Выбрать главу

»Nein. Es muß eine Kontinuität geben. Wie sollen sie so ein technologisches Niveau erreicht haben, das ihnen erlaubt, transgalaktische Botschaften auszusenden, wenn sie nicht fähig wären, die Leistungen früherer Generationen zu bewahren?«

Krug fuhr herum. »Soll ich Ihnen etwas sagen? Ich glaube immer noch nicht, daß es auf diesem planetarischen Nebel, dieser blauen Sonne intelligente Wesen gibt. Überhaupt kein Leben… nein! Hören Sie, blaue Sonnen leben nicht lange, Vargas. Es braucht Millionen von Jahren, bis die Oberfläche eines Planeten genügend abkühlt, um fest zu werden. Eine blaue Sonne ist noch nicht so alt. Alle Planeten, die sie haben mag, sind noch immer in flüssigem oder gasförmigem Zustand. Wollen Sie mich glauben machen, diese Signale kommen von Wesen, die auf einem Feuerball existieren?«

Vargas erwiderte ruhig: »Diese Signale kommen von NGC 7293, dem planetarischen Nebel im Wassermann.«

»Mit Sicherheit?«

»Mit Sicherheit! Ich kann Ihnen alle Daten zeigen.«

»Schön, aber wie, von einem Feuerball?«

»Es ist nicht notwendigerweise ein Feuerball. Vielleicht kühlen manche Planeten schneller ab als andere. Wir können nicht genau sagen, wie lange es dauert, bis sie abkühlen. Wir wissen nicht, wie weit die Heimatwelt dieser Botschaften aussendenden Rasse von ihrer Sonne entfernt ist. Wir haben Modelle für die theoretische Möglichkeit, daß ein Planet schnell genug abkühlen kann, selbst bei einer blauen Sonne, um es zu ermöglichen…«

»Er ist ein Feuerball, dieser Planet«, sagte Krug starrsinnig.

»Vielleicht«, sagte Vargas achselzuckend. »Vielleicht auch nicht. Aber selbst wenn dem so ist, können Lebensformen nur auf einem Planeten mit fester Oberfläche leben? Können Sie sich nicht eine Zivilisation von Wesen vorstellen, die unter extrem hohen Temperaturen existieren, die sich in einer noch nicht abgekühlten Welt entwickelt haben? Wenn…«

Krug knurrte verächtlich: »Signale funken mit Geräten, die sie aus geschmolzenem Stahl gebaut haben?«

»Die Signale müssen nicht mechanischen Ursprungs sein. Nehmen Sie an, sie können die Molekularstruktur manipulieren…«

»Sie erzählen mir Märchen, Doktor. Ich gehe zu einem Wissenschaftler und muß mir Märchen anhören!«

»In diesem Augenblick sind Märchen die einzige Möglichkeit, die Daten zu rechtfertigen«, sagte Vargas.

»Sie wissen, es muß eine bessere Möglichkeit geben!«

»Alles, was ich weiß, ist, daß wir Signale empfangen und daß sie unzweifelhaft von diesem planetarischen Nebel kommen. Ich weiß, es klingt nicht plausibel. Das Universum braucht uns nicht immer plausibel zu erscheinen. Seine Phänomene brauchen nicht leicht erklärbar zu sein. Transmat wäre unverständlich für einen Wissenschaftler des achtzehnten Jahrhunderts. Wir sehen die Phänomene, so gut wir können, und wir versuchen sie zu erklären, und manchmal ergehen wir uns in wilden Vermutungen, weil die Daten keinen Sinn zu haben scheinen, aber…«

»Das Universum trügt nicht«, sagte Krug. »Das Universum spielt ein faires Spiel!«

Vargas lächelte. »Das tut es zweifellos. Doch wir brauchen mehr Daten, bevor wir NGC 7293 erklären können. Inzwischen behelfen wir uns mit ›Märchen‹, wie Sie es ausdrücken.«

Krug nickte. Er schloß die Augen und streichelte Hebel und Knöpfe, während in ihm wütende Ungeduld kochte und brodelte.

Hallo, Ihr Sternenmenschen! Hallo, Ihr, die Ihr Impulse sendet! Wer seid Ihr? Was seid Ihr? Wo seid Ihr? Verdammt, ich will es wissen!

Was wollt Ihr uns sagen, Ihr?

Wen sucht Ihr?

Was bedeutet das alles? Angenommen, ich sterbe, bevor ich es herausfinde!

»Wissen Sie, was ich tun möchte?« fragte Krug plötzlich. »Hinausgehen zum Radioteleskop, in die große Scheibe hinaufklettern, meine Hände wie einen Trichter vor den Mund halten und denen da oben ihre Zahlen zurufen. Wie ist das Signal jetzt? 2-5-1,2-3-1,2-1? Es macht mich verrückt. Wir sollten ihnen jetzt sofort antworten. Funken Sie irgendwelche Zahlen: 10-2,4-6-2,4-2. Nur um ihnen zu zeigen, daß wir hier sind. Nur um sie wissen zu lassen, daß wir sie hören.«

»Mit Radiowellen!« sagte Vargas. »Das würde dreihundert Jahre dauern. Der Turm ist bald fertig.«

»Bald, sicher. Bald. Sie sollten ihn sehen. Kommen Sie, nächste Woche. Sie bauen jetzt die Apparate ein. Bald werden wir denen da oben antworten können.«

»Würden Sie gerne das Audiosignal ankommen hören, das neue?«

»Natürlich.«

Vargas legte einen Hebel um. Aus Lautsprechern in der Laboratoriumswand kam ein trockenes, kaltes Zischen, das Geräusch des Raums, die Stimme des dunklen Abgrunds. Es war ein Geräusch wie das einer Schlange, die ihre Haut abstreift. Dieses knisternde Geräusch übertönend, erklangen einige Sekunden später zarte Hochfrequenztöne. Piep, piep. Pause. Piep-piep-piep-piep-piep. Pause. Piep. Pause. Pause. Pieppiep. Pause. Piep-piep-piep. Pause. Piep. Pause. Pause. Piep-piep… Der neue Zyklus begann.

»Wunderbar«, flüsterte Krug. »Sphärenklänge. Die Stimme der geheimnisvollen Fremden! Hören Sie, Doktor, kommen Sie nächste Woche den Turm besichtigen… am Dienstag? Ich werde Sie durch Spaulding anrufen lassen. Sie werden überrascht sein. Und hören Sie, wenn sich wieder etwas ändert im Signal, möchte ich es sofort erfahren.«

Piep-piep-piep.

Er ging zur Transmatkabine.

Piep.

Krug sprang nordwärts entlang des Meridians, der Linie des 90. Grades östlicher Breite folgend, überquerte den Nordpol und rematerialisierte sich neben seinem Turm. Er war von Eisplateau zu Eisplateau gerast, vom Grund der Welt bis zu ihrer Spitze, aus dem späten Frühling in den frühen Winter, aus dem Tag in die Nacht. Überall waren emsig Androiden tätig. Der Turm schien um fünfzig Meter gewachsen zu sein seit seinem gestrigen Besuch. Der Himmel loderte im Licht der Reflektorplatten. Die Botschaft von NGC 7293 erklang immer noch in seinem Kopf. Piep-piep-piep. Bald würde er ihnen antworten.

Er fand Thor Watchman im Kontrollzentrum, an das Computersystem angeschlossen. Der Alpha bemerkte die Anwesenheit Krugs nicht; er schien wie auf einem Trip zu sein, die Hänge einer fernen Zwischenwelt zu erklettern. Ein diensteifriger Beta erbot sich, sich in den Stromkreis einzuschalten, um Watchman über den Computer zu melden, daß Krug angekommen war.

»Nein«, sagte Krug. »Er ist beschäftigt. Störe ihn nicht.« Er verweilte einige Augenblicke, beobachtete den wechselnden Ausdruck auf Watchmans ruhigem Gesicht. Was ging dem Alpha durch den Kopf? Frachtrechnungen, Transmatbewegungen, Schweißvorgänge, Wetterberichte, Kostenschätzungen, Druckfaktoren, persönliche Daten? Krug fühlte Stolz in seiner Seele aufsteigen. Warum nicht? Er hatte genug Gründe, stolz zu sein. Er hatte die Androiden geschaffen, und die Androiden bauten den Turm, und bald würde die Stimme des Menschen zu den Sternen dringen…

Piep-piep-piep. Piep.

Mit einer Zärtlichkeit, die ihn selbst überraschte, legte er seine Hände auf Thor Watchmans breite Schultern. Dann ging er hinaus. Er stand eine Weile in der kalten Dunkelheit, sah die emsige Arbeit auf jeder Etage des Turms. Auf der Spitze wurden ununterbrochen neue Blöcke verlegt. Im Inneren verkleideten die winzigen Gestalten die Wände mit einer Neutrinobeschichtung, verbanden Kupferkabel miteinander, zogen Decken ein, installierten Klimaanlagen, Anschlüsse für Wasser und Strom, höher und höher. Durch die Nacht drang ein stetig pulsierender Ton, in dem alle Geräusche der Bautätigkeit in einem einzigen kosmischen Rhythmus zusammenklangen, ein tiefes dröhnendes Summen, unterbrochen durch ein regelmäßig an- und abschwellendes metallisches Kreischen. Das Lied der Arbeit, dachte er. Das Finale würde seine Botschaft sein, eine Botschaft zu den Sternen.