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»Geben Sie Ihr Bestes, Madam Gesandte.« Er schaute wieder auf sein Display. »Wenn wir sie nicht dazu bringen, den Angriff abzubrechen«, meinte er leise zu Desjani, »dann steht uns eine brutale Schlacht bevor.«

»Eine an Zielen reiche Umgebung«, gab Desjani fröhlich und laut genug zurück, um auf der ganzen Brücke gehört zu werden. Ihre Wachhabenden, die nervös zwischen ihren Vorgesetzten und der immensen Anzahl Angreifer hin- und herblickten, entspannten sich ein wenig, als die Zuversicht des Captains auf sie übersprang.

Allerdings hatte Geary Mühe, der Situation die gleiche Begeisterung entgegenzubringen. »So kann man es auch sehen. Es sind so verdammt viele.« Er ließ noch einmal die Zahlen durchrechnen, auch wenn er wusste, er würde die gleiche schreckliche Antwort erhalten. Nach einer unglaublichen Startbeschleunigung hatten sich die unbekannten Schiffe bei einer etwas niedrigeren, aber immer noch beeindruckenden Beschleunigung eingependelt. Seine Kriegsschiffe hatten mittlerweile so weit abgedreht, dass sie vor den herannahenden Aliens davonflogen und dabei ihre Antriebssysteme bis zum Äußersten strapazierten. Doch die Steuersysteme bestätigten Gearys Verdacht, dass seine Schiffe einfach nicht schnell genug beschleunigen konnten, um den unbekannten Verfolgern zu entkommen. Lediglich die Schlachtkreuzer wären in der Lage, einem Kontakt mit ihnen zu entwischen. Die Kreuzer und Zerstörer konnten es fast mit den Schlachtkreuzern aufnehmen, doch dieses »fast«, bedeutete, dass die Aliens mit ziemlicher Sicherheit viele Eskortschiffe einholen würden. Die vier Sturmtransporter waren dem Untergang geweiht, und mit ihnen die an Bord befindlichen Marines und die befreiten Gefangenen. Die Schlachtschiffe und die Schnellen Hilfsschiffe waren ebenfalls verloren. Selbst wenn die Hilfsschiffe all ihre Ladung über Bord warfen, konnten sie einfach nicht so beschleunigen, dass sie noch eine Chance auf Flucht gehabt hätten. Zwar konnten die Schlachtschiffe schneller Fahrt aufnehmen, doch angesichts der wenigen Zeit, die ihnen zum Beschleunigen blieb, waren sie wegen ihrer großen Masse nicht viel beweglicher als die Hilfsschiffe.

Geary versuchte, alles auszublenden, was er nicht brauchte, auch die natürliche Angst, die eine solche Situation bei jedem Menschen auslöste. Völlig konzentriert suchte er nach einer Möglichkeit, den nötigen Platz für Ausweichmanöver zu finden, doch da schien kein Platz zu sein. Immerhin saßen ihnen neunhundert Schiffe im Nacken, die immer näher kamen, während er normalerweise mehr Zeit hatte, um sich eine Lösung zu überlegen und die Situation zu beurteilen, bevor er einen Plan entwickelte. Hier dagegen waren seine Kenntnisse zu gering und er hatte auch zu wenig Zeit. »Vorteile«, murmelte er.

»Wir haben deutlich mehr Feuerkraft«, antwortete Desjani. »Und da unsere Schiffe mit maximaler Beschleunigung davonfliegen, während die Aliens uns hinterherfliegen müssen, dauert es länger, den Abstand zu uns zu verringern. Das bedeutet, sie brauchen keine Millisekunden, sondern Minuten, um in Feuerreichweite zu gelangen. Das gibt uns mehr Zeit, um auf sie einzuprügeln. Andererseits wird ein Schuss mit einem Höllenspeer nicht genügen, um eines von diesen Dingern abzuschießen. Wir werden mehrere Treffer landen müssen, und da es sich um eine so große Menge an Zielen handelt, müssen wir in kürzester Zeit so viele Salven abfeuern wie möglich. Dafür sind die Waffensysteme allerdings nicht ausgelegt.«

»Das weiß ich doch alles!« Warum erzählte sie ihm so etwas, wenn er Lösungsvorschläge hören wollte? Zugegeben, er hatte sich diese Dinge noch nicht alle durch den Kopf gehen lassen, aber das hätte er noch gemacht. Seine Bemerkung war ihm schroff und aufgebracht über die Lippen gekommen, weil sich in seinem Hinterkopf der Gedanke an die Vergeblichkeit jeder Gegenmaßnahme hielt. Er sah, wie Desjani als Reaktion darauf die Brauen zusammenzog, auf ihr Display schaute und ihn demonstrativ ignorierte, während sie ihr Schiff gefechtsbereit machte.

Verdammt, ich kann so eine persönliche Ablenkung jetzt wirklich nicht gebrauchen. Warum muss sie ausgerechnet in diesem Augenblick so empfindlich reagieren? Sie ist die Beste, die ich habe, um uns durch dieses Chaos zu steuern, aber offenbar will sie lieber auf die Angreifer zuhalten und aus allen Rohren feuern …

Mitten im Gedanken erstarrte Geary, da er versuchte, zu der möglichen Lösung zurückzufinden, die im Durcheinander aus sich überschlagenden Gedanken, Verärgerung und Bestürzung fast untergegangen wäre. Drauf zuhalten. »Tanya.«

»Was, Sir?«

»Wir wissen nicht, wie wendig die Dinger sind. Aber wir können beurteilen, wie schnell sie sich bewegen, weil sie mit maximaler Geschwindigkeit hinter uns herfliegen dürften. Uns bleibt ein schmales Zeitfenster, um sie zu kontrollieren, wenn wir mit den Angreifern in Kontakt kommen. Allerdings müssen wir unsere eigenen Manöver bis ins Detail genau abstimmen.«

Ihr finsterer Blick blieb bestehen, doch Desjanis Gesichtsausdruck nahm einen berechnenden Zug an. »Sie könnten ihre Geschwindigkeit drosseln, damit ihre Zielerfassungssysteme präzise arbeiten und damit sie ihre Brennstoffreserven schonen, weil eine lange Verfolgungsjagd vor ihnen liegen könnte. Aber wahrscheinlicher ist, dass sie momentan alles geben, was sie haben.« Desjani kniff die Augen zusammen und betrachtete ihr Display, als würde sie mit einer Waffe zielen. Dann wandte sie sich an ihre Wachhabenden. »Ich will, dass menschliche Augen die Sensoranzeigen studieren. Die Sensoren erzählen mir, dass sie an den Schiffen bislang noch keine Waffen identifizieren konnten. Sagen Sie mir, was Sie sehen.«

Es folgte eine Pause, da die Offiziere und Unteroffiziere die von den Sensoren erzeugte Darstellung eines der fremden Schiffe auf ihren Displays aufriefen, dann meldete sich ein Lieutenant zu Wort: »Captain, vielleicht arbeiten ihre Waffen grundlegend anders als unsere, aber ich kann nirgends Geschützöffnungen oder etwas Ähnliches entdecken. Ich sehe auch nichts, was abgesprengt werden könnte, um einen im Inneren befindlichen Flugkörper abzufeuern. Das sind einfach nur Rohre.«

»Patronenhülsen«, sagte Lieutenant Castries. »Verdammt große Patronenhülsen.«

Desjani sah zu den anderen Wachhabenden hinüber, die alle bestätigend nickten. Dann wandte sie sich zu Geary um. »Wir müssen davon ausgehen, dass diese Objekte keine Waffen mit sich führen, sondern selbst die Waffen sind. Das gibt uns die Gelegenheit zu entscheiden, wann wir uns ihnen stellen. Das ist das Positive. Ich langweile Sie doch nicht schon wieder mit Dingen, die Sie längst wissen, oder?«

»Tut mir leid, aber ich stehe im Augenblick ein bisschen unter Druck …«

»Wenn die Dauntless zerstört wird, Admiral, dann werden wir beide sterben. Was haben Sie überlegt?«

Geary bemühte sich um eine knappe Antwort. »Wir konzentrieren die Flotte, indem wir die Beschleunigung nach Schiffstyp sequentiell verringern.«

»Damit wir ein leichteres Ziel für die Aliens abgeben, die uns so früher einholen werden? Ich würde sagen, das läuft gegen die eigene Intuition. Die Flotte sequentiell konzentrieren?« Sie hielt inne und überlegte, dann setzten sich ihre Finger in Bewegung und vollzogen auf dem Display verschiedene Manöver nach. »Ich verstehe, was Sie meinen. Es wird nicht schön werden, aber es könnte funktionieren, und es ist besser als jede Option, die ich zu bieten habe.«

»Verbinden Sie mich mit Ihrem Display, dann können wir das schneller erledigen.« Die nächsten Minuten zogen wie in Trance vorüber, da Geary gemeinsam mit Desjani die Flugmanöver von Hunderten von Schiffen koordinierte. Parallel dazu stellten die Steuersysteme automatisch die Befehle zusammen, damit jedes Schiff zum erforderlichen Zeitpunkt drehte, beschleunigte oder abbremste, und achteten gleichzeitig darauf, dass es dadurch nicht zu Kollisionen kam. Das war die Art von Problemen, für deren Lösung Menschen Wochen benötigten, während die Systeme der Flotte auf der Stelle die Befehle von Geary und Desjani verarbeiteten.