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Er nickte. Ja, Vorsicht war angezeigt. Es war ein mächtiges, überwältigendes Gefühl. Besser als Sex. Besser als Drogen. Die anderen hatten Recht. Man war bereit, seine Seele dafür zu verkaufen.

»Sind wir bereit, an die Arbeit zurückzukehren?« Krebs' säuerliche Stimme brach mit ihrer nüchternen Schärfe in Grants euphorische Stimmung ein.

»Jawohl, Kapitän«, sagte er hastig.

»Sehr gut. Nun werden wir noch einmal die Trennungs- und Zündungssimulation durchgehen.«

Aber diesmal, erkannte Grant, diesmal werden wir mit der Sonde verbunden sein. Ich werde die elektrischen Ströme fühlen, die Triebwerke zünden. Mit meinem eigenen Willen werde ich die Sonde in Bewegung setzen.

14. ABREISE

In seinem ganzen Leben hatte Grant sich niemals so mächtig und erregt gefühlt. Als Krebs die Simulationsübung beendete, wollte er nicht aufhören, wollte sich nicht von der Tauchsonde lösen. Weitermachen, nur weiter, drängte es ihn. Endlich richtig auf Antrieb gehen und starten, endlich fühlen, wie es ist, durch diese stürmische Wolkenatmosphäre und in den Jupiterozean zu tauchen …

»Ich sagte abschalten und Stecker ziehen, Mr. Archer! Jetzt!«

Krebs' scharfer Befehlston traf ihn wie ein Peitschenschlag. Mit großem Widerwillen tat Grant, was die anderen schon getan hatten: streckte die Hand zur Konsole aus und unterbrach seine Verbindung mit den Antriebs- und elektrischen Systemen.

Es kam ihm wie eine Lobotomie vor. Einen Augenblick hatte er die ganze Macht eines Miniatursterns, die ihn durchpulste, die ein Teil von ihm war, so verwoben mit seinem Bewusstsein wie seine eigene Identität. Dann, mit dem Betätigen eines Schalters, war alles fort, und er war wieder ein einsamer, schwacher, haarloser Affe, allein und isoliert vom Rest des Universums.

Er musste sich erst besinnen, bevor er bemerkte, dass die anderen schon die faseroptischen Drähte von den Elektroden in ihren Beinen abzogen. Ein dumpfer Ärger stieg in ihm auf, als er die Drähte von seinen Beinen zog, einen nach dem anderen. Die losen Enden trieben in der Perfluorcarbon-Flüssigkeit und bewegten sich sanft auf und nieder, als winkten sie ihm zu. Als er fertig war, aktivierte er die Feder, welche die Drähte in ihren schmalen Aufbewahrungsbehälter zurückzog, und schloss den Deckel.

»Die Simulation ist abgeschlossen«, sagte Krebs. »Nun werden wir alle schlafen. Wenn wir wieder den Dienst antreten, wird es keine weiteren Simulationen geben. Die Mission beginnt in fünf Stunden und vierzehn Minuten.«

Die vier Besatzungsmitglieder schwammen zurück zu ihren sargähnlichen Kojen in der Katakombe. Krebs blieb auf der Brücke und zog sich ein Kommunikationsgerät mit Kopfhörern und Mikrofon über den kahlen Schädel.

»Schläft sie überhaupt nicht?«, flüsterte Karlstad.

»Sie muss«, flüsterte Muzorawa zurück.

»Aber wann?«

Krebs war bereits in ein Gespräch vertieft, wahrscheinlich mit Dr. Wo.

»Na«, sagte O'Hara zu Grant und schenkte ihm ein Lächeln, das ein wenig gezwungen schien, »wie hat es Ihnen mit der Verbindung gefallen?«

Grant merkte, dass er außer Atem war. Es bedurfte mehrerer Versuche, bis seine Stimme ihm gehorchte. »Überwältigend«, sagte er schließlich.

»Ja, das ist es, nicht?«

»Wann verbinden wir uns so miteinander?«, warf Karlstad mit einem lüsternen Grinsen zu O'Hara ein. »Das ist es, worauf ich mich freue.«

Sie sah ihn stirnrunzelnd an. Ernsthaft wie gewöhnlich, sagte Muzorawa: »Sie müssen sich davor hüten, von der Erfahrung überwältigt zu werden. Es ist eine außerordentliche Erfahrung, das gebe ich zu, aber Sie dürfen nicht zulassen, dass sie Ihr nüchternes Urteil überwältigt.«

»Richtig«, stimmte ihm O'Hara zu. »Wir sind hier, um die Funktionen der Bordsysteme zu überwachen und zu lenken, nicht um eine neue Form von Lasterhaftigkeit zu erfinden.«

Karlstad grinste noch immer. »Nur Arbeit und kein Spiel ist nicht gut für Sie.«

Muzorawa trieb zwischen ihn und O'Hara. »Egon, die erste Mission wurde zu einem Fiasko, weil ein Mitglied der Besatzung zuließ, dass das Hochgefühl der neuralen Verbindung mit der Sonde sein nüchternes Urteil überwältigte.«

»Oder ihr Urteil«, sagte Karlstad mit einer Kopfbewegung zu Krebs, die noch immer im Brückenraum weilte, vertieft in ihre Diskussion mit Dr. Wo.

* * *

In der Katakombe gab es nicht die geringste Zurückgezogenheit, bestand sie doch nur aus einem kahlen, engen Gemeinschaftsabteil, in dem sie zu viert kaum zusammen Platz fanden. Ihre Kojen, die aufeinander gestapelten Särgen ähnelten, nahmen eine Seite davon ein, die Luke zum Brückenraum die andere.

»Ich muss mich umziehen«, sagte O'Hara und begann ihren Turnanzug auszuziehen.

Grant konnte nicht umhin, sie anzustarren. Karlstad grinste wölfisch und fragte: »Brauchen Sie Hilfe, Lane?«

»Werden Sie endlich erwachsen!«

Er zuckte die Achseln und begann seinen eigenen Turnanzug abzuschälen.

»Ja, wir sollten saubere Sachen anziehen«, meinte Muzorawa.

Grant war überrascht, dass er beim Anblick von O'Haras nacktem Körper keine körperliche Erregung fühlte. Trotzdem bekam er Herzklopfen, und sein Atem ging schneller. Sie war schlank, mit kleinen Brüsten und schmalen Hüften, dazu völlig haarlos, aber trotzdem war dies eine nackte Frau mit glatter, cremiger Haut und schönen grüngrauen Augen, die weniger als eine Armeslänge vor ihm stand. Vor allem fühlte er sich in Verlegenheit gebracht, besonders als auch Zeb und Egon ihre Turnanzüge auszogen. Keiner von beiden zeigte Zeichen von Erregung.

Wortlos kroch er in seine Koje, zog das Rollo herunter und wand sich aus seinem Turnanzug. Die frischen Kleider waren in einem Spind draußen im Gemeinschaftsraum, ebenso die Waschmaschine für die alten. Er beschloss zu warten, bis die anderen in ihren Kojen lagen und schliefen, bevor er sich wieder hinauswagte.

Er schalt sich albern und prüde. Es war nichts Sündhaftes an dem, was hier geschah. Außerdem war sein eigener Geschlechtstrieb durch den chirurgischen Eingriff praktisch eliminiert worden. Lanes Anblick war wie das Betrachten eines Aktgemäldes.

Ja, sagte seine innere Stimme, aber es hat dir Spaß gemacht, sie anzusehen. Das wichtigste Geschlechtsorgan des menschlichen Körpers ist das Gehirn, und dir hat es Vergnügen bereitet, ihren nackten Körper zu sehen. Das ist sündhaft.

Er hörte, wie O'Hara in die benachbarte Koje schlüpfte; zwischen ihnen war nichts als eine dünne Trennwand aus Kunststoff. Er stellte sich vor, wie sie sich nackt in der Koje ausstreckte. Dann kniff er die Augen zu und versuchte das Bild aus seiner Vorstellung zu vertreiben.

»Was halten Sie von ihr?«, flüsterte Karlstads Stimme vor seiner Koje.

»Von Krebs?«, fragte Muzorawas tiefere Stimme zurück.

»Richtig.«

»Was soll mit ihr sein?«

»Glauben Sie, dass sie jemals schlafen wird?«

»Selbstverständlich. Sie nimmt ihre Verantwortung sehr ernst.«

Grant erinnerte sich seines früheren Gesprächs mit Zeb, als er die Möglichkeit erwähnt hatte, dass Krebs eine selbstmörderische Zelotin sein könnte.

Karlstad fragte: »Haben Sie bemerkt, wie sie Ihnen diesen starren Fischblick zuwarf? Als ob sie nicht wüsste, mit wem sie es zu tun hat.«

»Ja, es ist seltsam«, räumte Muzorawa ein.

»Mir ist das nicht geheuer.«

»Solange sie ihre Arbeit richtig macht, haben wir keinen Grund, uns zu beklagen.«

»Sie vielleicht nicht«, erwiderte Karlstad, noch immer im Flüsterton, »aber mir gefällt es nicht. Nicht im Geringsten. Sie ist unheimlich. Ich halte sie für verrückt.«

Muzorawa schwieg mehrere Sekunden lang. Schließlich seufzte er und sagte: »Nehmen Sie eine Mütze voll Schlaf. In ungefähr fünf Stunden werden wir alle unsere Energie brauchen.«