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»Dann hast du also nur einen flüchtigen Blick auf das Dokument geworfen?«, drängte er weiter.

»Nein, ich habe es deutlich gesehen«, antwortete der Mann jetzt selbstbewusster.

»Wie viel hat Antonidus dafür bezahlt?«

Hinter dem Mann lächelte Rufus über diesen Trick. Er würde nicht funktionieren, da der Zeuge sorgfältig auf derlei Fragen vorbereitet worden war.

»Eintausend Sesterzen«, antwortete der Mann triumphierend, doch sein Lächeln erstarb, als er das höhnische Gelächter der Menge außerhalb des Platzes vernahm. Viele Köpfe wandten sich den Plebejermassen zu, und Julius bemerkte ebenso wie die Magistrates, dass sich die Straßen seit Beginn der Verhandlung beträchtlich gefüllt hatten. Die Magistrates wechselten viel sagende Blicke, und der Prätor schürzte beklommen die Lippen. Ein derart zahlreiches Publikum vergrößerte die Gefahr, dass es Störungen geben könnte, und er überlegte, ob er einen Läufer zur Kaserne schicken und mehr Soldaten anfordern sollte, um den Frieden zu wahren.

Als die Menge sich wieder beruhigt hatte, sprach Julius weiter.

»Bei der Vorbereitung auf diese Verhandlung, hohes Gericht, habe ich das Haus schätzen lassen. Würde ich es heute Vormittag verkaufen, so würde ein Käufer ungefähr eine Million Sesterzen dafür bezahlen, nicht eintausend. In den Zwölftafelgesetzen findet sich ein Passus, der sich auf solche Fälle bezieht.«

Als er sich anschickte, aus der uralten Schrift zu zitieren, hob Rufus gelangweilt die Augen, und der Zeuge, der noch immer nicht entlassen war, trat unruhig von einem Fuß auf den anderen.

»›Eigentum darf nicht vom Verkäufer an den Käufer wechseln, es sei denn, dass sein Gegenwert dafür gezahlt wurde‹«, sagte Julius laut. Die Menge bejubelte seinen Schachzug, und hier und dort erhoben sich lebhafte Gespräche, als den Umstehenden der Sachverhalt erklärt wurde.

»Eintausend Sesterzen für einen Besitz, der eine Million wert ist, ist alles andere als dessen ›Gegenwert‹, hohes Gericht. Der Verkauf war eine Gefälligkeit, die Parodie einer Versteigerung. Da nicht einmal eine Quittung zum Beweis für den Verkauf vorliegt, hat überhaupt keine legale Transaktion stattgefunden.«

Rufus erhob sich langsam. »Cäsar will uns in dem Glauben wiegen, jedes vorteilhafte Geschäft sei ein Verstoß gegen die Tafeln.«

Die Menge johlte spöttisch, und der Prätor schickte seinen Läufer nach mehr Soldaten aus.

»Ich sage, Cäsar versucht, das Gericht durch belanglose Abschweifungen zu verwirren. Der Zeuge beweist, dass der Verkauf tatsächlich stattgefunden hat. Die Summe tut nichts zur Sache. Mein Mandant ist ein gerissener Verhandlungspartner.«

Er setzte sich und tat alles, um sich seinen Zorn über diesen Streitpunkt nicht anmerken zu lassen. Er durfte nicht zugeben, dass die Versteigerung für Sulla lediglich eine Farce gewesen war, mit der er seine Favoriten belohnt hatte, obwohl Cäsar dies für alle Anwesenden deutlich gemacht hatte, falls sie es nicht ohnehin schon gewusst hatten. Die Menge hatte es jedenfalls noch nicht gewusst, und viele wütende Blicke trafen Antonidus, der auf seinem Platz sichtlich zusammenschrumpfte.

»Des Weiteren«, fuhr Julius fort, als hätte Rufus überhaupt nichts gesagt, »möchte ich, da die Frage nach dem Wert des Hauses nun einmal von Antonidus’ eigenem Zeugen aufgeworfen wurde, die Aufmerksamkeit des Gerichts noch auf einen anderen Punkt richten. Sollte das Urteil zu meinen Gunsten ausfallen, werde ich die Miete für die zwei Jahre einfordern, die Antonidus in dem Haus verbracht hat. Eine wohlwollende Schätzung beläuft sich auf ungefähr dreißigtausend Sesterzen, die ich meinem Anspruch auf das Haus hinzufüge, Geld, das meiner Familie während der Zeit, die er dort wohnte, verweigert worden ist.«

»Was? Wie kannst du es wagen?«, sprudelte es zornig aus Antonidus hervor, und er erhob sich. Rufus zog ihn mit einiger Anstrengung wieder herunter und flüsterte ihm eindringlich ins Ohr.

Sobald Antonidus ruhig war, wandte sich Rufus wieder an die Richter.

»Indem er meinen Mandanten auf so unverschämte Weise angreift, hohes Gericht, fügt er seinen Vergehen auch noch das der öffentlichen Missachtung und Beleidigung hinzu. Als General Antonidus das Haus nach dem Kauf rechtmäßig in Besitz nahm, war es leer. Hier steht keine Miete zur Debatte.«

»Meine Familie hat es absichtlich leer gelassen, wie es ihr gutes Recht war. Trotzdem hätte ich das Geld verdienen können, wäre nicht dieser Mieter gewesen, den du hier vertrittst«, gab Julius barsch zurück.

Der Magistrat räusperte sich und neigte dann den Kopf, um den anderen beiden zuzuhören, bevor er antwortete. Nach einem Gedankenaustausch, der etwa eine Minute in Anspruch nahm, erhob er wieder die Stimme.

»Der Fall ist allem Anschein nach ausgiebig dargelegt worden. Hat eine der beiden Parteien noch etwas hinzuzufügen, bevor wir uns zur Entscheidung zurückziehen?«

Julius dachte angestrengt nach, doch alles, was er hatte sagen wollen, war gesagt worden. Sein Blick glitt hinüber zu den Bronzeschildern, die immer noch verdeckt waren, aber er widerstand dem Drang, sie vor der Menge zu enthüllen, denn er wusste, dass die Richter ihm dies als billige Effekthascherei auslegen würden. Er war sich keinesfalls sicher, wie das Urteil ausfallen würde, und als er sich zu Quintus umdrehte, zuckte der alte Mann mit ausdruckslosem Gesicht die Achseln.

»Nein, das war alles, hohes Gericht«, sagte Julius.

Die Menge jubelte ihm zu und stieß Beleidigungen gegen Rufus aus, als auch er seine Darlegungen zum Abschluss brachte. Die drei Magistrates erhoben sich und verneigten sich vor dem Prätor, bevor sie ins Senatsgebäude hinübergingen, wo sie über ihr abschließendes Urteil beratschlagen würden. Die zusätzlichen Soldaten, die im Eilschritt aus ihren Unterkünften herbeimarschiert waren, machten ihnen den Weg frei. Diese Truppe war nicht mit Stöcken bewaffnet, sondern mit Schwertern.

Als sie fort waren, stand der Prätor auf, wandte sich an die Menge und sprach mit so kräftiger Stimme, dass sie über sämtliche Köpfe hinwegtrug.

»Wenn die Richter zurückkommen, will ich keine Störungen erleben, ganz egal, wie das Urteil ausfällt. Seid versichert, dass jede Feindseligkeit rasche und unwiderrufliche Strafen zur Folge haben wird. Alle gehen friedlich nach Hause, und jeder, der meiner Aufforderung nicht Folge leistet, bekommt meinen Unmut zu spüren.«

Er setzte sich wieder und ignorierte die hasserfüllten Blicke, die das Volk von Rom ihm zuwarf. All dies dauerte nur wenige Sekunden, dann rief eine einzelne Stimme: »Ma-ri-us!« und wurde rasch von weiteren Stimmen ringsumher unterstützt. Nach wenigen Augenblicken brüllte die ganze Menge den Namen und stampfte dazu rhythmisch mit den Füßen. Die versammelten Senatsmitglieder sahen sich nervös um, denn mit einem Mal wurde ihnen bewusst, dass zwischen ihnen und dem Pöbel nur eine schmale Reihe Soldaten stand.

Julius hielt den richtigen Zeitpunkt für gekommen, Alexandrias restliche Werke zu enthüllen, und schritt mit staatsmännischer, würdevoller Langsamkeit darauf zu. Als er den rauen Stoff über dem nächsten Schild ergriff, fing er ihren Blick auf und sah, dass sie vor Aufregung lachte. Dann riss er den Stoff weg, und die Menge brach in tosenden Jubel aus. Es waren die drei gekreuzten Pfeile der Primigenia, Marius’ geliebter Legion. Auch Brutus hielt es nicht mehr auf seinem Platz. Er sprang auf und fiel in den lauten Jubel der Menge ein, und alle rings um ihn herum folgten seinem Beispiel.

Der Prätor knurrte Julius einen Befehl zu, der jedoch im Lärm der ausgelassenen Menge unterging, und Julius machte sich unverzüglich daran, die Hüllen von den verbliebenen Schilden zu reißen. Bei jedem wurde die Menge lauter, und diejenigen, die etwas sehen konnten, gaben ihre Beschreibungen brüllend nach hinten weiter. Kleine Kinder wurden auf die Schultern ihrer Eltern gehoben, damit sie besser sehen konnten, Fäuste wurden voller Begeisterung in die Luft gereckt. Auf den Schilden waren Szenen aus Marius’ Leben abgebildet, seine Schlachten in Afrika, der Triumphzug durch die Straßen Roms, sein stolzer Widerstand, als er auf den Mauern der Stadt auf Sulla wartete.