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Fräsers Werbeagentur wurde in seiner Abwesenheit von Wallace Turner, einem Prokuristen, geführt. William Fräser wollte so wenig wie möglich mit dem Unternehmen zu tun haben, um sich völlig seiner Arbeit in Washington widmen zu können, aber jedes Mal, wenn in der Agentur ein größeres Problem auftauchte und man seinen Rat benötigte, besprach Fräser es mit Catherine und benutzte sie als eine Art Resonanzboden. Er fand, dass sie eine feine Nase fürs Geschäft hatte. Catherine hatte oft Ideen für Werbekampagnen, die sich als erfolgreich erwiesen.

»Wenn ich nicht so egoistisch wäre, Catherine«, sagte Fräser eines Abends beim Essen, »würde ich dich in die Agentur stecken und dich einige unserer Werbekonten betreuen lassen.« Er legte seine Hand auf die ihre. »Aber du würdest mir fehlen«, fügte er hinzu. »Ich will dich hier bei mir haben.«

»Ich will hier sein, Bill. Ich bin sehr glücklich mit allem, wie es ist.« Und das stimmte. Sie hatte gedacht, sie würde verzweifelt nach der Heirat streben, wenn sie sich einmal in einer solchen Situation befände, aber irgendwie schien das alles keine Eile zu haben. In allem, was zählte, waren sie so gut wie verheiratet.

Eines Nachmittags, als Catherine gerade eine Arbeit fertig machte, trat Fräser in ihr Büro.

»Was meinst du dazu, wenn wir heute Abend eine Fahrt aufs Land machten?« fragte er.

»Das wäre herrlich. Wo fahren wir hin?«

»Nach Virginia. Wir essen mit meinen Eltern zu Abend.«

Catherine blickte ihn erstaunt an. »Wissen sie von uns?« fragte sie.

»Nicht alles«, grinste er. »Nur, dass ich eine phantastische junge Assistentin habe und sie zum Dinner mitbringe.«

Wenn sie dabei eine leise Enttäuschung verspürte, so ließ sie es sich nicht anmerken. »Ausgezeichnet«, sagte sie. »Ich werde vorher kurz nach Hause fahren und mich umziehen.«

»Ich hole dich um sieben Uhr ab.«

»In Ordnung.«

Das Haus der Fräsers, das in den schönen welligen Hügeln von Virginia lag, war ein großer Gutshof im Kolonialstil, umgeben von sechzig Morgen Wiesen und Ackerland. Das Haus stammte aus dem 17. Jahrhundert.

»Ich habe noch nie so etwas gesehen«, staunte Catherine.

»Es ist eine der besten Zuchtfarmen in Amerika«, erklärte ihr Fräser.

Der Wagen fuhr an einer Koppel, auf der sich schöne Pferde tummelten, an sauber gehaltenen Sattelplätzen und an dem Cottage des Verwalters vorbei.

»Es ist wie eine andere Welt«, rief Catherine aus. »Ich beneide dich darum, dass du hier aufwachsen durftest.«

»Glaubst du, es würde dir Spaß machen, auf einer Farm zu leben?«

»Das hier kann man nicht Farm nennen«, sagte sie trocken. »Es ist eher, als besäße man ein eigenes Land.«

Sie waren vor dem Haus angelangt.

Fräser wandte sich ihr zu. »Meine Mutter und mein Vater sind etwas förmlich«, warnte er sie, »aber du brauchst dich nicht zu fürchten. Sei einfach ganz natürlich. Nervös?«

»Nein, gar nicht«, sagte Catherine. »Ich bin nur von panischer Angst erfüllt.« Während sie das sagte, merkte sie erstaunt, dass sie log. In der klassischen Situation aller Mädchen, die den Eltern des geliebten Mannes vorgestellt werden, hätte sie vor Schreck fast gelähmt sein müssen. Aber sie empfand nichts als Neugierde. Doch sie hatte keine Zeit, sich darüber zu wundern. Sie stiegen bereits aus, ein Butler in voller Livree hielt den Wagenschlag auf und hieß sie mit einem Lächeln willkommen.

Oberst Fräser und seine Gattin hätten beide aus der Zeit vor dem Bürgerkrieg stammen können. Was Catherine zuerst auffiel, war, wie alt und zerbrechlich sie aussahen. Oberst Fräser war eine blasse Kopie von dem, was einst ein gut aussehender, vitaler Mann gewesen war. Er erinnerte Catherine sehr stark an jemanden, und sie erkannte erschrocken, an wen: Er war eine alte, verbrauchte Version seines Sohnes. Der Oberst hatte spärliches weißes Haar und ging mühsam nach vorne gebeugt. Seine Augen waren blassblau, und seine ehemals kräftigen Hände hatten Gichtknoten. Seine Frau wirkte aristokratisch, und es waren noch Spuren mädchenhafter Schönheit an ihr. Sie empfing Catherine voll Wärme.

Trotz Fräsers Erklärungen hatte Catherine das Gefühl, dass sie zur Besichtigung hier war. Der Oberst und seine Frau verbrachten den Abend damit, sie auszufragen. Sie waren sehr diskret, aber gründlich. Catherine erzählte ihnen von ihren Eltern und ihrer Kindheit, und als sie von ihrem häufigen Schulwechsel sprach, ließ sie es wie abenteuerlichen Spaß klingen und nicht wie die Qual, die es gewesen war. Während sie sprach, konnte sie sehen, wie Bill Fräser sie stolz anstrahlte. Das Abendessen war hervorragend. Sie aßen bei Kerzenlicht in einem geräumigen, altmodischen Speisezimmer mit einem echten Kamin aus Marmor und livrierten Dienern. Sie blickte Bill Fräser an, und eine Welle warmer Dankbarkeit durchflutete sie. Sie hatte das Gefühl, dieses Leben könnte ihr gehören, wenn sie es wollte. Sie wusste, dass Fräser sie liebte, und sie erwiderte seine Liebe. Und doch fehlte ihr etwas: das gewisse Aufregende. Vielleicht, dachte sie, erwarte ich zuviel Ich bin wahrscheinlich durch Gary Cooper, Humphrey Bogart und

Spencer Tracy verdorben. Die Liebe ist kein Ritter in einer glänzenden Rüstung, sie ist ein Gutsbesitzer in einem grauen Tweedanzug. Der Teufel soll alle diese Filme und Bücher holen! Als sie den Oberst anblickte, konnte sie Fräser in zwanzig Jahren sehen, aufs Haar seinem Vater gleich.

Sie war den Rest des Abends sehr still.

Auf dem Heimweg fragte Fräser: »Hat dir der Abend gefallen?«

»Sehr. Ich mag deine Eltern.«

»Sie mochten dich auch.«

»Ich bin froh darüber.« Sie war es tatsächlich. Und doch war sie beunruhigt, dass sie bei der Begegnung mit seinen Eltern keinerlei Aufregung verspürt hatte.

Am nächsten Abend, während Catherine und Fräser im Jockey Club aßen, erzählte Fräser ihr, dass er auf eine Woche nach London fliegen müsse. »Während ich weg bin«, sagte er, »habe ich eine interessante Arbeit für dich. Unser Büro wurde gebeten, die Dreharbeiten eines Werbefilms für die Luftwaffe, der in den Metro-Goldwyn-Mayer-Studios in Hollywood produziert wird, zu überwachen. Ich möchte, dass du diese Sache in meiner Abwesenheit übernimmst.«

Catherine starrte ihn ungläubig an. »Ich? Ich kann nicht einmal einen Browning laden. Was verstehe ich von einem Lehrfilm?«

»Genauso viel wie jedermann«, grinste Fräser, »es ist alles ziemlich neu für dich, aber mach dir keine Sorgen. Sie werden einen Produzenten und alles da haben. Die Armee will Schauspieler in dem Film einsetzen.«

»Warum?«

»Ich nehme an, weil sie glauben, die Soldaten würden sich selbst nicht überzeugend genug darstellen.«

»Das klingt ganz nach Militär.«

»Ich hatte heute Nachmittag eine lange Unterhaltung mit General Mathews. Er hat das Wort >Glamour< bestimmt hundertmal gebraucht. Das ist es, was sie verkaufen wollen. Sie beginnen gerade eine große Werbekampagne, die sich an die junge männliche Elite Amerikas wendet. Dies ist der Auftakt dazu.«

»Worin besteht meine Aufgabe?« fragte Catherine.

»Dafür zu sorgen, dass alles glatt läuft. Du hast die endgültige Entscheidung. Dein Flug nach Los Angeles ist für morgen um 9 Uhr gebucht.«

Catherine nickte. »Ist gut.«

»Wirst du mich vermissen?«

»Du weißt, dass du mir fehlen wirst«, antwortete sie.

»Ich werde dir ein Geschenk mitbringen.«

»Ich will keine Geschenke. Komm nur gesund zurück.« Sie zögerte. »Die Lage sieht immer schlechter aus, nicht wahr, Bill?«