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»Der Angriff war ungültig!«, gellte Jagang. »Es wurden keine Punkte erzielt! Das Spiel ist aus! Die kaiserliche Mannschaft ist Gewinner des Turniers!«

Die Soldatenmassen auf den Rängen erstarrten in ungläubigem Staunen.

»Jagang, der Gerechte, hat gesprochen!«, rief Nicci in Verhöhnung des kaiserlichen Schiedsspruchs in die Menge.

Soeben hatte Richard Jagang, den Gerechten, gezwungen, allen vor Augen zu führen, dass unter der Ordensherrschaft Gerechtigkeit nichts weiter als eine leere Floskel war. Und Nicci hatte sogar noch eins draufgesetzt.

Jagang verpasste ihr einen so harten Schlag mit dem Handrücken, dass sie der Länge nach zu Kahlans Füßen landete.

In ihrem Jubel gerieten die Anhänger von Jagangs Mannschaft völlig aus dem Häuschen. Männer sprangen auf und ab, jubelten und johlten, so als hätten sie tatsächlich irgendeine Leistung vollbracht. Richards Anhänger dagegen rasten vor Wut.

Kahlan hielt den Atem an, umklammerte den Griff ihres Messers und vergewisserte sich der Position ihrer Bewacher, während Jillian sich bückte, um der blutend am Boden zu ihren Füßen liegenden Nicci zu helfen.

Schließlich gingen die Anhänger der Mannschaft Jagangs dazu über, die anderen mit Schmährufen zu überhäufen. Diese konterten mit der Behauptung, deren Mannschaft bestehe nur aus Betrügern und habe verloren. Es kam zu ersten Rangeleien, schließlich flogen sogar Fäuste. Überall schlug man sich entweder auf die eine oder andere Seite, und zu guter Letzt wurden die Waffen gezückt.

Innerhalb weniger Augenblicke war das gesamte Feldlager in Aufruhr. Die Soldatenmassen auf den Rängen schienen ins Rutschen zu geraten, dann plötzlich ergoss sich eine gewaltige Lawine hinunter auf das Ja’LaSpielfeld. Es war, als wäre die gesamte Armee in dem wilden Handgemenge völlig unerwartet von einer offenen Feldschlacht erfasst worden.

Kahlan hätte es nicht für möglich gehalten, aber Nicci hatte recht behalten.

Richard hatte soeben einen Krieg vom Zaun gebrochen.

35

Jagangs kaiserliche Garde gab ihr Letztes und legte sich mächtig ins Zeug, um den Mob auf beiden Seiten zurückzudrängen. Zornentbrannt musste der Kaiser mit ansehen, wie rings um ihn her ein deftiges Handgemenge ausbrach, dennoch machte er keinerlei Anstalten, sich in Sicherheit zu bringen. Vielmehr schien er größte Lust zu haben, sich selbst in die Schlacht zu stürzen. Seine Leibgarde mühte sich nach Kräften, die Kämpfe, so gut es irgend ging, von ihm fernzuhalten. Kahlan erblickte Richard auf der anderen Seite des Spielfeldes, wo sich seine rote Bemalung im Schein der Fackeln wie eine Warnung abhob, die Unterwelt habe sich aufgetan und sei im Begriff, sie alle miteinander zu verschlingen. Hinter ihm und den Spielern seiner Mannschaft war der gesamte Hang in Aufruhr, ein trunkenes Toben aus entfesseltem Hass und Blutgier, das sich ungehemmt Bahn brach.

Allmählich begann sich Kahlan zu sorgen, dass Richards leuchtend rote Gesichtsbemalung ihn zum Ziel der Anhänger der kaiserli chen Mannschaft machen könnte, schließlich wussten deren Spieler nur zu gut, wer er war und was er soeben angerichtet hatte. Jetzt, da er gleichzeitig zum Gegenstand der Bewunderung und des Hasses geworden war, konnte ihm seine ursprüngliche Tarnung leicht zum Verhängnis werden.

Sie sah sich nach dem halben Dutzend ihrer diensthabenden Sonderbewacher um, erkannte, dass sie mehr mit der Sicherung des kaiserlichen Lebens beschäftigt waren als mit ihrer Bewachung, und ging rasch neben Jillian in die Hocke. Eine Reihe von Schwellungen, hervorgerufen durch Jagangs Ringe, liefen im schrägen Winkel über Niccis blutige Wange. Sie war benommen, schien aber gerade wieder zu sich zu kommen.

»Nicci!« Mit leiser Beharrlichkeit redete Kahlan auf sie ein, während sie ihren Kopf und ihre Schultern ein Stück anhob. »Seid Ihr ernsthaft verletzt?«

Blinzelnd versuchte Nicci, Kahlans Gesicht zu erkennen. »Was?«

»Seid Ihr ernsthaft verletzt?« Mit dem Finger befreite Kahlan ihre Augen von einigen Haarsträhnen. »Ist etwas gebrochen?«

Nicci betastete ihre eine Gesichtsseite und bewegte den Unterkiefer hin und her, um seine Beweglichkeit zu testen.

»Ich glaube, mir fehlt nichts.«

»Ihr müsst aufstehen. Ich glaube nicht, dass wir hier noch lange bleiben können. Richard hat seinen Krieg vom Zaun gebrochen.«

Trotz ihrer offensichtlich starken Schmerzen ging ein Lächeln über Niccis Gesicht. Sie hatte nicht einen Moment daran gezweifelt. Kahlan erhob sich und half Jillian, die noch unsichere Nicci wieder auf die Beine zu stellen. Jillian legte ihr einen Arm um die Taille, und Nicci stützte sich mit einem Arm um ihre Schultern ab.

Als Jagang dies bemerkte, wies er mit einer Hand auf Kahlan, während er mit der anderen einen ihrer Sonderbewacher beim Hemd packte und ihn in Kahlans Richtung stieß.

»Lasst sie keinen Moment aus den Augen«, knurrte er. »Das gilt für euch alle.«

Die Soldaten - die Einzigen hier, außer Richard und Jagang selbst, die sie sehen konnten - ließen von ihren Hilfsbemühungen beim Zurückdrängen der lärmenden Soldatenmassen ab und beeilten sich, dem Befehl des Kaisers Folge zu leisten.

Unterdessen bemühten sich Jagangs reguläre Gardisten zusammen mit einem Kontingent seiner allgegenwärtigen Leibwächter nach Kräften, die wogende, brüllende, tobende Menge aus gewöhnlichen Soldaten in dem Durcheinander und Chaos rings um sie her zurückzudrängen. Doch obwohl es ausnahmslos kräftige, muskelbepackte Hünen waren, gelang es ihnen gerade mal, sie mit knapper Not zurückzuhalten, wobei sie Zoll um Zoll an Boden verloren.

In Wahrheit aber waren diese regulären Truppen gar nicht an einer Auseinandersetzung mit Jagangs Leibwächtern oder gar dem Kaiser selbst interessiert - vielmehr waren sie, mitgerissen von der Begeisterung über die trunkene Prügelei, vollauf damit beschäftigt, einander mit Fäusten zu traktieren. Nichtsdestoweniger rückte die wilde Keilerei dem Kaiser immer näher.

Jagang, wütend über ihre viel zu große Nachsicht mit Männern, die offensichtlich jedem Befehl zuwiderhandelten, schrie seine Leibwächter an und befahl ihnen, jedem den Leib aufzuschlitzen, der sich weigerte zurückzuweichen. Vermutlich, schoss es Kahlan durch den Kopf, ging es ihm dabei weniger um seine eigene Sicherheit, vielmehr empörte er sich über den Mangel an Respekt gegenüber seiner Person. Die Gardisten zögerten keinen Moment. Die hochgewachsenen erfahrenen Krieger, eben noch damit beschäftigt, die Soldaten zurückzudrängen, gingen nun dazu über, die in ihre Richtung schiebenden Kameraden abzustechen. Selbst Jagang schnappte sich ein Kurzschwert, das ihm von einem seiner Leibwächter gereicht wurde, der offenbar befürchtete, sie würden um ihr Leben kämpfen müssen. Sofort machte Jagang seinem Ärger Luft, indem er auf Soldaten zu beiden Seiten einhackte. Ihre Schreie waren in dem Schlachtgebrüll jedoch kaum zu hören.

Auch war es keineswegs so, dass die umstehenden, in den Tumult verwickelten Soldaten den Befehl, zurückzubleiben, bewusst missachteten - in Wahrheit hatten sie einfach keine andere Wahl, da das Gewicht der in Massen vom Hang herunterdrängenden Männer sie zusammenpresste. Die gesamte Zuschauermenge, voll und ganz in Anspruch genommen von der Massenschlägerei, wurde von dem hangabwärts schiebenden Gedränge erfasst und hilflos geradewegs in die todbringenden Klingen der kaiserlichen Leibwache hineingeschoben. Kahlan warf einen Blick auf den Tumult auf dem Ja’La-Feld und glaubte kaum, ihren Augen trauen zu können.

Richard hielt einen Bogen in der Hand, den Pfeil bereits eingelegt. Einen zweiten hielt er zwischen den Zähnen bereit.

Jagang stand inmitten seiner Leibwache, das blutverschmierte Schwert mit festem Griff gepackt, und belferte Kommandos. Mit seinen schwarzen Augen betrachtete er die etwas weiter entfernten Soldaten, viele von ihnen rauflustig und betrunken, die sich einen mitunter tödlichen Kampf darüber lieferten, wer denn nun das Spiel gewonnen habe. Mit seiner freien Hand gestikulierend und seinen Gardisten Befehle zubrüllend, kommandierte er Einzelne von ihnen in die sich auftuenden Lücken, um den Mob zurückzuhalten.