Louis, der Maitre, führte sie zu einer Ecknische. »Nehmen Sie hier Platz, Miss Alexander, Mr. Fräser, ich wünsche wohl zu speisen.«
Catherine liebte es, vom Maitre des Jefferson Clubs mit Namen angesprochen zu werden. Sie wusste, es war kindisch und naiv von ihr, aber es gab ihr das Gefühl, jemand zu sein, irgendwohin zu gehören. Jetzt lehnte sie sich entspannt und zufrieden zurück und sah sich im Raum um.
»Möchtest du einen Drink?« fragte Fräser.
»Nein, danke«, sagte Catherine.
Er schüttelte den Kopf. »Ich muss dir noch ein paar schlechte Gewohnheiten beibringen.«
»Das hast du bereits getan«, murmelte Catherine.
Er grinste sie an und bestellte einen Scotch mit Soda.
Sie musterte ihn und dachte dabei, was für ein reizender, liebenswerter Mann er war. Sie war sicher, dass sie ihn sehr glücklich machen könnte. Und sie wäre glücklich, mit ihm verheiratet zu sein. Sehr glücklich, sagte sie sich ungestüm. Frage, wen du willst. Frage die Zeitschrift TIME. Sie hasste sich, dass sie überhaupt Zweifel haben konnte. Was um Himmels willen stimmte nicht mit ihr? »Bill«, begann sie – und erstarrte.
Larry Douglas kam auf sie zu, mit einem Lächeln des Erken-nens auf den Lippen, als er Catherine erblickte. Er trug seine Luftwaffenuniform vom Zentralbesetzungsbüro. Sie sah ihn glücklich grinsend auf ihren Tisch zutreten. »Hallo ...« sagte er.
Aber das galt nicht Catherine. Er sprach Bill an, der sich erhob und seine Hand schüttelte.
»Wie schön, dich zu sehen, Larry.«
»Ich freue mich, dich zu sehen, Bill.«
Catherine starrte die beiden wie gelähmt an. Ihr Hirn versagte ihr den Dienst.
Bill Fräser sagte gerade: »Cathy, das ist Hauptmann Lawrence Douglas. Larry, das ist Miss Alexander – Catherine.«
Larry Douglas blickte auf sie nieder, seine dunklen Augen machten sich über sie lustig. »Ich kann Ihnen nicht sagen, was für ein Vergnügen es für mich ist, Miss Alexander«, sagte er feierlich.
Catherine setzte zum Sprechen an, fühlte jedoch plötzlich, dass es für sie nichts zu sagen gab. Fräser beobachtete sie, wartete darauf, dass sie etwas sagte. Alles, was sie fertig brachte, war ein Nicken. Sie traute ihrer Stimme nicht.
»Willst du dich zu uns setzen, Larry?« fragte Fräser.
Larry blickte Catherine an und meinte bescheiden: »Wenn ich nicht störe —«
»Natürlich nicht. Setz dich.«
Larry nahm neben Catherine Platz.
»Was möchtest du trinken?« fragte Fräser.
»Scotch und Soda«, erwiderte Larry.
»Für mich das gleiche«, sagte Catherine verwegen. »Einen Doppelten.«
Fräser blickte sie erstaunt an. »Nicht zu glauben.«
»Du wolltest mir doch ein paar schlechte Gewohnheiten beibringen«, sagte Catherine. »Und ich glaube, ich fange jetzt damit an.«
Als Fräser die Drinks bestellt hatte, wandte er sich an Larry und sagte: »General Terry hat mir von deinen Heldentaten erzählt – in der Luft und auf dem Boden.«
Catherine starrte Larry an, ihre Gedanken drehten sich im Kreise, sie versuchte mitzukommen. »Diese Orden ...«, sagte sie.
Er blickte sie unschuldig an.
»Ja?«
Sie schluckte. »Äh – wo haben Sie die her?«
»Ich habe sie auf dem Karneval gewonnen«, erwiderte er ernsthaft.
»Und was für ein Karneval«, sagte Fräser lachend. »Larry ist in der RAF geflogen. Er war der Führer der amerikanischen Staffel. Nun hat man ihn überredet, einen Jagdfliegerhorst in Washington zu leiten, um einige unserer Jungen für den Kampf auszubilden.«
Catherine drehte sich zu Larry um und starrte ihn an. Er lächelte ihr wohlwollend zu, seine Augen glitzerten. Wie bei der Wiederaufführung eines alten Films erinnerte sich Catherine an jedes Wort ihrer ersten Begegnung. Sie hatte ihm befohlen, seine Hauptmannsschulterstücke und seine Orden abzunehmen, und er hatte ihr gut gelaunt den Gefallen getan. Sie war eingebildet und anmaßend gewesen – sie hatte ihn einen Feigling genannt! Am liebsten hätte sie sich unter den Tisch verkrochen.
»Ich wünschte, du hättest mich wissen lassen, dass du nach Washington kommst«, sagte Fräser. »Wir hätten ein Kalb geschlachtet und eine große Party gegeben, um deine Rückkehr zu feiern.«
»So hab' ich's lieber«, sagte Larry. Er blickte zu Catherine hinüber, und sie wandte sich ab, unfähig, ihm in die Augen zu sehen. »In der Tat«, fuhr Larry unschuldig fort, »habe ich nach dir Ausschau gehalten, als ich in Hollywood war, Bill. Ich hörte, du produziertest einen Lehrfilm für die Luftwaffe.«
Er hielt inne, um sich eine Zigarette anzuzünden, und blies sorgfältig das Zündholz aus. »Ich ging ins Studio hinüber, aber du warst nicht da.«
»Ich musste nach London fliegen«, erwiderte Fräser. »Catherine war dort. Ich wundere mich, dass ihr euch nicht begegnet seid.«
Catherine blickte zu Larry auf, und er beobachtete sie belustigt. Jetzt war die Zeit gekommen, das Geschehene zu erwähnen. Sie würde Fräser alles erzählen, und sie würden lachend das Ganze als amüsante Anekdote abtun. Aber ihr blieb das Wort in der Kehle stecken.
Larry ließ ihr einen Augenblick Zeit, dann sagte er: »Das Studio war reichlich überfüllt. Ich nehme an, wir haben einander verfehlt.«
Sie hasste ihn dafür, dass er ihr aus der Klemme half, dass er sie zu gemeinsamen Verschwörern gegen Fräser machte.
Als die Drinks kamen, goss Catherine den ihren schnell hinunter und bestellte noch einen. Das würde der schrecklichste Abend ihres Lebens sein. Sie konnte es kaum erwarten, aus dem Klub herauszukommen, weg von Larry Douglas.
Fräser fragte ihn über seine Kriegserlebnisse aus, und Larry ließ sie als leicht und amüsant erscheinen. Er nahm offensichtlich nichts ernst. Er war ein »Leichtgewicht«. Und trotzdem, um ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, musste Catherine widerwillig zugeben, dass ein »Leichtgewicht« sich nicht als Freiwilliger zur RAF meldet und ein Held im Kampf gegen die deutsche Luftwaffe wird. Absurderweise hasste sie ihn noch mehr, weil er ein Held war. Ihre Haltung erschien ihr sinnlos, und sie brütete darüber bei ihrem dritten Scotch. Was machte es schon aus, ob er ein Held oder ein Windhund war? Und dann begriff sie: Solange sie ihn für einen Windhund hielt, konnte sie ihn schön sauber in ein Fach einordnen, und er machte ihr auf diese Weise nicht mehr zu schaffen. Vom Alkohol leicht benebelt, saß sie zurückgelehnt da und hörte der Unterhaltung der beiden Männer zu. Larry strahlte eine Begeisterung aus, wenn er sprach, eine greifbare Vitalität, die sie erreichte und berührte. Er schien ihr jetzt der lebendigste Mann zu sein, dem sie je begegnet war. Catherine hatte das
Gefühl, dass er dem Leben nichts vorenthielt, dass er sich von ganzem Herzen allem hingab und sich über diejenigen lustig machte, die Angst hatten, sich auszugeben. Die Angst hatten – basta. Wie sie selbst.
Sie rührte kaum ihr Essen an und hatte keine Ahnung, was sie zu sich nahm. Sie begegnete Larrys Blick, und es war, als ob er bereits ihr Liebhaber wäre, als ob sie bereits zusammen gewesen wären, einander angehörten; sie wusste, es war Wahnsinn. Er war wie ein Zyklon, eine Naturgewalt, und jede Frau, die in den Wirbel geriet, würde zugrunde gehen.
Larry lächelte sie an. »Ich fürchte, wir haben Miss Alexander von unserer Unterhaltung ausgeschlossen«, sagte er höflich. »Sie ist sicherlich ein interessanteres Thema als wir beide zusammen.«
»Sie irren sich«, sagte Catherine mit belegter Stimme. »Ich führe ein reichlich langweiliges Leben. Ich arbeite bei Bill.« Kaum waren ihr die Worte entfahren, hörte sie, wie sie klangen, und wurde rot. »Ich meinte es nicht so«, sagte sie. »Ich meinte«
»Ich weiß, was Sie meinten«, sagte Larry hilfreich. Und sie hasste ihn. Er wandte sich an Bill. »Wo hast du sie entdeckt?«
»Ich habe Glück gehabt«, sagte Fräser lebhaft. »Großes Glück. Bist du noch unverheiratet?«