Sprungbrett zum Piloten. Das ist ganz natürlich, und so soll es auch sein.«
»Es freut mich, dass Sie dieser Ansicht sind«, sagte Larry.
»Aber da gibt es etwas, was Sie von vornherein wissen müssen. Wir alle gehören einer Gewerkschaft an, Douglas, und Beförderungen gehen streng nach dem Dienstalter.«
»Ich verstehe.«
»Aber was Sie vielleicht nicht verstehen, ist, dass dies hier verdammt gute Jobs sind und mehr Leute kommen als gehen. Die Beförderungen gehen dadurch langsamer vor sich.«
»Ich werde mein Glück versuchen«, erwiderte Larry.
Sakowitz' Sekretärin brachte Kaffee und dänisches Gebäck, und die beiden Männer verbrachten die nächste Stunde damit, sich zu unterhalten und miteinander bekannt zu werden. Sakowitz' Benehmen war freundlich und leutselig, und viele seiner Fragen waren anscheinend belanglos und trivial, aber als Larry ihn verließ, um in seine erste Unterrichtsstunde zu gehen, hatte Sakowitz eine Menge über Larry Douglas erfahren. Ein paar Minuten nachdem Larry gegangen war, kam Carl Eastman in das Büro.
»Wie ist es verlaufen?« fragte Eastman.
»O. K.«
Eastman sah ihn scharf an. »Was halten Sie von ihm, Sak?«
»Wir werden ihn ausprobieren.«
»Ich fragte Sie, was Sie von ihm halten.«
Sakowitz zuckte die Schultern. »O. K. Ich werde es Ihnen sagen. Mein Gefühl ist, dass er ein verdammt guter Pilot ist. Er muss es sein, bei seiner Kriegserfahrung. Stecken Sie ihn in eine Maschine, und lassen Sie einen Haufen feindlicher Kampfflieger auf ihn schießen, und ich glaube, man könnte keinen besseren finden.« Er zögerte.
»Weiter«, sagte Eastman.
»Das Problem ist, dass es hier in Manhattan nicht viele feindliche Kampfflieger gibt. Ich habe Burschen wie Douglas
gekannt. Aus irgendeinem Grund, den ich nie herausgefunden habe, ist ihr Leben nur auf Gefahr eingestellt. Sie machen die verrücktesten Dinge, wie unmögliche Berge besteigen oder auf den Grund des Ozeans tauchen, oder was immer zum Teufel sie an Gefahren finden können. Wenn ein Krieg ausbricht, steigen sie nach oben wie Sahne in heißem Kaffee.« Er schwang seinen Stuhl herum und blickte aus dem Fenster. Eastman stand wartend da, sagte aber nichts.
»Ich habe so ein Gefühl bei Douglas, Carl. Irgend etwas stimmt mit ihm nicht. Vielleicht, wenn er Kapitän eines unserer Flugzeuge wäre und es selbst flöge, könnte er es schaffen. Aber ich glaube nicht, dass er psychologisch darauf vorbereitet ist, Befehle von einem ersten Offizier und einem Piloten hinzunehmen, besonders wenn er denkt, er könnte hundertmal besser fliegen als sie alle.« Er schwang den Stuhl wieder zurück, um Eastman anzusehen. »Und das Komische daran ist, dass er es wahrscheinlich könnte.«
»Sie machen mich nervös«, sagte Eastman.
»Mich selbst auch«, gestand Sakowitz. »Ich glaube nicht, dass er« Er hielt inne und suchte nach dem richtigen Wort, »gefestigt ist. Wenn man mit ihm spricht, bekommt man das Gefühl, dass er ein Stück Dynamit im Hintern hat, das jeden Augenblick explodieren kann.«
»Was gedenken Sie zu tun?«
»Wir tun es ja. Er wird zur Schule gehen, und wir werden ein Auge auf ihn haben.«
»Vielleicht wird er ein Versager sein«, sagte Eastman.
»Sie kennen diese Typen nicht. Er wird den Kurs als Nummer eins in seiner Klasse beenden.«
Sakowitz' Prophezeiung stimmte.
Der Trainingskurs bestand aus vier Wochen Bodenschule, denen ein zusätzlicher Monat Flugtraining folgte. Da die Kursteilnehmer bereits erfahrene Piloten mit langjähriger Praxis waren, war der Kurs auf einen doppelten Zweck ausgerichtet: einmal, um Fächer wie Navigation, Radio, Fernmeldewesen, Kartenlesen und Blindfliegen summarisch zu wiederholen, die Kenntnisse der Männer wieder aufzufrischen und ihre eventuellen Schwächen festzustellen, zum anderen, um sie mit der neuen Apparatur, die sie gebrauchen würden, vertraut zu machen.
Das Blindfliegen wurde in einem Simulierflugzeug geübt, einem kleinen Modell eines Cockpits, das auf einem beweglichen Podest ruhte und es dem Piloten im Cockpit ermöglichte, mit dem Flugzeug alle Manöver auszuführen, einschließlich überzogener Kurven, Loopings, Abtrudeln und Rollen. Eine schwarze Kappe wurde über das Cockpit gezogen, so dass der Pilot blind flog und nur die ihm sichtbaren Instrumente benutzen konnte. Der Ausbilder außerhalb der Simuliermaschine gab dem Piloten Befehle, wie er sich zu verhalten habe beim Starten und Landen sowie im Falle von heftigem Wind, Sturm, Annäherung an Bergketten oder jeder sonst möglichen Gefahr. Die meisten unerfahrenen Piloten bestiegen das Simulierflugzeug mit einem gewissen Selbstvertrauen, aber sie fanden bald heraus, dass die kleinen Maschinen viel schwieriger zu handhaben waren, als es zunächst schien. Es war ein schauriges Gefühl, allein in dem winzigen Cockpit zu sitzen, während alle Sinne von der Außenwelt abgeschnitten waren.
Larry war ein begabter und aufmerksamer Schüler, der förmlich in sich einzog, was man ihn lehrte. Er machte seine Hausarbeiten gut und sorgfältig. Er verriet nie Anzeichen von Ungeduld, Unruhe oder Langeweile. Im Gegenteil, er war der eifrigste Schüler im Kurs und bestimmt der hervor ragendste. Das einzige für Larry neue Gebiet war die Ausrüstung der DC-4. Die Douglas-Maschinen waren lang gestreckt, elegant in der Linie und mit gewissen Apparaturen ausgestattet, die es bei Kriegsbeginn noch nicht gegeben hatte. Larry verbrachte Stunden damit, jeden Zoll des Flugzeugs zu untersuchen, zu studieren, wie es zusammengesetzt war und wie es funktionierte. Abend für Abend war er in Dutzende von Betriebsanweisungen über das Flugzeug vertieft.
Eines späten Abends, als die anderen Kursteilnehmer den Hangar schon verlassen hatten, fand Sakowitz Larry in einer der DC-4, wie er auf dem Rücken unter dem Cockpit lag und das Kabelwerk untersuchte.
»Ich sage ja, der Hurensohn hat es auf meinen Job abgesehen«, sagte Sakowitz am nächsten Morgen zu Carl Eastman.
»Wenn er so weitermacht, kriegt er ihn vielleicht«, meinte Eastman.
Am Ende der acht Wochen gab es eine kleine Abschlussfeier. Catherine flog stolz nach New York, um dabei zu sein, wenn man ihm seine Navigatorenwinkel verlieh.
Er versuchte, es als etwas Unwichtiges hinzustellen. »Cathy, es ist nur ein dummes kleines Stück Tuch, das sie einem geben, damit man weiß, wer man ist, wenn man in das Cockpit steigt.«
»O nein, sag das nicht«, erwiderte sie. »Ich sprach mit Kapitän Sakowitz, und er erzählte mir, wie gut du bist.«
»Was versteht schon ein doofer Polacke«, sagte Larry. »Gehen wir feiern.«
An jenem Abend gingen Catherine und Larry und vier von Larrys Mitschülern mit ihren Frauen in den Twenty-One Club in der East Fifty-Second Street zum Abendessen. Das Foyer war überfüllt, und der Maitre sagte ihnen, ohne Vorbestellung gebe es keine Tische.
»Zum Teufel mit diesem Restaurant«, sagte Larry. »Gehen wir nebenan zu Toots Shor's.«
»Warte einen Augenblick«, sagte Catherine. Sie ging zum Kellner hinüber und fragte nach Jerry Berns.
Einige Augenblicke später eilte ein kleiner dünner Mann mit neugierigen grauen Augen herbei.
»Ich bin Jerry Berns«, sagte er. »Womit kann ich Ihnen dienen?«
»Mein Mann und ich sind mit ein paar Freunden hier«, erklärte Catherine. »Wir sind zehn.«
Er schüttelte bedauernd den Kopf. »Nur wenn Sie vorbestellt haben ...«
»Ich bin William Fräsers Geschäftspartner«, sagte Catherine.
Jerry Berns blickte Catherine vorwurfsvoll an. »Warum haben Sie das nicht gleich gesagt? Geben Sie mir fünfzehn Minuten Zeit.«
»Danke«, sagte Catherine erfreut.
Sie ging zu ihrer Gruppe zurück.
»Na, was sagt ihr nun!« sagte Catherine. »Wir kriegen einen Tisch.«
»Wie hast du das fertig bekommen?« fragte Larry.