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Selten hatte Kahlan Männer wie diese zu Gesicht bekommen. Jeder einzelne war riesengroß. Sie wirkten wie Statuen, wie aus ein und demselben Erz gegossen, aus demselben Klumpen weiß glühenden Stahls.

Als Jagang allen voran an den Spielfeldrand trat, um zu sehen, was sich tat, beugte sich Nicci, die bemerkt hatte, dass Kahlan die grimmig dreinblickenden Männer anstarrte, ein wenig vor und sagte mit leiser Stimme: »Die Mannschaft Jagangs.«

Jetzt begriff Kahlan, weshalb sie dort standen. Der Gewinner dieser Partie würde gegen die kaiserliche Mannschaft antreten. Diese Hünen waren nicht nur hier, um sich die Taktik der Mannschaft, mit der sie es zu tun bekommen würden, anzuschauen, sie waren hier, um die Spieler einzuschüchtern, Männer, die die Chance erhalten würden, gegen sie zu spielen. Es war die unverhohlene Androhung bevorstehender Gewalt. Kommandant Karg erblickte den soeben eingetroffenen Kaiser und zwängte sich durch die Wand aus Leibwächtern hindurch. Mittlerweile erkannte ihn Kahlan an seinen einzigartigen Schlangenschuppentätowierungen. Er und Jagang tauschten ein paar Höflichkeiten aus, während Anfeuerungsrufe für die nächste Angriffsphase laut wurden.

»Eure Mannschaft scheint sich ganz tapfer zu schlagen«, bemerkte Jagang, als sich das Gegröle ein wenig legte.

Kommandant Karg sah kurz über seine Schulter zu Nicci. Es war, als betrachtete eine Schlange ihr Opfer. Ihr wütender Blick hatte ihn bereits gefunden. Mit kennerhaftem Gehabe maß er sie von Kopf bis Fuß, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder Jagang zuwandte.

»Nun, Exzellenz, bei allen Qualitäten meiner Mannschaft bin ich mir durchaus bewusst, dass die Eure nicht nur hervorragend spielt, sondern bislang unbesiegt ist. Sie ist natürlich die beste.«

Am kahlrasierten Hinterkopf und Stiernacken Jagangs bildeten sich Falten, als er nickte. »Eure ist auch nicht schlecht, allerdings musste sie sich noch nicht gegen einen hochkarätigen Gegner behaupten. Es wird für meine Männer ein Leichtes sein, sie zu schlagen. Daran habe ich nicht den geringsten Zweifel.«

Kommandant Karg verschränkte die Arme und verfolgte eine Weile das Spielgeschehen. Die Menge kreischte vor Erregung, als eine Gruppe von Spielern vorüberrannte, nur um enttäuscht aufzuheulen, als es ihr offenbar nicht gelang, den angestrebten Treffer zu erzielen. Karg wandte sich erneut dem Kaiser zu.

»Gewinnen sie aber doch gegen Eure Mannschaf-«

»Falls sie es tun«, fiel Jagang ihm ins Wort.

Lächelnd senkte Karg den Kopf. »Falls sie es tun, wäre das für einen bescheidenen Herausforderer wie mich ein beachtlicher Erfolg.«

Jagang betrachtete seinen Kommandanten mit gut gelauntem Argwohn.

»Ein beachtlicher Erfolg, der eine ebensolche Belohnung verdient hätte?«

Karg wies auf die Spieler auf dem Feld. »Nun, Exzellenz, sollte meine Mannschaft gewinnen, bekäme jeder von ihnen eine Belohnung - eine Frau seiner Wahl.« Er verschränkte die Hände hinter dem Rücken und zuckte die Achseln. »Da scheint es nur gerecht, wenn ich, als derjenige, der sie alle handverlesen und zu einer solch starken Mannschaft geformt hat, eine ähnliche Belohnung erhielte.«

Jagangs tiefes, amüsiertes Lachen war so von Lüsternheit erfüllt, dass Kahlan ein eiskalter Schauder überlief.

»Vermutlich habt Ihr recht. Nennt sie mir, und Ihr werdet sie im Falle eines Sieges bekommen.«

Karg wippte einen Moment lang auf seinen Fersen, als müsste er über seine Wahl nachdenken.

»Falls meine Mannschaft gewinnt, Exzellenz« - er warf ein verschlagenes Lächeln über seine Schulter - »hätte ich gern Schwester Nicci für mein Bett.«

Niccis kalter Blick hätte Stahl zu schneiden vermocht. Jagangs Amüsiertheit erlosch, als er über seine Schulter zu eben-jener Frau hinüberschaute, der jüngst seine ungeteilte Aufmerksamkeit gegolten hatte.

»Nicci steht nicht zur Verfügung.«

Nickend wandte sich der Kommandant wieder dem Spielgeschehen zu. Nachdem sich der Jubel für den nächsten Spielabschnitt gelegt hatte, bedachte er Jagang mit einem Seitenblick.

»Da Ihr Euch Eures Sieges so gewiss seid, Exzellenz, wäre es tatsächlich nur das mehr oder weniger bedeutungslose Versprechen einer Belohnung, eine im Grunde müßige Wette. Angesichts Eurer Siegesgewissheit werde ich sehr wahrscheinlich gar nicht in ihren Genuss kommen.«

»Dann ist eine solche Wette sinnlos.«

Karg wies auf das Ja’La-Feld. »Ihr seid Euch des Sieges Eurer Mannschaft gewiss, habe ich recht, Exzellenz? Oder zweifelt Ihr?«

»Also schön, Karg«, gab sich Jagang schließlich geschlagen. »Wenn Ihr gewinnt, gehört sie für eine Weile Euch. Aber nur für eine Weile.«

Kommandant Karg verneigte abermals sein Haupt. »Natürlich, Exzellenz. Aber wie wir alle wissen, müsst Ihr eine Niederlage Eurer Mannschaft nicht wirklich fürchten.«

»Nein, das muss ich nicht.« Er richtete seine tiefschwarzen Augen auf Nicci. »Du hast doch nichts gegen meine kleine Wette, Schätzchen, oder?« Sein Grinsen kehrte zurück. »Schließlich ist sie rein hypothetischer Natur, da meine Mannschaft nicht verlieren wird.«

Nicci hob eine Braue. »Wie ich Euch schon bei meiner Ankunft sagte, was ich will, zählt ja wohl nicht wirklich, oder?«

Das Lächeln noch immer auf den Lippen, betrachtete er sie einen Moment. Es sah aus, als könne er seine Mordlust angesichts ihrer öffentlichen Unbotmäßigkeit nur mühsam überspielen.

Als das Spiel auf dem Platz an Verbissenheit zunahm, begann die Menge ringsum vorwärtszudrängen, um bessere Sicht zu haben. Jagangs Leibwächter reagierten, indem sie die Männer zurückdrängten, um dem Kaiser mehr Raum zu geben und so sicherzustellen, dass sie ihn auch tatsächlich beschützen konnten. Angesichts des humorlosen Vorgehens der Leibwächter zog sich die Menge widerstrebend zurück. Als Jagang und Kommandant Karg vom Geschehen auf dem Feld in Anspruch genommen waren, sah Kahlan sich nach ihren Sonderbewachern um und stellte fest, dass das Spiel auch sie in seinen Bann gezogen hatte. Zoll für Zoll rückten sie vor und reckten die Hälse, um besser sehen zu können. Kahlan schob sich ein Stück näher an Nicci heran. Als die kaiserliche Leibgarde die Menge schließlich unter Aufbietung ihrer vereinten Körperkraft zurückschob, verschaffte dies Kahlan und Nicci einen günstigeren Blickwinkel, der ihnen einen besseren Blick auf Feld und Spieler ermöglichte.

»Die rot bemalte Mannschaft wird von dem Mann angeführt, von dem ich Euch erzählt habe«, tuschelte Kahlan. »Ich glaube, er hat sich und seine Männer angemalt, um unerkannt zu bleiben.«

Dann rannten einige Spieler unmittelbar vor ihr vorüber, und zum ersten Mal konnte sie die wilden Zeichnungen in den Gesichtern der Männer deutlich erkennen.

Als Nicci ihren Blick erwiderte, wirkte sie bestürzt. »Bei den Gütigen Seelen ...«

Sie trat einen Schritt vor, um besser sehen zu können. Besorgt wegen Niccis abrupten Stimmungswechsels und ihrer offenkundigen Bestürzung, folgte Kahlan ihr.

In diesem Moment erblickte sie den Mann, den alle Rüben nannten. Er kam, den Broc fest vor die Brust geklemmt, während er den ihm entgegenstürzenden Gegenspielern auswich, von der linken Spielfeldseite angerannt.

Kahlan beugte sich näher zu Nicci und lenkte deren Aufmerksamkeit mit einer Handbewegung nach links hinüber auf ihn.

»Das ist er.«

Nicci beugte sich ein wenig in die angegebene Richtung vor. Als sie ihn erblickte, wich alles Blut aus ihrem Gesicht. Noch nie hatte Kahlan jemanden so schnell erbleichen sehen. »Richard ...«

Im selben Moment, da sie den Namen hörte, wusste sie, dass er stimmte, er passte einfach. Sie wusste nicht, weshalb, aber der Name passte. Sie hatte nicht den geringsten Zweifel, dass Nicci recht hatte. Sein Name war nicht Rüben, sondern Richard. Ein seltsames Gefühl der Erleichterung überkam sie, einfach nur, weil sie seinen Namen kannte, seinen richtigen Namen.

Aus Angst, Nicci könnte in Ohnmacht fallen, legte Kahlan ihr stützend eine Hand ins Kreuz. Sie konnte fühlen, dass sie am ganzen Körper zitterte.