Das letzte Mal hatten die Verteidiger der Freiheit nicht den Mut, sie zu einem Häuflein kalter Asche zu vernichten, infolgedessen wurde dieser uralte Krieg durch die Ordensbruderschaft erneut entflammt. Wie damals hat er sich an den gleichen sinnleeren Ideen entzündet, dass jeder des gleichen Glaubens sein oder eben sterben muss.
Richard ist sich absolut bewusst, dass diesmal die Welt vom Gift des Ordens befreit werden muss. Er besitzt den nötigen Mut dafür und wird sich von Euren Schmähungen nicht davon abbringen lassen. Es schert ihn nicht, was andere über ihn denken. Das Einzige, was ihn kümmert, ist, dass sie ihm oder seinen Angehörigen keinen Schaden mehr zufügen können.
Zu diesem Zweck werden alle Hassprediger des Ordens verfolgt und getötet werden.
Zahlenmäßig mag die D’Haranische Armee der Imperialen Ordnung weit unterlegen sein, und doch wird sie Euch die Luft zum Atmen nehmen. Sie wird Ernten und Obstgärten niederbrennen, Mühlen und Ställe zerstören, Dämme und Kanäle brechen. Wer immer sich ihr dabei in den Weg stellt, wird vernichtet werden.
Vor allem aber werden diese Soldaten die nach Norden ziehenden Nachschubtransporte unterbinden. Richard hat nur ein einziges Zieclass="underline"
Euch die Fähigkeit zu nehmen, die Menschen hier zu töten. Im Gegensatz zu Euch hat er nicht die Absicht, ihnen eine Lektion in Willkürherrschaft zu erteilen - vielmehr wird er die Eure beenden.
Es wird zu keiner letzten Schlacht kommen, in der, wie es Euer Plan war, alles entschieden wird. Richard interessiert es nicht, wie Eure Krieger aufgehalten werden, nur dass es geschieht - ein für alle Mal. Ohne Nachschub wird Eure Armee hier draußen in dieser öden Ebene zugrunde gehen und elendig krepieren. Das ist ihm Sieg genug.«
Ein Lächeln ging über Jagangs Gesicht, das Nicci stutzig machte.
»Schätzchen, die Alte Welt ist riesig. Diese Truppen vergeuden ihre Kräfte, wenn sie über Ernten herfallen. Sie können nicht überall sein.«
»Das müssen sie auch nicht.«
Er zuckte die Achseln. »Sie mögen vielleicht in der Lage sein, den einen oder anderen Nachschubtransport anzugreifen, doch das ist schlicht das Opfer, das unser Volk für den Fortschritt unserer Sache bringen muss. Verluste, wie groß auch immer, sind der Preis für das Erreichen eines moralischen Ziels.
Und da ich mir dessen bewusst bin, habe ich längst eine dramatische Ausweitung der Versorgung unserer tapferen Truppen hier im Norden angeordnet. Wir sind imstande, mehr Menschen und Material auf den Weg zu bringen, als Richard jemals aufzuhalten hoffen kann. Der Preis mag gestiegen sein, doch unser Volk ist nur zu bereit, ihn zu bezahlen.«
Niccis Eingeweide schnürten sich zusammen. »Eine gewagte Behauptung.«
»Wenn du mir nicht glaubst, bilde dir doch selbst ein Urteil. Schon in Kürze wird ein weiterer Transport eintreffen, ein Nachschubzug, so lang, dass man zwei volle Tage an einem Punkt ausharren müsste, um ihn in voller Länge vorüberziehen zu sehen. Sei unbesorgt, unsere tapferen Krieger werden über genügend Nachschub verfügen, um diesen Krieg bis zur Entscheidung durchzustehen.«
Nicci schüttelte den Kopf. »Ihr seht nicht das ganze Bild. Solange Ihr die D’Haranischen Truppen nicht stellen und besiegen könnt, ist dieser Krieg für Euch nicht zu gewinnen. Wie überall, gibt es auch in der Alten Welt Menschen, die ein selbstbestimmtes Leben führen wollen, und die sich gegen den Orden kehren werden.
Betrachtet doch nur Altur’Rang. Ich war dort, als die Stadt fiel, die unter der Herrschaft der Imperialen Ordnung ein Ort weitverbreiteten Elends war. Jetzt, nachdem sie diese Fesseln abgeworfen hat, erleben die Menschen dort einen Aufschwung. Andere werden Wind davon bekommen und sich ermutigt fühlen, auch nach einem selbstbestimmten Leben und nach Erfolg zu trachten.«
Diese Worte schienen Jagang zu empören. »Aufschwung. Diese Leute sind nichts als Heiden, die auf dem Boden tanzen, der einst ihr Grab sein wird. Sie werden zermalmt werden. Das ist das Bild, das sich den Menschen einprägen wird: dass der Orden alle jene bestrafen wird, die der Pflicht gegenüber ihren Mitmenschen den Rücken kehren, eine Strafe, derer man sich noch in tausend Jahren erinnern wird.«
»Und die D’Haranischen Streitkräfte, die Wölfe, die man auf Eure Fährte angesetzt hat? Sie werden sich nicht so ohne weiteres ausmerzen lassen. Sie werden auch weiterhin die Macht des Ordens brechen, sich an die Fersen derer heften, die den Krieg in den Norden getragen haben, und so den Orden seines Kerns berauben.«
Jagang grinste. »Oh, Schätzchen, wie irrst du diesbezüglich doch. Du vergisst die Kästchen der Ordnung.«
»Ihr seid nur im Besitz von zweien.«
»Im Augenblick vielleicht, aber ich werde alle drei besitzen. Und wenn es so weit ist, werde ich die Macht der Ordnung entfesseln und unseren Befehlen unterwerfen. Unterliegt die Macht der Ordnung erst meiner Kontrolle, wird der Feuersturm unserer rechtmäßigen Sache jeden Widerstand hinwegfegen. Ich werde sie dazu benutzen, jedem dieser D’Haranischen Soldaten das Fleisch von den Knochen zu sengen und sie alle eines langen, qualvollen Todes krepieren lassen. Ihre Schreie werden unserem Volk, das derzeit unter ihrer Brutalität leidet, wie die Laute süßer Gerechtigkeit in den Ohren klingen.
Ich werde Richards Knochen zu Staub zermalmen. Er ist ein toter Mann, er weiß es nur noch nicht.«
Sein grimmiges Grinsen machte Nicci eine Gänsehaut. »Aber vorher«, setzte er mit sichtlichem Entzücken hinzu, »werde ich ihn lange genug am Leben lassen, damit er alles mitbekommt und lernt, was wahres Leiden ist.«
Er senkte die Stimme zu einem tiefen Knurren. »Zu diesem Zweck habe ich etwas, das Richard überaus teuer ist. Ich werde in der Lage sein, ihm Schmerzen zu bereiten, die er sich nicht einmal ansatzweise vorzustellen vermag, eine Seelenqual, die ihn bis auf den Grund seiner Seele brechen wird, ehe ich seinen irdischen Körper breche.«
Sie ahnte, dass er von Kahlan sprach, wagte aber nicht, ihm zu sagen, was sie darüber wusste. Sie musste ihre gesamte Willensstärke aufbieten, nicht zu ihr hinüberzusehen und sich zu verraten.
»Wir werden obsiegen«, fuhr Jagang fort. »Ich biete dir die Chance, auf meine Seite - und die des Ordens - zurückzukehren. Letztendlich wird dir ohnehin nichts anderes übrigbleiben, als den Willen des Schöpfers zu akzeptieren. Es ist an der Zeit, dass du deine moralische Verantwortung für deine Mitmenschen anerkennst.«
Vom Augenblick, da sie das Feldlager betreten hatte, war ihr klar gewesen, dass sie dem Unvermeidlichen nicht würde entgehen können. Sie würde Richard niemals wiedersehen, nie wieder frei sein. Jagang machte eine abfällige Handbewegung. »Mit deiner kindischen Schwärmerei für diesen Richard Rahl wirst du nichts erreichen.«
Sie wusste, wenn sie sich seiner Autorität nicht fügte, und sein Angebot nicht annahm, würde er alles nur umso quälender für sie machen. Aber noch war dies ihr Leben, und freiwillig würde sie es nicht wegwerfen.
»Wenn Ihr Richard Rahl zu Staub zermalmen wollt«, erwiderte sie so herablassend wie möglich, »wenn er nichts weiter als ein minderes Problem für Euch ist, wieso seid Ihr dann seinetwegen so besorgt?« Sie hob keck eine Braue. »Oder, treffender, warum seid Ihr eifersüchtig auf ihn?«
Während ihm die Zornesröte ins Gesicht schoss, packte Jagang sie bei der Kehle und wuchtete sie mit einem Aufschrei auf das Bett. Sie sog noch einmal scharf den Atem ein, ehe er sich auf sie warf. Dann setzte er sich breitbeinig über sie, beugte sich zur Seite und nahm irgendeinen Gegenstand zur Hand. Wegen seines ungeheuren Gewichts konnte sie sich kaum bewegen.