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Schwester Armina ließ ein unglückliches Seufzen vernehmen. »Damit hätten wir einen weiteren Hinweis, der uns aber leider nichts Brauchbares verrät.«

Schwester Ulicia warf der anderen Frau einen Seitenblick zu. Seine Exzellenz hat eine Art, mit Dingen aufzuwarten, die ich ihm iemals zugetraut hätte. Vielleicht findet er ja auch noch die anderen .bschriften, dann hätten wir endlich etwas, anhand dessen wir eine eindeutige Aussage treffen könnten.«

Unvermittelt wurde der Vorhang vor der Türöffnung zur Seite geschlagen, und Jagang stieß Nicci durch die Öffnung. Sie stolperte und landete vor Kahlans Füßen. Dort blickte sie kurz auf, tat aber, als sehe sie Kahlan nicht - ein Täuschungsmanöver, das sie seit ihrer Gefangennahme durch Jagang unverändert beibehalten hatte.

Kahlan konnte die Wut in ihren Augen sehen, die Wut und auch die Schmerzen. Und die verzweifelte Hoffnungslosigkeit. Am liebsten hätte sie sie in die Arme genommen und getröstet, ihr gesagt, alles werde wieder gut, aber das stand völlig außer Frage. Außerdem wäre es eine glatte Lüge gewesen.

»Was habt ihr herausgefunden?« Jagang trat hinter die beiden Schwestern.

Schwester Ulicia tippte auf eines der Bücher. Er beugte sich über ihre Schulter und blickte auf die angezeigte Stelle.

»Genau hier, Exzellenz. An dieser Stelle unterschieden sich alle drei.«

»Und welches ist das echte?«

Die beiden Schwestern wichen ein kleines Stück zurück.

»Um das zu beurteilen«, sagte Schwester Ulicia mit zögerlicher Stimme, »ist es noch zu früh.«

»Um es mit Sicherheit sagen zu können, brauchten wir die beiden anderen Abschriften«, platzte Schwester Armina heraus. Einen Moment lang maß er sie mit seinem Blick, ehe er, ganz gegen seine Art, nur ein teilnahmsloses Grunzen hören ließ. Er blickte hinter sich, um zu sehen, ob Kahlan noch immer, seiner Anordnung entsprechend, in dem Sessel saß. Dabei sah er auch Julian auf dem Fußboden, sowie die Gardisten, die sie alle bewachten.

»Geht weiter die Bücher durch«, befahl er den beiden Schwestern. »Ich gehe jetzt zum Ja’La. Und haltet ein Auge auf das Mädchen.«

Er stieß Nicci vor sich her nach draußen und gab Kahlan mit einem Fingerschnippen zu verstehen, dass er erwarte, dass sie ebenfalls mitkam und dabei in seiner Nähe blieb. Kahlan schnappte sich ihren Umhang und folgte ihm nach draußen, froh, dass zumindest Julian nicht in die Nähe der Soldatenmeute oder Jagangs musste. Natürlich konnte er sie über die Schwestern kontrollieren und sie nach Gutdünken quälen, wann immer es ihm beliebte.

Nachdem sie sich den Umhang um die Schultern geworfen hatte, gab Kahlan der Kleinen per Handzeichen zu verstehen, sich ja nicht von der Stelle zu rühren. Jillian starrte sie mit ihren kupferfarbenen Augen an und antwortete mit einem Nicken. Sie hatte Angst, allein gelassen zu werden, wofür Kahlan durchaus Verständnis hatte, nur konnte sie Julians Sicherheit nicht einmal dann gewährleisten, wenn sie bei ihr war. Draußen vor dem Zelt nahmen mehrere Hundert Soldaten hastig in Reih und Glied Aufstellung, bereit, den Kaiser zu begleiten - hünenhafte Burschen, die in ihren Kettenpanzern und mit blinkenden Waffen einen überaus einschüchternden Anblick boten. Ein halbes Dutzend von Kahlans Sonderbewachern, die etwas weniger einschüchternd, aber nicht minder brutal aussahen, nahmen sie in ihre Mitte. Mit seiner fleischigen Hand packte Jagang Niccis schlanken Arm und steuerte sie durch die Lücken, die sich in den einander überlappenden Soldatenreihen auftaten. Die meisten von ihnen ließen es sich nicht nehmen, sie ausgiebig anzustarren. Auch wenn sie Jagangs Frau sein mochte, auf diesen Blick wollten sie nicht verzichten. Allerdings waren sie sorgfältig darauf bedacht, dass der Kaiser ihr lüsternes Stieren nicht mitbekam. Angesichts dieser Blicke war Kahlan froh, dass die meisten dieser Männer sie nicht wahrnehmen konnten.

Trotz des bedeckten Himmels schienen die Wolken nicht schwer genug, um Regen zu verheißen. Der blieb schon seit einer ganzen Weile aus, so dass sich der Boden in eine staubige Kruste verwandelt hatte. In dem kontrastarmen, grauen Licht wirkte das Feldlager noch düsterer und schmuddeliger. Rauch von den Kochfeuern hing in der Luft und überdeckte zumindest ein wenig den Gestank.

Auf ihrem Marsch durch die endlosen Trauben aus Soldaten und Gerät erkundigte sich Jagang bei einem seiner vertrauteren Leibwächter nach den Ja’La-Spielen, worauf dieser ihn über die verschiedenen Partien unterrichtete, die seit der letzten Meldung ausgetragen worden waren, und ihm, auf seine Anfrage, einen Überblick über alle Mannschaften gab.

»Und die Mannschaft Kargs? Haben seine Spieler sich gut geschlagen?«

Der Leibwächter nickte. »Bislang sind sie noch unbesiegt. Allerdings aben sie gestern nicht ganz so deutlich gewonnen wie bisher.«

Jagangs stählernes Lächeln war kalt wie der Himmel. »Ich hoffe, sie gewinnen auch heute. Ich wünsche mir sehr, dass meine Mannschaft die Gelegenheit erhält, diese Truppe zu vernichten.«

Der Leibgardist wies nach links hinüber. »Heute spielen sie dort drüben. Es ist ihr letztes Spiel. Nach dem Verlauf der bisherigen Partien werden sie sich nach einem Sieg heute an die Spitze aller Mannschaften setzen. Damit würde sich Euer Wünsch erfüllen, Exzellenz. Wenn nicht, wird man Ausscheidungsspiele ansetzen müssen. Aber wenn sie die Partie heute gewinnen, wird Eure Mannschaft gegen sie antreten.«

Während sie weitergingen und Jagang sich mit seinem Leibwächter unterhielt, warf Nicci einen kurzen Blick über ihre Schulter zu Kahlan. Kahlan wusste, dass Nicci an den Mann dachte, von dem sie ihr erzählt hatte, und spürte ein Flattern angespannter Erregung. Als sie sich einen Weg durch das Gewirr des Lagers in die von dem Leibwächter angegebene Richtung bahnten, sich, je näher sie dem Spielfeld kamen, durch immer dichtere Gruppen von Soldaten zwängten, konnte Kahlan Soldaten in der Ferne jubeln und ihre Lieblingsmannschaft anfeuern hören. Selbst hier, weit abseits, ohne Chance, das Geschehen unmittelbar zu verfolgen, lauerten Soldaten ungeduldig auf Nachrichten über den jüngsten Spielstand, die man ihnen bis hierher übermitteln würde.

Die Zuschauer waren weitaus zahlreicher als bei den früheren Partien. Offenbar handelte es sich um ein wichtiges Spiel, denn die Erregung der Menge war unverkennbar. Als sich plötzlich ein ohrenbetäubendes Tosen erhob, wusste sie, dass eine der Mannschaften einen Treffer erzielt hatte. Männer drängten näher heran, schubsten sich gegenseitig aus dem Weg, voller Ungeduld zu erfahren, welche Mannschaft gepunktet hatte. Auf die schroffen Kommandos oder einen Stoß der Gardisten hin, blickten die dicht gedrängt stehenden Soldaten über ihre Schulter, ehe sie widerstrebend Platz machten, um die kaiserliche Gesellschaft durchzulassen. Da jetzt eine keilförmige Vorhut aus hochgewach senen Gardisten einen Weg freiräumte, gelangten sie schließlich zu einem für den Kaiser mit Tauen abgesperrten Bereich unmittelbar am Spielfeldrand. Einige Gardesoldaten waren vorausgegangen und hatten bereits auf drei Seiten einen Schutzwall gebildet, um die Männer zurückzuhalten.

Durch die Wand aus Zuschauern konnte Kahlan immer wieder flüchtige Blicke auf die über das Spielfeld rennenden Spieler erhaschen. Das Geschrei und die Rufe der Menge machten es fast unmöglich, seine eigenen Gedanken zu verstehen. Immer wieder sah sie kurz etwas Rotes aufblitzen. Wegen des Geschiebes der Soldaten, der Wand aus kaiserlichen Leibwächtern, ganz zu schweigen von dem bulligen Kaiser selbst, der, flankiert von seiner hünenhaften Leibgarde, genau vor ihr stand, war es schwer, mehr als nur flüchtige Ausschnitte des Geschehens auf dem Spielfeld mitzubekommen.

Erneut erhob sich ein wilder Aufschrei, als eine der Mannschaften punktete. Das Gebrüll ließ den Boden unter ihren Füßen erzittern. Dann erblickte sie durch die winzigen Lücken zwischen den Leibwächtern etwas, das diese Partie von allen anderen unterschied. Rings um den Spielfeldrand hatten noch vor den Zuschauern Männer mit hinter dem Rücken verschränkten Händen in gleichmäßigen Abständen Posten bezogen, allesamt mit nacktem Oberkörper, offenbar, um ihren kräftigen Körperbau zur Schau zu stellen.