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»Nun, zur Verständigung untereinander benutzen diese Leute eine von ihnen in den Jahren selbst entwickelte Zeichensprache, ganz ähnlich wie Ihr, wenn Schweigen geboten ist, oder Eure Männer Euch im Getöse der Schlacht nicht hören können. Als ich sie befragte, konnten sie sich bis zu einem gewissen Grad verständlich machen. Wie Ihr Euch gewiss vorstellen könnt, entgeht ihnen so leicht nichts.«

»Wartet ab, bis Ihr hört, was sie von der Sache halten«, fügte Verna hinzu.

Das Ganze erschien ihr albern, aber angesichts der möglicherweise ernsten Folgen wollte sie ganz sichergehen. Seit ihrer Berufung zur Prälatin hatte sie die Erfahrung gemacht, dass es stets klug war, nach allen Seiten offen zu bleiben. Bei einer so ernsten Angelegenheit wäre es geradezu töricht, sich nicht wenigstens zu vergewissern, dass kein wirkliches Problem vorlag. Glücklich musste man darüber trotzdem nicht sein.

Nathans Bedenken regten sich erneut. »Und, was halten sie nun davon?«

Cara wies auf eine Einmündung etwas weiter vorn im Flur. »Ungefähr dort drüben sind sie auf eine Stelle gestoßen, wo etwas nicht stimmt.«

»Nicht stimmt?« Gereizt stemmte Nathan die Hände in die Hüften.

»Inwiefern?«

»Die steinernen Wandverkleidungen hier sind überall von Maserungen durchzogen.« Cara wandte sich herum und deutete auf verschiedene Muster in der Wand hinter ihr. »Seht Ihr? Die Grabkammerbediensteten sind mit diesen Maserungen bestens vertraut. Sie sind so unverwechselbar, dass sie sich mit ihrer Hilfe hier unten orientieren können.«

Nathan besah sie sich näher.

»Es handelt sich um eine Art Symbolsprache«, fügte Cara hinzu. Nathan löste den Blick von den Maserungen und sah Cara an. »Klingt schlüssig. Fahrt fort.«

»In dem Flur dort gibt es weiter hinten eine marmorne Wandplatte, die eigentlich an eine andere Stelle gehört.«

Wieder erwachte Nathans Argwohn. Er bedachte sie mit einem schiefen Blick, so als sei er nur widerstrebend bereit, sich auf sie einzulassen.

»Und wo gehört sie nun hin?«

»Genau das ist der Punkt. Der Flur, in den sie eigentlich gehört, ist unauffindbar. Wenn ich es richtig verstehe, versuchen sie mir begreiflich zu machen, dass einer der Flure verschwunden ist.«

»Verschwunden?« Nathan stieß einen tiefen Seufzer aus, kratzte sich am Kopf und schaute sich dabei um. »Wo sollte sich ein Flur verstecken?«

Cara beugte sich ganz leicht in seine Richtung. »Eben hinter besagter Marmorplatte.«

Schweigend betrachtete er sie, während er darüber nachzudenken schien.

»Aus diesem Grund möchten wir, dass Ihr Eure Gabe zu Hilfe nehmt und festzustellen versucht, ob Ihr jemanden hinter dieser Wand spüren könnt«, erklärte Verna.

Nathan Rahl betrachtete die ihm entgegenblickenden Gesichter mit sorgenvoller Miene. »Jemanden, der sich hinter dieser Wand verbirgt?«

Cara nickte. »Ganz recht.«

Er fuhr sich mit der Hand über den Nacken und blickte den Flur entlang zur Einmündung. »Nun, das Ganze klingt verrückt, aber zumindest lässt es sich auf diese Weise leicht überprüfen.« Mit einer knappen Geste wies er auf den neben ihm stehenden General Trimack. »Was meint Ihr, könnte es erforderlich werden, die Erste Rotte hinzuzuziehen?«

Cara zuckte die Achseln. »Kommt darauf an, ob sich auf der anderen Seite der Wand etwas Unerquickliches befindet.«

Der General wirkte nicht nur besorgt, sondern geradezu alarmiert. Er war für die Bewachung des Palasts und aller seiner Bewohner - in erster Linie des Lord Rahl - verantwortlich, und er nahm seine Aufgabe absolut ernst. Mit einer fahrigen Handbewegung wies er auf die Stelle, wo man die Gefahr vermutete. »Und Ihr seid davon überzeugt?«

Cara hielt seinem bohrenden Blick stand. »Irgendwo dort hinten sind Nicci und Ann verschwunden.«

Seine quer über das ganze Gesicht verlaufende Narbe trat weiß hervor. Die Daumen hinter den Waffengurt gehakt, wandte er sich ein Stück zur Seite, woraufhin sofort einer seiner Männer herbeigeeilt kam, um seine Befehle entgegenzunehmen.

»Ich möchte, dass Ihr in der Nähe bleibt, Euch aber absolut ruhig verhaltet.«

Der Offizier nickte, trabte dann lautlos zu den anderen zurück, um die Anweisung weiterzugeben.

»Und wer könnte sich Eurer Meinung nach hinter dieser Wand verbergen?« Nacheinander betrachtete er die Frauen.

»Seht mich nicht so an«, meinte Verna. »Natürlich bin ich besorgt, trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, wer oder was sich dort -wenn überhaupt - verbergen könnte. Ich weiß nicht, was ich davon glauben soll. Andererseits kannte ich unter den Bediensteten im Palast der Propheten einige, die für die seltsamsten Phänomene empfänglich waren - Dinge, die kein anderer spürte. Womit wir es hier zu tun haben, weiß ich nicht, andererseits möchte ich die Besorgnis von Leuten, die sich hier besser auskennen als ich, auch nicht einfach abtun.«

»Klingt vernünftig«, sagte der General.

Nathan war bereits unterwegs. »Sehen wir also nach.«

»Diese Platte gehört angeblich nicht hierher«, erklärte Cara mit leiser Stimme, als Nathan sich zu ihr beugte.

Er nickte und richtete sich auf, dann winkte er Cara zurück, damit sie nicht im Weg stand.

Cara runzelte die Stirn und warf Verna einen fragenden Blick zu. Sie wusste nicht recht, was der alte Zauberer vorhatte. Verna hingegen schon. Er würde sein Talent dazu benutzen, zu erspüren, was sich hinter der Steinplatte befand, mithilfe seiner Gabe Leben aufzuspüren versuchen. Als die Grabkammerbediensteten sie auf diese Stelle aufmerksam machten, hatte Verna bereits etwas ganz Ähnliches probiert, allerdings ohne großen Erfolg.

Cara trat einen Schritt zurück, beugte sich zu Verna und sagte kaum lauter als im Flüsterton: »Und, was denkt Ihr?«

»Ich denke, sobald Nathan etwas weiß, wird er es uns sagen.«

General Trimack steckte seinen Kopf vor. »Wie lange wird das dauern?«

»Nicht lange«, beschied ihn Verna.

Plötzlich wurde Nathans Gesicht leichenblass. Taumelnd trat er einen Schritt zurück.

Als sie seine Reaktion bemerkte, schnellte Caras Strafer in ihre Hand. Auch Berdine und Nyda hatten ihre Waffen augenblicklich einsatzbereit. Nathan wich noch einen Schritt zurück und fasste sich schockiert ins Gesicht. Dann wandte er sich offenen Mundes herum und kam mit hastigen Schritten so geräuschlos wie möglich zu ihnen zurück.

»Bei den Gütigen Seelen.« Er fuhr sich mit den Fingern durchs Haar, während er sich noch einmal zu dem Gesicht auf der Wand herumdrehte.

»Bei den Gütigen Seelen was}«, knurrte Cara.

Nathan, das Gesicht nahezu so schlohweiß wie sein Haar, richtete seine tiefblauen Augen auf die Mord-Sith.

»Jenseits dieser Wand befinden sich mehrere hundert Personen,«

möglicherweise sogar Tausende. Und sie haben Unmengen von Stahl mitgebracht.«

General Trimack steckte den Kopf vor. »Stahl?«

»Waffen«, erklärte Verna.

»Dann kann es sich nur um bewaffnete Soldaten handeln«, entschied der General, während er geräuschlos sein Schwert zog. Er machte seinen Männern ein Zeichen, woraufhin diese seinem Beispiel folgten. Einen Herzschlag später hielten sie alle ihre Waffe in der Hand.

»Irgendeine Idee, wer diese Leute sein könnten?«, erkundigte sich Berdine flüsternd.

Nathan, der besorgter aussah, als Verna ihn jemals gesehen hatte, schüttelte den Kopf. »Nicht die geringste. Ich kann nicht erkennen, um wen es sich handelt, nur dass sie sich drüben auf der anderen Seite befinden.«

Cara war bereits zur anderen Flurseite unterwegs. »Ich sage, finden wir es heraus.«

Der General machte seinen Leuten ein paar rasche Handzeichen, woraufhin sie sofort von beiden Seiten lautlos näher rückten.

»Und wie wollt Ihr das anstellen?«, fragte Verna, die ihr dicht auf den Fersen geblieben war.

Cara blieb stehen und sah sich kurz zu ihr um. Dann wandte sie sich herum zu Nathan.

»Könnt Ihr Eure Gabe benutzen, um ... um, ich weiß nicht - die Wand einzureißen oder so?«