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»Nicht ganz. Mr. Pennyford«, sagte Isabel vom Fenster her. mit einem Lächeln, das ihn an seinen Platz verweisen sollte. »Was den Wohlstand zurück nach Massachusetts und zur Schuhindustrie bringen wird, das sind ein langer Krieg und Kontrakte, die von Männern mit guten Beziehungen erreichbar sind, wie sie mein Gatte hat.«

Pennyfords Backen färbten sich dunkel wie reife Äpfel. Alarmiert sagte Stanley: »Mr. Pennyford versuchte lediglich, hilfreich zu sein, Isabel. Sie werden bleiben, nicht wahr, Dick? Und die Fabrik so weiterführen wie vor der Schließung?«

Pennyford schwieg eine ganze Weile. »Ich mache diese Art von Arbeit nicht gern, Mr. Hazard. Aber, offen gesagt, ich muß neun Kinder füttern, und in Lynn gibt es viele geschlossene Fabriken und wenige Jobs. Ich werde bleiben – unter einer Bedingung. Sie müssen mir erlauben, die Dinge so zu machen, wie ich es für richtig halte, ohne Einmischung, solange ich nur das vereinbarte Produkt in der vereinbarten Menge zum vereinbarten Zeitpunkt liefere.«

Stanley schlug auf den Schreibtisch. »Abgemacht!«

»Ich denke, der ganze Platz hier ist für ungefähr zweihunderttausend zu haben«, fügte Pennyford hinzu. »Lashbrooks Witwe braucht verzweifelt Bargeld.«

»Wir werden die Repräsentanten dieses Besitzes sofort aufsuchen.«

Praktisch ohne jedes Gefeilsche wurde der Kauf gegen Mittag des nächsten Tages abgeschlossen. Mit einem euphorischen Gefühl half Stanley Isabel in den Zug Richtung Süden. Während er in dem überhitzten Speisewagen Schinken mit Ei genoß – Isabel beschimpfte ihn stets wegen seines plebejischen Eßgeschmacks –, konnte er seine Begeisterung nicht länger für sich behalten.

»In diesem Dick Pennyford haben wir einen Schatz gefunden. Wie wär’s wenn wir nun einige dieser neuen Maschinen kaufen würden, von denen er gesprochen hat?«

»Wir sollten das sorgfältig abwägen.« Was bedeutete, daß sie das Wägen übernehmen würde. »Wir brauchen uns keine Sorgen darüber zu machen, daß unsere Schuhe haltbar sind, wir müssen lediglich genügend liefern, um Geld zu machen. Wenn die neuen Maschinen die Produktion beschleunigen – nun ja, dann vielleicht.«

»Wir werden Geld machen«, rief Stanley, gerade als der Zug schwankend um eine Kurve fuhr. Der Sommersturm ließ den Regen gegen die Scheibe neben ihrem Tisch klatschen. »Ich bin da sehr zuversichtlich.« Er schaufelte Eier in den Mund und kaute heftig. Isabel blieb nachdenklich. Sie ließ ihren gekochten Fisch unberührt und saß da, die behandschuhten Hände unter dem Kinn, die Augen auf die vorbeiziehende, trostlose Landschaft gerichtet. »Wir dürfen nicht zu beschränkt planen, Stanley.«

»Wie meinst du das?«

»Bevor wir Washington verließen, habe ich faszinierende Gerüchte gehört. Gewisse Industrielle suchen angeblich nach Möglichkeiten, im Falle eines langen Krieges mit der Konföderation Handel zu treiben.«

Stanleys Gabel klirrte auf den Teller. Sein Unterkiefer fiel herunter. »Du willst doch nicht andeuten – «

»Stell dir ein Arrangement vor«, fuhr sie mit leiser Stimme fort, »wo privat Militärschuhe gegen Baumwolle getauscht werden. Wie viele Schuhfabriken gibt es da unten im Süden? Sehr wenige oder gar keine, möchte ich wetten. Stell dir den Bedarf vor – und den Preis, den du hier oben beim Wiederverkauf für einen Ballen Baumwolle bekommen kannst. Denk an den gewaltigen Profit.«

Der Tisch drückte in Stanleys Bauch, als er sich vorbeugte und flüsterte: »Aber es wäre auch gefährlich, Isabel. Schlimmer als das, es wäre Verrat.«

»Es könnte auch eine Möglichkeit darstellen, nicht nur einen Profit, sondern ein Vermögen zu machen.« Sie tätschelte seine Hand wie eine Mutter dem etwas zurückgebliebenen Kind. »Tu es aber nicht vollkommen aus deinen Überlegungen streichen, mein Liebling.«

Das tat er nicht.

»Und iß deine Eier auf, bevor sie kalt werden.«

Das tat er.

22

Schwache Geräusche. Weit entfernt, dachte er in den ersten Sekunden, als er in die Dunkelheit hinein erwachte. Von der anderen Seite des Zeltes ertönte einer von Ambroses typischen Schnarchlauten.

Charles lag auf der rechten Seite. Seine Leinenunterwäsche war schweißgetränkt. Gerade als er Ambrose anstoßen und zum Schweigen bringen wollte, löste sich das Geräusch in identifizierbare Einzeltöne auf: Nachtinsekten und noch etwas anderes. Charles hielt den Atem an und rührte sich nicht.

Auch vom Feldbett aus konnte er den Zelteingang sehen. Offen. Ganz kurz tauchte eine Silhouette im Schein einer Wachlaterne auf. Er hörte den Eindringling atmen.

Er ist hinter dem Säbel her.

Dieser lag, in Wachstuch eingewickelt, oben auf dem kleinen Koffer am Fuße seines Bettes. Hätte einen sicheren Platz suchen sollen. Er unterdrückte das aufsteigende Furchtgefühl. Aus seiner Position war es schwer, plötzlich hochzuschnellen, aber es versuchte es. Als er auf die Füße kam, brüllte er los, in der Hoffnung, den Dieb zu verwirren und zu erschrecken.

Statt dessen weckte er Ambrose, der einen wilden Schrei ausstieß, als Charles sich auf den Schatten des Mannes stürzte, der gerade nach dem Säbel griff. »Gib her, verdammt noch mal.«

Der Dieb rammte Charles einen Ellbogen ins Gesicht. Blut spritzte aus seinem linken Nasenflügel. Er taumelte zurück, und der Dieb tauchte in der Straße der ordentlich aufgebauten Zelte unter, rannte dann nach links, weg von dem Zaunpfosten, wo die Laterne leuchtete; Charles, blutend und fluchend, hinter ihm her.

Ein bißchen was konnte er von dem Dieb erkennen. Er war schwer und trug weiße Gamaschen. Einer von Bob Wheats Tigern, bei Gott. Serbakovskys Warnung kam ihm in den Sinn. An dem Abend war er zu guter Stimmung gewesen, um die Warnung ernst zu nehmen.

Seine Arme und Beine pumpten. Blut lief über seine Oberlippe. Steine und Bodenunebenheiten schnitten schmerzhaft in seine nackten Füße, aber er kam näher. Der Dieb drehte sich um, sein Gesicht ein runder, verwaschener Fleck. Charles hörte Ambrose brüllen, gerade als er sich vorwarf und den Dieb an der Taille erwischte.

Der Mann fluchte; beide fielen sie zu Boden. Charles landete auf den Kniekehlen des Mannes. Der Dieb ließ den Säbel fallen, trat wild um sich und kämpfte sich unter Charles hervor. Ein Gamaschenstiefel stieß Charles’ Kopf zurück. Der Tiger sprang auf.

Benommen packte Charles das linke Bein des Mannes und zog ihn wieder zu Boden – zusammen mit dem gewaltigen Bowiemesser, das der Mann aus der Gürtelscheide gerissen hatte. Charles warf den Kopf zur Seite, um dem Stich zu entgehen, der ihm die ganze Backe aufgerissen hätte.

Der Tiger stieß Charles zurück. Mit dem Schädel knallte er gegen einen Stein. »Wachunteroffizier! Wachunteroffizier!« bellte Ambrose. Charles konnte längst tot sein, bis Hilfe kam; er hatte einen Blick auf den Dieb werfen können, also wäre es für den Mann sicherer, ihn als Leiche zurückzulassen.

Zwei Knie bohrten sich in Charles’ Brust. Der Dieb hatte ein rundes Gesicht, Knollennase, Schnurrbart. Er stank nach Zwiebeln und Dreck. »Verfluchter Carolina-Stutzer«, grunzte er, das Bowiemesser mit beiden Händen umklammernd; langsam wurde die Spitze nach unten gedrückt, auf Charles’ Kehle zu.

Verzweifelt stemmte sich Charles dagegen. Gott, war der Bastard stark! Er schob ein Knie in Charles’ Leistengegend und verlagerte sein Gewicht. Von Schweiß und Schmerz geblendet, merkte Charles kaum, daß die Klinge sich seinem Kinn bis auf wenige Zentimeter genähert hatte.

Fünf Zentimeter. Zwei –