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»Kann man sich da nicht erkälten?«

Er grinste. »Ich meinte, zeigen Sie sich mit Ihrem Geliebten, wenn das Wort noch gebräuchlich ist – in der Öffentlichkeit, in bekannten Restaurants, im Theater.«

»In Shakespeare-Stücken?« fragte Catherine unschuldig.

Fräser ging nicht darauf ein. »Die Leute suchen immer abwegige Gründe. Sie sagen sich: >Aha – er führt Soundso aus. Möchte bloß wissen, mit wem er sich im geheimen trifft.< Das Offensichtliche glauben die Menschen nie.«

»Eine interessante Theorie.«

»Edgar Allan Poe schrieb eine Erzählung, die auf der Täuschung der Menschen mit dem Offensichtlichen beruht«, sagte Fräser. »Der Titel fällt mir augenblicklich nicht ein.«

»Sie heißt >Der gestohlene Brief<.« Doch sofort bereute Catherine, was sie gesagt hatte. Die Männer mochten gescheite Mädchen nicht. Andererseits, was spielte es für eine Rolle? Sie war nicht sein Mädchen, sie war seine Sekretärin.

Den Rest der Fahrt schwiegen sie.

Fräsers Haus in Georgetown war wie aus einem Bilderbuch. Es war ein vierstöckiges Haus im georgianischen Stil, mehr als zweihundert Jahre alt. Die Tür wurde von einem Butler in weißer Jacke geöffnet. Fräser sagte: »Frank, das ist Miss Alexander.«

»Hallo, Frank. Wir haben schon miteinander telefoniert«, sagte Catherine.

»Ja, Ma'am. Ich freue mich, Sie kennen zu lernen, Miss Alexander.«

Catherine besah sich die Empfangshalle. Sie hatte eine schöne alte, zum zweiten Stock hinaufführende, wunderbar schimmernde Eichentreppe. Der Boden war Marmor, und an der Decke hing ein herrlicher Lüster.

Fräser blickte sie prüfend an. »Gefällt es Ihnen?« fragte er.

»Ob es mir gefällt? O ja!«

Er lächelte, und Catherine überlegte sich, ob sie zu begeistert geantwortet hatte, wie ein Mädchen, dem Reichtum imponierte, wie eine dieser aufdringlichen Weiber, die ihm dauernd nachstellten. »Es wirkt ... es wirkt freundlich«, fügte sie lahm hinzu.

Fräser sah sie spöttisch an, und Catherine hatte das grässliche Gefühl, dass er ihre Gedanken lesen konnte. »Kommen Sie ins Herrenzimmer.«

Catherine folgte ihm in einen großen, mit Büchern gesäumten, dunkel getäfelten Raum. Er hatte die Atmosphäre eines anderen Zeitalters, die Anmut einer behaglicheren, freundlicheren Lebensweise.

Fräser sah sie an. »Nun?« fragte er ernst.

Diesmal würde Catherine nicht mehr hereinfallen. »Es ist kleiner als die Kongressbibliothek«, sagte sie zurückhaltend.

Er lachte lauthals. »Da haben Sie recht.«

Frank kam mit einem silbernen Eiskübel herein. Er stellte ihn auf die Bar in der Ecke. »Wann möchten Sie essen, Mr. Fräser?«

»Halb acht.«

»Ich werde es dem Koch sagen.« Frank ging hinaus.

»Was darf ich Ihnen mixen?«

»Nichts, danke.«

Er sah sie an. »Trinken Sie gar nicht, Catherine?«

»Nicht bei der Arbeit«, sagte sie. »Sonst bringe ich meine P und O durcheinander.«

»Sie meinen P und Q, nicht wahr?«

»Nein, P und O. Die liegen auf der Tastatur nebeneinander.«

»Wusste ich gar nicht.«

»Brauchen Sie auch nicht. Dafür zahlen Sie mir eine Riesensumme jede Woche.«

»Was zahle ich Ihnen denn?« fragte Fräser.

»Dreißig Dollar und Dinner im schönsten Haus von Washington.«

»Wollen Sie sich's mit dem Drink nicht anders überlegen?«

»Nein, danke«, sagte Catherine.

Fräser mixte sich einen Martina, und Catherine ging im Zimmer umher und sah sich die Bücher an. Es waren alles die traditionellen klassischen Titel und dazu eine ganze Auswahl italienischer Bücher und eine Abteilung in Arabisch.

Fräser ging zu ihr hinüber. »Sie sprechen doch nicht Italienisch und Arabisch, oder?« fragte Catherine.

»Doch. Ich lebte ein paar Jahre im Mittleren Osten und lernte Arabisch.«

»Und Italienisch?«

»Ich war mal eine Zeitlang mit einer italienischen Schauspielerin befreundet.«

Sie wurde rot. »Verzeihung, ich wollte nicht neugierig sein.«

Fräser sah sie belustigt an, und Catherine kam sich wie ein Schulmädchen vor. Sie war nicht sicher, ob sie William Fräser hasste oder liebte. Eines war allerdings gewiss. Er war der netteste Mann, den sie je kennen gelernt hatte.

Das Abendessen war vorzüglich. Alle Gerichte waren französisch mit wunderbaren Saucen. Der Nachtisch war Cherries Jubilee. Kein Wunder, dass Fräser an drei Morgen in der Woche im Sportklub Gymnastik trieb.

»Wie schmeckt's?« fragte Fräser sie.

»Nicht wie in der Kantine«, sagte sie lächelnd.

Fräser lachte. »Ich muss mal in der Kantine essen.«

»Tat' ich nicht, wenn ich Sie wäre.«

Er sah sie an. »So schlecht?«

»Es ist nicht so sehr das Essen, sondern es sind die Mädchen. Die würden über Sie herfallen.«

»Wie kommen Sie darauf?«

»Sie reden die ganze Zeit von Ihnen.«

»Sie meinen, sie fragen Sie nach mir aus?«

»Worauf Sie sich verlassen können«, sagte sie grinsend.

»Ich nehme an, wenn sie genug gefragt haben, sind sie von dem wenigen, das sie erfahren haben, enttäuscht.«

Sie schüttelte den Kopf. »Falsch. Ich erfinde alle möglichen Geschichten über Sie.«

Fräser lehnte sich zurück, entspannte sich bei einem Cognac. »Was für Geschichten?«

»Wollen Sie's wirklich hören?«

»Unbedingt.«

»Nun, ich erzähle ihnen, Sie seien ein Ungeheuer und schrieen mich den ganzen Tag an.«

Er grinste. »Nicht den ganzen Tag.«

»Ich erzähle ihnen, Sie seien ganz verrückt aufs Jagen und trügen ein geladenes Gewehr im Büro mit sich herum, während Sie diktieren, und ich hätte dauernd Angst, das Ding gehe los.«

»Das muss sie aber in Spannung halten.«

»Die amüsieren sich großartig herauszufinden, wer Sie wirklich sind.«

»Haben Sie's schon herausgefunden?« Fräsers Ton war jetzt ernst geworden.

Sie sah ihm einen Augenblick in die hellblauen Augen und wandte sich dann ab. »Ich glaube, ja«, sagte sie.

»Wer bin ich?«

Catherine fühlte eine gewisse Spannung in sich. Die Neckerei war vorbei, und eine neue Note hatte sich in die Unterhaltung geschlichen. Eine erregende Note, eine beunruhigende Note. Sie antwortete nicht.

Fräser sah sie einen Augenblick an und lächelte dann. »Ich bin ein langweiliges Thema. Noch mehr Nachtisch?«

»Nein, danke. Ich werde eine Woche lang nichts mehr essen.«

»Gehen wir an die Arbeit.«

Sie arbeiteten bis Mitternacht, Fräser begleitete Catherine zur Tür, und Talmadge wartete draußen, um sie zu ihrer Wohnung zurückzufahren.

Den ganzen Weg nach Hause dachte sie über Fräser nach. Über seine Stärke, seinen Humor, sein Mitgefühl. Jemand hatte einmal gesagt, ein Mann müsse sehr stark sein, ehe er sich erlauben könne, sanft und gütig zu sein. William Fräser war sehr stark. Dieser Abend war einer der nettesten Abende in Catherines Leben gewesen, und das beunruhigte sie. Sie fürchtete, eine dieser eifersüchtigen Sekretärinnen zu werden, die den ganzen Tag im Büro herumsitzen und jedes Mädchen, das ihren Chef anruft, hassen. Nun, das würde ihr nicht passieren. Jedes annehmbare Mädchen in Washington warf sich Fräser an den Hals. Dieser Bande würde sie sich nicht anschließen.

Als Catherine nach Hause kam, wartete Susie auf sie. Sie stürzte sich sofort auf Catherine, als sie hereinkam.

»Erzähl, erzähl!« sagte Susie. »Was ist passiert?«

»Nichts ist passiert«, erwiderte Catherine. »Wir haben zusammen Abendbrot gegessen.«

Susie starrte sie ungläubig an. »Hat er dir nicht Avancen gemacht?«

»Nein, natürlich nicht.«

Susie seufzte. »Hätt' ich mir denken können. Er hatte Angst.«

»Was meinst du damit?«