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Bizeps. Fazit:»Leute, die postulieren, Theta wellen im entspannten Wachzustand zu beobachten, lassen

mich an ihrer Seriosität zweifeln.«14 Für die Behauptung, dass Mind-Machines eine Steigerung der

mentalen Leistung — bis zum Superlearning — bringen, fehlt laut Bambeck und Wolters bisher jeder

wissenschaftliche Beweis. Birbaumer sieht nach Lage der Dinge überhaupt keinen Anlass mehr,»diese

Maschinen in größerem Ausmaß zu untersuchen«.

Der psychologische Effekt der Light- und Soundshow ist bis auf wenige Ausnahmefälle nur von den

Herstellern der Geräte getestet worden, deren Unseriosität sich durch die schrillen Erfolgsbekundungen

verrät. Wann immer unabhängige Prüfer auf den Busch klopften, war der Trend hingegen durchwachsen

bis niederschmetternd. Die Stiftung Warentest hat zum Beispiel einmal 10 Geräte in der Klasse zwischen

l.000 und 2.000 DM mit 20 zufällig ausgewählten Personen ins Rennen geschickt. Als Vergleich diente

die schlichte, hausgemachte Entspannung mit einer Musikkassette — also praktisch zum Nulltarif.

Vernichtendes Gesamturteiclass="underline" 5 Geräte bekamen die Note» nicht zufrieden stellend«. Sie brachten also

gerade einmal so viel Relaxation wie der kostenlose Musikgenuss. Die andere Hälfte konnte lediglich als

«mangelhaft «bewertet werden. Der teure Elektronik-Schrott blieb deutlich hinter der konventionellen

«Berieselung «zurück. 50 Prozent der Probanden klagten über überwiegend negative Erfahrungen –

Stress, Unruhe, hektische Lichteffekte. Was die Entspannung angeht, muss die Stiftung» von der

Anschaffung einer Mind-Machine für diesen Zweck eindeutig abraten«, heißt es abschließend.

«Es ist möglich, die geistige Leistungsfähigkeit durch hirnleistungssteigernde Drogen anzuheben«

Seitdem die Babyboom-Generation allmählich in die Jahre kommt, besteht ein wachsender Bedarf

nach Elixieren, die der Vergesslichkeit und anderen unvermeidlichen geistigen Abbauerscheinungen des

Alterns Paroli bieten. Aber auch viele Junge und jung Gebliebene streben eine Ankurbelung ihrer

kognitiven Kapazitäten an. Die» smart pills«, die Hirnleistung steigernden Psychodrogen, stellen

vermutlich die modernste Erhörung dieses Wunsches dar. Es handelt sich dabei um eine uneinheitliche

Gruppe von Medikamenten, die bestimmte definierte Aspekte der Gehirnaktivität in Schwung bringen:

Sie steigern zum Beispiel die Durchblutung der Großhirnrinde, die Sauerstoffversorgung des Gehirns

oder die Weiterleitung des Gedankenfunkens mit chemischen Botenstoffen.

Zu den» Klugpillen «gehören unter anderem die Substanzen Hydergin, Eldepryl, Dilantin, Nootopil,

Piracetam oder Oxicebral. Es werden aber auch manchmal die einschlägigen Energy Drinks

dazugerechnet, die, mit bestimmten Aminosäuren aufgemöbelt, an den meisten Tankstellen erhältlich

sind. In der Medizin wird statt des Begriffes smart drugs meist die neutralere Fachbezeichnung

«Nootropika«(von» noos«= Geist und» trepein«= auf etwas zu) verwendet. Von den meisten

Nootropika nehmen die Wissenschaftler an, dass sie bestimmte geistige Leistungen, wie etwa die

Aufmerksamkeit oder das Erinnerungsvermögen, steigern können, so der Psychologe Beyerstein.1

Allerdings nur bei neurologischen Patienten wie Alzheimer- oder Korsakoff-Kranken, bei denen die

betreffende Leistung durch eine Hirnverletzung Schaden genommen hat.

Dadurch lassen sich viele Neunmalkluge zu einem Trugschluss verleiten: Was Hirngeschädigten hilft,

macht Normale klüger. In diesem Denkfehler werden sie durch die großspurige Werbung im Internet und

in gewissen Werbebroschüren bestärkt, die außerordentliche Segnungen der smart pills in Aussicht

stellen. Doch diese Versprechungen sind völlig aus der Luft gegriffen, warnt der Gedächtnisforscher

Thomas Crook aus Bethesda, der ehemalige Leiter der geriatrischen Forschungsstelle der obersten

amerikanischen Gesundheitsbehörde.»Wie bei allen angeblichen Allheilmitteln gibt es keine Beweise

dafür, dass smart drugs und smart drinks funktionieren. Die Zulassungsbehörde hat darum auch kein

einziges Präparat zugelassen, um die Intelligenz oder das Gedächtnis zu verbessern.«15

Ein amerikanischer Wissenschaftler, der in mehrjähriger Arbeit alle Publikationen zu den smart drugs

durchforstete, um die hochtönenden Werbebotschaften auf die Probe zu stellen, schließt sich diesem

Urteil an:»Ich habe mir weit über 100 Studien angeschaut, manche an Tieren, manche an Patienten mit

einer Geistesschwäche und manche an Gesunden. Die meisten dieser Untersuchungen werden von den

Vertreibern der smart pills falsch zitiert. Manchmal überinterpretieren sie die Ergebnisse auch ganz

extravagant, oder sie zitieren Studien, die wegen erheblicher methodischer Mängel keinen

wissenschaftlichen Wert besitzen.«1 Das amerikanische Nachrichtenmagazin» Time «zitiert einen anderen

Geriater, der anonym bleiben möchte:»Der ganze Trubel ist nur ein Fall von Placebo-Effekt, der Amok

läuft: Die Leute wollen einfach, dass ihr Gedächtnis besser wird, und sie kriegen es. Gebt Ihnen eine

Zuckerpille, und sie werden den Unterschied nicht merken.«16

Eine Studie ging kürzlich der Frage nach, ob die Einnahme von Nootropika bei geistig Gesunden das

Hirnwellenmuster im EEG verändert. Es funktionierte: Der Konsum der smart drugs schlug sich in den

Hirnstromkurven nieder. Allerdings ging die Veränderung in eine Richtung, die für gewöhnlich als

Verringerung der Aufmerksamkeit und Wachheit gedeutet wird. Während der Nutzen der

Schlauheitspillen also zutiefst angezweifelt werden muss, liegen deutliche Hinweise auf unerwünschte

Nebenwirkungen vor: Manche rufen Schlaflosigkeit, Übelkeit und Beschwerden im Magen-Darm-

Bereich hervor, andere Kopfschmerzen oder eine laufende Nase. Alle diese Beschwerden verschwinden

zwar meist nach kurzer Zeit.»Aber wir wissen nicht, ob es keine langfristigen Nebenwirkungen gibt«,

mahnt der amerikanische Gedächtnisforscher James L. McGaugh.15» Man hat einfach noch keine

Langzeitstudien durchgeführt.«

Erwähnenswert sind auch noch die in Esoterikkreisen viel verwendeten Präparate aus Spirulina- und

Chlorella-Algen, denen eine nachgerade wundertätige Wirkung vor allem hinsichtlich der Funktion von

Gehirn- und Nervenzellen zugeschrieben wird, wie der Münchener Psychologe Colin Goldner

resümiert.17 Obgleich keinerlei Nachweis für einen solchen (oder irgendeinen anderen ernst zu

nehmenden) Effekt dieser» Nahrungsergänzungsmittel «vorliegt, wird mit Algen- oder Planktontabletten

ein großes Geschäft gemacht: 120 Stück» Bluegreen Omega «beispielsweise kosten 55 Mark.

Auch das Anfang der neunziger in der Disco-Szene weit verbreitete» Designer-Brain-Food«, mit dem

riesige Gewinne eingefahren wurden, hat auf dem Esoterikmarkt überlebt. Entwickelt schon Ende der

siebziger von den amerikanischen Alt-Hippies Durk Pearson und Sandy Shaw, die die Vitamin-/Koffein-

Pillen als Wundermittel für längeres Leben, geistige Brillanz und gesteigerte Orgasmusfähigkeit

beschrieben hatten, wurde das Brain-Food insbesondere unter Mind-Machine-Benutzern zum Renner

schlechthin. Es rege, so wurde behauptet, die Funktion der Neurotransmitter an, jener chemischen Stoffe,

die im Gehirn Botschaften von einer Zelle zur nächsten übermitteln, und steigere so Intelligenz und