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Mehrere Krieger in dunkler Lederrüstung, das Gesicht verzerrt von Zorn und Hass, stürzten sich auf Richard. Noch ehe er sein Schwert gegen sie in Stellung bringen konnte, stellten sich ihnen zwei andere Hünen in den Weg und schlitzten ihnen mit blitzschnellen Bewegungen ihrer Ellbogen die Hälse auf und durchtrennten ihnen die Halsschlagader. Erstaunt erkannte Richard Ulic und Egan, die beiden blonden, hünenhaften Leibwächter des Lord Rahl, deren aus Riemen, Panzerung und Gürtel bestehenden dunklen Lederuniformen so geformt waren, dass sie sich wie eine zweite Haut über die Konturen ihrer mächtigen Muskeln legten. Mitten auf der Brust war ein verziertes »R« mit zwei gekreuzten Schwertern darunter ins Leder eingraviert, und unmittelbar über den Ellbogen trugen sie eigens für den Nahkampf entwickelte Metallbänder, die mit rasiermesserscharfen Klingen versehen waren. Schon bald wurde deutlich, dass jeder, der den beiden nahe genug kam, um ihre Bekanntschaft zu machen, nicht einfach nur sterben, sondern auf höchst grausame Weise krepieren würde.

Andere durch die Bresche strömende Truppen wurden von Dingen niedergestreckt, die Nathan ihnen kraft seiner Gabe entgegenschleuderte. Gleißend helle Lichtblitze zerfetzten explosionsartig Soldaten in Kettenhemden, ließen glühend heiße Metallsplitter von Wänden, Fußboden und Decke abprallen. Es war ein erbitterter, einseitiger Kampf, in dem die Soldaten keine Chance hatten, auch nur ihr Schwert gegen den hochgewachsenen Propheten zu erheben, ehe sie durch den gebündelten Einsatz seiner Gabe in Stücke gerissen wurden.

Richard gewahrte plötzlich, dass Adie über und über mit Blut bedeckt war.

Cara erstarrte auf der Stelle. »Benjamin?«

»Hier! Übernehmt Adie!«

»Ich muss Lord Rahl beschützen!«

»Tut, was ich Euch sage!«, brüllte er sie über das Getöse des Schlacht an.

»So helft ihr schon!«

Zu Richards Überraschung stellte sie ihren Protest augenblicklich ein und nahm Adie aus seinen Armen entgegen. Der packte Jillian mit seiner freien Hand und zog sie auf seine andere Seite, fort von den beiden Kriegern, die ihn von rechts bestürmten. Den Kopf zwischen die Schultern gezogen, stieß er sein Schwert nach vorn und durchbohrte einen der Angreifer. Bruce war ebenfalls sofort zur Stelle, allerdings so tief abgetaucht, dass er der Klinge des Generals nicht in die Quere kam, und brachte den zweiten Mann mit einem Schnitt gegen seine Knie zu Fall. Als ein dritter den General zu packen versuchte, legte Egan ihm seinen muskulösen Arm um den Hals und drückte zu. Der Mann erschlaffte. Egan schleuderte ihn zur Seite wie eine Lumpenpuppe und machte sich sofort über den zweiten Ordenskrieger her.

»Zurück!«, schrie General Meiffert Cara an, als diese sich erneut ins dichte Kampfgetümmel stürzen wollte.

»Ich muss Lord Ra-«

»Zurück mit Euch!«, brüllte er und stieß sie gleichzeitig mit der Hand zurück. »Ich sagte zurück!«

»Nathan!«, übertönte Richard den tosenden Lärm, als ihm klar wurde, welche Chance sich dadurch ergeben hatte, dass General Meiffert Cara unsanft aus dem Weg geschoben hatte. Als der Prophet sich auf den Zuruf hin umdrehte, wies Richard in den dunklen Tunnel, den der General soeben verlassen hatte. »Wir sind alle durch! Jetzt!«

Nathan verstand. Er vergeudete nicht eine Sekunde und riss sofort die Hände hoch. Zwischen seinen Händen entflammte ein Licht, und aus diesem immer heller werdenden Licht erwachte explosionsartig Zaubererfeuer zum Leben, das die Szenerie der voll entbrannten Schlacht in ein Gemisch aus schillernden Farben und flackernder Helligkeit tauchte.

Ohne Zögern schleuderte Nathan es dem Feind entgegen. Die tödliche Kugel aus brodelndem, siedendem, flüssigem Licht schoss rotierend davon. Noch während es durch die Luft segelte, nahm das weiß gleißende Inferno an Umfang zu. Sein Geheul war selbst bei dem ungeheuren, durch die steinernen Flure hallenden Schlachtgetöse zu hören, als es auf den dunklen Gang zuraste, durch den die Ordenstruppen weiterhin nach vorne drängten, um sich in das Kampfgetümmel zu stürzen und den Palast zu stürmen. Das Zaubererfeuer schoss den Gang entlang und tauchte den weißen Marmor in ein orange-rotes Licht. Schon sein Geräusch ließ die Männer in Panik erstarren.

Ein grauenvoller Anblick bot sich, als der brennende Tod über das lebendige Fleisch hinwegschwappte. Immer noch in der Luft, rauschte die Kugel aus flüssigem Feuer über die Köpfe der Männer hinweg, allenthalben unter ihnen Tod und Verderben verbreitend, bis die sich dahinwälzende Flammenhölle in einem Schwall aus geschmolzenem Licht und Feuer zerbarst, der sich über die entsetzten Soldatenmassen ergoss.

Die gequälten Schreie übertönten das Klirren der aufeinanderprallenden Klingen um ein Vielfaches.

Nathan erzeugte die nächste Kugel Zaubererfeuer, und Augenblicke später war auch diese unterwegs.

Die Feuerkugel wälzte sich den dunklen Gang entlang, immer wieder hin und her geworfen zwischen Wänden und Soldaten, und setzte, ihr Feuer versprühend, alles lichterloh in Brand. Die flüssigen Flammen waren von einer so hartnäckigen Klebrigkeit, so erfüllt von alles versengender Hitze, dass sie sich durch Lederrüstungen fraßen und durch Kettenpanzer schwappten, um sich anschließend brennend auf das nackte Fleisch zu heften.

Die bereits in den Flur vorgedrungenen Soldaten wussten, dass sie nicht auf nachrückende Unterstützung hoffen konnten. Schon brachen die Männer der Ersten Rotte in ihre Reihen ein, pflügten sie unter und spießten Kameraden auf, die sich unter dem Gewicht der sie von beiden Seiten bedrängenden Soldaten nicht mehr von der Stelle rühren konnten. Sie hatten nur eine einzige Chance, sie mussten um ihr nacktes Überleben kämpfen. Eine Kapitulation war in diesem Gemetzel nicht mehr möglich ...

Richard hatte richtig vermutet. Es befanden sich zu viele Soldaten in dem Gang, um gegen sie zu kämpfen, deswegen hatte er seine Begleiter aus dem Weg schaffen wollen, um Nathan den Einsatz seines Zaubererfeuers zu ermöglichen. Der General hatte Richards Absicht sofort durchschaut. Als kommandoführender Offizier konnte er nicht dulden, dass jemand seine Autorität untergrub, schon gar nicht in der Hitze des Gefechts. Als das auch Cara dämmerte, sah sie von einer Konfrontation ab und begab sich augenblicklich zu Richard, der über den blutverschmierten Boden auf allen vieren zu Nicci hinüberkroch, die vor einer Wand auf dem Rücken lag.

»Nicci?« Behutsam schob er ihr eine Hand unter den Nacken. »Haltet durch. Nathan ist hier.«

Sie hatte die Augen verdreht und wand sich in Schmerzenskrämpfen. Richard vermutete, dass Jagang sie umzubringen versuchte, was der über dem Palast liegende Bann jedoch erschwerte, so dass sie einen qualvoll langsamen Todeskampf durchlitt.

Er wandte sich herum. »Nathan! Wir brauchen dich hier!«

Schließlich sah er ihn. Er kniete jenseits der am Boden liegenden Körper gefallener Ordenssoldaten neben jemandem. Richard hatte das entsetzliche Gefühl, genau zu wissen, wer es war. Nathan blickte auf und starrte ihn voller Trauer hilflos an.

»Haltet durch, Nicci. Hilfe ist unterwegs. Ich verspreche, ich werde Euch den Halsring abnehmen. Haltet durch.« Er packte Cara beim Arm und zog sie zu sich heran. »Bleibt bei ihr. Ich möchte nicht, dass sie das Gefühl hat, allein zu sein. Sie darf sich auf keinen Fall aufgeben.«

Cara nickte, die blauen Augen tränenfeucht. »Ich freue mich sehr, Euch zu sehen, Lord Rahl.«

Er legte ihr eine Hand auf die Schulter und stand auf. »Ich weiß. Glaubt mir, mir geht es ganz genauso.«

Richard nahm sich nicht die Zeit, einen freien Weg zu suchen, sondern kletterte mit hastigen Bewegung über den Berg aus toten Ordenssoldaten hinweg. Die Berge von Leichen, abgetrennten Gliedern und Köpfen, diese Unmengen von Blut, die die ehrwürdigen weißen Marmorhallen des Palasts besudelten, hatten etwas Unwirkliches.

Seine Befürchtungen wurden bestätigt, als er sah, dass Nathan neben Adie kniete. Die alte Hexenmeisterin atmete kaum noch. Er ging neben dem Propheten auf die Knie. »Du musst ihr helfen, Nathan.«