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Seine Anhänger im Publikum stimmten einen Sprechgesang an: »Vier zu eins! Vier zu eins!«

Offiziell stand es noch immer eins zu eins, doch nicht in den Augen derer, die ihm nun zujubelten.

Als die Angriffsspitze beim nächsten Ansturm in die Wurfzone lief und den Broc warf, stieg einer von Richards Mitspielern in die Höhe und schaffte es, den Broc gerade so weit abzulenken, dass er knapp das Tor verfehlte. Beim Erklingen des Horns lautete der Spielstand unverändert eins zu eins.

Richard hatte bei ihrem ersten Angriff fast schon die Wurfzone erreicht, als ihm jemand in die Beine sprang und sie mit schraubstockartigem Griff umklammerte. Noch im Fallen warf er den Broc in Richtung Johnrock. Der nahm ihn vom Boden auf, ehe einer der gegnerischen Spieler ihn sich schnappen konnte, erreichte die Wurfzone und warf. Am Boden liegend schaute Richard zu, wie der Broc im Netz landete und sie einen Treffer erzielten.

Johnrock, überglücklich, warf beide Hände in die Luft und hüpfte wie ein kleiner Junge auf und ab. Die Menge war begeistert. Richard konnte nicht anders, er musste lächeln, als er sich von seinem Angreifer befreite, der ihm, kurz bevor sie sich trennten, noch einen schmerzhaften Schlag ins Kreuz versetzte. Richard ging ihm nicht auf den Leim. Er war klug genug, sich nicht zu einer Prügelei provozieren zu lassen, solange der Broc nicht im Spiel war.

Als er zu Johnrock aufgeschlossen hatte und sie gemeinsam zur Startzone zurückliefen, gab er seinem Flügelstürmer einen Klaps auf die Schulter und rief ihm über den Jubel der Menge zu: »Gut gemacht, Johnrock!«

»Ich hab uns Ruhm eingebracht!«

Richard konnte nicht umhin zu lachen. »Ruhm!«, wiederholte er, und gab ihm noch einen Klaps auf den Rücken. »Vor allem aber einen zählenden Treffer!«

Während sie wieder ihre Positionen einnahmen und darauf warteten, dass der Schiedsrichter ihnen den Broc aushändigte, brüllten die Mitspieler dem strahlenden Johnrock ihre Glückwünsche zu. Der reckte die Faust gen Himmel, was ein gewaltiges gemeinschaftliches Gebrüll zur Folge hatte, dann nahm er seinen gewohnten Platz auf Richards rechter Seite ein. Bruce übernahm den linken Flügel, und schließlich bildeten die Blocker eine stark linkslastige Keilformation ein gutes Stück vor Johnrock. Dieser Spielzug sollte die Verteidiger zur linken Seite hinüberlocken, dorthin, wo ihre Verteidigung am schwächsten war. Bei ihrem Ansturm quer über das gesamte Spielfeld begannen die Spieler der kaiserlichen Mannschaft, exakt wie von ihm beabsichtigt, zu Richards linker Seite hinüberzuschwenken. Im letzten Augenblick schlugen sie jedoch einen Haken und brachen mitten durch den dichtesten Teil der Keilformation. Es war ein Zug, der weder Richard aufhalten, noch sie in Brocbesitz bringen würde. Sie hatten es auf etwas ganz anderes abgesehen. Dass es Ärger geben würde, gewahrte Richard in dem Moment, als die Angreifer der verteidigenden Mannschaft über die Blocker in den vordersten Reihen hinwegsetzten.

»Johnrock!«, kreischte Richard. »Nach rechts!«

Doch stattdessen senkte Johnrock seine mächtige Schulter und hielt genau auf das Zentrum der Attacke zu. Drei der Angreifer tauchten ab, der vierte schwang einen Arm um Johnrocks Hals. Ein fünfter kam in vollem Lauf angerannt und warf sich in seine Seite, so dass seine ganze Wucht auf das Gelenk in Johnrocks Nacken traf.

Richard fühlte sich wie in einem Traum gefangen, in dem er seine Beine nicht schnell genug bewegen konnte.

Noch während er unter Aufbietung aller Kräfte rannte, vernahm er das Knacken von Knochen.

33

Mit schwerem Herzen beobachtete Kahlan, wie Richard neben seinem gestürzten rechten Flügelstürmer auf die Knie ging. Das Horn erschallte. Die Spieler der Mannschaft Jagangs entfernten sich rasch von ihrem zusammengebrochenen Opfer und kehrten zu ihrem Spielfeldende zurück, um für die Verteidigung bereit zu sein. »Ist er tot?«, fragte Jillian. Kahlan legte der Kleinen, die sich an ihre linke Seite schmiegte, einen Arm um die Schultern. »Ich fürchte ja.«

»Warum sollten sie absichtlich so was tun?«

»So wird Ja’La eben bei der Imperialen Ordnung gespielt. Das Töten ist ein Mittel, zu bekommen, was man will.«

Kahlan konnte die Tränen in Richards Augen sehen, als seine Mitspieler sich bei ihm einhakten und ihn von dem Toten fortzerrten. Wenn er sich nicht auf der Stelle zurückbegab und weiterspielte, würde man ihn wegen Spielverzögerung vom Platz stellen. Rasch machten sich einige Helfer des Schiedsrichters ans Werk, den leblosen Körper des Hünen vom Spielfeld zu schleifen.

Kahlan hörte den ein halbes Dutzend Schritte vor ihr stehenden Jagang amüsiert in sich hineinlachen.

Nicci, die neben ihm stand, warf einen raschen Blick über ihre Schulter. Kahlan wusste nicht recht, was sie von dem feuchten Ausdruck ihrer blauen Augen halten sollte; teils schien es Trauer wegen Richard, teils unterdrückter Zorn und teils irgendwie auch eine an Kahlan gerichtete Warnung zu sein.

Seit jenem Abend, als Nicci so übel zugerichtet worden war, hatte Kahlan nicht mehr mit ihr sprechen können. Und Jagang hatte sich seit seiner Wette mit Kommandant Karg launisch und aufbrausend gezeigt. Gestern Abend, während Nicci im Schlafgemach und Kahlan im Vorraum seines Zeltes wartete, hatte er sich draußen mit einigen Spielern seiner Mannschaft getroffen. Alles hatte Kahlan nicht mitbekommen, doch es hatte geklungen, als erteile er ihnen den Befehl, dafür zu sorgen, dass ihnen die Angriffsspitze von Kargs Mannschaft keine Schwierigkeiten machen würde.

Vor lauter Sorge, Richard könnte den nächsten Morgen nicht erleben, hatte Kahlan in jener Nacht keinen Schlaf gefunden. Was immer Jagang im Schilde führte, in Bezug auf Nicci hatte es ihn in eine lüsterne Stimmung versetzt. Kahlan und Julian hatten die Anweisung erhalten, sich nicht von der Stelle auf dem Fußboden im Vorraum zu entfernen, da er mit seiner Sklavenkönigin, wie er sie nannte, allein zu sein wünschte. Kahlan hatte keine Ahnung gehabt, was er mit ihr anstellte, doch was immer es war, Nicci hatte kein einziges Mal geschrien. Bei ihm im Bett schien sie, den Blick furchtlos auf nichts Weltliches gerichtet, während er sich mit ihr vergnügte, jedes Mal vollkommen abzustumpfen. Kahlan verstand Niccis Verhalten, es war ihre einzige Möglichkeit, sich zu schützen. Sobald sie sich in sich selbst zurückzog, wurde ihre äußerlich zur Schau gestellte Gleichgültigkeit zum Schutz für ihre geistige Gesundheit. Es wäre vollkommen unsinnig, dem, was dieser Rohling ihr antat, auch nur die geringste Beachtung zu schenken. Andererseits machte ihre Gleichgültigkeit Jagang oftmals so rasend, dass er sie zum Vorwand für äußerst brutale Gewaltausbrüche nahm.

Kahlan wusste nicht, ob sie, sobald er sich mit ihr zu befassen begänne, die gleiche Kraft besitzen würde.

An jenem Morgen hatte sie noch überlegt, ob man wieder einmal die Schwestern würde rufen müssen, um Nicci zu retten oder doch wenigstens zu heilen. Doch als Jagang schließlich aus seinem Schlaf gemach hervorkam, hielt er Nicci bei den Haaren gepackt und schleuderte sie, sichtlich zufrieden mit sich selbst und ihrer Hilflosigkeit, vor sich auf den Boden. Zu Kahlans großer Erleichterung hatte sie trotz einiger Blessuren und blauer Flecken nicht ernstlich verletzt gewirkt. Draußen auf dem Spielfeld sammelte sich Richards Mannschaft und machte sich für den nächsten Spielzug bereit. Noch immer schrien Unmengen von Männern ihre Genugtuung über den Tod des Spielers heraus, während andere voller Wut die Fäuste in Richtung der kaiserlichen Mannschaft schwangen. Die Luft knisterte regelrecht vor Spannung. Als die Partie zügig wiederaufgenommen wurde, beruhigte sich die Menge allmählich wieder, zumindest halbwegs. Aber Kahlan konnte deutlich spüren, dass die Stimmung der Zu schauer umgeschlagen war. Die anfängliche Begeisterung über die Wiederaufnahme des Spiels war einer gewissen Unruhe gewichen, die beinahe schon den Anschein von Unmut hatte. Begonnen hatte es, als Jagang wegen Richards letztem Treffer interveniert und die Schiedsrichter überstimmt hatte. Und obwohl diese sich gefügt und ihn für nichtig erklärt hatten, wusste jeder, dass der Treffer regulär erzielt worden war.