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«Nein!«Panik klang aus Romanos Stimme.»Herrgott, du kennst mich doch, Tony. Ich habdich niebeschissen. Dubist für mich wie ein Vater.«

Er schwitzte jetzt. Es klopfte, und Madge steckte den Kopf durch die Tür. Sie hatte ein Kuvert in der Hand.

«Tut mir leid, daß ich störe, Mr. Romano. Hier ist ein Telegramm für Sie, aber da müssen Sie selbst unterschreiben.«

Mit dem Instinkt eines Tieres, das in der Falle sitzt, sagte Joe Romano:»Jetzt nicht. Ich habe zu tun.«

«Ich nehm's«, sagte Anthony Orsatti, und er hatte sich aus

dem Sessel erhoben, bevor Madge die Tür schließen konnte. Er las das Telegramm und ließ sich Zeit dabei. Dann richtete er seine kalten Augen auf Joe Romano.

Anthony Orsatti sprach so leise, daß Romano ihn kaum verstand.»Ich lese es dir vor, Joe. ›bestätigen dankend Ihre Reservierung der Princess‑Suite für zwei Monate abFreitag, dem 1. September.‹ Unterzeichnet ist es mit: ›S. Montalband, Hoteldirektor, Rio Othon Palace, CopacabanaBeach, Rio de Janeiro.‹ Es ist deine Reservierung, Joe. Aber du wirst sie nichtbrauchen, oder?«

13

André Gillien stand in der Küche und traf Vorbereitungen für Spaghetti alla carbonara, einen großen italienischen Salat und einenBirnenkuchen, als er ein lautes, unheilverkündendes Knallen hörte. Sekunden später verstummte dasbehagliche Summen der Klimaanlage.

André stampfte mit dem Fuß auf und sagte:»Merde! Nicht heute abend! Heute abend wollen die Herren doch spielen!«

Er eilte zum Sicherungskasten, legte die Schalter um, einen nach dem andern, kippte sie wieder zurück… Nichts passierte.

Oh, Mr. Pope würde wütend sein. Er würde toben! André wußte, wie sehr sich sein Arbeitgeber immer auf den allwöchentlichen Pokerabend am Freitag freute. Er war schon eine Tradition, dieser Abend, und es kamen stets dieselben ausgesuchten Gäste. Ohne Klimaanlage war es im Haus nicht auszuhalten. Die reinste Sauna! New Orleans im September — das standen nurBarbaren durch. Auch nach Sonnenuntergang gabes keine Erlösung von der Hitze und Schwüle des Tages.

André kehrte in die Küche zurück und schaute auf die Küchenuhr. 16 Uhr. Die Gäste würden um 20 Uhr eintreffen. André spielte mit dem Gedanken, Mr. Pope anzurufen und ihm von dem Malheur zuberichten, aber dann fiel ihm wieder ein, daß sein Arbeitgeber gesagt hatte, er werde den ganzen Tagbei Gericht sein. Der arme Mann war so furchtbar im Geschirr. Erbrauchte einbißchen Entspannung am Abend. Und jetzt das!

André holte ein kleines schwarzes Adreßbuch aus einer Küchenschublade, schlug eine Telefonnummer nach und wählte.

Es klingelte dreimal. Dann meldete sich eine metallische Stimme:»Hier ist der automatische Anrufbeantworter der Eskimo Air Conditioning Company. Unsere Monteure sind im Augenblick nicht greifbar. Wenn Sie Ihren Namen und Ihre Telefonnummer hinterlassen, werden wir sobald wie möglich zurückrufen. Bitte sprechen Sie nach dem Signalton.«

Pah! Sich mit einer Maschine unterhalten müssen — das waren die Segnungen der Zivilisation!

Ein schriller, widerlicher Lautbeleidigte Andrés Ohr. Er sprach in die Muscheclass="underline" »Hierbei Monsieur Perry Pope, Charles Street 42. Unsere Klimaanlage funktioniert nicht mehr. Bitte schicken Sie jemand! So schnell wie möglich!«

André knallte den Hörer auf die Gabel. Kein Wunder, daß niemand greifbar war. Vermutlich fielen in dieser entsetzlichen Stadt überall die Klimaanlagen aus. Die Wartungsdienste waren dieser verfluchten Hitze und Schwüle schlichtweg nicht gewachsen. Trotzdem empfahl es sich, daßbald jemand kam. Mr. Pope konnte sehr ungehalten werden. Sogar ausgesprochen jähzornig.

In den drei Jahren, die André Gillien als Kochbei Perry Pope arbeitete, hatte er gemerkt, wie einflußreich sein Dienstherr war. Man mußte es als verblüffendbezeichnen. So jung und schon sobrillant! Perry Pope kannte Gott und die Welt. Erbrauchtebloß mit den Fingern zu schnippen, und schon sprangen die Leute.

André Gillien hatte den Eindruck, daß es im Hausbereits merklich wärmer wurde. Wenn jetzt nichtbald was passiert, ist die Kacke am Dampfen.

André ging wieder daran, Salami und Provolone für den Salat in hauchdünne Scheiben zu schneiden, und konnte sich nicht des schrecklichen Gefühls erwehren, daß der Abend einböses Ende nehmen würde.

Als es dreißig Minuten später an der Hintertür klingelte, waren Andrés Kleider von Schweiß durchweicht, und die

Küche glich einemBackofen. Gillien hastete zur Tür und öffnete.

Zwei Monteure in Overalls standen vor ihm, den Werkzeugkasten in der Hand. Der eine war einbaumlanger Schwarzer, der andere ein kurzwüchsiger Weißer mit verschlafenem und gelangweiltem Gesichtsausdruck. Auf dem Fahrweg parkte ihr Kombi.

«Sie haben Probleme mit Ihrer Klimaanlage?«fragte der Schwarze.

«Allerdings! Gott sei Dank, daß Sie da sind. Sie müssen sie sofort reparieren. Es kommenbald Gäste.«

Der Schwarze ging in die Küche, schnupperte, roch den Kuchen im Rohr und sagte:»Mmm!«

«Bitte!«drängte Gillien.»Machen Sie was!«

«Schauen wir uns die Anlage mal an«, sagte der kurzwüchsige Mann.»Wo ist sie denn?«

«Hier lang.«

André führte diebeiden Monteure im Sturmschritt zu dem Raum, in dem das Klimagerät stand.

«Das ist 'n gutes Gerät, Ralph«, sagte der Schwarze zu seinem Kollegen.

«Ja, AI. So gute machen die heute gar nicht mehr.«

«Aber warum funktioniert das Ding dann nicht, um Himmels willen?«wollte Gillien wissen.

Diebeiden Monteure drehten sich um und starrten ihn an.

«Wir sind hier eben erst reingekommen, Mann«, sagte Ralph vorwurfsvoll. Er kniete nieder und öffnete eine Klappe am unteren Teil des Geräts, zog eine Taschenlampe aus seinem Overall, legte sich auf denBauch und spähte in die Eingeweide der Maschine. Ein paar Sekunden darauf stellte er sich wieder auf dieBeine.»Da fehlt nichts«, sagte er.

«Wo fehlt's denn?«fragte André.

«Muß 'n Kurzer sein — irgendwo in 'nem Endverschlußkasten. Der hat die ganze Anlage lahmgelegt.

WievielBelüftungsschlitze haben Sie denn hier?«

«In jedem Zimmer einen. Moment. Ja… das sind mindestens neun.«

«Daran liegt's wahrscheinlich. Der Umwandler ist überlastet. Na, schauen wir's uns mal an.«

Die drei Männer marschierten wieder in den Flur. Als sie am Wohnzimmer vorbeikamen, sagte AI:»Der hat's aber schön hier, der Mr. Pope.«

Das Wohnzimmer war exquisit eingerichtet. Lauter antike Möbel, die ein Vermögen wert waren. Auf demBoden lagen kostbare Orientteppiche. Links vom Wohnzimmerbefand sich ein geräumiges Speisezimmer, rechts davon ein Zimmer, in dessen Mitte ein großer, mit grünem Filzbespannter Spieltisch stand. In einer Ecke dieses Zimmers stand ein zweiter, runder Tisch, derbereits zum Abendessen gedeckt war. Diebeiden Monteure traten ein, und AI leuchtete mit seiner Taschenlampe denBelüftungsschlitz hoch oben an der Wand an.

«Hmm«, brummte er. Erblickte zur Zimmerdecke über dem Spieltisch auf.»Was ist denn da oben?«

«Der Dachboden.«

«Den schauen wir uns auch mal an.«

Diebeiden Monteure folgten André auf den Speicher, einen langen, niedrigen Raum voll Staubund Spinnweben.

AI ging zu einem Schaltkasten an der Wand. Er inspizierte das Drähtegewirr.»Ha!«

«Haben Sie was gefunden?«erkundigte sich André gespannt.

«Ja. Ist 'n reines Kondensatorproblem. Liegt an der hohen Luftfeuchtigkeit. Wegen so was hatten wir diese Woche sicher schon hundert Anrufe. Der Kondensator ist kaputt. Dabrauchen wir 'n neuen.«

«O Gott! Dauert das lang?«

«Nein. Wir haben einen im Auto.«