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Aber all das zählte nicht. Der Kaiser hatte sein Veto eingelegt. Unterdessen schien die rote Mannschaft entschlossen, so weiterzuspielen, als hätte sie nicht soeben ihren größten Mann verloren, und bahnte sich draußen auf dem Spielfeld mit purer Körperkraft einen Weg durch eine Linie aus Blockern. Geschickt wich Richard einigen Versuchen aus, ihn in die Enge zu treiben, doch eine Gruppe weiterer Gegner kam ihm bedenklich nahe.

Unvermittelt blieb er auf dem Sicherheitsquadrat stehen, einem selten benutzten Spielfeld, auf dem es seinem Angreifer verboten war, seine Attacke fortzusetzen. Es war ebenjener Spieler, der Richards Flügelstürmer das Genick gebrochen hatte.

Kahlan hatte keine Ahnung, was Richard damit bezweckte. Zwar konnte er, solange er sich auf diesem Quadrat aufhielt, nicht angegriffen werden, gleichzeitig saß er dort wie auf einer rasch von Gegnern eingekreisten Insel in der Falle, aus deren Sicherheit ihm das Punkten verwehrt war. Irgendwann würde er sie wieder verlassen müssen, während seine Umgebung gleichzeitig mit jedem Moment unwirtlicher wurde. Als der Kerl sich kurz wegdrehte, um nach seinen rasch den Kreis schließenden Mitspielern zu sehen, rief Richard etwas, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Der Mann wandte sich herum. Richard, der den Broc mit beiden Händen fest vor seine Brust gepresst hielt, schleuderte ihn urplötzlich mit einem explosiven Wurf von sich. Er landete mit solcher Wucht mitten im Gesicht des Mannes, dass er zu ihm zurückprallte.

Der ungeheure Aufprall drückte das Gesicht des Mannes teilweise ein. Der Mann brach mit vollständig in den Schädel gedrückter Nase kraftlos zusammen und ging auf der Stelle zu Boden.

Die völlig unerwartete Entwicklung ließ die Menge aufstöhnen. Voller Wut warf sich ein weiterer Spieler von rechts auf ihn, obwohl er sich auf dem Sicherheitsquadrat befand. Da der Schiedsrichter nicht geneigt schien, einzuschreiten und das Foul zu ahnden, klemmte sich Richard den Broc unter den linken Arm und wich ein Stück in diese Richtung aus. Das Gesicht dem Angreifer zugewandt, holte er mit seiner Rechten aus und traf den Spieler mit seinem mächtigen Unterarmknochen am Hals. Der griff sich verzweifelt nach Luft ringend an die Kehle. Offenbar war seine Luftröhre zertrümmert. Seine Gesichtsfarbe wechselte von rot zu blau.

Ohne Zögern griff ein weiterer hochaufgeschossener Kerl mit erhobener Faust von der linken Seite an. Richard drehte sich in seine Richtung, wich dem Hieb auf der Innenseite aus und öffnete dadurch dessen Deckung, ehe er ihm, seinen Schwung ausnutzend, eine blitzschnelle Gerade verpasste. Der gewaltige Hieb, dessen ganze Kraft sich in dem Ballen seiner Hand konzentrierte, traf den Mann unmittelbar über dem Herzen und reichte aus, ihn zurücktorkeln zu lassen. Der kräftige Kerl, in den Augen einen benommenen, wirren Blick, fasste sich an die Brust, dann brach er am Boden zusammen.

Ohne jede Unterstützung hatte Richard drei Männer getötet, die alle beträchtlich größer waren als er. Jetzt dämmerte Kahlan auch, warum rings um das Spielfeld ständig so viele Pfeile auf ihn gerichtet waren. Nicht einmal ansatzweise vermochte sie sich vorzustellen, was geschehen würde, wenn er eine Klinge in die Finger bekäme.

Ohne weitere Zeit zu vergeuden, schoss Richard durch die soeben geschaffene Bresche und hielt auf die Tore zu. Seine Mitspieler schienen auf diesen Spielzug vorbereitet zu sein, denn sie hatten sich bereits längs seines Laufweges positioniert, um seine Angreifer abzublocken. Überall auf dem gesamten Spielfeld kam es zu Zusammenstößen. Drüben, auf der anderen Spielfeldseite, sah Kahlan die Gesichter der Menge in einer einheitlichen Bewegung herumschwenken, als sie Richards Sturmlauf zu den gegnerischen Toren verfolgten, wo er einigen Spielern auswich, während seine Blocker andere aus dem Weg räumten. Da niemand nahe genug war, der ihn hätte zu Fall bringen können, ereichte er die Wurfzone, wo er den Broc ungehindert ins Netz wuchtete und einen weiteren Punkt erzielte. Jetzt lag seine Mannschaft abermals in Führung.

Das rasante Spielgeschehen hatte die Menge mitgerissen. Selbst Ja-ang war einen Schritt näher an den Spielfeldrand getreten, um das piel, die Hände vor Aufregung geballt, zu verfolgen. Sogar seine Gardisten beugten sich vor, um zu sehen, wie Richards Mannschaft, deren Angriffsphase immer noch nicht abgelaufen war, vom Schiedsrichter den Broc zugeworfen bekam und zu einem weiteren Sturmlauf ansetzte. In der gegnerischen Hälfte angekommen, wechselte Richard nach links hinüber, wo sich ihm sofort ein Gegner in die Beine warf. Kahlan hatte den Eindruck, dass es beinahe Absicht war - so wie damals, als er sich in den Morast geworfen hatte, um sich unkenntlich zu machen. Beim Aufprall auf den Boden entglitt der Broc seiner Umklammerung. Auch das erschien ihr nicht ganz echt. Vielmehr schien es ihr, als wäre es Teil eines Plans. Sein linker Flügelstürmer, der an der Seitenlinie entlangrannte, befand sich zufällig genau zum richtigen Zeitpunkt am rechten Ort und nahm den Broc mit einer bückenden Bewegung auf, als er vorübersprang. Augenblicke später hatte er die Wurfzone erreicht und warf. Solange Richard am Boden lag, war es zulässig, dass ein Flügelstürmer einen Wurfversuch unternahm.

Der Broc landete im Netz und löste damit tosenden Beifall aus. Im Jubel über seinen erzielten Treffer warf der Flügelstürmer seine Arme in die Luft. Ein Flügelstürmer erhielt nur selten Gelegenheit zu einem solchen Versuch, und noch viel seltener war dieser von Erfolg gekrönt. Kahlan wusste zwar, dass es erlaubt war, aber gesehen hatte sie es noch nie.

Als das Horn erklang und das Ende des Angriffsrechts verkündete, schloss Richard zu seinem linken Flügelstürmer auf und gab ihm, ein stolzes Lächeln im Gesicht, einen Klaps auf den Rücken. Nach seiner Miene zu urteilen, bedeutete ihm Richards Anerkennung mindestens genauso viel wie der Treffer selbst.

Der Flügelstürmer war ein Ordenssoldat, und nicht etwa ein Gefangener, wie so manch anderer aus Richards Mannschaft. Kahlan wunderte sich, dass er zu einem Soldaten der Imperialen Ordnung so freundlich war. Jedes Mal, wenn so etwas wie hoffnungsvolles Vertrauen in diesen Mann aufkeimte, passierte etwas, das von Neuem ihren Argwohn weckte.

Seit dem Besuch ihres letzten Spiels, als Nicci den Rüben genannten Mann erblickt und ihn Richard genannt hatte, wusste sie, dass dies sein richtiger Name war. Seitdem hatte sie kein einziges Wort mit Nicci wechseln und sie also auch nicht fragen können, gleichwohl vermutete sie, dass Richard in Wahrheit Richard Rahl war -Lord Rahl. Ob es stimmte, wusste sie nicht, zumindest aber würde es eine Menge erklären.

Nur schien es vollkommen unmöglich, dass Lord Rahl höchstselbst ein Gefangener der Imperialen Ordnung war und in einer Ja’La-Mannschaft gegen die Mannschaft des Kaisers spielte.

Was sie dagegen wirklich besorgte, war, dass er sie zu kennen schien. Gleich am ersten Tag, als er in einem Käfig auf dem Nachschubwagen ins Lager gerollt war, hatte er ihren Namen gerufen. Möglicherweise hatte man ihn gefangen genommen, ohne zu wissen, wen man vor sich hatte, dennoch schien ihr ein solcher Zufall ziemlich weit hergeholt. Und doch, vielleicht steckte mehr dahinter, als sie ahnte. Vielleicht hatte er sich gefangen nehmen lassen, um in ihre Nähe zu gelangen - und sie zu befreien.

Nein, schalt sie sich, sie benahm sich einfach nur albern. Trotzdem wunderte sie sich, warum sie sich immer wieder im Mittelpunkt des Geschehens wiederfand.

Gern hätte sie noch einmal Gelegenheit gehabt, mit Nicci zu sprechen, um sie zu fragen, ob er tatsächlich Richard Rahl war. Andererseits machte Niccis Reaktion, ihre Tränen beim Wiedersehen mit ihm, die Frage überflüssig. Es stand ihr deutlich ins Gesicht geschrieben. Dies war der Mann, dem Niccis Liebe galt.

Aus den Augenwinkeln behielt Kahlan ihre Sonderbewacher im Blick, deren Blicke zwischen ihr und dem Spielfeld hin und her wechselten. Während die johlende Menge in erwartungsvoller Anspannung die Fäuste in den Himmel reckte, beugten sie sich mal hierhin, mal dorthin, um zwischen den kaiserlichen Gardisten hindurch einen Blick auf das Spielfeld zu erhaschen, als die Mannschaft des Kaisers den Broc für ihre Angriffsphase entgegennahm. Die drei Spieler, die man wenige Augenblicke zuvor zur Seitenlinie geschleift hatte, waren gegen Ersatzspieler ausgewechselt worden. Die Art, wie man sie an der Seite hatte liegen lassen, ließ vermuten, dass alle drei tot waren. In der Spanne eines Herzschlags hatte Richard ohne jede Hilfe drei Männer getötet.