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Die Köpfe der Echsen drehten sich, und die Schwänze schlugen von rechts nach links. Sie erinnerten Blutschatten an eine Katze, die ihre Beute beobachtete, bevor sie zuschlug, und er erschauderte leicht.

„Hier sind meine Kinder“, verkündete Todesschwinge, und seine Stimme war von Stolz erfüllt. „Die besten Geschöpfe von Azeroth!“ Er wies auf einen besonders großen Drachen, aus dessen Stirn zwei Hörner aufragten. „Sabellian“, verkündete Todesschwinge, und der Drache senkte den Kopf, als sein Name genannt wurde, „ist in allen Belangen mein Stellvertreter. Er und einige andere werden deine Orcs zu der Insel bringen. Und um den Ausflug nach Alterac kümmere ich mich selbst.“

„Ich bin geehrt“, begann Blutschatten, aber Todesschwinge gebot ihm zu schweigen, indem er ungeduldig mit der Hand wedelte. Seine Augen leuchteten wie glühende Kohlen, als er fortfuhr. „Bewerte dich nicht über, Todesritter. Ich tue das nicht, um dir Respekt zu erweisen, sondern um den Erfolg zu sichern. Meine Pläne scheitern, wenn du versagst. Ich schlage vor, dass dir das nicht passiert, wenn du am Leben bleiben willst... nun, zumindest das, was du als Leben bezeichnest.“

Todesschwinge grinste süffisant. Dann begann er zu lachen, das Geräusch steigerte sich von normalem menschlichem Lachen zu etwas viel Dunklerem. Er warf den Kopf zurück und hob die Arme. Dadurch brandete Wind auf, der Blutschatten und die anderen vor die Felsen hinter ihnen wehte.

Was tat er da? Blutschatten fragte sich einen Moment lang, ob das Ganze nicht nur ein grausamer Scherz gewesen war, den Todesschwinge nun beenden wollte. Die Flammen der Lagerfeuer flackerten in der plötzlichen Böe und erschufen groteske, tanzende Schatten. Hinter dem lachenden Mann wuchs Todesschwinges eigener Schatten an. Er bewegte sich, als wäre er ein eigenständiges lebendes Wesen und änderte die Form, während er immer größer wurde. Schließlich breitete der Schatten die Schwingen aus und bedeckte so die Berge, alle anderen Drachen und die Umgebung.

Zum dritten Mal in dieser Nacht erbebte die Erde, und dieses Mal stürzten viele Orcs schwer. Spalten öffneten sich, siedender Dampf stieg auf, rotorangefarbenes Magma in den Tiefen glühte wie die flüssigen Flammen in den Mäulern der Drachen.

Als der Schatten wuchs und Konturen annahm, verzerrte sich Todesschwinges menschlicher Körper. Seine Gestalt wurde undeutlich, als würde sie von den Schatten aufgesogen. Nur seine Augen blieben klar, wurden größer und standen schräger. Sie nahmen den rötlichen Schein der Flammen an, überstrahlten aber schon bald die kleinen Feuer.

Der Schatten wuchs immer noch, so wie der schwindende Körper, der ihn warf. Er schien seine eigene Substanz zu besitzen und entfernte sich von den Felsen. Er wurde größer und dicker und glich sich schnell den Schatten an. Schließlich verwandelte er sich in einen schwarzen Drachen, nein... in den schwarzen Drachen. Der mächtige, gefährliche Vater der schwarzen Sippe.

Blutschatten hatte erwartet, dass Todesschwinge sich in den perfektesten Vertreter seiner Rasse verwandeln würde. Aber als die Form der Echse deutlicher wurde, erkannte er, dass Todesschwinge die dunkle Schönheit seiner Kinder fehlte. Riesige Plattenpanzer aus glühendem Metall liefen den Rücken des Drachen entlang, vom Schwanz bis zu dem langen, schmalen Kopf. Unter ihnen erkannte Blutschatten rote, goldene und weiße Flecken in Strahlenform, als ob geschmolzenes Feuer... irgendwie durchbrechen würde. Es wirkte so, als hielten die metallenen Platten, die auf Todesschwinges Rücken befestigt waren, ihn körperlich erst zusammen.

Und plötzlich erkannte Blutschatten, warum Todesschwinge so bedacht auf das Aussehen seines menschlichen Körpers war. Seine Drachengestalt war... fehlerhaft!

Rote Augen glühten aus dem Reptiliengesicht. Todesschwinge streckte seine Flügel aus, und die große, ledrige Oberfläche war so finster wie der sternlose Himmel und so runzelig wie ein altes Weib. Die Kraft loderte in dem Drachen wie die Hitze eines tobenden Feuers.

„Kommt, kleine Todesritter, wenn ihr euch traut“, befahl Todesschwinge. Seine Stimme war jetzt ein tiefes Dröhnen. Er senkte den Kopf fast bis zum Boden, und Blutschatten stellte fest, dass er einen Moment lang bewegungsunfähig war, bevor er seinen Körper zum Gehorsam zwang. Zitternd kletterte er auf den Drachen, wo dessen Hals auf den gepanzerten Rücken traf. Glücklicherweise boten die unnatürlichen Metallplatten festen Halt. Die anderen taten es ihm nach, und bald schon saß Blutschattens Gruppe auf den Drachen.

Ohne vorherige Warnung startete Todesschwinge mit kräftigem Schwung in die Luft und schlug mit den Flügeln. Reine Muskelkraft beförderte sie in den Himmel. Blutschatten hielt sich gut fest, als der Boden unter ihm verschwand, und dann schnellten sie empor. Die Luft trug sie, als wäre der Drache so leicht wie ein Strohhalm. Sabellian und seine Begleiter trennten sich vom Rest und verschwanden in der Nacht.

Todesschwinge flog eine Kurve, dabei hing sein Flügel so tief, dass Blutschatten glaubte, er könnte über den Boden streifen. Dann drehten sie ab in Richtung Alterac.

Aiden Perenolde, König von Alterac und Gefangener in seinem eigenen Palast, schreckte aus dem Schlaf auf. Er hatte geträumt und erinnerte sich in vagen Bildern an etwas Großes, Schwarzes und Reptilienähnliches, das über ihm schwebte und... lachte?

Vielleicht, überlegte er bitter, war das eine Metapher für sein Schicksal.

Er rieb sich das Gesicht, verdrängte den Albtraum, aber der Schlaf kam nicht zurück. Murrend stand er auf. Vielleicht würde ihm etwas Wein helfen. Er goss sich ein Glas der dunklen Flüssigkeit ein. Rot wie Blut, überlegte er, trank es langsam aus und überdachte die Entscheidungen, die ihn hierher geführt hatten.

Damals war alles so leicht erschienen. So weise, so richtig. Die Orcs zerstörten alles, was sich in ihrem Weg befand. Deshalb hatte er mit ihnen verhandelt. Er wollte sein Volk retten. Der König schaute finster in sein Glas, als er an das Gespräch mit Orgrim Schicksalshammer zurückdachte. Zuerst schien alles zu funktionieren, aber letztlich war doch alles schiefgelaufen. Sein sogenannter „Verrat“ wurde entdeckt, und die Orcs hatten ausgerechnet bei der Sache versagt, die sie eigentlich so gut konnten: beim Zerstören.

Dumme, große, grüne Idioten!

Plötzlich wurde die Tür zu seinem Schlafzimmer aufgebrochen. Perenolde verschüttete den Wein über sein Nachthemd, als mehrere große Gestalten hereinstürmten. Eine Sekunde lang schaute er nur untätig zu und glaubte, dass er immer noch träumte, als die großen, grünen Idioten, über die er gerade nachgedacht hatte, in seine Privatgemächer eindrangen. Es wurde noch unwirklicher, als die Orcs ihn packten und zur Tür drängten.

Was machten die hier im Palast? Perenolde kam erst nach und nach zu sich. Ohne an Tempo zu verlieren, warf einer der Grünhäute sich den König wie einen Sack Getreide über die Schulter. Sie gingen durch den Palast, an den Leichen von Perenoldes Wachen vorbei und aus dem Eingangstor hinaus. Dann stellten die Orcs Perenolde wieder auf die Füße.

„Nein, bitte, ich...“ Seine Schreie blieben ihm im Hals stecken. Eine große Kreatur, so groß wie der Palast, schwebte über ihm. Eine Masse aus schwarzen Schuppen, schimmernden Platten und ledrigen Flügeln. Der lange Kopf bewegte sich, um ihn zu studieren. Die roten Augen glühten.

„König Perenolde.“ Die trockene Stimme schien nicht aus dem mit Reißzähnen besetzten Maul des Drachen zu kommen. Und erschreckt erkannte Perenolde, dass die Kreatur nicht allein war. Jemand saß auf ihrem Rücken. Oder zumindest... etwas, korrigierte er sich.

Er sah die rot glühenden Augen des Reiters, den Kapuzenumhang und die merkwürdig verhüllten Gliedmaßen. Hatte er von solchen Kreaturen nicht während des Zweiten Krieges gehört? Als Agenten der Horde?