Выбрать главу

Die Verteidiger gegen diese Aggressoren versteckten eine große Zahl magischer Gegenstände - Dinge, die sie im Laufe vieler Jahrhunderte erschaffen hatten - im Tempel der Winde, den sie anschließend in die Unterwelt beförderten, um zu verhindern, dass alles in Feindeshand fiel.«

»Sie haben ihn ins Totenreich befördert?«

Er nickte, während er einige große Blätter ausbreitete. »Im Laufe des Krieges hatten Zauberer auf beiden Seiten fürchterliche Waffen hervorgebracht - entworfene Banne und dergleichen mehr. Nun waren einige dieser Waffen jedoch aus Menschen gemacht worden, was zur Entstehung der Traumwandler führte. Sie wurden aus den Menschen erschaffen, die man in Caska gefangen genommen hatte -Julians Vorfahren.«

»Und etwa um diese Zeit entwickelten sie auch die Feuerkettenreaktion? Während dieses Großen Krieges?«

»Richtig.« Er verteilte eine Schicht aus Schlamm über die Blätter.

»Andere Zauberer waren unablässig mit der Entwicklung von Gegenmitteln gegen ihre Magie befasst. So wurden zum Beispiel die Kästchen der Ordnung während des Großen Krieges als Gegenmittel gegen den Feuerkettenbann geschaffen.«

»Ich erinnere mich, dass sich die Schwestern mit Jagang darüber unterhielten.«

»Also, das Ganze ist einigermaßen kompliziert, aber im Wesentlichen war es so: Einst suchte ein Verräter namens Lothain den Tempel der Winde in seinem Versteck in der Unterwelt auf, wo er gewisse Dinge in Gang brachte, die eines Tages, als der Krieg von neuem entflammte, die Ziele der Imperialen Ordnung unterstützen würden.«

»In der Imperialen Ordnung war man der Ansicht, der Krieg würde erneut ausbrechen?«

»Diese Leute waren stets und werden stets diejenigen sein, die, getrieben von ihrem Hass, alle glücklichen, kreativen und produktiven Menschen für ihr Elend verantwortlich machen.«

»Was genau hat dieser Lothain denn getan?«

Richard blickte auf. »Unter anderem stellte er sicher, dass eines Tages wieder ein Traumwandler in die Welt des Lebens hineingeboren werden würde. Dieser Traumwandler ist Jagang.«

Richard hatte die Fische mit einer Hülle aus Blättern und Schlamm umwickelt und legte die kleinen Päckchen nun am Rand des Feuers in die noch glühende Asche.

»Anschließend entsandten die Menschen auf unserer Seite den Obersten Zauberer in besagten Tempel. Sein Name war Baraccus. Er war ein Kriegszauberer und stellte sicher, dass ein weiterer Kriegszauberer geboren würde, der den Kräften, die die Menschheit in ein dunkles Zeitalter zu führen versuchten, Einhalt gebieten würde.«

Während sie der Geschichte lauschte, zog Kahlan die Knie an den Körper und hüllte sich in eine Decke, um sich zu wärmen. »Mit an deren Worten, bis zu diesem Zeitpunkt gab es gar keine Kriegszauberer?«

Richard schüttelte den Kopf. »Ich bin seit dreitausend Jahren der erste, geboren aufgrund dessen, was Baraccus damals im Tempel tat. Da er wusste, dass der Betreffende keinerlei Kenntnis über seine Talente haben würde, kehrte er noch einmal dorthin zurück und verfasste ein Buch mit dem Titel Geheimnisse der Kraft eines Kriegszauberers, das er von seiner Frau, Magda Searus, die er sehr liebte, fortschaffen und für mich verstecken ließ. Er war sehr darauf bedacht, dass dieses Buch niemandem außer mir in die Hände fiel.

Noch während Magda Searus auf dem Weg dorthin war, um das Buch zu verstecken, nahm sich Baraccus das Leben.«

Diese Neuigkeit überraschte Kahlan. »Aber warum sollte er so etwas tun? Warum sollte er diese Magda Searus alleine lassen, wenn er sie wirklich liebte?«

Richard blickte sie über den flackernden Feuerschein hinweg an. »Ich glaube, er hatte in diesem Krieg so viel Schmerz und Leid gesehen, so viel Verrat und Täuschung, ganz zu schweigen von seinen Erfahrungen auf der Reise durch die Unterwelt, dass er es einfach nicht länger ertrug.«

Sein Blick bekam etwas Beklemmendes. »Ich bin selbst durch den Schleier getreten, ich kann verstehen, warum er es getan hat.«

Kahlan stützte ihr Kinn auf die Knie. »Nach meiner Zeit im Feldlager der Imperialen Ordnung kann ich wahrscheinlich ermessen, welch ungeheures Ausmaß an Mutlosigkeit einen Menschen überkommen kann«. Sie sah zu ihm. »Demnach benötigst du dieses Buch also, um dabei zu helfen, der Imperialen Ordnung Einhalt zu gebieten?«

»So ist es. Gefunden habe ich es bereits, allerdings musste ich es wieder verstecken, als man mich ins Ordenslager brachte.«

Wo er sie retten wollte. »Jetzt sag bloß, das Buch befindet sich in Tamarang.«

Ein Lächeln ging über sein Gesicht. »Warum sollten wir sonst dorthin reiten?«

Kahlan seufzte. Jetzt verstand sie, warum es so wichtig war. Sie starrte in die Flammen, in Gedanken bei Baraccus. »Weißt du, was aus Magda Searus wurde?«

Mit einem Stock zog Richard einen der umwickelten Fische aus der Glut. Er öffnete die Hülle und stieß probeweise mit dem Messer hinein. Als er sah, dass er zerfiel und gar war, legte er ihn neben sie.

»Vorsicht, er ist heiß.« Er zog das andere garende Päckchen heraus.

»Nun, es brach Magda Searus das Herz. Nach dem Krieg mussten sie die Wahrheit aus diesem Lothain herausbekommen, dem Abtrünnigen, der sie verraten hatte. Ein damaliger Zauberer, Merritt, fand einen Weg, wie sich das bewerkstelligen ließe.«

Er starrte einen Moment lang in die Flammen, ehe er fortfuhr. »Zu diesem Zweck schuf er eine Konfessorin.«

Kahlan, die gerade an ihrem Fisch nagte, hielt inne. »Tatsächlich? Daher stammen also die Konfessorinnen?« Auf sein Nicken fragte sie: »Kennst du ihren Namen?«

»Magda Searus. Sie war so untröstlich über den Tod ihres Gemahls, dass sie sich für das Experiment freiwillig zur Verfügung stellte. Die Sache war extrem gefährlich, funktionierte aber. Die Konfessorinnen wurden geschaffen, und sie war die erste. Mit der Zeit verliebte sie sich in diesen Merritt, und die beiden heirateten.«

Ihr Dasein als Konfessorin war der einzige Teil ihrer Vergangenheit, mit dem sich Kahlan irgendwie verbunden fühlte. Jetzt wusste sie, woher diese Frauen rührten - von einer Frau, die ihren geliebten Mann verloren hatte.

Richard schnappte sich einen dicken Holzscheit und wollte ihn gerade in die Flammen werfen, zögerte dann aber und behielt ihn in der Hand, drehte ihn um und starrte darauf. Schließlich legte er ihn wieder fort und warf ein anderes Stück ins Feuer.

»Du solltest jetzt besser etwas schlafen«, sagte er, als sie zu Ende gegessen hatten. »Ich möchte aufbrechen, sobald es hell genug ist, um etwas zu erkennen.«

Kahlan konnte sehen, dass er erschöpfter war als sie, aber auch, dass ihn etwas zutiefst bedrückte, also verzichtete sie darauf zu widersprechen. Nahe genug beim Feuer, um warm zu bleiben, hüllte sie sich in ihre Decke.

Als sie aufblickte, sah sie Richard noch immer vor dem Feuer hocken und auf das Stück Feuerholz starren, das er zuvor zur Seite gelegt hatte. Sie hätte gedacht, dass er sich eher für sein Schwert interessieren würde, jetzt, da er es endlich wiederhatte.

Kahlan erwachte sanft. Es tat gut, nicht noch einmal so aufzuwachen wie am Tag zuvor, als Samuel unmittelbar über ihr gekauert hatte. Sie rieb sich die Augen und gewahrte, dass Richard noch immer am Feuer saß. Er sah fürchterlich aus. Sie konnte sich nicht vorstellen, was ihm angesichts der auf seinen Schultern lastenden Verantwortung, angesichts all der auf ihn angewiesenen Menschen, durch den Kopf gehen musste.

»Ich habe hier etwas, das ich dir schenken möchte«, sagte er mit ruhiger Stimme, die ihr so kurz nach dem Aufwachen begütigend in den Ohren klang.

Kahlan richtete sich auf und räkelte sich einen Moment. Am Himmel war ein erster Hauch von Helligkeit zu sehen, sie würden also sehr bald aufbrechen müssen.

»Du musst es nicht annehmen, wenn aber doch, würde es mir sehr viel bedeuten.«

Schließlich löste er seinen Blick von den Flammen und sah ihr in die Augen. »Ich bin mir bewusst, dass du nicht weißt, was gespielt wird, noch wer du überhaupt bist, und schon gar nicht, was du hier bei mir verloren hast. Mehr als alles auf der Welt wünsche ich mir, ich könnte dir alles erklären. Du hast einen Albtraum hinter dir und hättest es verdient, alles zu erfahren, aber im Augenblick kann ich es dir einfach nicht erklären. Ich bitte dich, mir zu vertrauen.«