»Nein«, stieß sie hervor. »Sagen Sie ihm, dass ich – warten Sie, ich werde es ihm selbst sagen.« Sie holte tief Atem und drückte auf den Knopf. »Mr. Douglas?«
»Guten Morgen.« Seine Stimme klang honigsüß. »Es war sehr schwierig, Sie ausfindig zu machen. Mögen Sie keine Rosen?«
»Mr. Douglas«, begann Catherine. Ihre Stimme zitterte vor Zorn. Sie holte tief Luft und sagte: »Mr. Douglas, ich liebe Rosen. Ich kann Sie nicht ausstehen. Ich kann nichts an Ihnen ausstehen. Ist das klar?«
»Sie wissen überhaupt nichts von mir.«
»Ich weiß mehr, als ich wissen will. Ich halte Sie für feige und verachtenswert und wünsche nicht, dass Sie mich jemals wieder anrufen.« Zitternd knallte sie den Hörer auf, ihre Augen waren vor Zorn mit Tränen gefüllt. Wie konnte er es wagen! Sie würde froh sein, wenn Bill endlich zurückkam.
Drei Tage später erhielt Catherine mit der Post eine 10 x 12 große Fotografie von Lawrence Douglas. Sie trug die Aufschrift: »Dem Boss, in Liebe, Larry.«
Annie starrte das Foto überwältigt an und rief: »Mein Gott! Ist der echt?«
»Er ist unecht«, gab Catherine zurück. »Das einzig Echte daran ist das Papier, auf dem es abgezogen ist.« Sie zerriss wütend das Foto.
Annie sah das bestürzt mit an. »Wie schade. Ich habe noch nie so einen in Fleisch und Blut gesehen.«
»In Hollywood«, sagte Catherine grimmig, »haben sie Kulissen, die nur aus der Fassade bestehen – ohne Fundament. Sie hatten gerade so eine vor sich.«
In den nächsten zwei Wochen rief Larry Douglas mindestens ein Dutzend Mal an. Catherine gab Annie die Anweisung, ihm zu sagen, er solle nicht wieder anrufen, und bat sie, ihr seine Anrufe gar nicht mehr zu melden. Eines Morgens beim Diktat blickte Annie auf und sagte entschuldigend: »Ich weiß, Sie sagten mir, ich solle Sie nicht mehr mit Mr. Douglas' Anrufen belästigen, aber er rief wieder an, und es klang so verzweifelt und, ich weiß nicht, ... wie verloren.«
»Er ist verloren«, sagte Catherine kalt, »und Sie täten besser, nicht nach ihm zu suchen.«
»Er scheint aber wirklich charmant zu sein.«
»Er versteht sich aufs Schmeicheln.«
»Er stellte eine Menge Fragen über Sie.« Sie sah Catherines Blick. »Aber natürlich«, fügte sie hastig hinzu, »habe ich nichts erzählt.«
»Das war sehr klug von Ihnen, Annie.«
Catherine begann wieder mit dem Diktat, aber sie war nicht ganz dabei. Wahrscheinlich war die Welt voll von Typen wie Larry Douglas, ein Grund mehr, William Fräser zu schätzen.
Bill Fräser kehrte am nächsten Sonntagmorgen zurück, und Catherine holte ihn vom Flugplatz ab. Sie beobachtete, wie er den Zoll passierte und auf den Ausgang, wo sie ihn erwartete, zukam. Sein Gesicht strahlte, als er sie sah.
»Cathy«, rief er. »Was für eine reizende Überraschung! Ich hatte nicht erwartet, dass du mich abholen würdest.«
»Ich konnte es nicht mehr aushaken«, sagte sie lächelnd und schloss ihn so fest in die Arme, dass er sie spöttisch ansah.
»Du hast mich vermisst«, sagte er.
»Mehr, als du dir vorstellen kannst.«
»Wie war es in Hollywood?« fragte er. »Hat es gut geklappt?«
Sie zögerte. »Ausgezeichnet. Sie sind sehr zufrieden mit dem Film.«
»Das habe ich gehört.«
»Bill, wenn du das nächste Mal wegfährst«, sagte sie, »nimm mich mit.«
Er blickte sie erfreut und gerührt an.
»Abgemacht«, sagte Fräser. »Du hast mir gefehlt. Ich habe sehr viel über dich nachgedacht.«
»Wirklich?«
»Liebst du mich?«
»Sehr, Mr. Fräser.«
»Ich liebe dich auch«, sagte er. »Warum gehen wir heute Abend nicht aus und feiern?«
Sie lächelte. »Wunderbar.«
»Wir werden im Jefferson Club essen.«
Sie setzte Fräser zu Hause ab.
»Ich muss ein paar tausend Anrufe machen«, sagte er. »Könnten wir uns im Klub treffen? Acht Uhr.«
»Gut«, sagte sie.
Catherine kehrte in ihre Wohnung zurück und wusch und bügelte einige Sachen. Jedes Mal, wenn sie am Telefon vorbeikam, erwartete sie halb, dass es klingeln würde, aber es blieb still. Sie dachte daran, wie Larry versucht hatte, Annie über sie auszuhorchen, und merkte, dass sie mit den Zähnen knirschte. Vielleicht würde sie mit Fräser darüber sprechen, ob man die zuständige Rekrutierungsbehörde auf Douglas aufmerksam machen könnte. Nein, ich lasse das lieber, dachte sie. Sie würden ihn wahrscheinlich sowieso nicht nehmen. Er würde gewogen und zu leicht befunden werden. Sie wusch sich das Haar, nahm ein langes, schwelgerisches Bad und trocknete sich gerade ab, als das Telefon klingelte. Gespannt ging sie hinüber und hob den Hörer ab. »Ja?« sagte sie kalt.
Es war Fräser. »Hallo«, sagte er. »Stimmt was nicht?«
»Doch, doch, Bill«, sagte sie schnell. »Ich – ich war gerade in der Badewanne.«
»Es tut mir leid.« Seine Stimme nahm einen neckenden Ton an. »Ich meine, es tut mir leid, dass ich nicht bei dir bin.«
»Mir auch«, erwiderte sie.
»Ich will dir nur sagen, wie sehr ich dich vermisse. Komm nicht zu spät.«
Catherine lächelte. »Ich werde pünktlich sein.«
Sie legte den Hörer auf und dachte über Bill nach. Zum ersten Mal hatte sie das Gefühl, dass er bereit sei, um sie anzuhalten. Er würde sie bitten, Mrs. Fräser zu werden. Sie sprach den Namen laut aus. »Mrs. William Fräser.« Es klang hübsch und würdevoll. Mein Gott, dachte sie, ich werde blasiert. Vor sechs Monaten wäre ich bei diesem Gedanken noch in die Luft gesprungen, und jetzt ist alles, was ich sagen kann, es klingt hübsch und würdevoll. Hatte sie sich wirklich derart verändert? Es war kein tröstlicher Gedanke. Sie sah auf die Uhr und begann sich hastig anzuziehen.
Der Jefferson Club befand sich in der »Feestraße in einem unauffälligen Backsteingebäude, das etwas von der Straße zurückgesetzt lag und von einem schmiedeeisernen Gitter umgeben war. Er war einer der exklusivsten Klubs in einer Stadt, in der es von exklusiven Klubs wimmelte. Der leichteste Weg, Mitglied zu werden, war, einen Vater zu haben, der ihm angehörte. Wenn es jemandem an dieser weisen Voraussicht mangelte, musste man von drei Mitgliedern empfohlen werden. Die Vorschläge für die Mitgliedschaft wurden einmal im Jahr vorgebracht, und eine schwarze Kugel genügte, um jemanden bis ans Lebensende dem Jefferson Klub fernzuhalten, denn es war eine feste Regel, dass kein Anwärter zweimal vorgeschlagen werden konnte.
William Fräsers Vater war Gründungsmitglied des Klubs, und Fräser und Catherine dinierten dort mindestens einmal in der Woche. Der Chef hatte zwanzig Jahre beim französischen Zweig der Rothschilds gearbeitet, die Küche war vorzüglich und der Weinkeller als der drittbeste Amerikas bekannt. Der Klub war von einem der besten Innenarchitekten ausgestattet, und man hatte große Sorgfalt auf Farben und Beleuchtung verwandt, so dass die Frauen in den Glanz des Kerzenlichts getaucht waren, der ihre Schönheit noch erhöhte. An jedem beliebigen Abend konnten die Gäste mit dem Vizepräsidenten, Kabinettsmitgliedern oder Vertretern des Obersten Gerichtshofs, Senatoren und mächtigen Industriellen, die weltweite Wirtschaftsimperien beherrschten, Tisch an Tisch sitzen.
Fräser wartete bereits im Foyer auf Catherine, als sie ankam.
»Komme ich zu spät?« fragte sie.
»Und wenn es so wäre«, sagte Fräser und blickte sie mit unverhohlener Bewunderung an. »Weißt du, dass du phantastisch schön bist?«
»Natürlich«, antwortete sie. »Jedermann weiß, dass ich die phantastisch schöne Catherine Alexander bin.«
»Ich scherze nicht, Cathy.« Sein Ton war so ernst, dass er sie verwirrte.
»Danke, Bill«, sagte sie verlegen. »Und bitte hör auf, mich so anzustarren.«
»Ich kann nicht anders«, sagte er. Er nahm ihren Arm.