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— Auf …?

— Na ja, Superman heißt doch übersetzt Übermensch, oder?

Elke nickte ergriffen.

— Natürlich, sagte sie.

— Und natürlich wohnen sie in Metropolis, was natürlich der Name von diesem Fritz-Lang-Film ist.

— Welcher Fritz-Lang-Film?

— Metropolis, sagte Robert. Und der ist ja auch von einem Deutschen und handelt von Allmachtsfantasien, von Großreichen und so weiter.

— Sag mal, hast du früher nur ferngeschaut oder was? lachte Willi, und Robert schaute ihn an, bis Willi eine entschuldigende Geste machte und sagte: Du kennst so viele Serien, die ich als Kind angeschaut habe, dabei bist du viel später erst –

— Und von der Zukunft, ergänzte Cordula plötzlich. Die haben da Roboter und so.

— Das wird ja langsam unheimlich, kicherte Elke und rutschte auf ihrem Sessel hin und her. Du meinst, das sind alles Chiffren?

— Natürlich. Weil … in Hollywood waren ja vor allem Flüchtlinge und Ausgewanderte, die vor den Nazis geflohen sind oder die es sonst irgendwie von der Geschichte dorthin verschlagen hat, also … Ich nehme an, die konnten gar nicht anders als ihre eigene Geschichte da … quasi … einarbeiten.

— Sicher, sagte Elke.

— Aber was mir jetzt immer noch nicht klar ist, sagte Cordula. Wieso ist das Holodeck nicht einfach nur ein Raum voller Hologramme, sondern eine weitere Welt, in der alles plastisch ist wie in unserer? Wissen denn die Hologramme überhaupt, dass sie Hologramme sind? Wenn nicht, dann wär das ja auch irgendwie unheimlich, oder? Ich meine, der Picard geht oft ins Holoca— ach, Scheiße, ins Holodeck und reitet dort auf einem Pferd herum. Ich meine –

— Eine Frau, die sich bei Star Trek auskennt! sagte Willi und hob sein Weinglas.

— Stimmt, das mit den Hologrammen ist unklar, sagte Robert. In der einen Folge weiß nur Data, dass sie in der Hologrammwelt sind, weil er … na ja, er ist ein Roboter und hat keine menschliche Vorstellungskraft wie die anderen, und deshalb kann er –

— Warte mal, wer?

— Data. Nein, kein Begriff?

— M-m, schüttelte Elke den Kopf.

Sie war zu jung. Gerade mal zwanzig.

— Data ist ein Roboter, der zwar aussieht wie ein Mensch, aber er ist sehr bleich, das heißt, er ist so käsig weiß im Gesicht. Du hast ihn wirklich nie gesehen?

— Nein, ich glaub nicht.

— Er hat dieses weiße Gesicht, aber er verhält sich vollkommen normal, wie ein Mensch, er hat auch diesen Emotionschip, den er an- und abschalten kann … Oder nein, warte, den hat er erst später. Vorher hat er überhaupt keine Emotionen.

— Schrecklich, sagte Elke.

— Ja, aber er hat einen Bruder, der genauso aussieht wie er. Sie sind Zwillinge, und der Bruder ist sozusagen der böse Bruder, weißt du? Er sieht gleich aus, aber er lacht fies, und er hat Emotionen und will die Macht, und er kämpft gegen Data und will ihn umbringen.

— Wer?

— Der Bruder.

— Er will den Bruder umbringen?

— Ja, er will Data umbringen, weil der keine Emotionen oder … ah, ich weiß nicht mehr, was der Grund ist, vermutlich ist die Welt zu klein für sie beide, einer muss gehen. Aber … Gott, wo war ich jetzt … Genau, einmal, in einer Folge, ja? Da gehen die beiden aufeinander los, das heißt, der böse Data bindet den guten Data fest und will ihm Emotionen geben, damit er auch böse wird, aber die pflanzt er sich irrtümlich selbst ein, und die beiden sind vertauscht.

— Warte, das hab ich nicht kapiert, sagte Elke.

— Ich auch nicht, lachte Cordula.

— Okay, noch mal, sagte Robert und formte zwei Figuren mit seinen Händen. Hier ist Data, meine linke Hand, und hier ist der böse Data, meine rechte Hand. Und der böse kommt zum guten Data und bindet ihn an einem Zahnarztstuhl fest und flößt ihm Emotionen ein, und plötzlich stehen die beiden da, vertauscht, und der hier (linke Hand) sagt: He, ich bin ja plötzlich hier, angebunden, kann nicht mehr raus. Und der hier (rechte Hand) sagt: Ja, böser Data, dann hättest du eben nicht gegen mich kämpfen sollen.

Cordula, Elke und Willi brachen in Gelächter aus und klatschten in die Hände. Robert musste sich beherrschen, um nicht auch zu lachen. Sein Zwerchfell krampfte sich zusammen, und er musste dringend auf die Toilette. Jedes Mal dasselbe, verdammt. Die schmerzhafte Erinnerung an jenen Tag im Klassenzimmer kam zurück. Der alte Biologielehrer, Professor Ulrich, hatte ihn angestarrt und war dann näher gekommen, und an seinem Gesicht hatte man gesehen, dass er innerlichhatte er zum Lehrer gesagt. Ich hab eine schwache Blase, alles okay, das passiert mir manchmal.Die Blicke der mehrere Meter weit entfernt sitzenden Mitschüler. Wie stecken gebliebene Fahrstühle. zählte. Der Zonencountdown. Das Gelächter war Robert im Hals stecken geblieben. Ist schon okay,

Robert nahm einen Schluck von seinem Bier — und spuckte alles über sein eigenes Hemd. Er entschuldigte sich, stand schnell auf und ging nach draußen.

— Hey, Robert, sagte Willi, ist schon okay, du musst nicht –

Nach einiger Zeit kam Cordula zu ihm ins Zimmer. Sie näherte sich vorsichtig von hinten. Sie räusperte sich, damit er sich nicht erschreckte, dann fragte sie ganz beiläufig, als ginge es um ein Zeitungsabonnement:

— Nimmst du eigentlich immer noch dein Sviluppal?

— Sviluppal, sagte Robert ruhig.

Er drückte den Polster gegen die Wand, wie man ein gerahmtes Gemälde hält, um zu sehen, ob es passen wird. Dann boxte er dagegen.

— Ulipol, Trimco, Sviluppal. Die Namen von Medikamenten klingen immer wie aus Fantasyromanen, murmelte er und boxte noch einmal gegen den Polster.

Cordula machte einen Schritt zurück. Robert spürte es, obwohl er sie nicht anschaute — das erste Anzeichen dafür, dass er tatsächlich wieder anfangen musste, den Scheiß zu schlucken. Warnstufe eins.

— Möchtest du … dass ich dir ein frisches Hemd bringe?

Robert blickte an sich herunter.

— Es ist nicht, was du denkst, sagte er.

— Klar, okay, sagte Cordula und drehte sich etwas zur Seite.

— Hör auf, sagte Robert.

— Womit?

— Hör auf, vor mir Angst zu haben. Das macht mich total nervös.

Er hörte ein klatschendes Geräusch und wandte sich um.

— Ich hab nur eine Mücke auf meinem Arm zerquetscht, sagte Cordula und hielt ihren Arm hoch. Da.

— Ist ja schon gut, sagte Robert. Du musst mir nicht …

Dann wurde ihm klar, was für ein Bild er abgab. Während Gäste im Nebenzimmer saßen, stand er in seinem Schlafzimmer und hielt seinen Wutpolster in der Hand. Seinen Wutpolster. Wie ein Baby. Er überlegte sich, ob er sich ganz nackt ausziehen sollte, einfach um den Sender zu wechseln, aber dann entschied er sich dagegen. Cordula ging aus dem Zimmer und brachte ihm ein neues Hemd, das frisch vom Wäscheständer kam. Der Geruch war beinahe zu viel für Robert. Mit geschlossenen Augen zog er sich an und legte sich dann aufs Bett.

Als sie sich wenig später zu ihm setzte, sagte er:

— Gillingen. Da gibt’s eine weltberühmte Seilbahn, hast du das gewusst?

Cordula zeigte ein freundliches Lächeln, das ihm zugleich keck und unterwürfig vorkam. Er sah sie stumm und ernst an, bis sie sagte:

— Wann fährst du denn hin?

Er drehte sich zur Wand.

— Du, ich hab da was für dich, schau mal.

Robert gab ein Grunzen von sich und legte dann den Polster auf sein Gesicht.

— Clemens Jo… was heißt das? Jodokus …

Sie tippte die Zeitung an. Das Bild wurde schärfer.

— Clemens Johann Setz? Kennst du den?

Der Polster fiel auf den Boden, als Robert sich aufsetzte.

— Was?

— Sagt dir der Name was?

— Das war mein Mathelehrer. Wieso?