Выбрать главу

Wenn er sich nicht zusammenriss, würde er Kahlan kaum helfen können. Seine Spieler waren außer Atem, die meisten mussten sich mit den Händen auf den Knien abstützen. Sie wirkten verzweifelt.

»Also schön«, sagte er, als er bei ihnen eintraf. »Wir haben ihnen ihren Augenblick des Ruhms gegönnt. Jetzt lasst uns sie fertigmachen.«

Das trug ihm ringsumher ein Schmunzeln ein. Seine Worte munterten die Männer sichtlich auf.

Als er den Broc vom Schiedsrichter auffing, sah er jedem seiner Spieler in die Augen. »Jetzt zeigen wir ihnen, mit wem sie es zu tun haben. Wir spielen eins-drei und dann den umgekehrten Zug.« Er zeigte ihnen kurz erst einen, dann drei Finger, für den Fall, dass sie ihn in dem Getöse nicht hören konnten. »Los.«

Wie ein Mann stürmten die Männer los und bildeten sofort um Richard eine dichte Traube - ohne einen einziger Blocker vorne, ohne Flügelstürmer an den Seiten. Stattdessen bildeten sie eine so eng geschlossene Formation wie nur möglich, ohne sich in ihrem vollen Lauf beeinträchtigen zu lassen.

Die Taktik schien der anderen Mannschaft entgegenzukommen. Das war ihr Spiel - brutale Gewalt. Unter dem tosenden Jubel ihrer Anhänger hielten sie genau auf die Traube aus Richards Spielern zu. Die behielten sie genau im Blick und warteten ab, bis sie das vereinbarte Quadrat erreicht hatten. Augenblicke vor dem Zusammenprall sprengte Richards Mannschaft wie auf Kommando in alle Himmelsrichtungen auseinander.

Der Zug erfolgte so überraschend, dass die anderen Spieler kurz ins Stocken gerieten und sich, unschlüssig, wie sie reagieren sollten, erst hierhin, dann dorthin wandten. Die Spieler aus Richards Mannschaft schlugen alle einen wirren Zick-Zack-Kurs ein, der scheinbar jeden Sinn und Zweck vermissen ließ. Jagangs Mannschaft wusste nicht, wen sie packen oder verfolgen sollte, oder worauf das Ganze abzielte. Im Nu war der massive, zielgerichtete Vorstoß wie ein irr-lichternder Glühwürmchenschwarm auseinandergestoben.

Die Menge johlte vor Vergnügen.

Richard eilte genauso scheinbar wirr umher wie seine Mitspieler, nur dass er der Mann mit dem Broc war. Als den Gegnern dieser Umstand endlich dämmerte, hatte er die meisten von ihnen bereits umlaufen und war bis tief in die gegnerische Hälfte vorgedrungen. Dann setzten sich zwei Blocker auf seine Fährte, und er rannte, als ginge es um sein Leben. Endlich erreichte er die Wurfzone und wuchtete den Broc. Er hatte seine Finger kaum verlassen, da wurde er von hinten angefallen, doch der Wurf war dadurch nicht mehr aufzuhalten. In hohem Bogen senkte sich der Broc ins Netz. Einen Gegenspieler über sich, schlug Richard auf den Boden. Zum Glück hatte der sich in vollem Lauf befunden, so dass sein Schwung ihn über Richards Rücken hinweggleiten ließ. Richard rappelte sich auf und trabte unter dem wilden Jubel der Menge zurück in seine Spielfeldhälfte. Jetzt stand es unentschieden, aber an einem Unentschieden war er nicht interessiert. Er musste den Vorteil nutzen. Der von ihm ersonnene Spielzug war noch nicht abgeschlossen. Er musste ihn zu Ende bringen.

So schnell wie irgend möglich nahmen seine Spieler mit strahlenden Mienen wieder ihre Positionen ein. Ein weiteres Handzeichen war nicht nötig, er hatte ihnen bereits beim ersten Mal den gesamten Spielzug angezeigt. Als der Schiedsrichter ihm den Broc zuwarf, stürmten alle augenblicklich los.

Wieder bildeten sie bei ihrem Sturmlauf quer über das Spielfeld eine eng geschlossene Formation. Diesmal sprengte Jagangs Mannschaft kurz vor dem Zusammenprall auseinander, um jedem einzelnen ihrer Gegenspieler bei dem Versuch, sich aufzuteilen, den Weg abzuschneiden. Begeistert schrie die jubelnde Menge ihre Zustimmung heraus. Doch statt auseinanderzusprengen, behielt Richards Mannschaft ihre geschlossene Formation bei und griff mitten durch das Zentrum an. Die wenigen versprengten Gegenspieler, die noch nah genug waren, um ihnen den Weg zu verstellen, wurden von der ungeheuren Wucht der Spielertraube niedergemäht. Die unerheblichen Abwehrbemühungen von erst zwei, und schließlich noch einem dritten Verteidiger vermochten Richards Männer nicht einmal abzubremsen. Die gegnerische Mannschaft, der schlagartig dämmerte, was geschah, nahm die Verfolgung auf, doch es war zu spät. Richard lenkte seine Mannschaft zum rechten Tor hinüber.

In der Wurfzone angelangt, ließen sich seine Spieler zurückfallen, um einen Schutzschild zu bilden, und Richard warf den Broc. Im Schein der Fackeln beobachtete er, wie er sich in hohem Bogen durch die Nachtluft senkte und im Netz landete. Die Menge brach in Jubel aus. Das Horn erschallte und verkündete das Ende der Angriffsphase. Der Schiedsrichter in der Mittelzone gab den Spielstand bekannt: einen Treffer für die Matadoren, die Mannschaft Jagangs - und deren zwei für die Herausforderer.

Doch noch bevor der Schiedsrichter seine Bekanntgabe beendet hatte und das Stundenglas herumgedreht wurde, sah Richard ihn sich zu jemandem an der Seitenlinie herumwenden - Jagang. Mittlerweile war er in dem mit Seilen abgesperrten Bereich eingetroffen. Nicci war ebenfalls bei ihm, und Kahlan stand ein kleines Stück weiter hinten. Bei ihr war Julian.

Während alles gespannt wartete, begab sich der Schiedsrichter hinüber zur Seitenlinie, wo er dem Kaiser einen Moment lang lauschte. Dann nickte er, kehrte zur Mittelzone zurück und verkündete dort, der zweite Treffer sei nach Erklingen des Horns ins Tor gegangen und werde daher für ungültig erklärt. Der Spielstand sei daher, gab er mit laut vernehmlicher Stimme kund, nach wie vor unentschieden. Und während ein Teil des Publikums wütend aufheulte, schrie der andere seine Freude über das unerwartete Glück heraus.

Als Richards Spieler verärgerte Unmutsbekundungen zu äußern begannen, baute er sich vor ihnen auf. Das Getöse der aufgebrachten Menge war so laut, dass er befürchtete, nicht gehört zu werden, also fuhr er sich mit dem Daumen über die Kehle, um ihren Protest zu beenden.

»Ihr könnt es nicht mehr ändern!«, brüllte er ihnen zu. »Beruhigt euch. Konzentration!«

Sie stellten ihre Proteste ein, aber glücklich waren sie nicht damit. Richard ebenso wenig, doch er wusste, dass er nichts dagegen machen konnte. Schließlich war ihr Treffer auf Geheiß des Kaisers annulliert worden. Er würde seine Pläne ändern müssen.

»Wir müssen diesen Männern Einhalt gebieten«, brüllte er, während er vor seiner Mannschaft auf und ab ging. »Wenn wir das nächste Mal im Besitz des Angriffsrechts sind, spielen wir zwei-fünf.« Er zeigte ihnen die ersten beiden Finger, dann die ganze Hand. Die Spieler nickten. »Was soeben geschehen ist, lässt sich nicht verhindern, wohl aber könnt ihr verhindern, dass sie punkten. Anschließend sind wir wieder an der Reihe und holen uns zurück, was man uns mit unfairen Mitteln genommen hat. Hört auf, euch auf Geschehenes zu fixieren, und richtet eure Gedanken nach vorn, auf das, was jetzt passieren muss.«

Nickend nahmen seine Spieler Aufstellung und bereiteten sich auf den gegnerischen Ansturm vor. Ihr Zorn war noch nicht verklungen, aber zumindest waren sie bereit, ihn gegen die andere Mannschaft zu kehren. Der Angriff der Mannschaft des Kaisers wurde schlampig vorgetragen. Sie waren noch immer im Jubel über die für sie glückliche Wendung des Geschehens gefangen. Bei dem beinharten Zusammenstoß wurde ihre Angriffsspitze von einem gut eingespielten Block gestoppt. Es erfüllte Richard mit Stolz, wie seine Männer den Spieß umdrehten und ihren Zorn für sich zu nutzen wussten.

Aus dem wilden Gedränge, das nach dem Zusammenprall folgte, ging Johnrock mit dem Broc in der Hand hervor. Als seine Verfolger ihm zu nahe kamen, warf er ihn zu Bruce, der ihn wiederum zu Richard passte. Richard lief das Spielfeld entlang und schleuderte ihn zum Entzücken der Menge unter Aufbietung seiner ganzen Körperkraft von der Zwei-PunkteLinie. Der Broc senkte sich ins Tor. Der Treffer zählte natürlich nicht, doch die Menge raste, als täte er es. Der Jubelsturm brachte den Boden zum Erzittern, es war der Ausgleich für den unrechtmäßig nicht gegebenen Treffer. Es war Richards beste Möglichkeit, Jagang eine Abfuhr zu erteilen.