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Sobald sie den Schutz der Bäume auf den Hügeln erreicht hatten und Julius die Erlaubnis zum Wegtreten gab, mussten die jüngeren Männer einen Teil der nächtlichen Anspannung abreagieren. Sie schrieen und jubelten, bis sie heiser waren, während die Veteranen ihnen lächelnd zusahen und sich lieber mit dem Reinigen und Ölen ihrer Ausrüstung beschäftigten, als zu feiern.

Quertorus hatte fünfzig der besten Jäger losgeschickt, um für Fleisch zu sorgen, und am frühen Vormittag stand ein dampfendes Mahl aus Igeln, Hasen und Rehen bereit, die über kleinen Feuern brieten. Jede Flamme bedeutete ein Risiko, doch die Bäume würden den Rauch verteilen. Julius wusste, wie sehr die Männer die Wärme des heißen Fleisches brauchten, um ihre Lebensgeister zu wecken, und bestand lediglich darauf, dass die Feuer gelöscht wurden, sobald die letzten Tiere, die die Jäger zur Strecke gebracht hatten, gebraten waren.

Der Altersunterschied wurde an diesem Nachmittag besonders deutlich. Die jungen Rekruten hatten sich vollkommen erholt und liefen plaudernd und lachend im Lager umher. Die Veteranen schliefen wie Tote, ohne sich auch nur im Schlaf umzudrehen, und erwachten steif und verkrampft. Blutergüsse zeigten sich auf ihrer Haut, wo in der Nacht noch nichts zu sehen gewesen war. Die Jüngeren taten ihre Wunden mit einem Kopfschütteln ab, machten sich jedoch nicht über die Steifheit der Veteranen lustig. Sie sahen in erster Linie ihr Können, nicht ihr Alter.

Julius hatte Cornix nahe der Feuerstellen gefunden, wo er fröhlich vor sich hinkaute und offensichtlich die Wärme in seinen alten Knochen genoss.

»Du hast also überlebt«, sagte Julius, der sich ehrlich darüber freute, dass der alte Mann das Chaos des Angriffs überstanden hatte. Sein Knie war immer noch dick umwickelt und ruhte flach auf dem Boden.

Cornix winkte zum Gruß lässig mit einem Stück Fleisch. »Sie haben mich nicht umbringen können, das stimmt«, pflichtete er Julius bei. Er saugte an dem Fleisch, ehe er es in die Backentasche schob, um es vor dem Kauen aufzuweichen. »Es waren eine ganze Menge, ist mir aufgefallen.« Seine Augen suchten Julius’ Blick, voller Interesse an dem jungen Mann.

»Wir glauben, es sind noch acht- oder neuntausend übrig«, meinte Julius.

Cornix runzelte die Stirn. »Es wird ewig dauern, so viele zu töten«, bemerkte er ernst, während er auf dem Stück Fleisch herumkaute und es im Mund hin und her schob.

Julius grinste den alten Mann an. »Ja, nun. Gut Ding will Weile haben«, sagte er.

Cornix nickte zustimmend, und gegen seinen Willen machte sich ein Lächeln auf seinem zerfurchten Gesicht breit.

Julius ließ ihn essen und suchte nach Gaditicus. Gemeinsam gingen sie durch das Lager und schritten sämtliche Wachtposten ab, die immer zu dritt standen, damit bei einem drohenden Angriff einer sofort die Meldung ins Lager tragen konnte. Jede dieser um das gesamte Lager postierten Dreiergruppe befand sich in Sichtweite der nächsten. Das erforderte zwar viele Männer, aber Julius hatte kurze Wachen von nur zwei Stunden angeordnet, so dass die Männer bald abgelöst wurden.

Die Nacht verging ohne Zwischenfälle. Als es am Abend des folgenden Wintertages wieder früh dunkel wurde, marschierten sie aus dem Wald hinaus und griffen Mithridates’ Lager erneut an.

25

Antonidus ging mit vor Wut fleckigem Gesicht in dem luxuriös eingerichteten Raum auf und ab. Außer ihm befand sich nur die massige Gestalt des Senators Cato in dem Zimmer, die ausgestreckt auf einem purpurroten Sofa lag. Die Augen, die Antonidus beobachteten, wirkten in der fleischigen Fläche des schwitzenden Gesichts klein und gingen dort fast verloren. Sie glitzerten hinterhältig, während sie den Schritten von Sullas ehemaligem Oberbefehlshaber der Truppen auf dem Marmorboden folgten. Cato verzog ein wenig das Gesicht, als er den Straßenstaub sah, der an Antonidus haftete. Eigentlich hätte er klug genug sein müssen, sich erst zu waschen, bevor er bei ihm um eine Unterredung bat.

»Ich habe keine neuen Informationen, Senator. Überhaupt keine«, sagte Antonidus.

Cato seufzte theatralisch, griff mit einer feisten Hand nach der Lehne des Sofas und zog sich daran hoch. Die Finger, die das Holz ergriffen hatten, glänzten noch klebrig von den süßen Überresten der Mahlzeit, die von Antonidus’ Besuch unterbrochen worden war. Träge leckte Cato sie sauber und wartete darauf, dass sich der gereizte Mann beruhigte. Sullas Hund war noch nie ein geduldiger Mensch gewesen, das wusste er. Selbst als Sulla noch am Leben gewesen war, hatte Antonidus um mehr Einfluss und Handlungsspielraum geschmeichelt und intrigiert, auch wenn das überhaupt nicht nötig gewesen war. Nach dem ziemlich schäbigen Attentat hatte er geradezu empörend reagiert und bei der Suche nach den Mördern seine Befugnisse weit überschritten. Als seine Taten im Senat diskutiert worden waren, hatte Cato sich gezwungen gesehen, ihm seine Unterstützung zuteil werden zu lassen, sonst hätten diejenigen, die Antonidus gekränkt hatte, ihn zur Strecke gebracht. Es war auch so nur ein brüchiger Schutz gewesen, und Cato fragte sich, ob der auf und ab gehende Feldherr wohl wusste, wie dicht er am Abgrund stand. Antonidus hatte in den vergangenen Monaten fast jeden vor den Kopf gestoßen, der in der Stadt Rang und Namen hatte, indem er selbst diejenigen verhört hatte, die über jeden Verdacht erhaben waren.

Cato überlegte, wie Sulla die grimmige Gesellschaft seines Feldherrn hatte ertragen können. Ihm wurde sie schon jetzt manchmal zu viel.

»Hast du schon einmal in Betracht gezogen, dass du vielleicht den, der das Attentat befohlen hat, niemals finden wirst?«, fragte er.

Antonidus blieb stehen, wirbelte herum und blickte den Senator an.

»Ich gebe nicht auf. Es hat länger gedauert, als ich dachte, aber irgendwann wird jemand reden, und irgendwo wird sich jemand finden, der mit blutigem Finger auf jemanden zeigt, und dann habe ich meinen Täter.«

Cato beobachtete ihn genau und sah das Funkeln des Wahnsinns in seinen Augen. Eine gefährliche Besessenheit, dachte er, und überlegte, ob er den Mann in aller Stille beseitigen lassen sollte, ehe er noch mehr Ärger machte. Man hatte alle angemessenen Anstrengungen unternommen, doch auch wenn Sullas Tod ungesühnt bleiben sollte, ging das Leben in der Stadt weiter, ob Antonidus nun Erfolg hatte oder nicht.

»Es könnte noch Jahre dauern«, fuhr Cato fort. »Oder du könntest sterben, ohne den Schuldigen gefunden zu haben. Das wäre nicht außergewöhnlich. Hätte sich jemand freiwillig stellen wollen oder wäre durch einen anderen verraten worden, so wäre das kurz nach der Tat geschehen, denke ich, aber dein blutiger Finger ist nirgendwo aufgetaucht. Vielleicht wird er sich nie finden, und vielleicht ist es an der Zeit, die Jagd zu beenden, Antonidus.«

Die schwarzen Augen schienen ihn zu durchbohren, aber Cato blieb vollkommen ruhig. Die Besessenheit des anderen war ihm fremd, auch wenn er es eine Zeit lang durchaus zufrieden gewesen war, ihn in den Häusern Roms wüten zu lassen. Sulla war tot und vergessen. Vielleicht wurde es jetzt Zeit, den Hund wieder an die Leine zu nehmen.

Antonidus schien die Gedanken hinter dem gelangweilten Gesichtsausdruck zu erahnen, mit dem Cato seinen wütenden Blick beantwortete.

»Gib mir noch etwas Zeit, Senator«, bat er. Sein zorniger Blick war mit einem Mal einer verhaltenen Vorsicht gewichen.

Vielleicht war es ihm ja doch bewusst, dass ihn Cato vor der Rache der anderen Senatoren beschützt hatte, sinnierte der fette Mann. Gelangweilt wandte er den Blick ab, und Antonidus sprach hastig weiter.

»Ich bin mir fast sicher, dass der Mord auf Befehl eines von drei Männern geschehen ist. Jeder von ihnen hätte die Mittel dazu gehabt, und vor dem Krieg waren sie alle Anhänger von Marius.«

»Wer sind diese gefährlichen Männer?«, erkundigte Cato sich hochmütig, obwohl er die Namen ebenso leicht hätte aufzählen können wie der Feldherr. Nicht umsonst erstatteten die Informanten zuerst ihm Bericht, ehe sie zu Antonidus gingen, denn es war Catos Geld, das in ihren Geldbeuteln klingelte.