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»Schon.« Sie verschränkte die Arme. »Mitunter gescheiter, als ihm guttut.«

Der letzte Teil ließ Adie schmunzeln. »Und weil das so ist, befolgt Ihr stets seine Befehle?«

Cara entfuhr ein kurzes spöttisches Schnauben. »Natürlich nicht.«

In gespieltem Staunen hob Adie die Brauen. »Nein? Warum nicht? Er ist Euer Anführer, und eben sagtet Ihr, er sei ein gescheiter Mann.«

»Gescheit, ja. Aber nicht immer sieht er die Gefahren, die rings um ihn lauern.« »Aber Ihr schon?«

Cara nickte. »Ich erkenne auch Gefahren, für die er keinen Blick hat.«

»Aha. Ihr erkennt also Gefahren, die seinen sehenden Augen entgehen?«

Cara schmunzelte. »Manchmal ist Lord Rahl blind wie eine Fledermaus.«

»Aber die können ebenfalls im Dunkeln sehen, nicht wahr?«

Cara stieß einen unglücklichen Seufzer aus. »Vermutlich. Aber Lord Rahl braucht mich, um die Gefahren zu erkennen, die er selbst nicht sehen kann.«

Adie tippte ihr mit einem langen dürren Finger gegen die Schläfe.

»Hiermit seht Ihr die Dinge, die ihm gefährlich werden können, richtig? Und die sonst niemand sieht. Mitunter vermag ich dank meiner fehlenden Augen auch mehr zu sehen.«

Cara runzelte die Stirn. »Das ist ja alles gut und schön, aber wie glaubt Ihr denn nun, Euch an der Armee der Imperialen Ordnung vorbeischleichen zu können? Ihr könnt doch nicht allen Ernstes vorhaben, einfach durch das Lager zu spazieren?«

»Genau das werde ich tun.« Adie zeigte mit dem Finger Richtung Decke.

»Heute ist es bewölkt, es wird eine dunkle Nacht werden. Wegen der dichten Wolkendecke wird es nach Sonnenuntergang, ehe der Mond aufgeht, dort draußen pechschwarz sein. In einer solchen Nacht sind die Sehenden blind, ich dagegen kann bei dieser Dunkelheit auf eine Weise sehen, die ihnen verwehrt ist. Ich kann mich ungesehen unter sie wagen, und wenn ich für mich bleibe und mich von den Wachen und Wachsamen fernhalte, werde ich nicht mehr sein als ein Schatten unter vielen. Niemand dort wird mich beachten.«

»Es gibt Lagerfeuer dort«, gab Berdine zu bedenken.

»Die Feuer werden ihre Augen blind machen gegen das, was sich im Dunkeln verbirgt. Brennt ein Feuer, betrachtet man gewöhnlich das, was von ihm beschienen wird, nicht, was sich im Dunkeln befindet.«

»Und wenn Euch zufällig doch ein paar Soldaten sehen oder auch nur hören, was dann?«, wollte Cara wissen.

Ein dünnes Lächeln auf den Lippen, beugte Adie sich zu der Mord-Sith.

»Niemand möchte im Dunkeln einer Hexenmeisterin begegnen, Kind.«

Die Antwort schien Cara so zu verunsichern, dass sie nicht widersprach.

»Ich weiß nicht, Adie«, meinte Verna. »Ich wüsste Euch wirklich lieber hier, in Sicherheit.«

»Lasst sie gehen«, sagte Cara.

Als alle sie überrascht ansahen, setzte sie hinzu: »Angenommen, sie hat recht, und Lord Rahl begibt sich tatsächlich zur Burg der Zauberer. Dann muss er wissen, was sich inzwischen zugetragen hat, und dass er die Burg auf keinen Fall betreten darf, da er sonst durch die von Zedd eingerichteten Fallen getötet werden könnte.

Angenommen, er benötigt ihre Hilfe? Wenn sie das glaubt, sollte sie auch für ihn da sein. Ich jedenfalls möchte nicht, dass mich jemand daran hindert, ihm zu helfen.«

»Außerdem«, sagte Berdine und wechselte einen traurigen Blick mit der alten Hexenmeisterin, »ist dieser Ort alles andere als sicher. Wahrscheinlich ist sie dort sicherer als jeder von uns hier, sobald die Armee dort unten erst mit dem Angriff auf den Palast begonnen hat. Das wird ein langer, blutiger Albtraum.«

Lächelnd strich Adie ihr über die Wange. »Die Gütigen Seelen werden über Euch wachen, Kind - über Euch und alle anderen hier.«

Verna hätte es nur zu gerne geglaubt.

Denn worin sonst, fragte sie sich, bestand ihre Aufgabe als Prälatin der Schwestern des Lichts?

32

Beim Ausbessern der roten Kriegsbemalung versuchte Richard sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr seine Verletzungen tatsächlich schmerzten. Er wollte nicht, dass irgendetwas sie von der bevorstehenden Aufgabe ablenkte.

Sein Knöchel pochte, seine Schulter war empfindlich, und wegen der Schläge gegen seinen Kopf taten ihm die Nackenmuskeln weh. Außerdem hatte er nach der kurzen, aber heftigen Prügelei kaum ein Auge zugemacht. Soweit er es beurteilen konnte, war aber nichts gebrochen. Er schob die Schmerzen und seine Müdigkeit gedanklich beiseite. All das zählte nicht, denn er hatte eine Aufgabe zu erledigen. Das allein zählte, das und der Erfolg.

Im Falle eines Scheiterns hätte er alle Ewigkeit Zeit, sich auszuschlafen.

»Heute kriegen wir unsere Chance, berühmt zu werden«, meinte Johnrock.

Richard hielt das Kinn des Mannes mit der Hand fest und drehte seinen Kopf ein Stück zur Seite, um im schwindenden Licht besser sehen zu können, sagte aber nichts. Er beugte sich zur Seite, stippte seinen Finger in den Eimer mit roter Farbe und fügte über dem bereits vorhandenen Symbol für Stärke eines für Wachsamkeit hinzu. Nur zu gern hätte er eines für gesunden Menschenverstand gekannt, um es auf Johnrocks Schädel zu malen.

»Meinst du nicht auch, Rüben?«, hakte Johnrock nach. »Meinst du nicht, dass wir heute unsere Chance erhalten werden, berühmt zu werden?«

Die anderen warteten schweigend, was Richard darauf erwidern würde.

»Das weißt du besser, Johnrock. Schlag dir diesen Unsinn aus dem Kopf.« Er unterbrach sein Werk und wies mit dem mit frischer roter Farbe bedeckten Finger auf die Umstehenden, die ihn beobachteten.

»Ihr alle wisst das besser, solltet ihr jedenfalls. Schlagt euch alle Gedanken an Ruhm aus dem Kopf. Die Spieler aus der Mannschaft des Kaisers denken auch nicht daran - sie kennen nur einen einzigen Gedanken: euch umzubringen. Begreift ihr, was das heißt? Sie wollen euch töten.

Dies ist der Tag, an dem wir um unser Überleben kämpfen müssen. Das nackte Überleben ist mir Ruhm genug. Und diesen Ruhm wünsche ich mir für euch alle. Ich will, dass ihr überlebt.«

Johnrock verzog ungläubig das Gesicht. »Du musst es ihnen doch heimzahlen wollen, nachdem diese Kerle gestern Abend versucht haben, dir den Schädel einzuschlagen.«

Alle hatten von dem nächtlichen Überfall gehört, Johnrock hatte ihnen haarklein davon berichtet - wie ihre Angriffsspitze ganz auf sich gestellt fünf dieser Hünen in die Flucht geschlagen hatte. Richard hatte dem nicht widersprochen, sich aber auch nicht anmerken lassen, welche Qualen er litt. Er wollte, dass sie sich um ihren eigenen Hals sorgten, nicht sich fragten, ob er imstande war, seinen Mann zu stehen.

»Natürlich will ich gewinnen«, erklärte Richard, »aber nicht um des Ruhmes willen, oder um irgendeine Rechnung zu begleichen. Ich bin Gefangener. Man hat mich hierher verschleppt, damit ich spiele. Gewinnen wir, werde ich überleben - so einfach ist das. Immer wieder kommen Ja’La-Spieler - ob Gefangene oder Soldaten - während der Partien ums Leben. In diesem Sinne sind wir alle gleich. Der einzige Ruhm, den man mit einem Sieg in diesen Spielen erlangen kann, ist das Überleben.«

Einige der anderen Gefangenen nickten verständig.

»Bereitet es dir nicht ein bisschen Kopfzerbrechen, die Mannschaft das Kaisers zu schlagen?«, wollte Bruce, sein linker Flügelstürmer, wissen.

»Möglicherweise wäre das gar nicht so klug, immerhin steht sie für die Macht der Imperialen Ordnung und den Kaiser. Ein Sieg könnte uns als Hochmut, als Arroganz oder sogar Ketzerei ausgelegt werden.«

Aller Augen richteten sich auf Richard.

Der hielt dem Blick des Mannes stand. »Ich dachte, nach den Lehren des Ordens sind alle Menschen gleich.«

Einen Moment starrte Bruce zurück, bis schließlich ein Lächeln über seine Züge ging. »Da hast du allerdings recht. Die sind einfach nur Männer, genau wie wir. Schätze, dann sollten wir gewinnen.«

»Das denke ich auch«, meinte Richard.

Darauf stießen die Männer wie aus einem Munde ein zustimmendes Geheul aus, einen kurzen, tiefen Laut zur Unterstreichung ihres Mannschaftsgeists. Es war nur eine Kleinigkeit, und doch schmiedete er die Männer zusammen und gab ihnen das Gefühl, dass sie, bei aller Unterschiedlichkeit, ein gemeinsames Ziel hatten.