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Seid getrost Der Tag der Freiheit kommt Der Tag der Freiheit kommt Fort mit den Slobies, sei du selbst… Und steige auf in die Freiheit!

Stufen. Aufwärts. Kalter Wind. Atemlos stürzen wir hinauf und befinden uns wieder auf den abgetretenen Kopfsteinpflasterstraßen in den gewundenen Gassen der Gammastadt, wahrscheinlich nur wenige Meter von dort entfernt, wo wir hinunterstiegen. Die Praxis von Alpha Poseidon Musketier muß direkt um die Ecke sein.

Die Nacht ist hereingebrochen. Die Lichter der Gammastadt knistern und flackern. Lilith will mich in eine Taverne führen. Ich weigere mich. Nach Hause. Nach Hause. Genug. In meinem Kopf wirbeln die Bilder der Androidenwelt. Ein Alptraum. Ich wußte nicht…

Deshalb habe ich es dir gezeigt. Auch das ist Krugs Welt.

Wir gehen weiter. Wie weit müssen wir gehen, bis wir eine Transmatkabine erreichen?

Wir springen. Ihre Wohnung erscheint mir jetzt so warm und hell. Wir entledigen uns unserer Kleider. Unter dem Doppler reinige ich mich von meiner roten Farbe und meinem Wärmespray.

War es interessant?

Überwältigend, sage ich. Und da ist so vieles, das du mir erklären mußt, Lilith. Bilder schwimmen in meinem Kopf, ich brenne, ich bin wie betäubt.

Natürlich wirst du niemand erzählen, daß ich dich mitgenommen habe, sagt sie. Es bleibt unter uns.

Komm näher, Alpha Leaper.

Manuel.

Manuel, komm.

Sage mir zuerst, was es bedeutet, wenn sie sagen, Krug sei…

Später. Mir ist kalt. Wärme mich, Manuel.

Ich nehme sie in meine Arme. Die schweren Hügel ihrer Brüste erregen mich. Ich bedecke ihren Mund mit dem meinen. Ich stoße meine Zunge zwischen ihre Lippen. Wir sinken zusammen auf den Boden. Ich bin verrückt nach ihr, kann es nicht erwarten. Ohne Zögern dringe ich ein. Ich tue ihr weh. Sie zittert, beißt die Zähne zusammen, trommelt mit den Fäusten auf meinen Rücken.

Als ich die Augen schließe, sehe ich Slobies und Mißgeburten.

Lilith.

Lilith.

Lilith.

Lilith ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich Lilith Lilith!

Der große Bottich brodelt. Die feuchten roten Geschöpfe kriechen heraus. Gelächter. Blitze. So leer ist deine Schale, schmutziges Geschöpf! Mein Fleisch klatscht gegen das ihre. Plit! Plit! Plit! Plit! Plack! Mit demütigender Schnelligkeit gießt der überreizte Leviticus Leaper eine Milliarde Kinder in den sterilen Leib seiner Geliebten.

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9. Januar 2119

Der Turm ist 940 Meter hoch und wächst schneller als je zuvor. Steht man an der Basis, kann man kaum die Spitze sehen; sie verliert sich im milchigen Grau des Winterhimmels. Um diese Zeit des Jahres gibt es nur wenige Stunden Tageslicht auf dem Baugelände, und steigt die Sonne über den Horizont, dann lassen ihre Strahlen den gläsernen Schaft von oben nach unten in seiner ganzen Länge aufglühen.

Ein großer Teil der Installationsarbeiten in der unteren Hälfte des Baus ist jetzt vollendet. Drei der Hochleistungssendesysteme sind bereits montiert: fünfzig Meter hohe Behälter aus dunklem Metall, übereinandergeschichtet, voll riesiger Transformatoren, welche die Signale beschleunigen und durch den Turm nach oben jagen werden. Von weitem sehen diese Aggregate aus wie reifende Samenkörner in einer großen, glänzenden und durchsichtigen Schote.

Die Unfallrate steigt ständig. Die Todesziffern sind besorgniserregend, die Verluste unter den Gammas besonders hoch. Doch die Moral ist angeblich gut; die Androiden sind fröhlich und scheinen sich bewußt zu sein, daß sie eine wesentliche Rolle bei einem der ehrgeizigsten Projekte der Menschheit spielen. Wenn ihre Haltung so positiv bleibt, wird der Turm vor dem Termin fertig sein.

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Nachdem er seinen Gästen den Stand der Arbeiten am Turm gezeigt hatte, lud er sie zum Mittagessen im Nemoclub ein, wo eine ganze Suite ständig für ihn bereit gehalten wurde. Der Club war eine von Krugs kleineren Unternehmen; er hatte ihn vor einem Dutzend Jahren gebaut, und eine Zeitlang war er der vornehmste Treffpunkt der Erde gewesen. Reservierungen mußten sechs Monate im voraus gebucht werden. In der Challenger Tiefe, zehntausend Meter unter dem westlichen Pazifik gelegen, bestand er aus fünfzehn Druckausgleichskammern; durch deren Wände, die aus dem gleichen Glas bestanden wie der Turm, man die seltsamen Bewohner des dunklen Abgrunds beobachten konnte.

Krugs Tischgenossen waren Senator Henry Fearon und sein Bruder Lou, der Anwalt von Fearon & Doheny, Franz Giudice von der Europäischen Transmatgesellschaft, Leon Spaulding und Mordecai Salah al-Din, der Sprecher des Kongresses. Um den Nemoclub zu erreichen, waren sie per Transmat zu der Insel Yap in der Karolinengruppe Mikronesiens gereist, wo sie an Bord eines Tauchschiffs gegangen waren, wie sie bei der Erforschung des Jupiter und des Saturn verwendet wurden. Die Dichte des Mediums machte Transmatreisen unter Wasser möglich. Das Tauchschiff widerstand dem immensen Wasserdruck, und mit einer stetigen Geschwindigkeit von 750 Meter in der Minute sank es in die Tiefe des Ozeans und legte an der Schleuse des Nemoclubs an.

Flutlichter erhellten den Abgrund. Die Bewohner des Abgrunds kamen ganz nah heran an die Glaswände des Clubs: zerbrechliche, zarte, muskellose Fische mit weichen, schlaffen Körpern, deren Gewebe unter einem Druck von zehn oder zwölf Tonnen pro Quadratzentimeter vom Wasser durchdrungen waren. Manche unter ihnen strahlten mit Leuchtorganen, die aus ihren Flanken wuchsen, zwischen ihren Augen saßen oder baumelnd aus ihrer Stirn ragten, ein kaltes phosphoreszierendes Licht aus. Die Wellenlängen der Flutlichter waren sorgfältig abgestimmt worden, um die Leuchtkraft der Fische nicht zu beeinträchtigen, damit die kleinen, funkelnden Lampen trotz der künstlichen Helle sichtbar blieben. Justin Maledetto, der Architekt des Turms, hatte auch den Club gebaut, und Maledetto war ein Meister in solchen Kleinigkeiten. Ganz nahe an die Mauer kamen die bizarren kleinen Ungeheuer, schwarz und braun und rot und violett. Viele von ihnen hatten ausgehängte Unterkiefer, so daß ihre Mäuler sich bis zur Brust öffneten und Feinde verschlingen konnten, die fast so groß waren wie sie selbst. Die Gäste des Clubs speisten angesichts von Miniaturungeheuern, die geheimnisvoll leuchteten, drohende Zähne in klaffenden Mäulern zeigten, seltsame Anhängsel hinter sich herschleppten, mit Augen starrten, die wie Kugeln hervortraten oder auf Röhren saßen. Man brauchte nicht zu fernen Welten zu reisen, um groteske Tiere zu sehen. Alptraumgeschöpfe gab es auch hier. Lange, schlangenähnliche Fische mit gekrümmten Zähnen, die so lang waren, daß die Mäuler sich nie schließen konnten, Fische, die nur Kinnbacken zu sein und keinen Leib zu haben schienen, andere, die nur Schwanz waren und keinen Kopf hatten, Anglerfische mit sich windenden und tanzenden Fühlern, die sich gelb, blau oder grün verfärbten, wunderliche Gebilde tausendfältiger Art, und kein Fisch von weniger als einem halben Meter Länge: ein bizarres Schauspiel von einzigartiger Pracht.

Krug bestellte eine einfache Mahlzeit: Cocktail, Algensuppe, Steak, australischen Rotwein. Er war kein Gourmet. Der Club bot alle Arten von Delikatessen, doch Krug machte nie Gebrauch von der reichen Auswahl. Seine Gäste hingegen zeigten keine Hemmungen; sie bestellten schwedische Austern, französische Krabben, ungeborene Tintenfische, Kalbsfilets, Schlangeneier, Antilopenbrust, Wolfsmilchknospen, Mantaspitzen, gebackene Zikadenherzen, und alles wurde hinuntergespült mit den besten Weinen der Erde. Die Kellner schienen entzückt von ihrem Appetit. Alle Kellner des Clubs waren Alphas; es war ungewöhnlich, Alphas mit Arbeiten zu beschäftigen, die als Dienstleistungen galten. Doch dies war ein ungewöhnlicher Ort, und kein Belegschaftsangehöriger des Nemoclubs schien verbittert darüber, daß er eine normalerweise den Betas oder Gammas vorbehaltene Arbeit verrichten mußte.