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Der Mann stieß erneut zu, jetzt noch wütender, und wieder wich das Schwert zur Seite aus und verfehlte Richard knapp. Die Überraschung im Gesicht des Fremden wich Besorgnis, und unter diese mischte sich ein Unterton von kalter Wut.

»Es gehört mir!«

Kahlan hatte nicht die leiseste Ahnung, wovon der Fremde sprach, doch ehe sie Gelegenheit hatte, sich darüber zu wundern, sah sie Nicci, sich die Kehle haltend, zusammenbrechen.

Dann stürmte eine weitere Abteilung kaiserlicher Gardisten herbei, so zahlreich und schnell, dass Richard herumwirbeln und sich ihnen stellen musste, wenn er nicht getötet werden wollte. Plötzlich war eine neue Schlacht voll entbrannt. Schwerter schwingende Krieger, einen Schlachtruf auf den Lippen, kamen herbeigelaufen. Obwohl Richard mit unbändigem Einsatz kämpfte, war er gezwungen zurückzuweichen. Mit dem Eintreffen der neuen Welle von Kriegern begann sich der Abstand zwischen Richard und Kahlan zu vergrößern.

Als diese Anstalten machte, ihrerseits die Richard bedrängenden Krieger anzugreifen, packte der Fremde sie am Oberarm und zog sie ein Stück zurück. »Wir müssen fort. Er wird mit diesen Kriegern schon zurechtkommen. Er will uns eine Chance zur Flucht verschaffen, die müssen wir ergreifen.«

»Ich werde ihn auf keinen Fall hie-«

Plötzlich sog sie keuchend den Atem ein, als der Schmerz sie mit voller Wucht traf. Das Schwert entglitt ihren Fingern. Ihre beiden Hände gingen zum Hals und zerrten an dem Ring. Wider ihren Willen entfuhr ihr ein lauter Schrei. Der sengende Schmerz war von solcher Schärfe und Heftigkeit, dass der Aufschrei sich unmöglich unterdrücken ließ. Wie Nicci, sank auch sie auf die Knie. Tränen der Qualen strömten ihr aus den Augen.

»Komm schon!«, schrie sie der Fremde an. »Wir müssen fort-beeil dich!«

Kahlan war außerstande, auch nur einen einzigen Finger für ihre Flucht zu rühren. Schon das Atmen verlangte ihr angesichts dieser sie zerreißenden Qualen das Äußerste ab.

Mit tränenverschmiertem Blick konnte sie das Grauen, den Zorn auf Richards Gesicht erkennen, als dieser vergeblich zu ihr durchzukommen versuchte.

Immer mehr Elitegardisten strömten herbei, fest entschlossen, die Angriffsspitze auszuschalten, die ihren Kaiser gedemütigt und diesen Aufstand ausgelöst hatte. Und obwohl jeder seiner Stöße ein Treffer war, und die Männer rings um ihn her in Scharen zu Boden sanken, wurde Richard von der immer weiter anwachsenden Zahl der nachrückenden Gardisten zurückgedrängt.

Kahlan schlug mit dem Gesicht voran auf den harten Boden. Der sengende Schmerz kroch über ihren Rücken in die Beine, bis diese in wilde Zuckungen verfielen. Sie hatte jegliche Kontrolle über ihre Muskulatur verloren.

Der Fremde packte sie am Arm. »Komm schon! Wir müssen fort -jetzt gleich!«

Als sie ihm nicht mehr antworten konnte, begann er sie fortzuzerren.

37

Richards Puls beschleunigte sich vor Sorge, als er Kahlan vor Schmerzen aufschreien und an dem Ring um ihren Hals zerren sah. Obwohl er noch immer wie von Sinnen kämpfend den Ring aus Kriegern in Kettenpanzerund Lederrüstung zu durchbrechen versuchte, erwies sich der Versuch, bis zu ihr vorzudringen, als undurchführbar. Im Grunde konnte er sich gegen die wachsende Zahl der über ihn hereinbrechenden Soldaten selbst nur mit knapper Not behaupten.

Waffen in todbringender Vielfalt, Schwerter, Messer, Streitäxte und Lanzen, drangen aus allen Richtungen auf ihn ein, so dass er gezwungen war, seine Strategie zu wechseln. Einen Schwertkämpfer erstach er und zersplitterte mit dem Gegenschwung einen Speer, nur um sofort darauf unter einer knapp über seinem Kopf hinwegsirrenden Axt wegzutauchen. Bereits der kleinste Fehler konnte ihn das Leben kosten. Doch obwohl er kämpfte wie noch nie zuvor in seinem Leben, war er gezwungen, sich immer weiter zurückdrängen zu lassen. Nur so ließ sich vermeiden, dass er vollends überwältigt wurde. Immer wieder stürzte er sich in wildem Ungestüm nach vorn und drang bis in die gegnerischen Reihen vor, doch jedes Mal tauchten mehr und mehr Krieger auf, um den Platz derer einzunehmen, die unter seiner Klinge gefallen waren. Und selbst mit diesen Anfällen ungestümer völliger Verausgabung vermochte er seine Stellung bestenfalls zu halten. Mit jedem Atemzug verlor er an Boden.

Kahlan war so nah und doch so fern.

Jagang war kurz davor, sie ihm ein zweites Mal zu nehmen. Er erteilte sich selbst einen Rüffel, weil er sich bei dem Versuch, Jagang auszuschalten, nicht mehr angestrengt hatte. Er hätte sich mehr Mühe geben sollen - wenn nur dieser Soldat nicht im letzten Augenblick dazwischengetreten wäre und seinen Pfeil noch abgefangen hätte. Doch letztlich waren all diese Überlegungen unsinnig. Er musste sich etwas einfallen lassen, was er jetzt, in diesem Augenblick, tun konnte. Ab und zu erhaschte er viel zu kurze Blicke auf die ebenfalls am Boden liegende Nicci, die sich, wie Kahlan, in einer verzweifelten Notlage befand. Richard wusste, Eile war geboten, wenn er ihnen helfen wollte. Samuels Einmischung war jedenfalls nicht gerade hilfreich. Er war durch seine Sorge so sehr abgelenkt, dass die Abstimmung seiner Bewegungen durcheinandergeriet. Einer seiner Stöße ging ins Leere, so dass sein Gegner am Leben blieb und ihn abermals attackieren konnte. Allein seiner blitzschnellen Reaktion hatte er es zu verdanken, dass die Klinge keinen größeren Schaden als eine nicht eben tiefe Schnittwunde seitlich an seiner Schulter hinterließ. Schon mehrfach hatte ihn der Versuch, einen Blick auf Kahlan zu erhaschen, fast das Leben gekostet, und einmal übersah er einen Angriff, bis es fast zu spät war. Er musste sich zusammenreißen. Tot würde er niemandem helfen können. Aber seine Arme fühlten sich an, als wären sie aus Blei. Seine Hände waren glitschig vom Blut, so dass ihm das Schwert immer wieder zu entgleiten drohte.

Sein Gegenüber ließ die erhobene Axt um seine Finger kreisen, wie um ihm zu zeigen, dass er es mit einem Könner zu tun hatte. Dann packte er sie am Griff und begann sie in mörderischer Absicht herabzusenken. Im letzten Augenblick tauchte Richard zur Seite weg, ehe er, vor Anstrengung brüllend, seine eigene Waffe schwang. Der Hieb trennte seinem Gegner den Arm ab. Mit einem Fußtritt stieß er den völlig verdutzten Mann aus dem Weg, tauchte unter einem schlecht gezielten Schwerthieb gegen seinen Kopf weg und bohrte ihm seine eigene Waffe in den Unterleib.

Das Schwert tat seinen Dienst, doch es war nicht sein eigenes, denn das hatte Samuel.

Und was der hier tat, wagte er sich nicht einmal vorzustellen. Das musste er auch nicht, als er ihn über Kahlan gebeugt dastehen sah. Damals hatte Zedd ihm das Schwert der Wahrheit mit der Erklärung ausgehändigt, er könne es gegen Darken Rahl nicht benutzen, weil dieser die Kästchen der Ordnung ins Spiel gebracht habe, und die Macht der Ordnung ihn während dieser mehrere Jahre währenden Phase vor dem Schwert der Wahrheit schütze.

Er wusste, es war töricht, dennoch musste er diese Theorie auf ihre Richtigkeit überprüfen, allein schon, um bei dem, was vor ihm lag, bestehen zu können. Die Kästchen der Ordnung waren in seinem Namen ins Spiel gebracht worden, deshalb würde ihm das Schwert der Wahrheit derzeit nichts anhaben können.

Als er glaubte, nicht mehr zu können, nutzte er den bloßen Zorn über Kahlans entsetzliche Notlage, um dennoch durchzuhalten. Er hatte keine Ahnung, wie lange er diese übermenschliche Anstrengung würde aufrechterhalten können, er wusste nur eins: Ließ er nach, wäre das sein sicherer Tod.

Just in diesem Augenblick bahnte sich ein weiterer Mann von hinten einen Weg zu ihm durch und sicherte seine linke Flanke gegen drei von dort aus attackierende Krieger. Aus dem Augenwinkel sah Richard etwas Rotes schimmern.

Als einer seiner Gegner den Fehler beging, seinen Arm anzuwinkeln, schlug er ihm seine Klinge diagonal durchs Gesicht. Mit einem Aufschrei kippte er zur Seite weg, und durch die entstandene Lücke erhaschte Richard einen kurzen Blick nach links.