»Was meinen Sie denn?« fragte Blaine.
»Ich? Ich versuche, offen zu bleiben«, sagte Farrell. »Wenn die Zeit kommt, dann werde ich hingehen und es selbst rausfinden.«
»Hm, das ist auch meine Einstellung«, sagte Blaine. »Unglücklicherweise habe ich keine Chance. Ich habe nicht das Geld, das Sie dafür verlangen.«
»Ich weiß«, sagte Farrell. »Ich habe Ihre Finanzen überprüft, bevor ich kam.«
»Aber warum sind Sie dann -«
»Jedes Jahr«, sagte Farrell, »werden ein paar kostenlose Jenseitsstipendien vergeben, einige von Philanthropen, ein paar von Firmen und Trusts, einige auf Lotteriebasis. Ich bin in der glücklichen Lage, Ihnen mitzuteilen, Mr. Blaine, daß Sie für einen dieser Zuschüsse ausgewählt worden sind.«
»Ich?«
»Ich möchte Ihnen gratulieren«, sagte Farrell. »Sie sind ein sehr großer Glückspilz.«
»Aber wer hat mir denn den Zuschuß gewährt?«
»Die Main-Farbenger Textilien Corporation.«
»Ich habe noch nie von denen gehört.«
»Nun, sie haben aber von Ihnen gehört. Das Stipendium ist eine Anerkennung für Ihre Reise hierher aus dem Jahre 1958. Nehmen Sie es an?«
Blaine starrte den Jenseitsvertreter an. Farrell schien schon echt zu sein, außerdem ließ sich seine Geschichte auch im Jenseits-Gebäude überprüfen. Blaine traute dem Geschenk nicht, das ihm da so völlig unerwartet in die Hand gedrückt wurde. Aber der Gedanke an ein sicheres Leben nach dem Tode wog jeden erdenklichen Zweifel auf, schob alle möglichen Ängste und Befürchtungen beiseite. Vorsicht war ja ganz in Ordnung, aber nicht, wenn sich einem die Tore des Jenseits öffneten.
»Was muß ich tun?«
»Einfach mich ins Jenseits-Gebäude begleiten«, sagte Farrell. »Wir können das nötige Verfahren in wenigen Stunden durchführen lassen.«
Überleben! Leben nach dem Tode!
»Also gut«, sagte Blaine. »Ich nehme das Stipendium an. Gehen wir.«
Sie verließen sofort Blaines Apartment.
XXV
Ein Helitaxi brachte sie direkt zum Jenseits-Gebäude. Farrell führte Blaine ins Empfangsbüro und händigte der Frau dort eine Fotokopie von Blaines Stipendiumsbewilligung aus. Blaine ließ seine Fingerabdrücke abnehmen und zeigte seine Jägerlizenz als Ausweis vor. Die Frau überprüfte alle Angaben auf einer Personenliste. Schließlich hatte sie sich von der Richtigkeit seiner Identifikation überzeugt und unterschrieb die Empfangspapiere.
Danach brachte Farrell Blaine in den Testraum, wünschte ihm viel Glück und verschwand.
Im Testraum übernahm eine Gruppe junger Techniker das Kommando und unterzog Blaine einer ganzen Reihe von Untersuchungen. Rechenmaschinen klapperten und spuckten yardweise Papier und ganze Fontänen Lochkarten aus. Ominöse Maschinen blubberten und quiekten ihn an, starrten mit riesigen roten Augen, zwinkerten und wurden bernsteinfarben. Automatische Schreiber kratzten über Skalenpapier. Und die ganze Zeit über fachsimpelten die Techniker sehr lebhaft miteinander.
»Interessante Beta-Reaktion. Können wir die Kurve angleichen?«
»Klaro, wir müssen lediglich seinen Schubkoeffizienten verringern.«
»Das möchte ich nicht so gern. Schwächt das Gewebe.«
»So weit braucht man es auch nicht zu schwächen. Das Trauma wird er trotzdem überstehen.«
»Vielleicht … Was ist denn mit diesem Henlinger-Faktor? Ist ja gar keiner!«
»Weil er in einem Wirtskörper ist. Wird schon kommen.«
»Letzte Woche der hat’s auch nicht geschafft. Der Typ ging doch hoch wie eine Rakete.«
»Der war doch schon von Anfang an ein bißchen labil.«
Blaine sagte: »He! Gibt es da etwa die Möglichkeit, daß die Sache doch nicht funktionieren könnte?«
Die Techniker wandten sich um, als erblickten sie ihn zum ersten Mal.
»Mann, jeder Fall ist anders«, sagte einer von ihnen.
»Man muß jeden Fall individuell berechnen.«
»Probleme, Probleme, Probleme.«
Blaine sagte: »Ich dachte, daß das Verfahren voll ausgereift wäre. Ich habe gehört, daß es unfehlbar wäre.«
»Klar, das erzählen sie den Kunden immer«, sagte einer der Techniker abfällig.
»Alles Werbequatsch.«
»Hier geht dauernd was schief. Wir müssen noch viel lernen.«
Blaine fragte: »Aber können Sie mir denn auch sagen, ob die Behandlung gewirkt hat?«
»Klar. Wenn sie gewirkt hat, dann bleiben Sie am Leben.«
»Wenn nicht, kommen Sie hier zu Fuß nicht mehr raus.«
»Normalerweise klappt es ja auch«, beruhigte ihn einer der Techniker. »Bei jedem, außer K3ern.«
»Dieser verdammte K3-Faktor legt uns immer aufs Kreuz. Nun sag schon, Jamiesen, ist er ein K3er oder nicht?«
»Bin mir nicht sicher«, sagte Jamiesen, über ein blitzendes Instrument gebeugt. »Die Testmaschine ist schon wieder im Arsch.«
Blaine fragte: »Was ist denn ein K3er?«
»Das wüßten wir auch gern«, sagte Jamiesen schlechtgelaunt. »Alles, was wir wirklich wissen, ist, daß Typen mit einem K3-Faktor den Tod nicht überleben können.«
»Unter keinen Umständen.«
»Der alte Fitzroy meint ja, daß das ein eingebauter Begrenzungsfaktor ist, den die Natur eingesetzt hat, damit die Spezies nicht außer Kontrolle gerät.«
»Aber die K3er vererben den Faktor nicht an ihre Kinder.«
»Es besteht immer noch die Möglichkeit, daß er latent bleibt und ein paar Generationen überspringt.«
»Bin ich ein K3er?« fragte Blaine und versuchte, seine Stimme vom Zittern abzuhalten.
»Wahrscheinlich nicht«, sagte Jamiesen wie beiläufig. »Ist ziemlich selten. Ich werd’s mal überprüfen.«
Blaine wartete, während die Techniker ihre Daten durchgingen und Jamiesen versuchte, an seiner defekten Maschine abzulesen, ob Blaine nun einen K3-Faktor hatte oder nicht.
Eine Weile später blickte Jamiesen hoch. »Na ja, schätze, daß er kein K3er ist. Aber wer weiß das schon wirklich? Na ja, machen wir doch einfach weiter.«
»Was kommt denn als nächstes?« fragte Blaine.
Man verabreichte ihm eine tiefe Injektion.
»Keine Bange«, sagte ein Techniker. »Wird schon schiefgehen.«
»Sind Sie sicher, daß ich kein K3er bin?« fragte Blaine. Der Techniker nickte gelangweilt. Blaine wollte noch weitere Fragen stellen, aber ein Schwindelgefühl überfiel ihn. Die Techniker hoben ihn gerade hoch und legten ihn auf einen weißen Operationstisch.
*
Als er sein Bewußtsein wiedererlangte, lag er auf einer bequemen Couch und hörte beruhigende Musik. Eine Krankenschwester reichte ihm ein Glas Sherry, und Mr. Farrell stand strahlend dabei.
»Fühlen Sie sich O.K.?« fragte Farrell. »Müßten Sie wohl. Hat ja alles wunderbar geklappt.«
»Tatsächlich?«