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Es war ein heißer Juliabend, aber Ashton trug all das, was die Mode einer eleganten Frau vorschrieb, angefangen von vier Stahlreifen, von vertikalen Bändern zusammengehalten, die ihre Unterröcke aufbauschten, bis zu dem feinsten Seidenkleid darüber. Modische Damen trugen viel Schmuck, aber das Einkommen ihres Mannes beschränkte sie auf ein Paar schwarze Onyxtränen, die an winzigen Golddrähten von ihren Ohrläppchen baumelten. Sie wollte durch Schlichtheit und ihr eigenes blendendes Aussehen die Blicke auf sich ziehen.

»Jetzt paß auf, Darling«, sagte sie, als sie die Halle auf der Suche nach Salon 83 durchquerten. »Laß mir die Möglichkeit, heute abend alleine herumzuschlendern. Mach du es ebenso. Je mehr Leute wir kennenlernen, desto besser – und das sind doppelt so viele, wenn du mir nicht ständig am Rockzipfel hängst.«

»Oh, das werde ich nicht«, sagte Huntoon mit jener Selbstgerechtigkeit, die ihn Freundschaften kostete und seiner Karriere schadete. James war sechs Jahre älter als seine Frau, ein blasser, starrsinniger Mann mit Bauch. »Hier – diesen Flur entlang. Ich wünschte, du würdest mich nicht wie einen dummen Jungen behandeln.«

Ihr Herz raste beim Anblick der offenen Türen von Salon 83, wo Präsident Davis regelmäßig diese Empfänge abhielt; er besaß noch keine offizielle Residenz. Ashton erhaschte einen Blick auf Frauen in langen Abendkleidern, die mit Gentlemen in Uniformen oder eleganten Anzügen plauderten. Sie legte ihr schönstes Lächeln auf und flüsterte: »Benimm dich wie ein Mann, und ich werd’ dich nicht wie einen dummen Jungen behandeln. Ich bring’ dich um, wenn du jetzt eine Szene anfängst – Mrs. Johnston!«

Die Frau, die vor ihnen gerade den Salon betreten wollte, wandte sich mit höflichem, aber verwirrten Gesichtsausdruck um. »Ja?«

»Ashton Huntoon – darf ich Ihnen meinen Gatten vorstellen, James? James, dies ist die Gattin unseres berühmten Generals, der die Alexandria-Front kommandiert. James ist im Finanzministerium tätig, Mrs. Johnston.«

»Eine äußerst wichtige Position. Erfreut, Sie beide kennenzulernen.« Und damit begab sie sich in den Salon.

»Ich glaube nicht, daß sie sich an dich erinnert«, flüsterte Huntoon.

»Warum sollte sie? Wir haben uns nie getroffen.«

»Mein Gott, bist du verwegen.« Sein Keckem war sowohl bewundernd als auch mißbilligend.

Süßlich sagte sie: »Deine Trägheit erfordert es, Liebling – oh, Herr im Himmel, schau. Sie sind beide hier – Johnston und Bory.« Und auf einer Woge freudiger Überraschung schwebte Ashton in die Menge, nickte, murmelte Begrüßungsworte, lächelte Leuten zu, ganz gleich, ob sie ihr bekannt waren oder nicht. Auf der anderen Seite des überfüllten Raumes erspähte sie Präsident Davis und Varina Davis. Aber sie waren zu dicht umlagert.

Memminger begrüßte die Huntoons. Er brachte Ashton Champagnerpunsch und stellte sie dann, auf ihre Bitte hin, dem Offizier vor, den jeder kennenlernen wollte – einem drahtigen kleinen Kerl mit gelblicher Haut, melancholischen Augen und unverkennbar gallischen Zügen. Brigadegeneral Beauregard beugte sich über ihre behandschuhte Hand und küßte sie.

»Ihr Gatte hat einen Schatz entdeckt, Madam. Vom êtes plus belle que lejour! Ich fühle mich geehrt.«

Ihr Blick wies die Schmeichelei zurück und erkannte sie gleichzeitig als wahr an; zumindest in Koketterie kannten sich die Frauen aus Carolina aus. »Die Ehre liegt ganz auf meiner Seite, General. Unserem neuen Napoleon vorgestellt zu werden, dem Mann, der den ersten Schlag der Konföderation führen wird – für mich wird das der Höhepunkt des Abends sein.«

Geschmeichelt erwiderte er: »Près de vom, j’aipassé les moments les plus exquis de ma vie.« Mit einer Verbeugung entwischte der Kreolen-General; viele weitere Bewunderer warteten.

Inzwischen überflog Huntoon mit ängstlichen Blicken die Menge. Er fürchtete, jemand könnte Ashtons Worte gehört haben. War sie so dumm, daß sie nicht wußte, daß der Höhepunkt des Abends eine Vorstellung bei Präsident und Mrs. Davis zu sein hatte? James Huntoon verbrachte einen Großteil seines Lebens damit, sich über solche Kleinigkeiten zu entsetzen.

Huntoons Studie der Menge rief bald ein neues Gefühl hervor – Ärger. »Nichts als West-Point-Gockel und Ausländer. Oh, oh, dieser kleine Jude hat uns entdeckt. Hier lang, Ashton.«

Er nahm sie am Ellbogen. Sie riß sich los und schickte ihn dann mit einem funkelnden Blick und einer Kopfbewegung in die Menge. Dann begrüßte sie den kleinen, rundlichen Mann, der sich ihr näherte, mit aufrichtigem Lächeln und ausgestreckter Hand.

»Mrs. Huntoon, nicht wahr? Judah Benjamin. Ich habe Sie einige Male im Finanzministerium gesehen. Ich glaube, Ihr Mann arbeitet dort.«

»Das tut er, Mr. Benjamin. Allerdings kann ich kaum glauben, daß Sie mich bemerkt haben.«

»Es ist keine Treulosigkeit meiner Frau gegenüber, die momentan in Paris weilt, wenn ich sage, daß der Mann, der Sie nicht bemerkt hat, ein Mann ist, der Sie noch nie gesehen hat.«

»Wie nett Sie das gesagt haben. Aber ich habe schon gehört, der Justizminister ist berühmt für sowas.«

Benjamin lachte, und sie stellte fest, daß er ihr sympathisch war –teilweise deswegen, weil James ihn nicht leiden konnte. Eine gewisse Opposition gegen den Präsidenten und seine Amtsführung hatte sich bereits formiert; Davis wurde vor allem deswegen angegriffen, weil er angeblich Ausländer und Juden in seiner Administration bevorzugte. Der Justizminister, der über ein nicht existierendes Gerichtssystem herrschte, war beides. Als Rechtsanwalt war er problemlos vom Senat der Vereinigten Staaten, wo er Louisiana repräsentierte, zur Konföderation übergewechselt. Seine Kritiker bezeichneten ihn als billigen und opportunistischen Politiker – unter anderem.

Benjamin geleitete sie zum Büfett und legte kleine Leckerbissen auf einen Teller, den er ihr reichte. Sie sah, daß James, im Begriff sich zum Präsidenten vorzukämpfen, ihr einen wütenden Blick zuwarf. Ganz reizend.

»Sie und Ihr Mann müssen mich einmal besuchen«, bemerkte Benjamin. »Werden Sie kommen?«

»Selbstverständlich«, log sie; James würde bestimmt nicht kommen.

Er bat sie um ihre Adresse, die sie ihm widerstrebend gab. Es war klar, daß er den Hotelbezirk erkannte, aber das schien seiner Freundlichkeit keinen Abbruch zu tun. Er versprach, bald eine Einladungskarte zu schicken, und machte sich dann auf, den General und Mrs. Johnston zu begrüßen. Sie standen ganz allein, was ihnen ebenso mißfiel wie die Menge, die sich um Old Bory drängte.

Ashton wollte Benjamin folgen, hielt aber inne, als sie Mrs. Davis auf den Justizminister und die Johnstons zugehen sah. Sie besaß nicht den Nerv, sich einer so ehrfurchtgebietenden Gruppe anzuschließen; noch nicht.

Sie studierte die First Lady. Varina, die zweite Gattin des Präsidenten, war eine gutaussehende Frau Mitte dreißig, die gerade ein weiteres Kind erwartete. Es hieß, sie sei ein Mensch ohne Arg, offen und ehrlich; über öffentliche Fragen äußerte sie ohne zu zögern ihre Meinung, was keineswegs traditionelles Benehmen für eine Südstaatenfrau war.

Ashton schob sich an drei Offizieren vorbei, die einen vierten begrüßten, einen lebhaft aussehenden Burschen mit herrlichem Schnurrbart und Lockenkopf; seine Pomade roch fast so stark wie ihr Parfüm. »Kalifornien ist ein ganzes Stück von hier entfernt, Colonel Pickett«, sagte einer der anderen zu ihm. »Wir sind froh, daß Sie die Reise sicher hinter sich gebracht haben. Willkommen in Richmond, auf der Seite der Gerechten.«

Der so angesprochene Offizier bemerkte Ashton und schenkte ihr ein ga lantes, leicht flirtendes Lächeln. Dann runzelte er die Stirn, als versuchte er sie einzuordnen. Einer von Orrys Klassenkameraden hatte Pickett geheißen. Könnte das der Mann sein? Hatte er vielleicht eine gewisse Ähnlichkeit entdeckt? Schnell ging sie weiter; sie verspürte nicht die geringste Lust, über einen Bruder zu sprechen, der sie aus ihrem Elternhaus verbannt hatte.