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»Bitte, dürfte ich mich vielleicht hinsetzen und das Feuer mit dir teilen?«, bat die Frau mit einer Stimme, die Rachel an jedem ihrer Worte hängen ließ.

»Nein.«

»Nein?«

»Nein. Ich kenne dich nicht. Bleib, wo du bist.« Ein verhaltenes Lächeln huschte über das Gesicht der Frau. »Bist du ganz sicher, dass du mich nicht kennst, Rachel?«

Rachel schluckte. Eine Gänsehaut überlief kribbelnd ihre Arme. »Woher kennst du meinen Namen?«

Das Lächeln wurde ein wenig breiter - nicht etwa verschlagen, sondern sanft und freundlich. Auch ihren Augen war eine Sanftmut eigen, als wären sie keiner bösen Absicht fähig. Trotzdem, selbst das bewog Rachel nicht, in ihrer Vorsicht nachzulassen. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine freundlich aussehende Frau sie hinters Licht geführt hätte.

»Möchtest du vielleicht etwas anderes essen, als diesen getrockneten Reiseproviant?«

»Nein, ich komme schon zurecht. Also, ich weiß dein Angebot zu schätzen, sehr nett von dir, aber ich komme zurecht, danke.«

Die Frau bückte sich und nahm etwas vom Boden auf, das hinter ihr gelegen hatte. Als sie sich wieder aufrichtete, sah Rachel, dass es ein Bund kleiner Forellen war.

Sie hielt sie in die Höhe. »Hättest du etwas dagegen, wenn ich sie mir über deinem Feuer brate?«

Rachel hatte Mühe, einen klaren Gedanken zu fassen. Sie musste sich beeilen, unbedingt, das war scheinbar der einzige Gedanke, auf den sie sich konzentrieren konnte.«Schätze, ist schon in Ordnung, wenn du dir deine Fische über dem Feuer brätst.«

Wieder ging ein Lächeln über das Gesicht der Frau, ein Lächeln, bei dem Rachel aus irgendeinem Grund ganz leicht ums Herz wurde.

»Danke. Ich werde dir keine Umstände machen.«

Schnell wie ein Augenzwinkern machte sie kehrt und verschwand in die Nacht hinaus. Rachel hatte keine Ahnung, wohin sie wollte, oder warum. Das Bündel Fische lag noch immer ganz in der Nähe. Während das Feuer zischte und knackte, lauschte Rachel, das Messer mit festem Griff umklammert, hinaus in die Dunkelheit. Vielleicht war die Frau ja doch in Begleitung anderer gekommen.

Als sie zurückkam, brachte sie einen Haufen großer Ahornblätter mit, einige von ihnen bedeckt mit einer dicken Schlammschicht. Wortlos ging sie in die Hocke und machte sich an die Zubereitung der Fische, die sie einzeln mit einem sauberen Blatt umwickelte, dann in einer Reihe im Schlamm auslegte, mit einer Schlammschicht bedeckte und das Ganze schließlich erneut mit Blättern umwickelte. Als der Schlammofen eingerollt und fertig war, legte sie ihn auf die Flammen. Rachel ließ sie die ganze Zeit nicht aus den Augen, es wäre auch nahezu unmöglich gewesen. In Wahrheit konnte sie den Blick nicht von ihr lassen. Irgendetwas an dieser Frau bewirkte, dass Rachel sich geradezu nach körperlicher Nähe sehnte. Doch das erlaubte ihr Gespür für Vorsicht nicht.

Außerdem war sie in Eile.

Die Frau zog sich einige Schritte zurück, offenbar, um Rachel nicht zu verängstigen, dann ließ sie sich nieder, zog die Beine unter den Körper und wartete darauf, dass ihre Fische garten. Die Flammen züngelten in die kalte Nachtluft, und jedes Mal, wenn das Holz knackte, stoben Funken. Von Zeit zu Zeit wärmte sie sich die Hände am Feuer. Es verlangte Rachel einiges ab, nicht ständig an die Fische zu denken. Sie dufteten verführerisch, und es war nicht schwer, sich vorzustellen, wie köstlich sie schmecken würden. Allerdings hatte sie das Angebot dankend abgelehnt.

Rachel fiel ein, dass sie noch immer keine Antwort auf ihre Frage erhalten hatte.

»Woher kennst du meinen Namen?«

Die Frau zuckte mit einer Schulter. »Die Gütigen Seelen müssen ihn mir ins Ohr geflüstert haben.«

Das war so ungefähr das Albernste, was Rachel je gehört hatte, trotzdem konnte sie nicht anders, sie kicherte.

»Tatsächlich«, fuhr die Frau, jetzt ernster, fort, »erinnere ich mich an dich.«

Sofort war die Gänsehaut wieder da. »Vom Schloss in Tamarang?« Die Frau machte eine kreisende Bewegung mit dem Finger. »Nein. Von davor.«

Rachel runzelte die Stirn. »Aus dem Waisenhaus?«

Die Frau machte ein kleines bestätigendes Geräusch. Sie schien plötzlich sehr traurig.

Zusammen beobachteten sie die zuckenden, tanzenden Flammen, deren Schein auf die Felswand und den kleinen Unterschlupf aus Föhrenzweigen fiel. In der Ferne stimmten Kojoten ihr langgezogenes, einsames Geheul an. Wann immer es zu hören war, war Rachel froh über das Feuer. Ohne es hätte sie eine leichte Beute für Wölfe und Ähnliches abgegeben.

Ganz in der Nähe zirpten und summten Käfer, Motten wirbelten in Kreisbahnen durch das Licht. Tanzende Funken stiegen in den Nachthimmel, so als hätten sie es eilig, sich zu den Sternen zu gesellen. Rachel wurde schläfrig.

»Ich wette, die Fische sind gar«, sagte die Frau mit ihrer fröhlichen Stimme.

Sie rutschte nach vorn und rollte den kleinen Schlammofen mithilfe eines Stöckchens aus dem Feuer. Dann breitete sie die geöffneten Blätter auf dem Boden aus, so dass zu guter Letzt die Fische drinnen zum Vorschein kamen. Sie waren dampfend heiß und zerfielen fast.

Die Fremde brach ein Stück ab und kostete, stöhnte dann vor Entzücken über den köstlichen Geschmack. Dann legte sie den Rest der kleinen Forelle auf ein Blatt und hielt ihn Rachel hin. Diese starrte auf die Hand. Immerhin hatte sie behauptet, nichts von ihren Fischen zu wollen.

»Danke, aber ich habe meine eigenen Vorräte. Du solltest deinen Fisch selber essen.«

»Unsinn, es sind mehr als genug da. Bitte, möchtest du mir nicht beim Essen Gesellschaft leisten? Nur ein kleines Stück? Schließlich durfte ich auch dein Feuer benutzen, das dich einiges an Mühe gekostet hat. Es ist das Mindeste, was ich tun kann.«

Rachel starrte auf den köstlich aussehenden Fisch auf dem Blatt in der Hand der Frau.

»Also, wenn es dir nichts ausmacht, nehme ich mir einen.«

Die Frau lächelte, und augenblicklich schien die Welt ein besserer Ort. Rachel fand, dass es das Lächeln einer Mutter war, erfüllt von der einfachen Freude über das Wunder des Lebens.

Sie versuchte den Fisch nicht hastig hinunterzuschlingen, wobei ihr zur Hilfe kam, dass er dampfend heiß war, das und die spitzen, kleinen Gräten. Es war so ein gutes Gefühl, endlich wieder etwas Warmes in den Magen zu bekommen, dass ihr vor Freude beinahe die Tränen gekommen wären. Kaum hatte sie den Fisch verspeist, reichte ihr die Frau den nächsten. Rachel nahm ihn ohne Zögern an. Sie musste dringend etwas essen und redete sich ein, stark sein zu müssen, damit sie zügig weiterreiten konnte. Der zarte Fisch legte sich wärmend über das bohrende Hungergefühl tief in ihrer Magengrube und löste es auf. Rachel verspeiste noch vier weitere Fische, ehe sie gesättigt war.

»Treib dein Pferd morgen nicht zu forsch an«, riet ihr die Frau. »Sonst wird es sterben.«

Rachel machte ein erstauntes Gesicht. »Woher willst du das wissen?«

»Ich habe mich mit deinem Pferd bekannt gemacht, als ich durch dein Lager kam. Es ist in einem beklagenswerten Zustand.«

Rachel fühlte sich schuldig wegen des Tieres, aber sie hatte es doch so eilig. Sie durfte sich auf keinen Fall aufhalten lassen und musste so schnell wie nur irgend möglich reiten.

»Wenn ich langsamer reite, werden sie mich erwischen.«

Die Frau neigte den Kopf zur Seite. »Wer wird dich erwischen?«

»Die gespenstischen Kobolde.«

»Aha. Verstehe.«

»Sie sind hinter mir her. Ich brauche es nur ein bisschen langsamer angehen zu lassen, und schon holen sie auf.« Tränen stachen Rachel in den Augen. »Ich möchte nicht, dass diese gespenstischen Kobolde mich erwischen.«

Plötzlich war die Frau ganz dicht neben ihr und legte beschützend einen Arm um sie. Das Gefühl war so unglaublich angenehm, dass Rachel in der tröstlichen Geborgenheit des Armes zu weinen anfing. Dabei war sie doch so sehr in Eile und hatte solche Angst.

»Wenn du das Pferd zu Tode hetzt«, fuhr die Frau mit ihrer sanften, freundlichen Stimme fort, »werden dich die gespenstischen Kobolde doch wohl ganz sicher erwischen, oder was meinst du? Geh es einfach ein bisschen langsamer an. Du hast Zeit genug.«