ihnen gefällt. Ich weiß natürlich, worauf Sie da anspielen, und genau das meinte ich auch, als ich sagte, dass Sie die Fakten, die Dinge, sicher nicht immer so klar durchschauen …«

«Ich bemühe mich, Mister Orpheus.«

«Die französische Variante wäre Orphée.«

«Wie …?«

«Nein. Vergessen Sie’s. Mein lieber Ecki, Sie haben recht: Wir wollen transparent sein. Transparenz ist mir in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Sie haben mich als einen angesehenen Bürger vorgestellt. Tatsächlich liegen die Dinge aber etwas anders. Was weiß die Öffentlichkeit von mir? Ganz sicher weiß sie nicht, dass ich nicht unerhebliche Summen an verschiedene Organisationen spende, auch an die Hurenorganisation Hydra, aber ich will das auch weiterhin nicht an die große Glocke hängen …«

«Wahrscheinlich würden die wohlfeilen Bürger sagen: Er will sein Gewissen beruhigen.«

«Gewissen? Eine Dame hat es vorhin sehr schön ausgedrückt: Wir versuchen, fair zu sein. Und wir sind es. Geben und nehmen. Was die absurde Behauptung betrifft, einige der Frauen in meinen Objekten würden fünfzehn, sechzehn Stunden am Stück arbeiten, kann jeder auf den Sedcards sehen, dass das natürlich nicht so ist. In den meisten Objekten arbeiten mindestens zwei Damen, die ihre Arbeitszeiten, und das sind selten mehr als neun Stunden, miteinander abstimmen. Und spazieren gehen, Pause machen, mal was einkaufen, ich bin Vermieter, Ecki, kein Schließer. Fragen Sie ruhig weiter, Ecki, wenn Sie dahingehend Fragen haben.«

«Meine Lieben, ihr hört ›Eckis Edelkirsch‹, die Sendung für die Freunde und Gäste der Huren. Mir liegen wie immer die Kalauer auf der Zunge, aber hier geht es um ernste Dinge. Also, lieber Mister Orpheus, der Verfasser dieser …, ich sage jetzt mal ›Anklageschriften‹ … spricht beziehungsweise schreibt von Zwangsprostituierten in Ihren Objekten, spricht beziehungsweise schreibt von Zwängen, von Ausbeutung, von Organisationen im Hintergrund, ungarischen Zuhältern, Bündnissen, die Sie, Mister Orpheus, mit den Behörden, sprich den Ämtern und der Polizei, hätten. Schreibt weiterhin von mit Druck erzwungenen Vorgaben, was die Dienstleistungen der Frauen betrifft, er bezieht sich damit auf die ungarischen Sexarbeiterinnen, die ich in meinen letzten Sendungen zugegebenermaßen ironisch und werbewirksam Puszta-Pussies nannte, was aber ganz und gar nicht respektlos klingen sollte, sondern nur der Sicht der hungrigen, aber durchaus respektvollen Sicht der Gäste Rechnung tragen sollte …«

«Ecki, Ecki, Sie verstricken sich. Sie müssen sich nicht rechtfertigen für Ihre Wortwahl. Die ich zugegebenermaßen manchmal auch für recht drastisch halte …«