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Bewusstsein um ein Vielfaches. Alles Humbug, so das Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie; die

Wirkung einer Brain-Food-Tablette, auch wenn sie mit noch so suggestiven Namen wie etwa» rise-and-

shine «oder» fast-blast «versehen sei, entspreche bestenfalls der einer Tasse Kaffee. All die

phantastischen Wahrnehmungs- und Leistungssteigerungen, von denen da die Rede sei, seien nichts als

Einbildung.

1 Beyerstein, Barry L.: Pseudoscience and the brain: Tuners and tonics for aspiring super-humans. In: Della Sala, Sergio (Hg.): Mind Myths.

Exploring popular assumptions about the mind and brain. Verlag John Wiley & Sons, Chichester et al. 1999.

2 Spitz, Herman H.: Beleaguered Pygmalion: A history of the controversy over Claims that teacher expectancy raises intelligence. In: Intelligence, Vol. 27 (1999), S. 199–234.

3 Rudioff, Sven: Die häufigsten Fragen zum IQ — oder: Was Sie schon immer über Intelligenz wissen wollten, aber nie zu fragen auf die Idee

gekommen sind, weil Sie ja schon alles darüber wissen. http: //www.at.mensa.org/iq.htm

4 Spitz, Herman H.: The raising of intelligence. A selected history of attempts to raise retarded intelligence. Lawrence Erlbaum Publishers, Hillsdale 1986.

5 Brody, Nathan: Malleability and change in intelligence. In: Helmuth Nyborg (Hg.): The scientific study of human nature: Tribute to Hans J.

Eysenck at Eighty. Pergamon Press, Oxford et al. 1997.

6 »Naturtalent Kind«. In: Geo Wissen, 1/99,»Denken Lernen Schule«.

7 Bock, Herbert: Zur Psychologie sich selbst erfüllender und sich selbst widerlegender Prophezeiungen — Eine Problemgeschichte erfüllungswirksamer Kennzeichnungen.

http: //new-york.inf-gr.htw-zittau.de/~bock/publikationen/PY-96.html

8 Kliewer, Gary: The Mozart-Effekt. In: New Scientist, 6.11.1999.

9 Carroll, Robert T.: The Mozart-Effekt, http://www.skepdic.com/mozart.html

10»Wie merk ich's mir?«, http: //facts.ch/stories/9843_wis_lernen.htm

11»Lernen wie im Schlaf«. In: Der Stern, 15.4.1999.

10 Metzig, Werner/Schuster, Martin: Lernen zu lernen. Lernstrategien wirkungsvoll einsetzen. Springer Verlag, Berlin et al. 1998.

11»Using smart drugs and drinks may not be smart«. http://familyhaven.com/health/smartdrug.html

12 Wolters, Antje / Bambeck, Joern: Brainpower. Ullstein Verlag, München 1992.

13 Persönliche Mitteilung an den Autor.

14»Elixirs for your memory«. In: Time Magazine, 13.9.1999.

15 Goldner, Collin: Psycho: Therapien zwischen Seriosität und Scharlatanerie. Pattloch Verlag, Augsburg 1997.

MYTHEN DER SEELE

Auslaufmodellvorstellungen

«Der Mensch benutzt Abwehrmechanismen wie Verdrängung oder Projektion, um

unangenehme Bewusstseinsinhalte ins Unbewusste abzuschieben«

Es ist in der modernen Welt allgemein üblich geworden, sich selbst und andere Personen mit

Begriffen zu beschreiben, die dem Vokabular und der Denkweise der Psychoanalyse entsprungen sind.

Der gesunde Menschenverstand hat den gesamten Katalog der» Abwehrmechanismen «absorbiert, die der

seelische Apparat nach den Vorstellungen von Sigmund Freud auffährt, um schmerzhafte und peinliche

Impulse vom Bewusstsein fern zu halten. Man glaubt, förmlich zuschauen zu können, wie die

Verdrängung quälende Erinnerungen in den Keller des Unbewussten verbannt. Es liegt eine ungeheure

Überzeugungskraft in der vermeintlichen Erkenntnis, dass der verklemmte Spießer, der Schwule

verabscheut, in Wirklichkeit nur seine eigene latente Homosexualität auf die unschuldigen Sündenböcke

projiziert.

Auch die freudianische Idee der psychosexuellen Entwicklungsphasen hat von unserem

Selbstverständnis Besitz ergriffen. Es liegt ein äußerst suggestiver Reiz in der Vorstellung, dass ein

gieriger und hemmungsloser Mitmensch mit seinem Verhalten lediglich seine» orale «Fixierung ausagiert.

Es ist irrsinnig plausibel, dass der zwanghafte, ordnungsliebende und unterdrückte Kleinbürger nur

notdürftig seine» analen «Anwandlungen im Zaume hält.

Der Glaube an die Existenz des Unbewussten ist bei vielen Laien und Experten längst zu einem

unanfechtbaren Dogma erstarrt. Alles, was dem Ich nicht geheuer ist, wird in diesen düsteren Hades

deponiert. Aus dieser Verbannung heraus produziert es allerlei Fehlleistungen und Symptome und richtet

erheblichen Schaden an Leib und Seele an. Zum Glück kann man das Verdrängte mit Schützenhilfe eines

Psychoanalytikers (oder per Selbstanalyse) wieder aus der Versenkung befreien. Nach dieser Theorie kann

übrigens auch niemals etwas dauerhaft verloren gehen, weil das Gedächtnis eine photographische

«Sicherungskopie «der Vergangenheit aufbewahrt. Über den gesamten Bewusstseinsstrom, über alles, was

ein Mensch je erlebt und gesehen hat, wird demnach in einer geheimen Archivierungsstelle Buch geführt.

Ein renommierter amerikanischer Psychoanalytiker hat diese Vorstellung kürzlich mit großem

Vertrauen in ihrer radikalsten Auslegung formuliert:»Das Unbewusste speichert alles, was wir jemals

erfahren, und zwar in seiner ursprünglichen Form. Jeden Gedanken, jedes Gefühl, jeden Klang Musik,

jedes Wort, jeden Geschmack und jeden Anblick. Alles wird irgendwo im Geist originalgetreu

aufgezeichnet. Das unbewusste Gedächtnis ist vollkommen und unfehlbar.«1 Doch nach Ansicht der

beiden amerikanischen Psychologie-Professoren Robert F. Bornstein und Joseph M. Masling spiegelt

diese Äußerung lediglich eine unfassbare Ahnungslosigkeit wider.»Eine derartige Passage kann nur von

jemand geschrieben werden, der in den letzten 40 Jahren praktisch jede veröffentlichte Studie über den

menschlichen Geist, die Wahrnehmung und das Gedächtnis außer Acht gelassen hat. Eine derartige

Passage wäre völlig lächerlich, mit einer Ausnahme: Sie unterscheidet sich kaum von den Ansichten

vieler Psychotherapeuten, die sich entschieden haben, empirische Ergebnisse wie Luft zu behandeln.«

«Es gibt einen Mechanismus der Verdrängung, der dazu dient, unangenehme Bewusstseinsinhalte

abzublocken«

Mit keinem anderen Begriff hat Sigmund Freud sich so in die Umgangssprache eingebrannt, wie mit

dem der Verdrängung. Die Verdrängung erscheint dem heutigen Menschen nicht mehr wie ein

theoretisches Konstrukt, sondern als ein real existierender Prozess, dem man mit geschultem Auge quasi

unmittelbar bei der Arbeit zusehen kann. Verdrängung als Abwehrmechanismus ist nicht irgendein Teil

von Freuds Psychoanalyse, es ist ein zentraler und unentbehrlicher Teil dieser Methode. Allerdings muss

festgestellt werden, dass die Bedeutung, die Freud und viele andere nach ihm diesem Begriff gegeben