Выбрать главу

Besonders die Verfechter der Transzendentalen Meditation weisen nachdrücklich darauf hin, dass der

Erfolg der Meditation vom Besitz eines individuellen, maßgeschneiderten» Mantras «abhängt. Das

Mantra ist ein geheim zu haltendes Klangwort, das der TM-Kandidat in einer feierlichen Zeremonie, der

«Puja«, überreicht bekommt. Die Übergabe wird mit Weihrauch, Blumen, frischen Früchten, Kerzenlicht

und einem Bildnis des Meisters zelebriert. Dem Kandidaten wird dringend nahe gelegt, das Geheimnis

seines Mantras niemals zu lüften: Durch einen solchen Treuebruch werde die heilsbringende Kraft der

gesamten Bewegung unterminiert. Zudem wird die Illusion kultiviert, dass die Auswahl des Mantras auf

einer seit 5.000 Jahren unveränderten Geheimlehre basiert. Doch nach dem Inhalt bekannt gewordener

Gerichtsakten hat die TM-Bewegung ihre Kriterien für die Wahl eines Mantras in den letzten 30 Jahren

immer wieder neu bestimmt. Im Endergebnis ist es in den meisten Fällen schlicht der Name eines

Hindugottes.

Doch nach den Erkenntnissen der empirischen Forschung ist der Name des Mantras ohnehin nur

Schall und Rauch. Wie der Hirnforscher Delmonte in seinem Literaturreferat dokumentiert, ist es völlig

gleichgültig, auf welche geistige Zielscheibe der Meditierende seine Aufmerksamkeit richtet. Die Tiefe

der Entspannung bleibt in allen Fällen gleich. Wenn Sie also wieder einmal zünftig in die Versenkung

abtauchen wollen, können Sie auch gleich Schäfchen zählen. Am besten die, die der Guru ins Trockene

gebracht hat.

1 Holmes, David S.: Meditation and somatic arousal reduction. In: American Psychologist, Bd. 39 (1984)/S. 1-10.

2 Shapiro, D. H.: Clinical and physiological comparison of meditation with other self-control strategies. In: American Journal of Psychiatry, Bd. 139

(1982), S. 267–274.

3 Bourne, Lyle E./Ekstrand, Bruce R.: Einführung in die Psychologie. Verlag Dietmar Klotz, Frankfurt 1992.

4 Murray, L. B.: What is meditation? Does it help?. In: Genetic Psychology Monograph, Bd. 106 (1982), S. 85-115.

5 Beyerstein, Barry L.: Pseudoscience and the brain: Tuners and tonics for aspiring super-humans. In: Della Sala, Sergio (Hg.): Mind myths.

Exploring popular assumptions about the mind and brain. Willey Verlag, Chichester et al. 1999.

6 http://skepdic.com

7 http://home.t-online.de/home/AGPF.Bonn/mahakonz.htm

8 Delmonte, M. M.: Electrocortical activity and related phenomena associated with meditation practice. In: International Journal of Neuroscience, Bd. 24 (1984), S. 217–231.

Kellerspektakel

«Unter Hypnose können Menschen außerordentliche Dinge tun«

«Schauen Sie mir in die Augen! Sie werden jetzt sehr, sehr müde werden!«Mit diesen — geradezu

rituellen — Worten wurde die hypnotische Suggestion bereits in unzähligen Filmen und Büchern

eingeführt. Drehbuchautoren und Romanciers haben sie Polizeipsychiatern, dem Grafen Dracula und

allen erdenklichen Figuren der populären Mythologie in den Mund gelegt. Jedes Kind weiß heute, dass

der Adressat dieser einlullenden Worte binnen kurzem in eine tiefe Entrückung verfällt, die ihm Zugang

zu verdrängten Erinnerungen oder außergewöhnlichen geistigen Leistungen gewährt.

Während ihr lange Zeit das Odium einer anrüchigen Jahrmarktsattraktion anhaftete, hat die Hypnose

in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Renaissance erlebt. In Zahnarztpraxen und bei

Psychotherapeuten wird neuerdings munter» mesmerisiert«, um Schmerzen zu lindern, unliebsame

Verhaltensweisen abzubauen oder verborgene Seiten der Persönlichkeit ans Licht zu bringen.

Akademische Berufsvereinigungen und» aufklärerische «Journalisten legen sich mächtig ins Zeug, um

das teilweise lädierte Image der Entrückungstechnik aufzupolieren. Selbst das renommierte

Wissenschaftsjournal» Bild der Wissenschaft «räumte dem Thema 1999 eine ausgedehnte, mehrteilige

Titelstory ein, die ausschließlich den vermeintlichen Segnungen des Verfahrens gewidmet war.'

Doch während viele Praktiker enthusiastisch die vergessenen Vorzüge der Hypnose wieder entdecken,

fechten empirisch arbeitende Psychologen immer radikaler den Realitätsgehalt des Entrückungszustandes

an. Der Liverpooler Psychologe Graham Wagstaff zum Beispiel stellt in Abrede, dass» Hypnotisierte«

überhaupt in irgendeiner Form geistig» weggetreten «sind: Sie befinden sich demnach in Wirklichkeit in

einem glasklaren Wachzustand und legen lediglich ein theatralisches Rollenspiel auf die Bühne, das ihren

vorgefertigten Erwartungen an das Szenario entspricht.2»Wenn man Probanden an einen Lügendetektor

anschließt und ihr Verhalten unter Hypnose filmt, werden die meisten später zugeben, dass alles nur ein

Bluff war«, behauptet Wagstaff.»Hypnose ist nur ein Rollenspiel, das von Patient und Therapeut

aufgeführt wird«, konstatieren die beiden holländischen Psychologie-Professoren Hans F. M. Crombag

und Harald L.G. Merckelbach lakonisch.3 Und auch der amerikanische Psychologe Nicholas Spanos,

einer der größten Kenner der Suggestivmethode, schließt sich dem vernichtenden Urteil an:»Die

Hypnose ist kein veränderter Bewusstseinszustand, sondern nur ein soziales Artefakt.«4

«Es existiert eine spezielle hypnotische Trance, die sich auch physiologisch von anderen Zuständen

unterscheidet«

Eine hypnotische Sitzung läuft standardmäßig in zwei abgrenzbaren Teilen ab. Bei der» Induktion«,

die der landläufigen Vorstellung vom Hypnotisiertwerden entspricht, wird dem» Medium «zunächst ein

Gefühl von Müdigkeit, Schwere und Gelöstheit eingetrichtert. In der hypnotischen Trance folgen dann die

einschlägigen» Suggestionen«: Die entrückte Person wird zum Beispiel aufgefordert, bestimmte

Bewegungen auszuführen, bestimmte Schmerzen nicht wahrzunehmen, sich an bestimmte Dinge zu

erinnern oder aber im Gegenteil bestimmte Dinge aus dem Gedächtnis zu verbannen.

Aus der Sicht ihrer Anhänger ist die Trance ein eigenständiger, veränderter Bewusstseinszustand, der

sich durch einzigartige physiologische Merkmale auszeichnet und bei den Entrückten unterbewusste

Fähigkeiten und mentale Kräfte freisetzt. Nach einer naiven Vorstellung, die immer noch in den Köpfen

vieler Menschen herumspukt, verwandelt sich der Entrückte dann in einen willenlosen Roboter, der auch

noch den skurrilsten oder urmoralischsten Weisungen des Hypnotiseurs gehorcht. Selbst orthodoxe

Insider räumen heute ein, dass man einem Menschen unter Hypnose keine persönlichkeitsfremden

Suggestionen aufoktroyieren kann, konstatiert der Psychologe Wagstaff.

Zwar schienen einige frühere Experimente zu beweisen, dass Hypnotisierte sich im Bann der

entsprechenden Suggestion zu einem Verhalten hinreißen lassen, das ihrer Persönlichkeit zuwiderläuft.

Diese» Medien «nahmen zum Beispiel auf Kommando eine gefährlich aussehende Schlange in die Hand,

schütteten dem Hypnotiseur eine Flüssigkeit aus einem Glas ins Gesicht, das angeblich Säure enthielt,